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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1908-06-05 · 23 (5.6.1908) · page 9

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
25 (1908)
Issue
23 (5.6.1908)
Date
1908-06-05
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 23 Dr. Llocv s MocvenscdrM. Seite 421 Die Tapferkeitsmedaille für einen marokkanischen Juden. Wie das „Journal Offizial" von Paris meldet, hat der Präsident der französischen Republik Herrn Levi Teboul, Kassier der Staatsbank von Marokko in Casablanca, für seine während der Unruhen in Casablanca bekundete Tapferkeit die Ehrenmedaille verliehen. Baron Rothschild Bürgermeister. Die letzten französischen Kommunalwahlen schlossen fast überall mit einem Sieg der Liberalen. In vielen Gemeinden wurden Juden zu Bürgermeistern oder Gemeinderäten gewählt. So wurde in der in nächster Nähe von Paris gelegenen Gemeinde Ferneres Baron Eduard de Rothschild zum Maire gewählt. Die Familie Rothschild besitzt in Ferneres ein prachtvolles Schloß, das durch die in demselben stattgefundene Zusammenkunft zwischen Bismarck und Jules Favre zu einer historischen Berühmtheit geworden. Ein Jude Gewinner eines großen Athletenpreises. Die Matrosen der amerikanischen Flotte veranstalteten vor einigen Tagen in Los Angelos eine Preiskonkurrenz in athletischen Sportübungen. Nahezu tausend Matrosen hatten an der mehrere Tage währenden Konkurrenz teilgenommen. Als erster Sieger ging der jüdische Matrose Philipp Schloßberg hervor, der auch den ersten Preis davontrug. Schloßberg ist erst vor zwei Jahren aus Rußland nach Amerika eingewandert und bald darauf in die amerikanische Marine eingetreten. Mafsenausweisungen aus Rumänien. Jassy, 31. Mai. Noch leiden Hunderte von jüdischen Familien an den Nachwehen der Maßregeln, welche infolge der vorjährigen Agrarunruhen gegen die auf dem flachen Lande wohnenden Juden ergriffen wurden. Man hatte die Auflehnung der unter schwerem Drucke seufzenden Bauern gegen die Großgrundbesitzer, die Bojaren, auf den antisemitischen Draht geleitet. Und die jüdischen Pächter, deren Bedienstete und Tausende armer Juden, die aus dem Lande in den Dörfern ihr kümmerliches Dasein fristeten, wurden mißhandelt, ihrer Habe beraubt, von Haus und Hof vertrieben. Man nennt dies in rumänischem Jargon: „Fremdengesetzgebung." Man kennt ja den Tric, die Jnterpretationskunst, die an dem Berliner Vertrage geübt wird, welcher die Gleichberechtigung aller Einheimischen ohne Unterschied des religiösen Bekenntnisses sanktionierte. Die 200.000 einheimischen Juden! Ja, die Gut- und Blutsteuern haben sie zu tragen. Insoweit sind sie Einheimische. Aber bezüglich ihrer Rechte, in ihrer bürgerlichen Existenz, ihrer Erwerbstätigkeit, der Aufenthaltsberechtigung rc. rc. sind sie „Fremde" und als „Fremde" allen gesetzlichen Beschränkungen und ungesetzlichen willkürlichen Quälereien der Verwaltungsorgane preisgegeben. So hat vor kurzem der Präfekt von Jassy an die Bürgermeister seines Distriktes ein Rundschreiben gerichtet, in welchem er diese anweist, „die wider jene „Fremden" erlassenen Beschlüsse zur Vertreibung aus der Gemeinde sofort zum Vollzüge zu bringen"; er, der Präfekt, habe nämlich in Erfahrung gebracht, daß „durch eine unverzeihliche Gleichgültigkeit" in der und jener Gemeinde „mehrere Fremde" geduldet werden. Das ist aus dem Lande. Und nun sollen die Juden, die in den Städten wohnen oder dort hineingetrieben wurden, auch 6n masse aus kleinen Städten ausgetrieben werden. Nachrichten aus Jassy, Falcin Bakau lassen keinen Zweifel, daß von regierungswegen solche Austreibungen inszeniert werden. „Wir Bürgermeister der Kommune ... (so lauten die uns vorliegenden Dekrete) richten infolge der Ordre des Präsekten unseres Distriktes an £ und seine Familie die Aufforderung, die Kommune zu verlassen, da er nicht unter den Artikel 5 des Gesetzes über die Organisation der Landgemeinden gehört, und wir geben ihm bekannt, daß, wenn er sich dieser Aufforderung nicht fügt, wir Polizeigewalt anwenden werden. . ." Mit derartig formulierten Ausweisungsdekreten sollen nunmehr hunderte jüdischer Familien, das sind, tausende Personen, die in kleinen Städten wohnen, an die Luft gesetzt werden. Ein oppositionelles Blatt „Opinia" in Jassy brachte vor 14 Tagen einen Artikel gegen diese Ausweisungsmaßregeln der Präfektur vom politischen Gesichtspunkte. Das Blatt hebt hervor, daß derartige in die wirtschaftlichen Verhältnisse tief eingreifende Verordnungen mindestens erst vom Parlamente genehmigt werden müßten. Es wäre an der Zeit, daß das „europäische Gewissen", wenn so etwas überhaupt noch existiert, sich rege, um die rumänischen Machthaber vor derartigen Brutalitäten zu warnen und ihnen nahezulegen, daß es doch nicht angehe, in Europa, in einem mit den mittel- und westeuropäischen Staaten durch seine wirtschaftlichen Interessen enge verbundenen Balkanstaate eine ganze Bevölkerungsklasse außerhalb der Gesetze zu stellen und einen völkerrechtlichen Vertrag, auf welchem die Unabhängigkeit und Selbständigkeit des eigenen Landes beruht, mit Füßen zu treten. Korrespondenzen. Die sanitäre« Uebelstände im Tempel in der Seirenstettengasse. Hochgeehrter Herr Redakteur! Seit mehreren Jahren, zur Zeit, wenn die hohen Feiertage sich nähern, erlaube ich mir durch Ihre Zeitung die Aufmerksamkeit auf die überaus schlechten sanitären Verhältnisse im Tempel in der Seitenstettengaffe zu lenken. Bisher war alle Mahnung vergebens. Es ist bei uns leider so, daß, wer nicht durch die Macht der Majorität seinen Willen durchsetzen kann, sondern in der Minorität ist, dessen Bitten, und wären sie noch so gerechtfertigt, nicht gehört werden. Wer das Tempelgebäude betritt, bekommt den Eindruck, als hätte der Erbauer auf die Fenster vergessen und im letzten Augenblick, als er im Finstern saß, die Idee bekommen, in der Decke ein Loch zu schneiden, damit man wenigstens weiß, ob draußen Tag oder Nacht ist. Türen und Tore scheint der geniale Meister der Baukunst als Luxus und mithin für überflüffig gehalten zu haben. Als Milderungsgrund muß allerdings dem Erbauer zugebilligt werden, daß man vor ca. 80 Jahren das Wort „Hygiene" kaum dem Namen kannte. Heute wäre es aber Pflicht, diese Versäumnisse nach Möglichkeit zu korrigieren. Es muß nicht sein, daß man beim Besuch des Gotteshauses Erkrankungen aller Art ausgesetzt ist. Ich erlaube mir daher heute schon die B i t t e, i n hygienischerBeziehungWandel zu schaffen, zu wiederholen. Hochachtungsvollst Albert Mandelbaum. Das Jubiläums-Siechenhaus der Wiener israelitischen Kultusgemeinde Acht Jahre, sind es her, seitdem das von der Wiener israelitischen Kultusgemeinde anläßlich der im Jahre 1898 stattgehabten Feier des 5<)jährigen Regierungsantrittes des Kaisers inaugurierte Jubiläums-Siechenhaus fertiggestellt und seiner Bestimmung übergeben wurde. Seither bildet dieses Haus eine Stätte wahrer Nächstenliebe und Barmherzigkeit, indem daselbst arme, kranke unheilbare Israeliten, in ihrer Bedrängnis ein ruhiges, gastliches Heim, eine sorgfältige, liebevolle Behandlung und Trost und Linderung ihrer Leiden finden. Es war ein längst gefühltes Bedürfnis, dem mit der Schaffung dieses Institutes entsprochen wurde, denn kaum ward dasselbe eröffnet, da hielt schon eine Schar längst vorgemerkter Siechen ihren Einzug in dasselbe, sämtliche Räume wurden bis auf den letzte'., Platz belegt und so kam es, daß seit Jahr und Tag die meisten Gesuche um Aufnahme in die Anstalt, trotz erwiesener Notwendigkeit und Würdigkeit,

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