Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 25 (1908)
- Issue
- 23 (5.6.1908)
- Date
- 1908-06-05
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Sette 418 Vr. Wochrnschrist, Nr. 23 Qualifikation auf ein höheres Niveau gelangen werden, als dies derzeit zumeist der Fall ist. Uebrigeus ist auch diese Bestimmung, so wie sie beantragt wurde, kein noli me tangere. Wenn ich sie beantragt habe, so geschah dies aus Gründen, welche jedem Kenner unserer Verhältnisse bekannt sind, also auch Herrn Dr. Schwarz bekannt sein müßten, und wenn ich als Vorsteher der zweitgrößten Gemeinde in Kroatien diesen Antrag, in welchem Herr Dr. Schwarz ganz besonders eine Beschneidnug der auch von mir sorgsam gehüteten Gemeindeautouomie erblickt, gestellt habe, so kann man mir glauben, daß dies aus Gründen geschah, welche auf die Erfahrungen in meiner elfjährigen Vorsteherschaft und die genaue Kenntnis unserer Verhältnisse zurückzuführen sind. Verzeihen Sie, sehr geehrter Herr Redakteur, wenn ich Ihre und Ihrer Leser Geduld über die Gebühr in Anspruch genommen habe. Ich verkenne die löbliche Absicht, von welcher Herr Dr. Schwarz bei seiner Kritik geleitet wurde, durchaus nicht, ich fürchte aber, daß seine Ausführungen der Verwirklichung der von ihm im Ganzen so warm begrüßten Idee nicht gerade förderlich sind. Empfangen Sie die Versicherung meiner besonderen Wertschätzung, mit welcher ich zeichne Ihr ergebenster Dr. Hugo Spitzer. Vom Aabrmarkt des Lebens. Phantasien eines Realisten. In der Sitzung des Abgeordnetenhauses vom 1. Juni hielt der niederösterreichische Landmarschall Prinz Alois Liechtenst e i n eine giftige Rede, in welcher er auch uns Juden einige Jnvekiiven an den Kopf warf. Prinz Liechtenstein liebt es seit j?, die politische Geschichte Oesterreichs aus einem besonderen Gesichtswinkel zu beleuchten und zugunsten seiner antisemitischen Theorie zurecht zu legen. Dort aber, wo die Geschehniste seinen Theorien sich nicht gutwillig fügen, wird der Zwang angewendet. Prinz Liechtenstein leistete sich die Mitteilung: „An der Wiener Universität befanden sich beim letzten Avancement unter acht Dozenten, die den Profesiorstitel bekamen, mindestens sieben Juden, und selbst von dem letzten, dem achten, hieß es, daß es eist am jüngsten Tage, wann die Menschheit aus den Gräbern hüllenlos vor ihren Schöpfer tritt, heraus kommen wird, ob dieser Professor ein Christ gewesen ist." Prinz Liechtenstein ist wohl ein starker Hasser der „Neuen Fr. Presse". Er ist aber auch gleichzeitig ihr eifrigster und treuester Leser. Seine Reden geben davon Zeugnis. Im Monat Dezember vorigen Jahres erschien in der „Neuen Freien Presse" ein Artikel des Czernowitzer Profestors Doktor Eugen Ehrlich, welcher mit einem interessanten statistischen Material den Nachweis erbrachte, daß die akademische Laufbahn Juden und Personen jüdischer Abstammung an den deutschen Universitäten Oesterreichs seit etwa zehn Jahren so gut wie verschloffen ist. „Als vor etwa zehn Jahren ein Professor, der viele Jahre zuvor aus dem Auslande an eine österreichische Universität gekommen ist, von dort nach Graz berufen wurde und es sich nachträglich zeigte, daß sein Vater ein getaufter Jude gewesen ist, da wurde rückhaltlos erklärt, daß die Berufung durch Irrtum über die Abstammung verursacht worden sei. Ebenso war in einem anderen Falle die Fakultät ganz bestürzt, als nachträglich zutage trat, daß sie in ihrem Vorschlag einen Juden ausgenommen hatte. Gewiß gibt es unter den ordentlichen Professoren an den österreichischen Fakultäten Juden und Personen jüdischer Abstammung; ganz vereinzelt gibt es solche sogar in Graz. Das sind Neste aus einer früheren Zeit. Groß war ihre Zahl nie, am größten wohl in Prag. Sie sind, wie sich aus diesen Darlegungen ergibt, auf inn Aussterbeetat gesetzt, denn Ernennungen dieser Art kommen seit längerer Zeit gar nicht mehr vor. In der Tat gab es ihrer vor zehn oder fünfzehn Jahren mehr als aegenwärtig. Wie verhält es sich nun mit den berüchtigten „sieben Juden unter acht Professoren?" Ganz einfach: es handelt sich gar nicht um ordentliche, sondern um außerordentliche Profesiuren. Und was für außerordentliche Professuren! Um Professuren, die . mit keinem ordentlichen Lehrstuhle verbunden sind, daher nie zu einem Ordinariate führen können, die zum Teile gar nicht, zum Teile kaum dem Namen nach besoldet sind, die auch nicht Sitz und Stimme in der Fakultät gewähren, denn bekanntlich sind außerordentliche Professoren nur stimmberechtigt bis zur Hälfte der an der Fakultät wirkenden ordentlichen Professoren, und diese Zahl ist bei den meisten medizinischen und philosophischen Fakultäten längst überschritten. Es handelt sich also im eigentlichsten Sinne des Wortes um Professoren in psrtibus, um einen leeren Titel, Unter den autzervrdentlichen Professoren befinden sich allerdings ziemlich viele Juden und noch mehr Professoren jüdischer Abstammung. Es muß jedoch mit größtem Nackdrucke hervorgehoben werden, daß das i icht Ausdruck einer Begünstigung, sondern einer Zurücksetzung ist. Von den an der Universität wirkenden Privatdozenten werden eben die Nichtjuden aus ordentliche Lehrstühle berufen, die „Juden" bleiben der Fakultät am Halse. Da es aber zum Teile Gelehrte von Ruf und Verdienst sind, so beimmt man doch n.ach Jahren, nachdem schon viel jüngere und zum Teile auch viel weniger verdiente unter ihren Fachgenossen längst auf ordentlichen Lehrstühlen sitzen, die Empfindung, daß für sie „etwas geschehen müsse". Man schlägt sie also für eine außerordentliche Professur vor. Das Ministerium zögert seinerseits mit der Ernennung, so lange es nur angeht; inzwischen häufen sich derartige Vorschläge immer mehr. Bis sich die Ernennung nicht mehr aufschieben läßt und endlich nach jahrelangem Herumziehen „unter acht Professoren sieben Juden" in der „Wiener-Zeitung" erscheinen; wohlgemerkt unter außerordentlichen, unbesoldeten oder nur dem Namen nach besoldeten, außer den Kollegien stehenden Professoren." Noch eine zweite Geschichtslüge des Prinzen Liechtenstein bedarf einer Berichtigung: „Die nationale Einigung der Deutschen und deren Friedensschluß mit den Slaven läuft eben den Sonderinteressen des Judentums zuwider, denn nur so lange wir streiten, kann es seine Herrschaft behaupten und erweitern. Auch die Ohnmacht des Parlamentes infolge des Völkerhaders bringt dem Judentum enormen Vorteil, weil damit jede soziale Reform aä oalvnäss xiveeas vertaot und die wirtschaftliche Konsolidierung der arbeitenden und besitzenden christlichen Stände hintangehalten wird." Demgegenüber genügt wohl, an die historische Tatsache zu erinnern, daß der erste ernstliche Versuch, zwischen Tschechen und Deutschen einen Ausgleich und Friedensschluß herbeizuführen, von dem unvergeßlichen Adolf Fischhof ausging, während der feudale Adel aus dem nationalen Konflikt in Böhmen die Macht geschöpft hat, Oesterreich während der letzten Geschichtsperioden unter seiner Gewaltherrschaft zu erhalten. Aus dem jüdischen Klub. Beim Beginn der Sitzung vom 1. Juni teilte der Reichsratspräsident Dr.Weiskirchner mit: „In meinem Bureau sind heute die Herren Abgeordneten Dr. Mahler und Dr. Straucher erschienen und haben die Erklärung abgegeben, daß ihre Unterschriften, die sich auf einer kürzlich eingebrachten Interpellation der Abgeordneten Dr. Gabel und Stand befinden, nicht von ihrer Hand stammen. Die genannten Herren Abgeordneten erklären, daß sie die Interpellationen nicht unterschrieben und auch niemanden ermächtigt haben, ihren Namen unter die Interpellation zu setzen, und daß sie ferner diese Interpellation selb st mißbilligen. Ich habe es für notwendig erachtet, diese Erklärung dem hohen Hause zur Kenntnis zu bringen, und werde auch den Herrn Justizminister davon verständigen — a l s ewiges Denkmal, in welcher illoyalen Weise in diesem Hause vorgegangen wird." (Beifall.) Die genannte Interpellation der Abgeordneten Gabel und Stand, der Klubgenossen der protestierenden Abgeordneten Mahler und Straucher, strebt die Immunisierung eines konfiszierten Artikels der zionistischen Zeitschrift „Moriah", Monats-, schuft dex jüdischen Jugenh in Lemberg, an.