Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 25 (1908)
- Issue
- 23 (5.6.1908)
- Date
- 1908-06-05
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 416 Dr. Mo<L's MocLensiLrLtt. Nr. 23 nach dieser Richtung dem Vereine großen Nutzen brächte. Geradezu beschämend seien die winzigen Ziffern der Tempelspenden zugunsten der „Israelitischen Allianz". Vielleicht habe das seinen Grund darin, daß in dem Titel des Vereines, auf seiner Fahne, nicht ein hebräisches Wort sich finde. Redner schlägt vor, daß die „Israelitische Allianz" auch die hebräischen Worte rinn« in den Vereinstitel aufnehme. Die Entwicklung dieses ersprießlichen Vereines wird durch Organisationsfehler behindert, welche dringend einer Abhilfe bedürfen. Der Vorsitzende, Vizepräsident Dr. Alfred Stern, dankt zunächst den Vorrednern für die dem Tätigkeitsbericht gewidmete Aufmerksamkeit und Anerkennung. Von den Herren Rabbinen seien Oberrabbiner Dr. Güdemann, Rabbiner Dr. Grunwald als amtlich verhindert entschuldigt. Der Propaganda für die Wiener Allianz in Ungarn, speziell in Budapest, stehen Hindernisse entgegen, welche mit den politischen Zeitströmungen zusammenhängen. Wir haben darin Erfahrungen und wissen, daß man dort vor allem jeden Schein eines Gravitierens nach Wien vermeidet. Die Pariser Alliance hat dort einen ungleich günstigeren Boden. Die allzu geringen Ziffern der Tempelspenden sind gewiß bedauerlich, allein sie sind bei den anderen Vereinen nicht höher. Die Liste der Vereine, welchen Spenden zugewendet werden, ist eben eine allzugroße, so daß die Beträge sich zersplittern. Indessen weist Vorsitzender Dr. Stern auf die intereffante Tatsache hin, daß die Gesamtsumme der für das rumänische Hilfswerk bei der Wiener Allianz eingelaufenen Spenden eine Ziffer aufweist, welche die vom Hilfsverein Deutscher Juden zusammen mit dem Frankfurter Komitee aufgebrachten Summen weit hinter sich läßt und auch die Ziffern der von der Pariser Alliance oder in London veranstalteten Sammlungen überflügelt. Die Stärke der Allianz bildet die Tatsache, daß sie in kritischen Zeiten die Adresse bildet, an welche die Glaubensgenossen sich wenden und die Unterstützungsgelder zufließen lassen. Der zum Ofner Rabbiner gewählte Dr. Funk aus Preßburg verweist auf die Tatsache, daß die Errichtung einer Filiale der Wiener Allianz in Budapest nach dem Vereinsgesetz unstatthaft ist; er hofft nach seiner Uebersiedlung in Budapest speziell mit der Unterstützung der Familie Goldberger deBuda dort ein Schwesterinstitut der Wiener Allianz ins Leben zu rufen zur gemeinsamen Arbeit für die Gesamtjudenheit. Redner unterstützt die Anregung, dem Titel des Vereines ein jüdisches Wort einzufügen. Vereinssekretär Dr. K a m i n k a erklärt zunächst, daß die Haushaltungsschule in Galatz auch vom Hilfsverein in Berlin und von der „Jca" subventioniert wird, weil sie nach den Berichten verläßlicher Vertrauensmänner Ersprießliches leistet. Zum Zwecke der Propaganda gibt die Allianz vierteljährlich Mitteilungen heraus; wir haben auch Zirkulare versendet, leider ohne Erfolg, wenn aber die Herren für die Erweiterung des Vereins tätig sein wollen, so würden wir eine solche Tätigkeit mit Dank begrüßen. Die Beiräte sind statutengemäß aus der Zahl der Stifter und Gründer zu wählen, haben ausschließlich über die Beschaffung finanzieller Hilfsmittel zu beraten, können für die Propaganda nichts leisten. Vereinsmitglied M. Baum bemerkt gegenüber dem Vorredner, daß die Zirkulare ohne allen Erfolg blieben, ist kein.. Wunder; sie waren schlecht gemacht, sie waren nicht gut redigiert; auch der Tätigkeitsbericht zeigt redaktionelle Mängel, vor allem ist eine bessere genauere Statistik erforderlich. Im Interesse des Vereines ist aber eine Reform des Statutes notwendig — insbesondere in Bezug auf die Auswahl und den Wirkungskreis des Beirates. Redner verweist auf die große Mitgliederzahl des Deutschen Hilfsvereines, der in moderner Weise arbeitet. Die Generalversammlung sollte wenigstens in den Wintermonateu unter großer Teilnahme stattfinden. Dr. K a m i n k a erklärt die späte Einberufung der Generalversammlung durch die verspätete Einsendung der Abrechnungen von Seite der Filialen. Der Deutsche Hilfsverein hat einen minimalen Jahresbeitrag, er legt mehr Gewicht auf die Mitgliederzahl als auf ihre Beiträge. Darauf wurden der Tätigkeitsbericht und die Bilanz einstimmig genehmigt, die fünf zum Austritt gelangenden Vorstandsmitglieder (Generalrat Klein, Direktor Koritschoner, Fritz Singer, Rabbiner Schmiedel, Hofrat Siegm. Taussig) per Akklamation wiedergewählt. Zum Schluffe stellte Rabbiner Dr. Funk den Antrag, die Vereinsleitung möge die Ernennung eines Agitationskomitees zum Zwecke individueller, persönlicher Agitation zugunsten der Allianz in Erwägung ziehen. Kultusvorsteher kaiserlicher Rat Jonas Weil spricht der Vereinsleitnng für die schwierige, bewunderungswürdige Arbeit, für die Ausdauer und Pflichttreue im Dienste jüdischer Interessen den Dank aus. Kultusvorsteher Dr. Markus Spitzer wirft einen Rückblick auf die Fülle der Tätigkeit in diesem Vereinsjahre — Leistungen, auf die man mit Genugtuung blicken kann. Als der Verein gegründet wurde, bestimmte er als seinen Zweck, dort, wo Israeliten als solche noch zu leiden haben, ihnen eine wirksame Stütze zu bieten. Die Situation hat sich seitdem insoweit geändert, daß man heute fragen müßte, wo die Juden denn nicht zu leiden hätten? Die Allianz ist der Ausdruck der Solidarität, des Erbarmens, der großzügigen Wohltätigkeit und bildet eine wichtige Ergänzung zur Tätigkeit des Kultusvorstandes. (Lebhafter Beifall.) Der Vorsitzende Dr. Alfred Stern bringt zum Schluffe ein Schreiben des Herrn Haim Nahum über die Ergebnisse seiner Expedition zur Aufsuchung der Falaschas zur Verlesung — ein Beweis, daß die Allianz ihre Fürsorge den Juden in den fernsten Erdteilen zuwende. Er spricht den Vorrednern den Dank aus für die fteundlichen Worte, Herrn Baum für seine Anregungen, ebenso Herrn Dr. Funk, den er zu seiner Wahl als Rabbiner von Ofen beglückwünscht, und erklärt die Generalversammlung für geschlossen. Kandrsorganisation der Iqdr« in Kroatien. Essegg, 25. Mai 1908. Sehr geehrter Herr Redakteur! Gestatten Sie mir, daß ich mich Ihnen als Verfasser jenes von Herrn Professor Dr. Schwarz in der letzten Nummer Ihres geschätzten Blattes besprochenen Statutenentwurfes vorstelle, nach welchem, wenn er angenommen wird, der Verband der kroatisch-slavonischen Kultusgemeinden eingerichtet werden soll. Zur Vorgeschichte dieses Entwurfes möchte ich nur bemerken, daß ich g e n a u v o r zehn Jahren, also viel früher, als die bekannten Wellenschläge zu uns nach Kroatien dringen konnten, bei dem Vorstande der Agramer, als der ersten und größten Gemeinde des Landes, die Gründung eines solchen Verbandes angeregt und seine Notwendigkeit genau, so begründet habe, wie dies bei der letzten Tagung des österreichischen Gemeindebundes geschah und wie dies Herr Professor Dr. Schwarz in seiner Besprechung tut. Der Vorstand der Agramer Gemeinde begrüßte meine Anregung sehr sympathisch, setzte auch zum Studium der Frage ein besonderes Komitee ein, allein aus hier nicht zu erörternden Gründen kam die. Sache nicht über dieses Stadium hinaus, bis bei dem im November 1905 in Agram abgehaltenen Gemeindetage allseitig der Wunsch zum Ausdrucke gebracht wurde, eine Organisation zu schaffen, durch welche das kroatisch-slavonische Judentum und seine Interessen in einheitlicher und zugleich autoritativer Weise vertreten werden könnten. Verschiedene Zwischenfälle verhinderten auch da noch die Erfüllung dieses Wunsches und erst vor einigen Monaten hat mich der Agramer Vorstand mit dem Aufträge beehrt, Vorschläge zur Ausführung meiner Anregung zu erstatten. Diesem Aufträge habe ich durch Vorlage des Entwurfes entsprochen, welcher in der am 17. d. M. abgehaltenen Vorkonferenz durchberateu und als Basis für die Verhandlung auf dem nunmehr einzuberufenden zweiten Gemeindetage angenommen wurde.