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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1908-06-05 · 23 (5.6.1908) · page 3

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
25 (1908)
Issue
23 (5.6.1908)
Date
1908-06-05
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nl 23 Dr. Llocv s Mocvenscvrtn. Seite 415 Weltliteratur. Gegen diesen hervorragenden, jüdischen Dichter und Denker wird gewiß kein denkender, gesitteter Arier den Vorwurf des Zynismus oder den der Anmaßung erheben." Nun gehe einer hin und mache aus die Aeußerungen im Artikel samt den Aeußerungeu in der Broschüre einen Reim! Wir glauben eigentlich nichts mehr anführen zu sollen, um die Denkungsart und Gesittung der Arierin Theimer zu beleuchten. Aber da nun einmal kein antisemitisches Märchen so dumm ist, als daß es nicht dümmere Geister finden würde, die es glauben, so wollen wir die giftige Behauptung, als wollte Herzl einen Teil in seinem Blatte zu einer jüdischen Domäne machen, seine angebliche, überaus anmaßende Aeußerung auf ihre Möglichkeiten prüfen. Ohneweiters bieten wir einen Eid vor jedem Gerichte und Hunderte von Zeugen dafür an, daß Theodor Herzl selten eine Rede hielt, ohne klar und deutlich darin zu sagen, „daß sich die Juden auch durch den wütendsten Antisemitismus nicht zum Christenhaß verleiten lassen dürften, wovor er nicht genug warnen könne". Wollte doch der Schöpfer des modernen Zionismus seine Pläne auch mit Hilfe der christlichen Großmächte und der arischen Gesellschaft ausführen. Wir bieten ferner den Eid darüber an, daß er viele Schriftsteller und Künstler entdeckt und zu ihrer heutigen Größe hinaufbefördert hat, die aus ihren antisemitischen Gefühlen vielleicht nur ihm gegenüber ein Hehl machten. Dieser Mann nun soll eine Aeußerung gemacht haben, welche viele antisemitische Behauptungen bestätigt, er soll zynisch und anmaßend die Presse für eine jüdische Domäne erklärt haben! Das einer Arierin gegenüber, von der er niemals wissen konnte, wann sie mit Erklärungen im „Deutschen Volksblatt" einrücken werde! Nein, es wird niemandem gelingen, diesem Riesen auf die Schuhe zu spucken, sein Andenken vor der Geschichte mit dem Vorwurf der Frechheit und der dummen Gemeinheit zu verdunkeln. Natürlich bringt denn auch das „Deutsche Volksblatt", unter dessen papierene Fittige sich das wohlwollende Fräulein flüchtete, die Aeußerung Herzls in gesperrtem Druck. Diese Mitteilung ist das Aushängeschild des ganzen Theimer- Artikels und niemandem wird es einsallen, den weiteren Inhalt beachtenswert zu finden. Eine Anerkennung können wir aber der Verfasserin nicht versagen: Sie hat journalistisches Talent entwickelt, indem sie gleich beim ersten Versuch die Art und den Ton Verganis ganz ausgezeichnet traf. Sie hält sich für wichtig genug, um an eine Verschwörung des gesamten Wiener Judentums gegen sie zu glauben und will dies mit Argumenten beweisen, die schon lange in ihrem Herzen geschlummert zu haben scheinen. Der Uebertritt zu den Christlich-Sozialen war offenbar mehr die Hinzufügung der äußeren Form zu einem längst gefaßten inneren Entschlüsse. Eine herzhafte Erklärung ist immerhin etwas Schönes. Der „Oesterreichischen Wochenschrift" aber boten die Geschehnisse keine Ueberraschung. Generalversammlung der „Israelitischen Allianz z« Wien". Mittwoch am 27. Mai, 6 Uhr abends, fand im Sitzungssäle der israelitischen Kultusgemeinde zu Wien die 35. ordentliche Generalversammlung der „Israelitischen Allianz" statt. Unter den Anwesenden befanden sich die Herren Vorstandsmitglieder Dr. S. Wahrmann, Dr. A. Kuran d a, Doktor F. Katz au, W. Pappenheim, D. Zifferer, F. Singer, Direktor M. Koritschoner, kais. Rat L. Sach s, ferner vom Vorstande der israelitischen Kultusgemeinde die Herren Vizepräsident Landesschulrat Dr. G. Kohn, M. B. Eißler, Dr. M. Spitzer und kais. Rat I. Weil. In Verhinderung des Präsidenten David Ritter von G u t m a n n eröffnete der Vizepräsident Dr. Alfred Stern die Generalversammlung, begrüßte die erschienenen Vereinsmitglieder und konstatierte die Beschlußfähigkeit. Vor Eintritt in die Tagesordnung widmete der Präsident den im letzten Jahre verstorbenen Vereinsmitgliedern, den Arbeits- und Gefinnungsgenoffen Worte des Gedenkens und erwähnt in erster Linie einen Mann, der mit unvergleichlicher Hochherzigkeit und beispielgebendem Eifer an der Führung aller großen europäischen Hilfsaktionen der letzten Jahre teilnahm, Herrn Charles L. Hallgarten in Frankfurt a. Main, Vorsitzenden des dortigen „Hilfskomitees für die osteuropäischen Juden", Verwaltungsrat der „Jewish Colonisation Association", Mitglied des „Zentralkomitees der Alliance Jsraelite Universelle" in Paris und der Leitung des „Hilfsvereines der deutschen Juden" in Berlin. Wer je Gelegenheit hatte, den Verewigten persönlich kennen zu lernen und wahrzunehmen, mit welch warmen Eifer, mit welch treuer Hingebung er alle jüdischen Aktionen opferwillig förderte, der ist in der Lage, den großen Verlust zu ermessen, den die Gesamtheit des Judentums durch seinen Tod erlitten hat. Redner beklagte ferner den Verlust des Herrn Oberrabbiners S. R. M e l l i in Triest, Ehrenpräsidenten unserer dortigen Filiale, der bei den verschiedensten großen Hilfsaktionen für unsere notleidenden Glaubensbrüder mit seinem Einflüsse und mit seinem weisen Rate die Allianz gefördert hat. Der Vorsitzende gedenkt ferner des korrespondierenden Mitgliedes Max Popper in Wartberg (Szemps) und des Mitgliedes des Komitees in Botosani Adolf Wahrmann und schließlich des in den letzten Tagen verstorbenen, allgemein bekannten, verdienstvollen Vorstandsmitgliedes Emanuel B a u m g a r t e n, der seit der Gründung der „Allianz" derselben angehörte, eine ebenso eifrige als segensreiche Tätigkeit hingebungsvoll entfaltete. Das Andenken dieser Männer wird in unserer Mitte stets in Ehren erhalten bleiben. Die Versammlung ehrte das Angedenken der Verstorbenen durch Erheben von den Sitzen und der Präsident enunziert, daß diese Trauerkundgebung dem Protokolle der heutigen Sitzung einverleibt werde. Nach Uebergang zur Tagesordnung wird über den vorgelegten Tätigkeitsbericht die Debatte eröffnet und als erster ergreift das Wort Vereinsmitglied Herr Josef Fuchs, welcher, das ersprießliche Wirken der Vereinsleitung in vollem Umfange anerkennend, über einzelne Punkte um Aufklärung ersucht. Er fragt an, aus welch besonderen Motiven eine Wirtschaftslehrschule in Galatz in Rumänien eine jährliche Subvention von K 300.— erhält? Ein Institut, welches vornehmlich den wohlhabenden Schichten der Gesellschaft zugute kommt, bedarf keiner solchen Subvention. Vereinsmitglied Herr Moriz Baum beanständet zunächst das Fehlen jeder Andeutung über die Ausbreitung des Vereines und den Zuwachs seiner Mitgliederzahl. Man vermißt hierüber im Tätigkeitsbericht genaue Ziffern. Auch die innere Entwicklung des Vereines, der Ausbau seiner Organisation macht keine Fortschritte; es fehlt der Koniakt mit den Mitgliedern in der Provinz, die merkwürdigerweise nicht einmal zu der Generalversammlung die Einladung erhalten. In einer jüdischen Gemeinde von der Größe und Wohlhabenheit der Budapester mit 160.000 Seelen, zählt die „Allianz" 21 Mitglieder — sage 21 Mitglieder — während wir in Preßburg zum Beispiel Dank der Propaganda des ehrwürdigen Rabbiners Herrn Dr. Funk 104 Mitglieder besitzen. Auch in Wien ist die Propaganda eine mangelhafte. Es sei auch bezeichnend, daß von den 16 Wiener Rabbinern kein einziger anwesend und manche nicht einmal Mitglieder seien. (In diesem Augenblicke erscheint Herr Rabbiner Dr. Gelbhaus und wird vom Präsidium begrüßt.) Gewiß kann man den vielbeschäftigten Männern, welche in der Vereinsleitung fitzen, nicht die Aufgabe zumuten, selber das Werk der Propaganda zu betreiben. Das wäre Sache des Bureaus, durch Veranstaltung von Versammlungen in den einzelnen Wiener Bezirken das Interesse der jüdischen Bevölkerung für den Verein zu wecken und zu pflegen. Es fehlt der Beirat, welcher, aus arbeitsfteudigen Männern zusammengesetzt

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