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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1908-06-05 · 23 (5.6.1908) · page 2

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
25 (1908)
Issue
23 (5.6.1908)
Date
1908-06-05
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 414 Dr. Llocd's Mocdenscdrltt. Nr. 33 „Wenn man sich das Neue Testameni ansieht, wird man an Christus unverkennbare jüdische Charakterzüge finden. Schon die Feindes- und Nächstenliebe deutet darauf hin; denn derartige Umkehrungen normale« Verhaltens sind für den Juden charakteristisch. Nebenbei wollen wir jedoch noch bemerken, datz das Neue Testament sich vom Alten gar nicht scharf trennen laßt. Christus verweist auf die Propheten des Alten Testaments und dessen Gott nimmr er in das Neue Testament mit hinüber. Er sagt direkt, datz er gekommen sei, nicht um das Gesetz uno die Propheten aufzulösen, sondern um sie zu erfüllen. Was das Alte Testament für eine Sammelstelle von Schlechtigkeiten und Gemeinheiten ist, zeigen vorangegangene Nummern dieser Zeitschrift. Also schon um' dieser Zusammengehörigkeit des Alten und Neuen Testamentes willen sollte auf das letztere verzichtet werden; denn das erstere wird ja von sogenannten liberalen Antisemiten bereits preisgegeben. Aber auch das Neue Testament, für sich betrachtet, zeigt jüdisches Gepräge und klar seine Bestimmung als Religionsbuch für die Juden. A l s Sittenlehre für höher st ehende Völker sind seine Vorschriften und Gebote unbrauchbar." „Moderner V ö l k e r g e i st." (Mai 1897, S. 61). Getreu dem Vorbilde Eugen D ü h r i u g, fährt sein antisemitischer Anhang fort; „Mod. Völkergeist" schreibt (Juni, S. 99): „Die übelste Ausprägung des Asiatismus sind die Hebräer und Alles, was von ihnen in geistiger oder sonstiger Beziehung abstammt, wie vor allem das judäische Christentum. Die modernen arischen Völker sind mehr als ein Jahrtausend von jenem religiösen und politischen Astatismus wie von einer bösen Krankest angesteckt worden, haben allerdings begonnen, sich von diesen niederdrückenden und für ihre Artung schmachvollen Fesseln loszulösen." Die Bestrebungen Chamberlaius und Genossen, Christus zum Germanen rc., d. h. zum Arier zu stempeln, fertigt der Antisemit Eugen Dühriug höhnisch in seinem „Ersatz der Religion" mit den Worten ab: „Jene pure Berlegeuheitshypothese von der nicht raffenjüdischen Natur von Christus ist nämlich, genauer untersucht pure Willkür und wäre nie aufgestellt worden, wenn man nicht das heutige Christentum moderner Völker vor der Mißliebigkeit hätte bewahren wollen, auch persönlich einen rein rassenjüdischen Ursprung und überdies zum Gegenstand seines Kultus oder wenigstens der moralischen Achtung einen Stammesjuden zu haben." Ebenso war es, wie der ehemalige Abgeordnete Dr. Bloch in einer Reichsratsrede vorführte, ein Jünger Dührings, O. Beta, welcher in einer „Sr. Durchlaucht dem Fürsten Bismarck in Ehrfurcht gewidmeten" Schrift betitelt: „Darwin, Deutschland und die Juden, oder: Der Juda-Jesuitismus" dem deutschen Volke folgende Offenbarung vermittelte: „Die Vernichtung des deutschen Volkes, die Korruption der germanischen Rasse ist instinktiv das stete, bewußte oder unbewußte Ziel, welches der vereinigte Jesuitismus und Judaismus, das organisierte Judentum, im Auge hat, und aus dieser Quelle erklärten sich die Wirren und Drangsale des deutschen Reiches, die uns die Geld- und die Glaubensbörse bereitet und die uns bereits wirtschaftlich bis zum Zelotentum, kirchlich bis zum ausgesprochenen Unfehlbarkeitsgotteshohn geführt haben." Von den Deutschen, seinen katholischen Landsleuten, ruft dieser Verfasser Seite 37, mit patriotischer Entrüstung. „Was glauben sie nicht noch? Sie glauben an die Unfehlbarkeft des Papstes Pio aus dem jüdischen Hause Ferretti l" ,Ein Jude Isidor erfand die erste Auflage der „Unfehlbarkeit" die oberste richterliche Gewalt des Papstes." Seite 29 heißt es: „Die Unfehlbarkeits-Anmaßung der Judenabkömmlinge in Rom ist nur e n ultramontanes Feuerwerk, welches die Augen der germanischen Völker abzieht von der viel drohenderen kapitalistischen Unfehlbarkeit ihrer Stammesgenoffen im weltlichen Gewände, welche uns indessen die seidene Cravatte umbiuden, um uns nachher damit zu erwürgen, wie die Männer von Sichem." So viel aus jener, Sr. Durchlaucht dem Fürsten Bismarck dedizierten Schrift des Berliner Autors. Der Leitartikel des „Deutschen Volksblattes" weiß von Eugen D ü h r i n g zu melden, daß er „in seiner philosophischen Weltanschauung abstrakter Materialist ist" — der die Gottesidee verwirft und das Buch geschrieben hat: „Der Ersatz der Religion durch etwas Vollkommenes." Seine Entfernung ans dem Lehrkörper der Berliner Hochschule, wegen Konflikte mit dem Professorenkcllegium — wird schwer getadelt. Wir stellen darum die bescheidene Anfrage, warum die christlichsoziale Partei, deren erstes und einflußreichstes, vom Landmarschall Prinzen Liechtenstein bevorzugtes Organ die Propaganda der Lehren Eugen Dührings mit solchem Eifer und Nachdruck betreibt, W a h r m u n d, den Jünger Eugen Dührings, von den österreichischen Hochschulen verbannt? Die Ideen, welche Professor Wahrmund in seinem bekannten Vortrag den Zuhörern vorführte, waren Ideen und Anschauungen Eugen Dührings, welche der kais. Rat Ernst V e r g a n i zur offiziellen Lehre der christlichsozialen Partei erhebt. Die Propaganda dieser Lehren soll gleichzeitig mit dem Amtsverlust bestraft werden? Theodor Herzt und Kamilla Theimer. Fräulein Kamilla Theimer ist durch ihre journalistische Fruchtbarkeit den breiten Massen des Zeitungs-Publikums nicht unbekannt geblieben. Weniger durch große Begabung. Sie hat zwar einen ganzen Tintenteich in den Fluß des geistigen Lebens ausgeschüttet, aber nur wenn sie sich mit gesellschaftlichen Fragen ihres Geschlechtes befaßte, verließ sie die Gewöhnlichkeit. Im Allgemeinen aber hatte man den Eindruck, als wäre bei ihr die überflüssige Mitteilsamkeit des Weibes in schriftlicher Form ausgedrückt. Das zeigte sich am krassesten, als sie letzthin eine Broschüre losließ: „Antisemitismus und National - Judentum", ein arischer Beitrag zur Lösung der Judenfrage. Zwischen Kraut und Rüben blüht in diesem Büchl das Wohlwollen für die Juden, ein Wohlwollen, das in der „Oesterreichischen Wochenschrift" sofort mit gebührendem Nachdruck dankend abgelehnt wurde. Wie jeder christliche Schusterbub, fühlt sich natürlich auch Fräulein Kamilla Theimer turmhoch erhaben über die Juden und erlaubt sich ohne jede geistige oder moralische Legitimation eine Abkanzelung. Trotzdem fanden manche Juden den Appetit, an Kamilla Theimer einen Narren zu fressen, weil sie zufällig nach ihrer Seite hin ein Kompliment machte. Wir glauben aber, daß man auf dieser Seite nach den jüngsten Ereignissen auf das Kompliment gerne verzichtet hätte. Fräulein Kamilla Theimer erschien nämlich plötzlich an leitender Stelle im „Deutschen Volksblatt" drei Spalten lang mit der verhüllten Erklärung, daß sie christlichsozial geworden sei und mit einer vollständig mißlungenen Erklärung dieser Erklärung. Aus irgend einem Grunde hat sie nämlich ihre Stelle als Redaktrice in einem Wiener Tagblatt verloren und sie sucht nun diese Sache so darzustellen, als wäre ihre Existenz das Opfer eines Ritualmordes geworden, den man wegen der Broschüre an ihr beging. Die Kultusgemeinde hätte ihre Abschlachtung befohlen und die Redaktion hätte diesem Auftrag mit Eilzugsgeschwindigkeit gehorcht. Die liberale Theimerin scheint an die von Vergani und anderen Brunnenvergiftern des Geistes erfundene Weltherrschaft einer imaginären Alliance Isra61ite zu glauben. Nebenbei macht sie noch das interessante und naive Zugeständnis, sie hätte der betreffenden Redaktion den Dolch an die Brust gesetzt mit dem Rufe: „Anstellung oder ich werde christlichsozial." Zweck dieser Zeilen ist aber bloß, die Ehre eines großen Toten zu wahren, die von Kamilla Theimer im Vorübergehen in den Kot getreten wird. Das wohlwollende Fräulein schreibt nämlich im „Deutschen Volksblatt": „Ein Versuch, bei der „Neuen Freien Presse" unterzukommen, scheiterte an meiner Konfession. Der^damalige Feuilletonredakteur Theodor H e r z l erklärte mir offen, er drucke freiwillig nichts von einem Christen." Und diese unerhörte Aeußerung hat sich die streitbare Kamilla gefallen lassen? Nicht nur das, sie hat auch in ihrer Broschüre geschrieben: „Ich war eine begeisterte Verehrerin Theodor Herzls, lange bevor ich seine zionistischen Schriften kannte. Diese allerdings gehören für mich,' was ihren sittlichen Gehalt und ihren Reichtum an ewig menschlichen Empfindungen betrifft, zum Schönsten aus der ganzen

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