Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1908-05-29 · 22 (29.5.1908) · page 12

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
25 (1908)
Issue
22 (29.5.1908)
Date
1908-05-29
Page
– (sequence 12)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/3020846-3021764-3021787--17387-3042258
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Nr. 22 Sem 408 Vr. Mock s Mocbenscvrm. Tief gerührt dankte letzterer für diese Auszeichnung. Das Präsidium der Chewra-Kadischa überreichte ebenfalls eine in Goldrahmen gefaßte, prächtige Adresse. Es gratulierten ferner der Talmud-Thoravorstand mtt dem Lehrkö-per, sämtliche VereinSvorstände u. v. a. Herr Grätzer widmete aus diesem Anlasse den Betrag von 1000 Kronen zu einer Jubiläumsstiftung und bedachte außerdem sämtliche Anstalten und Vereine mit namhaften Geldspenden. Frau Leontine Grätzer, Ehegattin des Herrn Heinrich Grätzer, Verwaltungsrat in Wien, spendete der hiesigen Kultusgemeinde snr Erinnerung des Andenkens ihrer verewigten Schwiegereltern, d?s> Herrn Lazar und der Frau Fanni Grätzer, e>n neues Leker tora samt üls kodesch und reichvergoldeten Mäntelchei'. Die feierliche Eniwrihung fand Donnerstag den 21. d« M, amJahrz itstage der seligen Frau Fanni Grätzer in solenner Weise st..tt. Biseuz. (Todesfall.) Am 20. d. M. verschied nach langem, schweren Leiden der Kantor und Sekretär der hiesigen Gememde Herr Ignatz Schulz noch im besten Mannesalter. Mit dem Verblichenen ist einer der tüchtigsten und pflichteifrigsten Kultusbeamten zu Grabe gegangen. Am 22.. nachmittags halb 2 Uhr, fand die Trauerandacht im hiesigen Tempel statt, imposant durch die außerordentliche Beteiligung, die wohl das belle Zeugnis dafür ableqte, welch hoher Achtung sich der Verblichene allenthalben erfreute. Nach Neziticrnng des »Adonaj mo odom«, seitens unseres Kantors Herrn Steiner, bestieg unser Rabbiner Se. Ehrwürden Herr Tr. Josef Hoff die schwarz drapierte Kanzel und hielt eine formvollendete, tiefergreifende und zum Herzen dringende Grabrede, in welcher er die langjährige, ersprießliche Amtstätigkeit des Verklärten beleuchtete und die Tugenden, durch die sich dieser ausgezeichnet hat, hervorhob. Nach den wehmütigen Klängen des »losellev besessen Eljon« wurde der Sarg nach dem Friedhofe gebracht, woselbst noch Oberkantor Leop. Stoßler aus Rausnitz im Namen des mährischen Kantorenvereines von dem Heimgegangenen in bewegten Worten Abschied nahm. Kaiser-Jrrbiläumsfeft des Mädchen-Pensionats R. S» C Altschul in Teplitz-Schönau. „Gekommen sind sie ja von weit und breit", diese Worte des Prologs hatten volle Geltung, wenn man Sonntag den 17. Mai in den Saal des „Lindenhofes" blickte: ein ungemein zahlreiches distinguiertes Publikum füllte den auf's Geschmackvollste dekorierten Raum bis aufs letzte Plätzchen. An Fenstern und Balustraden schwarz-gelbe Draperien, die Längswand des Saales schmückte das Kaiserbild von Tannengrün umgeben, von zahlreichen GlLhliü lern umflammt. Ueberall erwartungsvolle Gesichter, stohe Mienen; galt es doch, Seiner Majestät 60jähriges Regierungsjubiläum festlich zu begehen. Die Schar der jungen Mädchen unter der bewährten Leitung der Vorsteherin Fräulein Karka Altschul war heute besonders bemüht, jedem der Besucher etwas zu bieten, das Programm war auch in jeder Hinsicht gewählt und reichhaltig und bewies ebensowohl den Geschmack und die sichere Wahl der Leitung als auch die Begeisterung der Zöglinge für ihre — nicht immer leichte — Aufgabe. Die erste Nummer, die Begrüßungsrede — von der P-nsionatsleiterin Fräulein Marie Abeles verfaßt — wurde von Frl. Mela Stein schwungvoll und mir richtigem Verständnis vorgetragcn. An dieselbe reihte sich die Festonverture von Westermayer für zwei Klaviere von Frl. Else Stransky, Lisa Koralek, Irma Kohu, Wally Abeles mit bemerkenswerter Fertigkeit und schönem Schwung vorgespielt, von Herrn Kaldarar bestens einstudiert. „He'nzelmännchen", ein hübscher, melodiöser Chor, wurde von sämtlichen Zöglingen gelungen; die frischen Stimmen, die jungen, strahlenden Gesichter, die weißen festlichen Kleider gaben ein reizendes Bild. Frl. Erna Löbl verfügt über eine sehr gute französische Aussprache; trotz ihrer Jugend brachte sie die Lafontain'sche Fabel »En Eaitiere et le kot ou Lait« wirklich vortrefflich zu Gehör. Das Melodram „Der Blumen .-iache" zeigte Frl. Grete Getreuer als gute Sprecherin, die Steigerung im Ausdrucke kam hübsch zur Geltung. Frl. Lisa Koralek erwies sich dabei als gute Partnerin, indem sie die ziemlich schwierige Begleitung tadellos besorgte. Die englische Sprache war durch ein Bruchstück ans Shakespeares „Kaufmann von Venedig" vertreten; Frl. Berta Kauder trug es mit schöner Betonung und richtigem Akzent vor. Frl. Wally Abeles verfügt über einen weichen Mezzosopran; der Vortrag der Lieder „Es blinkt der Tau" von Rubinstein und „Vergebliches Ständchen" von Brahms zeigte die recht bildungsfähige Stimme und gute Auffassung, das dritte Lied auch Schelmerei und Frische der jungen Sängerin. Die bei'ren Turnreiaen, ausgeführt von den Frls. S. Hirsch, O. Kohu, I. Meudl. I. Kohu, Frida und Mela Stein, Else Stransky, B. Kauder, E. Kohu, E. Steiner, B. Lustig, L. Koralek, E. Munk, Grete Stransky, B. Stummer, Olga Seidemann, Marta Steiudler, O. Platovsky, E. Kohn, Grete Getreuer, Milka Nowak zeichneten sich durch Exaktheit in der Ausführung, flott s Tempo und stramme Haltung der Turnerinnen aus, welche Herr Turnlehrer Vater trefflich geschult hat. Der „erste Streich" von „Max und Moritz" (Frls. Alma Friedl und Berta Kauder) gefiel ausnehmend. Diesem übermütigen Stücklein f.lote ein ernstes Gedicht: „Schwesterchen" von E. Zittelmann, von Frl. Berta Lustig rührend einfach und innig vorgetragen. Das französische Menuett, aus dem Deutschen übersetzt von Mademoiselle Julien, von I. Cohn-Phillipplln zeigte die beiden Darstellerinnen Frl. E. Blaufuß und Grete Pick nicht nur als gewandte Sprecherinnen mit vorzüglicher Aussprache, sondern auch als graziöse Tänzerinnen. Ein humoristisches Gesamtspiel mit Gesang von Lehnhard und Linke, „Die musikalische Kochschule", ansgeführt von den Frls. Elsa Munk, Grete Stransky, B.Lustig, I. Meudl, Irma Kohu, Marta Steiudler, Wally Abeles, Berta Kauder, sorgte wieder für heitere Stimmung im Publikum. Die bestbekannte Gesangslehrerin Frau H. Felsmann hat durch die Einstudierung der Operette wiederum eine tüchtige Leistung dargeboten. Den Glanzpunkt der Darbietungen bildete unstreitig das Festspiel, vom Publikum mit großer Spannung erwartet, welche durch den einleitenden Prolog — von Frl. Else Stransky in einem Kaiserjubiläums-Kostüm sehr hübsch gesprochen — nur noch erhöht wurde, Alle Darstellerinnen, und zwar die Feenkönigin Frl. Selma Hirsch, umgeben von den Feen Frls. E. Stransky, Mela Stein, L. Koralek und Grete Getreuer, die Schulmädchen Frls. Berta Lustig, Grete Weigner und Friedl Herzog, sowie die Vertreterinnen der Kronländer, Frls. Fr. Stein, Ottla Weigner. Berta Stummer, Luise Lederer, Grete Stransky, Grete Pick, Vera und Grete Herzog, Elsa Steiner, Olga Platobsky, Berta Kauder, Elsa Kohn, Marta Steiudler, Olga Kohn, Irma Meudl, geführt von der Austria Frl Rudi Barkus und der-Hungaria Frl. Herma Geduldiger, entledigten sich ihrer Aufgaben aufs Beste. Keiner der zahlreichen Zuschauer blieb ungerührt, als sich alle Darstellerinnen vereinigten, dem edlen Friedensfürsten ihre Ehrerbietung zu erweisen. Frisches Leben brachten die eingeflochtenen Nationaltänze in das Stück, die von den Frls. Else Steiner, Louise Lederer, W. Kantor, Irma Meudl, Frieda Stein, Ottla Weigner, Grete Stransky, Berta Stummer (Ländler), ferner von den acht kleinen Tänzerinnen, Frls. Grete Fischer. Neserl Pick, Trude Müller, Else Oesterreicher, Hanni Werner, Jenni Wohryzek. Mizzi Faul und Liesl Löbl (Polka), weiter den Frls. Anny Pick, Grete und Friedl Herzog, Grete und Else Kann, Hedy Tauffig. Tinchen Stein. Erna Löbl (Mazurka), von den Frls. Alma Friedl und Erna Blaufuß (Emrdas) und von den Frls. Alice Faul. Berta Kauder, Elsa Kohn, Elsa Munk (Tarantella) mit viel Geschick und Verve getanzt wurden und stürmischen Beifall ernteten. Die Einstudierung der Tänze besorgte wiederum in bewährter Weise Herr Balletmeister Etterich. Das Schlußbild vereinigte alle Darstellerinnen auf der Bühne; die Volkshymne erklang und das Publikum stimmte begeistert mit ein..Ein flotter Tanz vereinigte die Jugend bis in die späten Nachtstunden. Frl. Karla Altschul kann mit Stolz auf das gelungene Fest zurückblicken. Ihrer Umsicht, dem selbstlosen Eifer und ihrer Hinaabe haben es sowohl die Zöglinge als auch das Publikum zu danken, daß dieser Tag unvergeßlich in ihrer Erinnerung bleiben wird. Besondere Anerkennung gebührt auch den Pensionslehrerinnen Miß Penny, Mlle. Julie», Frl. Marie Abeles, Else Prochaska und Marta Freund, welche sich um das Gelingen des Festes bemühten. Sämtliche Lehrpersonen sowie die Herren Etterich, Lehrer Water, Frau H. Felsmann und die jungen Künstlerinnen wurden durch prächtige Blumenspenden geehrt. Die Beleuchtungseffekte stellte Herr Schulhof, die Ausschmückung des Saales Herr H Weinseld bei. Preßburg. Am verflossenen Lagbeomer verteilte der Verein „Agudas-Reim" im Rahmen einer gutgelungenen Feierlichkeit sieben Prämien an die'Mitglieder: Wiener S. (Halacha), Singer A. (hebr. Grammatik), Schwartz E. (Propheten und Grammatik), Kunstadt M. (Grammatik), Kobn L. (Grammatik), Schill A. (Grammatik) Wimmer A. (Propheten). In seiner Eröffnungsrede beschrieb Ehrenmitglied, Stadt- und Gemeinde-Repräsentant Dav. Naß die Tendenz des Vereines, welche darin besteht, die hier heimischen Jeschiwoh- Bachurim in jüdischer Sprache, Geschichte und Literatur zu unterrichten, wie überhaupt deren Bildung zu befördern, mit besonderer Rücksicht ans das Gesellschaftliche. Im Namen der von Sr. Ehrw. Oberrabb. A. Schreiber entsendeten Prüfungskommission M. S. Schill und Sal. Lichtenfeld, legte Letzterer im Nahmen einer großangelegten Rede das Gutachten desselben vor. II. Präses B. Kunstadt hielt die Programmrede. Präsident I Lichtenfeld dankte in seinem Schlußwort den zahlreich erschienenen Gästen für das bekundete Interesse. Mit einer abwechslungsreichen Sijnm-Mahlzeit endete spät Nachts der für uns schöne Tag. Majim. Horazdiowitz. Am 18. Mai wurde Herr Markus Kohn senior, Kaufmann und Nealitätenbesitzer, unter großer Teilnahme sämtlicher Bevölkerungsschichten beerdigt. Der Verblichene, der im 65. Lebensjahre das Zeitliche gesegnet, hatte die Nikolander-Oberrealschule in Prag und die deutsche Technik daselbst absolviert und sich dann dem Koufmannsstande gewidmet. Er war mehrere Jahrzehnte hindurch Vorstandsmitglied der hiesigen Kultusgemeinde, der bürgerlichen Vorschnßkassa und Stadtverordneter; er zeichnete sich durch besondere Intelligenz und Bescheidenheit aus. Der Rat des Verblichenen wurde von jedermann eingeholt und seine Arbeitskraft kam der jüdischen wie der Stadtgemeinde sehr oft zugute. Er war auch Mitglied der Pilsener Loge B'nai B'rith und vieler anderer wohltätiger Vereine. Die Beliebtheit, deren er sich erfreute, kam bei seinem Leichenbegängnisse zum Ausdruck. Der Friedhof vermochte kaum die Zahl der von Nah und Fern herbeigeeilten Trauergäste zu fassen. Möge dem Verblichenen die Erde leicht sein! B, Nachod. Unser geehrter Vorsteher, Herr Jakob Pick, feierte am 17. Mai d. I. sein 50jähriges Hochzeitsjubiläum. Den vorangehenden Sabbath erschien er nach längerer Krankheit wieder zum erstenmal im Tempel und ward von den Anwesenden freudig begrüßt.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.