Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 25 (1908)
- Issue
- 22 (29.5.1908)
- Date
- 1908-05-29
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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Rr. 22 Dr. Llocb's MocbenscdrLR. Seite 407 Wien. Das Memorandum, welches seinerzeit von den Vertretern vieler jüdischer Vereine und zahlreichen Privatpersonen in der bekannten Angelegenheit des Brigittenauer Wohltätigkeitsvereines „Schomrei hadat" an den Vorstand der israelitischen Kultusgemeinde überreicht wurde, ist von demselben nur zum Teile erledigt worden. Am 21. Mai fand nun eine neuerliche Konferenz, die von zahlreichen Vereinen beschickt wurde, statt, in welcher Herr Dr. Josef Zipfer über den Bescheid des Kultusvorstandes und über den nicht erledigten Teil des Memorandums ausführlich referierte. In der sich nun an das Referat anknüpfenoen Diskussion kam ein Uebelstand zur Sprache. Der Kultusvorstand subventioniert bekanntlich viele Privatbethäuser nach freiem Ermessen. Während manche dieser Bethäuser eine ausgiebige Subvention erhalten, wird den anderen eine solche im kärglichsten Maße verliehen. Dieses freie Ermessen stützt der Kultusvorstand auf § 82 des Kultusstatutes. Dieser § 82 steht aber im hellen Widerspruch mit dem Kultusgesetze vom 21. März 1890, insbesondere aber mit der Vorschrift des § 25, Absatz 3 desselben, nach welcher die Statuten einer Kultusgemeinde genaue Bestimmungen darüber enthalten müssen, unter welchen Voraussetzungen, in welchen Fällen und nach welchem AusmaßSubventionen an Privatbethäuser gewährt werden. Es muß hiebei also nach einem bestimmten Schlüssel vorgegangen .werden. Es wurde ein dreigliederiges Komitee, bestehend aus den Herren Dr. Zipfer, Doktor Rybaezewsky und Wolf Pappenheim, gewählt, das sowohl beim Kultusvorstande als auch bei der Behörde wegen Aenderung der Bestimmungen der Statuten einzuschreiten und einer einzuberufenden Konferenz hierüber zu berichten hat. Wien. Der' „Humanitäre Verein der Eisenstädter" hält am 30. Mai 1908, um halb 9 Uhr abends, in I. Hirsch' Restauration, Wien, II., Kaiser Josefstraße 15, seine Plenarversammlung ab. Gegenstand der Tagesordnung: 1. Stellungnahme des Vereines zur Feier am 28. Juni 1908. 2. Anmeldungen der Teilnehmer zum Ausfluge am 28. Juni nach Eisenstadt. Verein „Nationale Autonomie". Am 19. Mai fand die konstituierende Versammlung des Wiener politischen Vereines „Nationale Autonomie" statt, dessen Zweck nach § 2 der Vereinsstatuten die Propaganda geeigneter Vorschläge .zur Beseitigung der nationalen Gegensätze durch Einführung der nationalen Autonomie auf Bafis der Gleichberechtigung aller Volksstämme und Rassen im Sinne der allgemeinen Menschenrechte und der gegenseitigen Achtung und Duldung ist. In die erste Vereinsleitung wurden gewählt: Reichsratsabgeordneter Ernst Breiter als Obmann; Reichsratsabgeordneter Dr. Eugen L e w i c k y als I. Obmannstellvertreter; Schriftsteller Rudolf Richter als II. Obmannstellvertreter; Schriftsteller Dr. Nathan Birnbaum als Schriftführer; Constantin R. v. Zoppa als Kassier; Redakteur Franz Bernecker. Austritte aus dem Judentum vom 17. bis 23. Mai 1908. Agular Pauline, Private, geb. 1862, Wien, IX., Frankgasse 10. Berger Leopold, Ingenieur, drzt. im Allgem. Krankenhanse Brasslof Guido, geb. 1876, Wien, IX., Heiligenstädterstrasse 12 Falk Gabriel, Kaufmann, geb. 1870, Budapest, XVIII., Dittesg. 15 Fuchs richtig Hahn Moriz, Kanzleileiter, geb. 1884, Wien, VIII., Schlösselgasse 2 Fuchs richtig Hahn Lisa, geb. 1884, Rostow, VIII., Schlösselg. 2 Kriser Alfred, geb. 1884, Wien, Triest Maurer Achza, Schneiderin, geb. 1882, Lemberg XX., Hannovergasse 27 Rosenberg Marie, Private, geb. 1891, Wien, I., Giselastr. 11 Robitsek Alex Julius, Kaufmann, geb. 1875, Wien, VIII., Albertg. 30 Robitsek Christine, Private, geb. 1854, Mainz, VIII., Albertgasse 30 Strasser Fanto Martha, Private, geb. 1876, Wien, IX., Alserstrasse 20 Schüller Arthur, geb. 1874, Brünn, IX., Garnisongasse 7 Schüller Margarethe, geb. 1886, Wien, IX., Garnisongasse 7 Weghaly Franz Josef, Heizer d. Staatsbahnen, geb. 1883, Wien, XV., Würfelgasse 4 * * * Herr Ephraim B a u m f e I d, der Vater von Hermann Baumfeld, teilt uns mit, dass sein Sohn sich konfessionslos aus dem Grunde erklärt habe, weil er in Wien keine Arbeit gefunden und aus Not nach Omsk in Russland auswandern muss, wo die Juden kein Wohnrecht haben. Pohrlitz Dem Oberlehrer Moritz Bader wurde für die Vorlage des von demselben aus Anlaß des 60jährigen Regierungsjubiläums Semer Majestät verfaßten „Huldigungs- Gedichtes" auf Grund einer Seiner Exzellenz dem Herrn Oberstkämmerer aus diesem Anlässe Allergnädigst erteilten Ermächtigung der Allerhöchste Dank mit dem Beifügen bekanntgegeben, daß diese Dichtung der k. u. k. Familien-Fideikommiß-Bibliothek einverleibt wird. Judenbedrückungen in Rumänien. Berlin. Dem Bureau der Alliance Jsraelite Universelle wird aus Rumänien gemeldet: Nach zuverlässigen Nachrichten fährt die Regierung fort, die Juden, besonders in der Moldau, zu bedrängen. Infolge der systematischen, auf den Ruin der jüdischen Bevölkerung gerichteten Weisungen des Ministers Bratianu werden zahlreiche jüdische Familien aus dem Distrikt Jassy vertrieben. In Bivolary erhielten fast sämtliche Juden, die keine Immobilien befitzen, das Ausweisungsdekret und befinden fich in verzweifelter Lage. Durch einflußreiche Intervention ist es vorläufig gelungen, einen kurzen Aufschub zu ihren Gunsten zu erlangen. Wenn aber nicht alsbald von autoritativer Seite nachdrückliche Vorstellungen an maßgebender Stelle erfolgen, werden unzählige Familien in ihren Existenzbedingungen bedroht. Stabt Kanitz. Am 23. d. M. weilte der Herr Statthalter von Mähren Dr. v. H e i n o l d in unserer Stadt. Die israelitische Kultusgemeinde und der israelitische Stadtvorstand waren durch die Herren Rabbiner Dr. Flesch, Bürgermeister und Kultusvorsteher Friedrich Fischer, Kultusrat Sigmund Haas, Jfidor Friedl jun., Gemeinderat Sig. Samek und L. Matzka vertreten. Auf die Begrüßungsrede des Herrn Dr. Flesch erwiderte der Herr k. k. Statthalter, daß er von den patriotischen Gefühlen der Juden und von deren Bürgertreue überzeugt sei. Herr Statthalter Dr. v. Heinold beehrte auch unser altehrwürdiges Gotteshaus mit seinem Besuche. Am Eingänge des Gotteshauses wurde derselbe von Herrn Emil Brunner und Herrn Sigmund Haas empfangen. Rabbiner Dr. Flesch hielt eine patriotische Feier ab, die reichen Beifall fand; sichtlich gerührt verließ der Herr Statthalter das Gotteshaus. Um das Gelingen der schönen Feier, die Ausschmückung des Tempels und der Jsraelitenstadt hat Herr Kultusvorsteher und Bürgermeister Friedrich Fischer sich große Verdienste erworben. Straßnitz. Löbliche Redaktion der „Oesterreichischen Wochenschrift", Wien! Vor einigen Tagen erschien bei mir ein Herr, Mitglied des hierortigeu israelitischen Gemeindeausschuffes, mit einen Sammelbogen „für das Kind"; von Seite der Bezirkshauptmannschaft wurde die israelitische Gemeinde aufgefordert, für das Kind zu sammeln. Die Sammlung für obigen Zweck entspricht ja den Intentionen unseres erhabenen Monarchen, es ist ja nur zu begrüßen, daß in dieser Weife etwas für Kinder geschieht, was werden jedoch die jüdischen Kinder hievon haben? Wäre es nicht nützlicher und praktischer gewesen, wenn die Sammlung des jüdischen Geldes ausschließlich für jüdische Zwecke, resp. für ein jüdisches Kinderspital Verwendung finden sollte? Dort hätte ja im Bedarfsfälle ein jüdisches Kind Aufnahme gefunden, so aber ist es sehr fraglich, ob je ein jüdisches Kind von den allgemeinen Stiftungen bedacht wird. Weiters könnten meiner Meinung nach ja die israelitischen Gemeinden auch für unseren erlauchten Kaiser ein Huldigungsfest der Schuljugend veranstalten. Sollten Sie, geehrter Herr Redakteur, glauben, daß die Veröffentlichung dieser Zeilen von Nutzen wäre» so bitte um deren Verwendung. Julius P l a t s ch e k. Holleschau. Vor kurzem feierte Herr Abraham Grätzer Kultusvorsteherstellvertreter, seinen 70. Geburtstag. Die Kultusgemeindevertretung benützte diesen Anlaß, ihrem verdienstvollen Vorsteher die Achtung und Wertschätzung zu bezeugen. Er wurde am Samstag feierlich zur Tbora gerufen und durch einen von Sr. Ehrwürden Herrn Rabbiner Dr. Freimanu eigens für diesen Tag verfaßten und von Herrn Kantor Braunfeld vorgetragenen Mischeberach ausgezeichnet. Nach dem Gottesdienste begaben sich Se. Ehrwürden Herr Rabbiner und die Kultusgemeinderepräsentanz in die Wohnung des Jubilars und überreichten ihm eine reich ausgestattete Glückwunschadreffe, wobei Herr Rabbiner eine schöne Ansprache hielt, in der er die mannigfachen Verdienste und allgemeine Achtung des Herrn Grätzer hervorhob.