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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1908-05-29 · 22 (29.5.1908) · page 10

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
25 (1908)
Issue
22 (29.5.1908)
Date
1908-05-29
Page
– (sequence 10)
Language
German
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«Me 406 Dr. Vlvch's Wochenschrift. Nr. 22 die dem christlichen Glauben angehören. Einige Jahre spater wurde den Juden dennoch erlaubt, sich in Stockholm, Nordkofing und Goteborg niederzulasien. Die finnländischen Juristen haben wohl schon damals das Gesetz vom Jahre 1772 dahin interpretiert, daß Juden in Finnland überhaupt nicht wohnen dürfen, das praktische Leben erwies sich jedoch starker als Me juristische Theorie und so ließ man die Juden, die nun einmal da waren, im Lande bleiben, schuf jedoch immer neue Rechtsbegreuzungen, welche den Juden das Leben in Finnland verbitterten. Besonders rücksichtslos war hierin die administrative Gewalt. Da jedoch die finnländische Regierung stets darauf bedacht war, das Dekorum der Gesetzlichkeit nach außen hin zu wahren, so wurde denn im Jahre 1889 eine Verordnung flein Gesetz) erlassen, durch welche bestimmt wurde, daß die Juden nur in drei Städten des Landes wohnen dürfen, daß es ihnen selbst zu geschäftlichen Zwecken verboten sei, ihre Wohnung auf eine Entfernung von drei Kilometern zu verlassen. Als Erwerbszweige wurde ihnen der Handel mit Obst und Zündhölzchen, Zigaretten und Zigarren, alten Kleidern zugewiesen. Außerdem wurde verordnet, daß jüdische Kinder, die in den drei Städten wohnen und eine Ehe mit einer außerhalb Finnland wohnenden Person eingehen, verhalten sind, das Land sofort zu verlassen. Auf diese Weise wollte die Administration einen gesunden, kräftigen jüdischen Nachwuchs im Lande hintanhalten. Me diese Verordnungen beziehen sich jedoch, nur auf die Juden, die schon im Lande leben, was jedoch die fremden Juden betrifft, so dürfen solche nicht länger als drei Tage sich in Finnland aufhalten. Herr Jacobson schließt seine Ausführungen mit dem Nachweise, daß alle diese Verordnungen nicht nur der modernen Auffassung von Völkermoral und sozialem Fortschritt, sondern auch den Staatsgrundgesetzen des Landes widersprechen. Hierauf sprach ein Verwandter des Vorsitzenden, Landtagsabgeordneter Nuastewa schwedisch. Er kritisiert scharf die Vorgänge in der antisemitischen Versammlung und führt dann aus: Auch heute müsse genau so wie im finsteren Mittelalter die Ursache des Judenhasses im religiösen Aberglauben gesucht werden, der unter den christlichen Volksmaffen lebt. Das gehe schon aus der Tatsache hervor, daß der Jude, der seiner Väter Glaube verläßt und das Christentum annimmt, sofort aller bürgerlichen Rechte teilhaftig wird. Es ist wahrscheinlich, daß die meisten dieser Juden, die die Taufe nehmen, hiezu nicht durch die innere Ueberzeugung, sondern durch äußeren Druck und materielle Notlage getrieben wurden und daß dieser, gewissermaßen zwangsweise getaufte Jude in seinem Herzen mel.r Groll empfindet gegen das Christentum, als der Jude, dem die Kraft und die Möglichkeit gegeben ist, seinem Glauben treu zu bleiben. Und dennoch wird der getaufte Jude eine angesehene Persönlichkeit, ein geachteter Mann, er wird reich und mächtig, ja er wird sogar in den Adelsstand erhoben. Es ist wahrhaftig ein Jammer, zu sehen, wie ein ganzes Land zittert vor ein paar Juden, die, wie ein Delegierter der antisemitischen Versammlung, ohne Heiterkeit zu erwecken, behauptete, das ganze Land verschlingen könnten. Das aber will keiner sehen, daß der jüdische Händler sich mit einem geringeren Profit begnügt, als der finnische. Dies wäre aber eher ein Grund dafür, daß das finnische Volk mehr ihre konnationalen Händler fürchte als die jüdischen. In keinem Falle aber sehe Redner ein, daß es gerecht wäre, Menschen nur deshalb zu bedrücken und zu verfolgen, weil sie klüger und fleißiger find als ihre Bedrücker. Die Behauptung, daß die Juden sich nur mit Handel abgebeu und sich nicht an den kulturellen Bestrebungen des Landes beteiligen, ist eine arge Verleumdung. In den Ländern, in denen Juden gleichberechtigte Bürger sind, haben sie stets an der kulturellen Entwicklung des Landes in hervorragender Weise mitgearbeitet. Redner will nicht all die großen Männer aufzählen, welche das jüdische Volk der Menschheit gegeben, er wolle nur ein Beispiel anführen: Diese Tage kommt der berühuite Kritiker Georg Brandes nach Finnland. Alle sinnländischen Zeitungen begrüßen sein Kommen mit großem Enthusiasmus und weisen darauf hin, daß es für Finnland eine große Ehre bedeute, daß Brandes komme und hier drei Vorlesungen halten werde. Ich brauche Ihnen nicht erst zu erzählen, welche Stellung Georg Brandes in der modernen Kulturbewegung innehat, das weiß jeder, der nur ein wenig mit der Literatur bekannt ist. Die finnländischen Zeitungen sind jetzt voll des Lobes über Georg Brandes, aber eines vergessen sie hinzuzufügen, daß er Jude ist, der nach den Gesetzen Finnlands nur mit Obst, Zündhölzchen und alten Stiefeln handeln darf, oder richtiger gesagt, auch das nicht darf, da er ja nicht in Finnland geboren ist und daher hier sich höchstens drei Tage lang aufhalten dürste. Es wird interessant sein, zu sehen, wie sich die Administration Brandes gegenüber benehmen werde. Solche Juden wie Brandes gibt .es aber unzählige und würde man das jüdische Volk, seinen Körper und seine Seele weniger bedrücken, so würde die Welt sicherlich mehr Nutzen als Schaden haben. Er wendet sich schließlich gegen die Ausfälle der Antisemiten und warnt das finnische Volk, den Phrasen dieser niedrigen Vaterlandsbeglücker nicht autzusitzen, die ihm mehr Schaden zufügen könnten, als alle Juden der Welt zusammengenommen." Nach einigen langen Diskussionen, an welchen sich auch mehrere Antisemiten beteiligten, wurde schließlich die folgende Resolution angenommen: 1. Die administrativen Begrenzungen gegen die Juden sind eine Schande und Schmach für das finnische Volk. 2. Den Juden seien zumindest dieselben Rechte zu gewähren, wie die Ausländer sie genießen. (Anmerkung: Ausländer, welche nach Finnland kommen, erhalten nach dreijähriger Seßhaftigkeit die gleichen Rechte mit den. Finnländern. Während der ersten drei Jahre dürfen Ausländer frei handeln und jedem Erwerbe nachgehen; sie besitzen nur kein Stimmrecht für die Landtagswahlen und können keine staatliche Stellung bekleiden.) Die Resolution wurde von der vieltausendköpfigen Versammlung fast einstimmig angenommen. Gegen dieselbe haben bloß fünf gestimmt. vermischtes. Kranzablösungsspenden zugunstenderChewra-Kadischain Wien I., Seitenftettengaffe 4 für arme kranke Glaubensgeuoffen. Anläßlich des Ablebens des sel. Samuel Wertheimer: Von Josef Wertheimer X 20.—, Hermann Adler 10.—, Siegfried Wertheimer X 10.—. Zusammen X 40.—. Anläßlich des Ablelens der sel. Rosalia Klein: Von Philipp Löwy und Frau X 10.—. Anläßlich des Ablebens der sel. Julie Fried: Von Doktor Aldor und Frau X 5.—. Anläßlich des Ablebens der sel. Anna Nürnberger: Von Familie Gustav Bamberger X 10.—, Prof. E. Spiegler 20.—, Friederike Hauser 20.—, Markus Benedikt 20.—, Fanny Singer X 10.—. Zusammen X 80.—. Wien. Der I. Wiener jüdische Turnverein hat mit einem Kostenaufwande von zirka 5000 Kronen im Hause IX., Liechtensteinstraße 20, neue Turnlokalitäten adaptieren lassen, die in jeder Beziehung geeigneter sind" als das bisherige Lokal. Die feierliche Eröffnung der Halle findet am Samstag den 30. Mai, abends, statt. Gleichzeitig hiermit beginnt wieder der regelmäßige Turnbetrieb, und zwar für Herren: Montag und Donnerstag von Vä8-9 Uhr abends; für Damen: Mittwoch und Samstag von 7—%9 Uhr abends. Anmeldungen am Turnplätze. Wie». Der Firma M a i s o n B e ck, I., Wipplingerstraße 3, wurde von Ihrer k. u. k. Hoheit der Frau Erzherzogin Valerie der Titel „Kammerlieferanten" verliehen. Wien. (Spendem) Laut Aufruf in Nr. 19 unseres Blattes, betreffend die von Herrn Julius Braun angeregte.Errichtung eines Kinderspitales in Wien, sind uns von Herrn Karl Singer in Wisowitz 5 Kronen, auf unseren Aufruf in Nr. 20 für den Studenten Jakob Perez unter „Drei mildtätige Frauen aus Budwe.s" 3 Kronen zugekommen. Jüdisches Museum. Die Sammlungen dieser Gesellschaft wurden in das neue Museumslokale, II., Praterstraße 28, I. Stock, übertragen. Nunmehr werden die Objekte geordnet und neu aufgestellt und wird der Zeitpunkt der Wiedereröffnung der Sammlungen rechtzeitig bekanntgegeben werden. Zu dem bevorstehenden Festzuge find noch einige Karten für den Balkon und zu den Fenstern erhältlich. Diesbezügliche Zuschriften wollen an das Bureau der Gesellschaft, I., Krugerstraße 8, gerichtet werden. Kaiserhuldigungsfeier iw israelitischen Bethause „Talmud-Thora", II., Malzgasse 16. Anläßlich des sechzigjährigen Regierungsjubiläums Sr. Majestät, unseres glorreichen Kaisers, wird unser Herr Oberkantor Schabse Weist einen von ihm komponierten Festgesang, sowie die Volkshymne mit verstärktem Chor am ersten Schewuotfesttage, das ist am Freitag den 5. Juni, um 10'/z Uhr vormittags, zum Vortrage bringen. Hierauf folgt eine Festrede vom Herrn Rabbiner H. Schenk. Wiener Spar- und Kredit-Gesellschaft. Wien, I.. Franz-Josefs-Kai 43. Die 7. ordentliche Generalversammlung findet Montag den 1. Juni 1908, 7 Uhr abends, im Gremialsaale der Wiener Kaufmannschaft, IV., Heugasse, statt. Wien. Der Verein „Tefilas-Haneorim" veranstaltet am . Schwuosfeste im Lokale der Bibelschule, II., Tempelgasse 3, einen Gottesdienst für die Jugend, der zur selben Zeit wie in den Gemeindetempeln beginnt.

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