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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1908-05-22 · 21 (22.5.1908) · page 18

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
25 (1908)
Issue
21 (22.5.1908)
Date
1908-05-22
Page
– (sequence 18)
Language
German
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S»te 394 Dr. VloiL's MocDensiDrLtt. Nr. 21 gekränkt und belehrt. Die Reaktion kam, dieser gab Ausdruck das nunmehr zum Selbstbcwußtsein erwachte Volk in der glänzend redigierten Zeitschrift „Przyszloic" jetzt „Wschod". Wenn ich mich nicht irre, waren die ersten Mitarbeiter die jetzigen Abgeordneten Gabel, Stand und andere tatkräftige Akademiker. Die „Przyszloic" war der Vorläufer des Zionismus, der jetzt in Galizien starke Wurzel gefaßt und mit einem unbarmherzigen, erbitterten Kampf den alten und jungen Assimilitoren entgegentritt. So weit der jetzige Stand der Sachlage. Und nun meint der optimistische Verfasser Dr. Alfred Kohl in seiner sicherlich ehrlich gemeinten, aber naiven Auffassung, daß diese selbständige Bewegung der Juden in Galizien eine verfehlte ist und daß man zu einer gegenseitigen Verständigung gelangen könne, so — wie gesagt — die Juden ihre separatistischen Bestrebungen aufzugeben geneigt find. Tie Adresse an das jüdische Volk ist ganz verfehlt; die „Kolka rolnice" und ähnliche Gründungen haben zu viel Elend unter dem jüdischen Proletariat angerichtet, die Belohnung eines vielleicht auch an sich verdienten Juden für die geleisteten Liebesdienste kann nicht eine so schreiende Ungerechtigkeit einem ganzen Volke gegenüber ausgleichen. — Der Verfasser verspricht noch eine Serie von Artikeln, Abhandlungen, die seine aufgestellten Thesen beweisen sollen. „Yederewo". Jedenfalls verdient die bis jetzt erschienene Abhandlung Beachtung in den weitesten Kreisen schon aus dem Grunde, um den Jdeengang der noch jetzt ver- und geblendeten Assimilatoren kennen zu lernen. Triest, 14. Mai 1908. Rabbiner Dr. U. Brettholz. Dr. I. Günzig, Rabbiner in Loschitz. Rabbi Israel Baal Schem, der Sttfter des Chassidismus. Sein Lebe» und seine Lehre. Brünn 1908. Jüdischer Buch- und Kunstverlag Max Hickl. Ueber den Chassidismus herrscht in weitesten Kreisen ungefähr dieselbe Kenntnis wie über den Sohar. Die unglaublichsten Dinge werden von beiden erzählt. Geht man auf den Grund, dann wird man eine imponierende Ignoranz entdecken. Welche Schätze im Chassidismus ruhen, wie viel Moral und Philosophie, wie viel Gemüt und Sütel der Gesinnung, davon kann nur eine Ahnung haben, wer die Literatur kennt oder Chassidim, echte nämlich, kennen zu lernen Gelegenheit hatte. Günzig kennt beides: Lehre und Leben. Deshalb ist er, der übrigens als tüchtiger, hebräischer Literat bekannt ist, spruchbefugt auf diesem Gebiete. Seine Monographie über Rabbi Israel Baal Schem legt davon deutliches Zeugnis ab. Diese hochinteressante, charakteristische Erscheinung des Kabbalisten aus Mindziboz tritt aus Rahmen und Hintergrund prächtig heraus. Der ganze Zauber seiner faszinierenden Persönlichkeit wird aus der lebenswahren, historisch-getreuen Schilderung des Verfassers begreiflich. Natürlich nur für Denjenigen, der die Zeit begreift und dem die Mystik des Chaffidismus nicht wie Perversion erscheint. „Es war der Protest einer impulsiven Masse gegen eine einseitige, ihr in Kulten übermäßig subtilen Forschungen dargebotene Darstellung des Judentums, die sie nicht nur nicht verstand, sondern die auch alle Entfaltnng ihrer religiösen Gefühle und Erregungen ausschloß, so daß ihr die Religion fast unmöglich gemacht worden war." — Aehnlich wie heute das rein historisch gerichtete Judentum am liebsten die Religion ausgejchaltet sähe, ohne eingestehen zu wollen, daß es dann auch national fern müsie. — Günzig erklärt im dritten Kapitel die Möglichkeit der ungeheueren Verbreitung des Chassidismus und den Kampf der reinen Talmudisten gegen die Chaffidim geschichtlich und philosophisch. Je ernster der Kampf wurde, umso größer ward das Ansehen des „Baal Schem". Erst das Auftreten der unglückseligen „Frankisten" brachte die Chassidim auf Sette der Talmudisten. — Der Grundgedanke der Lehren des Baal Schem" ist die Allgegenwart (Immanenz) Gottes. Sein ganzes System und Leben ist von dem Gedanken der lebendigen Gegenwart Gottes in allem Bestehenden durchdrungen. Außer und außerhalb der Gottheit gibt es nichts. Gott ist in Allem verkörpert. Deshalb ist auch in allen Dingen Gutes. Es ist unsere Pflicht, es zu suchen. Inmitten anscheinender Niedrigkeit ist Gott nicht fern. Milde und Nachsicht sind daher un-, trügliche, notwendige Zeichen des Chasstd. Wie Beal Schem bei seinen Lebzeiten fast abgöttisch verehrt worden war, so nach seinem Tode (1760). — Die Chaffidim-Gemeinde fand in seinem Schüler Rabbi Beer (in Mizricz, einem Städtchen in Wolhynien) einen würdigen Nachfolger. Er war ein berühmter „Maggid" und folgte in Lehre und Leben den Spuren des berühmten Meisters. Der Chaffidismus legt besonderes Gewicht auf die Andacht beim Gebete. Nicht Scharfsinn, Gelehrsamkeit, nicht Wiffenschaft führen zur wahren Weisheit und Erkenntnis Gottes. Diese konzentrierte, exaltierte Slndacht hat die Kawanoth zur Konsequenz, die zum inneren Anschluß an Gott führen sollen (Debekuth), zur Vereinigung deS Geistigen mit dem Materiellen, des Göttlichen mit dem Gefchaffeuen. Die Identität sichre ist eine der wichtigsten des Chaffidismus. Die drei Hauptmgenden des wahren Chassid sind: Heiterkeit, Demut und Begeisterung. Ihm erscheint das ganze Leben als ein Aufgehen in Gott, ohne daß er das praktische, tätige Leben der Arbeit deshalb verleugnete. Auch der Tod ist kein Untergehen, sondern ein Aufgehen in Gott. Den Mittelpunkt des Andachtslebens bildet dem Chassid der Sabbath. Er bringt die „zweite Seele", die „Seelenerweiterung". Gebete, Erzählungen aus dem Leben der Frommen. Gesänge füllen ihn aus. Der Gesang ist in den Kreisen der Chaffidim geliebt und geübt. „Die Welt der Melodien steht der Welt der Buße am nächsten." Es ist ein unaufhörliches Ringen nach Stimmung und Andacht, das den Chassid beschäftigt. Nirgendwo werden die Sabbathe und Feste mit gleicher Weihe gefeiert, wie tn Chaffid-Kreisen. „In ihrer Pflege der jüdischen Tugenden, ihrem felsenfesten Gottvertrauen, ihrer frommen Ergebenheit in den Willen der Vorsehung, ihrer moralischen, religiösen Lebensweise können sie mit vollem Rechte der von westlicher Kultur und vom Rationalismus durchdrungenen Judenheit als Muster und Beispiel dienen." Bei dem gänzlichen Mangel an fremden Bildungselementen ist das jüdische Gesetz, jüdische Moral, der Glaube, der alleinige Erzieher der Chaffidim geworden. Günzigs Schrift ist ebenso interessant, wie belehrend und zeigt auch Uneingeweihten das richtige Bild, des Chassidismus. Aber auch Fachgelehrte werden es mit Vergnügen und Nutzen lesen. Dr. D. Feuchtwang. Eine jüdische Farmerzeitung. Als ein erfreuliches Zeichen der Entwicklung des Farmwesens unter den amerikanischen Juden ist der Beschluß der „New-Horker Gesellschaft zur Förderung des Ackerbaues und der Industrie unter den Juden" (Jewish Agricultural and Industrial Aid Society of New-York) anzusehen, vom nächsten Monate angefangeu eine Monatschrift „The Jewish Farmer" herauszugeben. Mit der Redaktion wurde der jüdische Fachschriftsteller I. W. Pinkus betraut. „Jung-Juda", IX. Jahrgang, Prag, Stefansgasse 630, X 2.5O halbjährlich, erscheint geheftet alle 14 Tage. Die Sommerszeit, mit den bald kommenden Ferien wird von unserer Jugend gerne zur Lektüre verwendet. „Jung-Juda" bringt Gedichte, Erzählungen, Reiseschilderungen, Illustrationen, Rätsel rc. und wirkt auf Geist und Gemüt ein. In keiner Sommerfrische sollen unsere Kinder diese Jugendzeitschrift vermissen, sie werden durch dieselbe auch jüdisch fühlen. Probehefte versendet auf Wunsch die oben genannte Administration in Prag. ’' ' - : A " Neue Bücher. Samuel Meisels. W e st ö st l i ch e Miszellen. Broch. Mk. 3.—, in Leinen geb. Mk. 4.50, in Leder geb. Mk. 6.—. ,,-kenien-Verla g". Leipzig 1908. „Die Jugendstimme". Ein literarisch-wissenschaftliches Sammelbuch. Verlag „Der Hammer", Wilna. Sechster Geschäftsbericht (1907) des Hilfsvereius der Deutschen Juden, erstattet der Generalversammlung am 29. März 1908. Berlin. Jaeob Freund, Konstrmationsreden, Preis K 2.40. Verlag Jakob B. B r a n d e i s, Buchhandl., Breslau. Krirfkaste«. Deutsch-freisinniger Student. Sie können ganz ruhig schlafen bei Ihren Vorlesungen. Das „Deutsche Volksblatt" hat ja die Berichtigung Ihrer Verbindung „Fidelitas", daß sie nicht, wie behauptet, jüdisch-freisinnig, sondern deutsch-freisinnig sei, vollständig abgedruckt. Daß das Blatt dessen ungeachtet an Ihrer Rassenreinheit zweifelt, scheint eine tiefere Ursache zu haben. Am besten ist wohl, Sie senden eine neuerliche, ganz energisch gehaltene Berichtigung ein, der Sie zur Bekräftigung überdies den Taufschein Ihres christlichen Mitgliedes beilegen. Es genügt wohl übrigens auch, wenn Sie die Röntgenphotographie des bekannten deutschen Herzens Ihres Ehrenburschen Ofner übersenden. Sollte jedoch das auch nicht mehr ziehen, dann versuchen Sie es mit einer Interpellation oder mit einem Inserat beim genannten Blatte. Mehr können wir für Sie nicht tun, trotzdem uns Ihre echt deutsch-tapfere Anteilnahme an dxr Wahrmundaffäre unendlich gerührt hat. Neugieriger Leser. Nein, die „Arbeiter-Zeitung" ist nicht antisemitisch. Sle tut nur manchmal so, die Schäkerin. R. K. 2. Die ermordete Rosa G o l d st e i n war allerdings eine Jüdin, wie die antisemitischen Blätter frohlockend beifügten. Ob jedoch dieser Umstand vor den Geschwornen ein Milderungsgrund sein wird, glaube ich doch nicht. Phil. K. i« I. Wir haben Ihnen Nr. 10 bereits wiederholt gesandt.

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