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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1908-05-22 · 21 (22.5.1908) · page 11

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
25 (1908)
Issue
21 (22.5.1908)
Date
1908-05-22
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 21 Dr. Llocd's Mocvenscvnn. Greise und Greisinnen eine Alters- und Jnvalidenversorgung, und wird zu diesem Zwecke auf dem zum israelitischen Spitale hier, nächst der großen Synagoge gelegenen Gartengrunde ein geeignetes Gebäude aufgeführt, zu welchem die Grundsteinlegung noch in diesem Jahre erfolgen soll. Diese Stiftung habe die Bezeichnung: „Kaiser Franz Joseph-Jubiläums-, Alters- und Jnvalidenversorgungsheim für Israeliten" zu führen. Die erforderlichen Vorarbeiten übernahm der Kultusrat und Stadtbaumeister Herr Julius Bochner, der bekanntlich in uneigennützigster Weise auch die Pläne zum jüdischen Nationalhause verfaßt hat. 2. Die israelitische Kultusgemeinde stiftet für immerwährende Zeiten aus eigenen Mitteln im hiesigen jüdischen Kaiser Franz Joseph-Jubiläums-Waisenhause sechs Waisen-Stiftplätze, welche die Bezeichnung „Kaiser Franz Joseph-Jubiläums- Waisenhaus-Stiftplätze" zu führen haben wird und alljährlich am 2. Dezember zu besetzen sind. 3. Die israelitische Kultusgemeinde Czernowitz tritt dem zu errichtenden Jubiläums-Blinden- und Taubstummen-Jnstitute in Czernowitz als Gründerin mit einem einmaligen Betrage von 500 Kronen bei. Bischof und Judengemeinde. Der katholische Bischof von Neusohl in Ungarn Doktor Radnai weilte dieser Tage auf seiner Inspektionsreise in Turoc Szent Marion und empfing eine Deputativn der dortigen israelitischen Kultusgemeinde. Auf die Begrüßungsansprache des Kultusvorstehers erwiderte der Bischof unter anderem folgendes: „Zwischen der jüdischen und der christlichen Religion besteht ein enger Zusammenhang. Die christliche Religion ist in den Evangelien enthalten, deren Lehren sich auf dem Alten Testament aufgebaut haben. Dieses Bindeglied verweise die Christen auf die Liebe und den Frieden. In dem Bewußtsein, daß diese bei seinen Gläubigen nicht fehlen, bittet der Bischof um die Erwiderung derselben seitens der Judenschaft. Abreise des Rabbiners Horowitz nach Jerusalem. Vorige Woche hat Herr Rabbiner I. B. Horowitz, der bekanntlich zum Rabbiner und Direktor des Palästinensischen Kolel Holland und Deutschland ernannt wurde, von Budapest aus mit seiner Familie die Reise nach Jerusalem angetreten. Das österreichisch-ungarische Ministerium des Aeußern hat Herrn Rabbiner Horowitz an alle österreichisch-ungarischen Konsulate des türkischen Reiches wärmstens empfohlen. Auch die Direktion der ungarischen Staatsbahnen ist dem beliebten Rabbiner in liebenswürdigster Weise entgegengekommen, indem sie ihm und seiner Familie für die Strecke Budapest—Konstantinopel ein reserviertes Coups überließ. Am Budapester Bahnhofe hatten sich zum Abschiede von Sr. Ehrwürden zahlreiche Freunde und Verehrer desselben eingefunden. Prüfung eines Rabbiners von einem Bürgermeister. Aus Leutschau in Ungarn wird gemeldet: Eine interessante Entscheidung fällte dieser Tage der Verwaltungs-Ausschuß des Zipfer Komitates in Angelegenheit einer strittigen Rabbinerwahl. Die Kirchdörfer israelitische Kultusgemeinde wählte im Februar dieses Jahres den Papaer Rabbinats-Assessor zu ihrem Rabbiner. Diese Wahl wurde von einem Teile der Gemeindemitglieder mit der Begründung angesochten, daß der neugewählte Rabbiner der ungarischen Sprache nicht mächtig sei. Der Verwaltungs-Ausschuß gab der Berufung Folge und ordnete eine Verhandlung von dem Kirchdörfer Bürgermeister an, wobei sich der Rabbiner einer Prüfung in der ungarischen Sprache unterziehen muß. Von dem Resultate dieser Prüfung ist die Bestätigung der Wahl abhängig. Emanuel Baumgarten. Mittwoch den 20. d. M. starb hier nach längerem Leiden der durch sein öffentliches Wirken bekannte und geschätzte Herr Emanuel Baumgarten im 81. Lebensjahre. Durch »ine Reihe literarischer Arbeiten, deren bedeutendste die Uebersetzung des Werkes „Herzenspflichten" des jüdisch-spanischen Religionsphilosophen Bachja ibn Pakuda war, die er im Alter von 62 Jahren veröffentlichte, hatte er sich einen ehrenvollen Namen gesichert. Durch zwei Jahrzehnte wirkt er in hervorragender Weise im Vorstand und Vertreterkollegium der hiesigen israelitrschen Kultus gemeinde und durch viele Jahre auch als Mitglied des Bezirks- und Landesschulrates und zeichnete sich auch in diesen Stellungen durch erfolgreiche Tätigkeit aus. Für feine Verdienste um die Pflege der Verwundeten im Feldzug 1866 erhielt er das goldene Verdienstkreuz mit der Krone. Warschau. (Leichenbegängnis.) An demselben Tage, als Purischkewitsch in der Duma seinem Judenhaß von neuem die Zügel schießen ließ, versammelte sich hier in der griechisch-orthodoxen Kathedrale und auf dem Kathedralplatze eine nach Tausenden zählende, ausschließlich aus Juden bestehende Menge, um einem verstorbenen griechisch-orthodoxen Christen die letzte Ehre zu erweisen. Der Verstorbene, Geheimrat Lew Lwowitsch Offipow, war Besitzer einiger Wohnhäuser in dem fast durchweg von armen Leuten bewohnten jüdischen Stadtviertel auf der Milastraße. Eifriger Vorkämpfer für die Gleichberechtigung der Juden und aller unterdrückten Nationalitäten, war er der Meinung, daß es die Pflicht eines jeden ehrlichen Menschen sei, so lange die Gleichberechtigung nicht erkämpft sei, den Unterdrückten nach Kräften beizustehen und ihr Los zu mildern. Von diesem Grundsätze ausgehend, unterstützte er die armen Bewohner seiner Häuser, intereffierte sich für ihr Familienleben, schickte die Kinder auf seine Kosten in die Schulen, sorgte für ihr Wohlbefinden und freute sich herzlich, wenn der eine oder der andere Knabe Fortschritte machte und besondere Fähigkeiten zeigte. „Offipow — so pflegte er dann zu sagen — hinterläßt nur eine Tochter, aber er hinterläßt auch Söhne seines Geistes, die der Menschheit einst nützlich sein werden." Er unterhielt sich gern mit den Kindern, nahm an ihren Spielen teil und prägte ihnen bei jeder Gelegenheit Menschenliebe ein. Sein Tod versetzte das ganze Stadtviertel in tiefe Trauer. Als die Leiche zur Kathedrale gebracht wurde, folgte ihr eine gewaltige Menschenmenge, und am Begräbnistatze strömten Tausende armer Juden nach der Kathedrale, wo sie auf Geheiß des Erzpriesters Tatarow eingelassen wurden, um der Einsegnung beizuwohnen. „Ich bin vierzig Jahre Priester — sagte der Erzpriester in der Leichenrede — und habe noch nie gesehen, daß eine solche Menge Andersgläubiger dem Sarge eines Christen folgte und ihn so tief betrauert. Der Verstorbene war kein Strenggläubiger, er vernachlässigte manchmal seine religiösen Pflichten, wenn er aber dadurch gesündigt hat, so werden die Tränen, die an seinem Sarge fließen, diese Sünde abwaschen." Der sonderbare christliche Leichenzug, an dem sich beinahe ausschließlich Juden beteiligten, erregte auf den Straßen ungeheures Aufsehen. Der griechisch-orthodoxe Friedhof befindet sich weit außerhalb der Stadt. Als der Zug an der Grenze der Stadt anlangte, erbaten sich die Juden die Erlaubnis, den Sarg einige Kilomet r weit auf den Schultern bis zum Frieddof zu tragen. Nach Beendigung der Feier nahm zuerst der Erzpriester und dann der jüdische Schriftsteller Senderowitsch in russischer Sprache das Wort: „Deine Freunde," sagte er, „haben Blumenkränze auf Dein Grab gelegt, aber diese Blumen werden schnell verwelken. Wir Juden, für die Du ein Vater und Bruder warst, wir bringen Dir keine Blumen, aber wir begießen Dein Grab mit unseren Herzenstränen und daraus werden Blumen sprießen, die nie verwelken, denn sie wurzeln tief in unseren Herzen." Dann hielt noch der jüdische Gelehrte Finkel eine Rede in hebräischer Sprache, und als er geendet hatte, hörte man plötzlich eine männliche Stimme „81 mols rachmim“, das jüdische Totengebet, hersagen. Die Menge brach in ein lautes Schluchzen aus. Die Tochter des Verstorbenen legte an dem Grabe das Gelöbnis ab, das Werk des Vaters fortzusetzen. BoglLr. In dem vielbesuchten Sommeraufenthaltsort Boglür, an der Küste des berühmten Plattensees gelegen, wurde am Freitag den 9. d. M. ein Mann von seltenen ethischen Qualitäten zur ewigen Ruhe bestattet. Dr. Sigmund Telegdi wirkte fast ein halbes Jahrhundert an erwähntem Orte als vielgesuchter Arzt und genoß in weiten Kreisen eine enthusiastische Verehrung und Liebe, an welcher sein goldenes Herz nicht weniger Anteil hatte, als seine wissenschaftliche Tüchtigkeit. Der Verblichene entstammte einer frommen Familie aus Oberungarn und widmete seine erste Jugendzeit dem Talmudstudium, welches seinem Charakter tiefen Ernst, seinem Geiste unermüdlichen Forfchungstrieb verlieh. Nachdem er seine Gymnafialstudien privat beendigt, zog es ihn zur Medizin hin und das Ideal eines Arztes ward der Inhalt seines reichen Lebens. In dem schwächlichen unansehnlichen Körper thronte eine Seele von ungewöhnlichem Adel, welcher bei Reich und Arm Gefühle der aufrichtigsten Hochschätzung auslöste. Einen wahren Jubel mußte es darum erregen, als dem oielverdienten Manne vor einigen Jahren die Allerhöchste Anerkennung zuteil wurde und er mit dem Franz Joseph-Orden ausgezeichnet wurde. Diese freudige Wendung im Leben des rastlosen Mannes änderte nichts an seiner Bescheidenheit und Dienstfertigkeit allen seiner Obhut Anver-

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