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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1908-05-22 · 21 (22.5.1908) · page 6

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
25 (1908)
Issue
21 (22.5.1908)
Date
1908-05-22
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 382 Dr. Wlocd's MocdenscdrLN. Rr. 21 Juden in den Azoren. Ein Lehrer des „American Jsraelite", der soeben von einer Reise nach Madeira zurückgekehrt ist, macht in dem genannten Blatte folgende interessante Mitteilungen: Auf meiner Reise nach Madeira stieg ich mit einigen Amerikanerinnen in der Insel San Miguel, in den Azoren ans Land. Die größte Stadt dieser Insel ist Ponta Delgada. Da diese Inseln zu Portugal gehören, war ich nicht wenig überrascht, hier eine hübsche Anzahl jüdischer Familien ansässig zu finden. Sie haben ihre eigene, wenn auch nicht allzu große, so doch ganz geräumige, nette Synagoge, in welcher ich einem Sabbath- Gottesdienst beizuwohnen Gelegenheit hatte. Der Ritus ist ein streng orthodoxer. Der Ehasan, der gleichzeitig die rabbinischen Funktionen versieht, ist ein geborener Marokkaner. Die Juden der Stadt stehen bei der übrigen Bevölkerung in hohem Ansehen. Einer der Angesehensten von ihnen ist Mr. Sebag, der bereits in hohem Alter steht und schon in Ponta Delgada geboren wurde. Die Juden gehen hier allen möglichen Berufen nach. In Funchal, dem Haupthafen von Madeira, fand ich keine Juden. Angeblich soll hier ein jüdischer Geldverleiher wohnen, doch gelang es mir nicht, ihn ausfindig zu machen. Hingegen gibt es hier mehrere große Firmen mit jüdischen Namen, so z. B. eine bedeutende Spitzenmanufaktur — die wichtigste Industrie der Insel — der Firma Wolfenstein und Goldberg, deren Inhaber jedoch in Berlin leben. Der König von Italien für David Lubin. Im Herbste dieses Jahres wird in Rom das auf Kosten des verstorbenen Königs Viktor Emanuel errichtete internationale landwirtschaftliche Institut unter besonderen Feierlichkeiten in Gegenwart der Vertreter aller Großmächte eröffnet werden. Die Idee der Errichtung eines solchen Institutes stammt bekanntlich von dem in Californien lebenden David Lubin und man fand es selbstverständlich, daß Amerika sich in dem Internationalen Komitee durch Lubin werde vertreten lassen. Lubin wurde auch zum Vertreter der Vereinigten Staaten ernannt. Vor drei Wochen nun erhielt das italienische Auswärtige Amt zur Ueberraschung der italienischen Regierung die amtliche Mitteilung aus Washington, daß die Ernennung Lubins widerrufen und an seiner Stelle der amerikanische Botschafter in Rom ernannt worden sei. Der Grund dieser Verfügung wurde wohl nicht angegeben, doch sollen Meinungsverschiedenheiten zwischen Lubin und dem amerikanischen Ackerbauministerium die Ursache derselben gewesen sein. Als der König von Italien von der Zurücksetzung, die dem Vater der Idee seitens seiner Regierung widerfahren, Kenntnis erhielt, intervenierte er persönlich bei Roosevelt, damit Lubin wieder die ihm gebührende Ehre zuteil werde. Andererseits protestierten die kalifornischen Kongreßmänner gegen das Vorgehen des Ackerbauministers ihrem gefeierten Landsmanne gegenüber. Tatsächlich hat Staatssekretär Root vor einigen Tagen David Lubin verständigt, daß er wieder mit der Vertretung Amerikas in der internationalen landwirtschaftlichen Kommission in Rom betraut werden solle. Bibel und Technik. Vor einiger Zeit kam der in Niagara Falls lebende Industrielle Atcheson, der Erfinder des Carborundums und des künstlichen Graphits, auf den Gedanken, zu versuchen, die Plastizität des zur Herstellung von Formen verwendeten Tons durch Zusatz irgend welcher Stoffe zu erhöhen. Er wollte mit anderen Worten den Ton mit Zusatz von weniger Wasser plastisch machen und dadurch vor allem das überaus lästige Schwinden verhindern oder wenigstens herabmindern. Nach vielen Versuchen mit allen möglichen Chemikalien fand er, so lesen wir in der „Voff. Ztg.", seine Bemühungen belohnt, indem sich tatsächlich eine ganze Gruppe von Körpern, die in der Industrie sehr weitgehende Anwendung finden, als brauchbar für den genannten Zweck erwies. Diese Körper find die Tannine, Gallussäure, Gerbsäure u. s. w. Als Atcheson sich die vielen Anwendungsmöglichkeiten der intereffanten Erfindung auf sämtliche Gebiete der Keramik überlegte und dabei auch an die Ziegelfabrikation dachte, fiel ihm, dem bibelfesten Amerikaner, auf einmal die merkwürdige Stelle im zweiten Buch Mose im fünften Kapitel ein, wo von der Verwendung von Stroh für die Ziegelherstellung die Rede ist. Der Pharao will die Juden quälen: „Darum befahl Pharao desselben Tages den Vögten des Volkes und ihren Amtleuten und sprach: Ihr sollt dem Volk nicht mehr Stroh sammeln und geben, daß sie Ziegel brennen (Luther übersetzt: brennen, neuere Uebersetzer sagen: machen oder anfertigen) wie bis anher; laßt sie selbst hingehen und Stroh zusammenlesen; und die Zahl der Ziegel, die sie bisher gemacht haben, sollt ihr ihnen gleichwohl auflegen und nicht mindern". Im alten Egypten wurden nämlich die Ziegel aus mit kurzen Strohhalmen versetzten Nilschlamm hergestellt, und man hatte nie so recht gewußt, was in dieser Mischung die Strohhalme für einen Zweck hätten, da ihre Festigkeit ja nur eine sehr geringe ist. Atcheson dachte nun sofort daran, daß das Verfahren der alten Egypter und Juden in irgend einem Zusammenhang mit seiner Erfindung stehen könnte, und machte sich daran, zu prüfen, ob nicht der Strohzusatz denselben Erfolg haben würde, wie der von Tannin u. s. w. Er nahm Stroh, kochte es mit Wasser aus und verwendete dieses Wasser, um Ton plastisch zu machen. Richtig fand er auch, daß das verwendete Wasser dieselben Eigenschaften zeigte wie die früher gebrauchte Tanninlösung, daß es also mit seiner Anwendung gelingt, Ziegel mit weniger Wasser herzustellen als ohne Strohextraktzusatz, und daß dementsprechend auch die Qualität eine bessere wird. Es ist interessant, daß Jahrtausende lang und von Hunderten von Millionen Menschen gelesen, in der Bibel eine wichtige Erfindung geschlummert hat und daß erst jetzt durch die unabhängige Entdeckung des genialen Amerikaners die erwähnte Bibelstelle richtig verstanden werden konnte. Der Blitzableiter iw Talmud. Man hat sich schon oft darüber gestritten, ob das Altertum eine Vorrichtung gekannt habe, an der ein Blitz unschädlich zur Erde niederfahren konnte. Von allen Betveisen' hierfür ist eigentlich nur eine von Dümichen in seiner Baugeschichte des Dendera-Tempels veröffentlichte Inschrift stichhaltig geblieben. An dem ums Jahr 160 v. Ehr. zu Dendera in Egypten errichteten Hatortempel berichtet nämlich eine Inschrift, daß zwei Holzmasten, die mit Kupfer beschlagen und an den Spitzen vergoldet waren, aufgerichtet seien, „um zu brechen das aus der Höhe kommende Unwetter". Auch an dem etwas älteren Horos- Tempel zu Edfu in Oberegypten standen ehemals vier Masten aus Akazienholz, von denen eine Inschrift erzählt: „Als ein Geschwisterpaar ragen sie zum Himmel, beschlagen mit Kupfer des fremden Landes, zum Abwehren des Unwetters des Himmels". Einen neuen Beweis, daß das Altertum beobachtet hatte, daß der Blitz unschädlich an metallenen Gegenständen zur Erde fahre, finden wir im Talmud, Tosefta Sabbath XII. Dort heißt es: „Wer ein Eisen stellt zwischen Geflügel, Übertritt das Verbot der Nachahmung heidnischer Sitten; zum Schutze gegen Blitz und Donner ist es jedoch zu tun erlaubt." Gegen die heidnische Sitte, blanke Degen gegen das Unwetter aufzurichten, von der schon Ktefias aus Indien berichtet, eifern übrigens noch später als die Talmudisten Karl der Große und Bernardus von Siena. Auch auf einen jüdischen Schriftsteller aus dem Ende des 13. Jahrhunderts sei hingewiesen, der durch eine Bemerkung uns erkennen läßt, daß zu seiner Zeit in Spanien wirkliche Blitzableiter b.kannt waren und benutzt wurden. In seiner Erklärung zum Pentateuch erklärt er, Bachja ist sein Name, das Vorgehen der Erbauer des babylonischen Turmes damit, man habe sich, um Gottes spotten zu können, vor dem himmlischen Feuer schützen wollen, und fährt nun fort: „Man wollte das Feuerelement binden, daß es nicht in die Stadt komme, wie wir auch in unserer Zeit einige Gelehrte haben, die eine Kraft kennen, den Blitz nach einer bestimmten Stelle zu leiten,

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