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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1908-05-22 · 21 (22.5.1908) · page 5

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
25 (1908)
Issue
21 (22.5.1908)
Date
1908-05-22
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 21 Dr. MoEs WochrnfchrM. Sette 381 Werte sein und zur Beherzigung aneifern muß. Schon der Titel, das Motto und der Beginn dieses Aussatzes find vom wahren Geiste des Mosaismus erfüllt: „Die gesundheitliche Frage im Lichte der Religion", so lautet die lleberschrift; das Motto, Sirach 38, 30 : „Prüfe, was Deinem Leibe gesund ist, und sieh, was ihm ungesund ist, dieses gib ihm nicht!" Die ersten drei Sätze aber lauten: „So erfreulich es ist, daß die gesundheitlichen Bestrebungen im Volke allmählich immer mehr Boden gewinnen, so ist es doch bedauerlich, daß die meisten dieser Anhänger noch von der einseitigen Meinung beherrscht find, es handle sich bei diesen Gesundheitsbestrebungen immer wesentlich nur um das lei bl i ch e Befinden. Es ist dies aber nur halb richtig. D i e Religion des Leibes bildet im Gegenteil erst den Anfang und die rechte Grundlage für die Seele." „Es ist auch beachtenswert," heißt es dann etwas weiter, „daß die sämtlichen Religionen des Orientes fich nicht auf moralische Vorschriften allein beschränken, sondern zugleich ganz bestimmte diätetische Vorschriften ihren Bekennern zur unbedingten Pflicht machen. Besonders ausgebildet aber sind die religiös-hygienischen Vorschriften bei den Juden, welche trotz der vielfachen früheren Bedrückung heutzutage durch ihre günstigen Gesundheitsverhältnisse ausgezeichnet und eben dadurch vielfach den Christen wirtschaftlich überlegen sind. Diese überraschende Widerstands- und große Arbeitskraft verdanken sie mit Erfolg zum wesentlichsten Teile den vorzüglichen hygienischen Vorschriften Mosis, welcher infolge seiner egyptishen Priesterbildung ein ganz hervorragender Gesundheits- und Religionsphilosoph war. Um die Volksgesundheit sicherzustellen, gab Moses in bezug auf den Fleischgenuß, den er den Juden bekanntlich anfangs ganz verbieten wollte, wenigstens erschwerende Vorschriften. Das unreine, durch seine Trichinen und Finnen gefährliche Schweinefleisch-Verbot er den Juden ganz. Sodann müssen sie selbst das kleinste Tier, also auch jedes Huhn und jede Gans, vom Schächter auf seine Gesundheit genau untersuchen lassen. Der Schmuggel mit toten oder kranken Tieren, die bei uns nicht selten heimlicher und gefährlicher Weise zu Würsten verarbeitet werden, oder der bedenkliche Verkauf verdächtigen Fleisches auf der sogenannten Freibank ist so bei den Juden einfach unmöglich. Schon allein durch diese gesundheitlichen Vorschriften genießen die Juden vor den Christen ungeahnt große gesundheitliche Vorteile. Bekanntlich verzehren die Juden aber außerdem nichts von den hinteren, unreinen Stücken des Tieres und zeigen fich auch dadurch den Christen in hygienischer Beziehung überlegen; denn diese meinen in ihrer anerzogenen Gedankenlosigkeit, alle Teile des Tieres seien gleich gesundheitsgemäß und unbedenklich zuträglich. Sodann gab Moses seinen Landsleuten auch besondere F a st e n v o r s ch r i f t e n, und diese sind ebenfalls von nicht zu unterschätzendem Einflüsse. Es ist ein verhängnisvoller Irrtum und ein höchst bedauerliches Mißverständnis, daß man im Christentume glaubt, Jesus habe alle diese, so wohltätigen hygienischen Einrichtungen seiner Zeit kurze rHand aufgehoben. Nur das ist daran richtig, daß diese mosaischen Gesundheitsvorschriften durch allerlei spätere Zusätze, namentlich im Talmud ins Uebertriebene ausgeartet waren und daß so das Aeußerliche und Formelle den eigentlichen inneren Gehalt der Religion ganz und gar überwuchert hatte. Wenn Jesus, der Held der Geistesfreiheit, im Sinne des Wortes: „Der Buchstabe tötet, nur der Geist macht lebendig", hierin reformierend Wandel schaffte, so hatte er darin Recht; im übrigen sagte er ausdrücklich: „Ich bin nicht gekommen, um das Gesetz (Mofis) aufzulösen, sondern um es zu erfüllen." In eben diesem Sinne hat Jesus in seinem letzten Liebesmahle an die Stelle von Fleisch und Blut süßes Brot und unvergohrenen Wein gesetzt und gab mit Erfolg damit dem Prinzip der fleischlosen Nährweise feierlich Ausdruck. Luther hat als Kind seiner Zeit die hygienische Bedeutung dieser Vorschriften bedauerlich unterschätzt und die erhabene Lehre der fleischlosen Nährweise leider gar nicht gekannt. Dadurch kam es, daß die protestantische Kirche, in Verkennung des großen hygienischen Wertes der mosaischen Vorschriften, alle diese Lehren ganz und gar über Bord warf und verkündigte, die evangelische Freiheit mache alle diese Speisevorschriften entbehrlich. Der evangelischen Kirche wurde damit — nach meiner festen Ueberzeugung — ein unnennbar großer Schaden zugefügt! Dem Mangel jeglicher kirchlicher Speisevorschriften schiebe ich z. B. die wesentlichste Schuld zu, daß unsere deutschen Volksfeste, unsere Kirchweihen usw. fast allgemein einen so grob materiellen Charakter angenommen haben. Ich halte es für eine dringende Au f g a b e unserer Zeit, daß die ausgezeichneten hygienischen Lehren von Moses und Jesus in ihrer tiefen Bedeutung für die ganze Wohlfahrt des Volkes wieder richtig gewürdigt und unserer jetzigen Erkenntnis verständnisvoll angepaßt werden." Dr. Bilfinger, ein Arzt von reicher Erfahrung und großem Ansehen, wandelt in seinem vortrefflichen Aufsatze, in welchem er auch die Beschneidung für eine Gesundheitsmaßregel „allerersten Ranges" und die religiöse Vorschrift des Händewaschens vor jeder Mahlzeit für gesundheitlich sehr wertvoll erklärt, ganz und gar nur in den Bahnen seiner ärztlichen Vorgänger Dr. Rich. Nagel-Barmen und Dr. Wilh. Winsch-Berlin. Mögen diese lichten Bahnen auch von der „modernen" Judenheit immer mehr beschritten werden!*) Eine neuerliche Ehrung des Ministers Oskar Straus. Der amerikanische Handels- und Arbeitsminister Oskar Straus erhielt dieser Tage vom Präsidenten Roosevelt ein Schreiben, in welchem mitgeteilt wird, daß er neuerdings auf weitere sechs Jahre zum Vertreter der Vereinigten Staaten am Haager Internationalen Schiedsgerichte ernannt wurde. Minister Straus wurde zum ersten Male nach dem Tode des Ex- Präfidenten Harrison zu diesem Ehrenamte erwählt. Der Präsident des Staats-Postmeifterverbandes von Pennsylvania ein Jude. Die Postmeister des Staates Pennsylvania (Amerika) haben sich zu einem Verbände vereinigt. Ihre erste Versammlung fand am 22. April d. I. in Harrisburg statt und war von nahezu 400 Mitgliedern besucht. Zum ersten Präsidenten dieses Verbandes wurde einstimmig der jüdische Postmeister von Erie, Isidor Sobel, gewählt. _ Ein interessanter Brief der Königin Luise verdient bekannt zu werden, der, obgleich vor mehr als hundert Jahren geschrieben, heute an aktuellem Interesse noch nichts eingebüßt hat. Der Brief, den Ed. Naher in seinem Buche „Die preußischen Fürsten und ihre Frauen" veröffentlicht, hat folgenden Wortlaut: „Des Königs Minister find hart, sobald es fich um die Juden handelt. Mein Gott, nichts als Witzeleien! O, es ist unnötig, die armen Leute noch weiter zu kränken. Es liegt sehr, sehr viel Demütigendes für den menschlichen Stolz in dem Leben eines Juden. Es schneidet ins Herz, wenn man an den Ton denkt, den fich die Christen gegen die Juden erlauben. Wir sehen in den Juden auch die Menschheit in ihrem ungeschmückten Zustande. Sie find eben ihren Völkerfitten treu geblieben — und es ist ein trauriger Gedanke um das Bewußtsein, daß wir Christen diesen Zustand verachten und sie zu uns hinüberziehen wollen. Von der grauen Morgendämmerung des Mittelalters bis jetzt war das Judentum mit einer Kette von Gesetzen umsäumt. Die ganze heitere Welt, worin wir uns vergnügen und bewegen, machen wir für ihn zu einem Orte voller Fallstricke und Gefahren. Herr Minister, verhärten Sie das Herz meines künftigen Gemahls nicht!" *) Vgl. „Neu-Essäertum und Zionismus" von Leopold Schwarz, Verlag der „Stimme der Wahrheit", Würzburg 1905, Preis 96 h.

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