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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1908-05-22 · 21 (22.5.1908) · page 3

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
25 (1908)
Issue
21 (22.5.1908)
Date
1908-05-22
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 21 Dr. Llocb's Mlocdenscvrm. Sette 37 9 dieses Forum, sie gehören vor gar kein Forum. Man lasse sie ausleben, so lange sie nur lebensfähig sind, und wenn sie es nicht mehr find, verschwinden sie von selber, ohne Erregung hervorzurufen. Damit im Zusammenhänge steht die Gemeindeautonomie. Diese Autonomie hatte ihre kleinen Schatten- — die vielen Reibungen aus persönlichen Motiven — jedoch viel größere Lichtseiten. Sie war ein Bollwerk gegen hierarchische Strömungen, eine Festung gegen den obenerwähnten religiösen Oktroy, sie entwickelte den Stolz und das Selbstbewußtsein der „Baal hakajis", aus denen fich das jüdische Leben in der Gemeinde nährte, die Opferwilligkeit ihre Säfte sog. Diese segensreiche Institution darf nicht nur auf die Besteuerung eingeschränkt werden, nicht so weit beschnitten werden, daß man ihr sogar die Berechtigung, die Qualifikation der Beamten zu prüfen, entzieht. Weniger Bureaukratie, weniger Akten und mehr Arbeit! Weniger Aussicht und Kontrolle und mehr positive Leistungen! Und die Gemeindeautonomie in allen Ehren! Manches verliert sie ja unbedingt, sie erhält gewissermaßen eine Oberbehörde, doch sie soll auch weiter keine Scheinexistenz führen, sondern ein selbständiger Organismus bleiben. Diese Schwierigkeit gilt es zu überbrücken, um dem Bunde, die Sympathien, die er verdient, zu gewinnen. Da ich nicht tadeln und loben, sondern der Sache nützen will, muß ich noch in ein Wespennest stechen und zu jener Frage Stellung nehmen, die einen — ich sage es unumwunden — persönlichen Anstrich dem Bunde verleiht. Bis hieher handelte es sich um sachliche Momente, in der Frage der Teilnahme der Rabbiner an dem Bunde tritt ein persönliches Moment auf. Die Frage tauchte ja auch bei den Beratungen in Wien auf und wurde zu Ungunsten der Rabbiner entschieden. Das kroatische Elaborat vertritt die entgegengesetzte Anschauung. Es macht alle Rabbiner zu Mitgliedern der Generalversammlung, sie bilden zirka ein Viertel derselben, ebenso zu Mitgliedern der Distxiktskommisfionen, sie bilden zirka die Hälfte derselben. Ein Rabbiner ist Vizepräsident der Distriktskommisfion und fünf find Mitglieder des Zentralausschufses (8 11) und einer von ihnen erster Vizepräsident. Diese Berücksichtigung des Rabbinerstandes erklärt fich durch die Einreihung religiöser Fragen in den Wirkungskreis des Bundes. Mit der Ausschaltung dieser Fragen dürfte diese peinliche Rücksichtnahme auch fallen. Ich wage die Behauptung: Je stärker die Teilnahme der Rabbiner in der Leitung des Bundes und in seiner administrativen Tätigkeit, je größer das ihnen in Paragraphen verbriefte Ansehen ist, umso viel mehr wird ihr faktisches Ansehen leiden. Man wird darin eine gewisse Nachahmung anderer Konfessionen erblicken, deren Analogie auf jüdische Verhältnisse nicht angewendet werden darf. Das Ansehen desRabbiners liegt in seine rrabbinischen, seelsorge ri schen, wissenschaftlichen und pädagogischen Wirksamkeit, wie auch in seinen persönlichen Eigenschaften, nicht in der dekretierten Stellung und Würde. Der goldene Mittelweg wäre hier folgender: Die Rabbiner haben ihren Verband und wählen aus diesen eine bestimmte Zahl als Vertretung in die verschiedenen Behörden des Bundes. Der Stand hätte seine Vertretung und wäre im Bunde nicht in präponderanter Stellung. Keinesfalls würde ihr Ansehen dadurch leiden. Dies wären nach meinem unmaßgeblichen Dafürhalten die beachtenswertesten Momente bei der Bildung der Landesorganifation, ohne in die kleineren Detailbestimmungen einzugehen. Es ist zu wünschen, daß diese Institution zu Frommen und Nutzen der kroatischen Juden in Bälde entstehe und ihr segensreiches Wirken beginne. Gegerrivarlsaufgakerr der deutsche« Juden. Oldenburg, 10. Mai. lieber dieses Thema hielt heute nachmittag von 5 Uhr ab im vollbesetzten Saale der „Union" Rechtsanwalt Dr. Klee aus Berlin einen ungefähr 1'/»stündigen interessanten Vortrag. Zunächst hieß der Landrabbiner Dr. Mannheimer die erschienenen Damen und Herren und insbesondere die auswärtigen Gäste im Namen des Jüdischen Landesgemeinderates herzlich willkommen, und gab seiner Freude darüber Ausdruck, daß der Einladung so zahlreich Folge geleistet worden war, zumal die Anwesenden damit bewiesen hätten, daß sie auch an einem so schönen Nachmittage, wo man doch lieber spazieren ginge, ein Opfer bringen könnten. Hierauf erteilte er Rechtsanwalt Dr. Klee, der fich, je länger er sprach, umso mehr als ein ausgezeichneter Redner erwies, das Wort zu seinem Vortrage über das angekündigte Thema. Redner sprach zuerst von den politischen Aufgaben der deutschen Juden in der Gegenwart und führte dabei in der Hauptsache folgendes aus: Eine jüdische Politik existiert in Deutschland nicht, und das ist gut so. Wir wünschen auch nicht, daß eine solche in Deutschland existieren sollte. Wir deutschen Juden haben bei allen Gelegenheiten auf das Energischeste betont, daß wir keineswegs die Absicht haben, irgendwie jüdische Politik zu treiben. Wir gehören denjenigen Parteien an, die unserer Weltanschauung und unseren wirtschaftlichen Interessen entsprechen; aber alle Bestrebungen, die darauf hinauslaufen könnten, innerhalb Deutschland etwas wie ein „jüdisches Zentrum" zu schaffen, weisen wir weit von uns. Aber es ist klar, daß ein Jude, der Ehrgefühl hat, keiner Partei angehören kann, die nicht in Bezug auf die Juden den absolutesten Standpunkt der Gleichberechtigung vertritt. Ferner: Wenn wir es gut meinen mit unserem Judentum, dann müssen wir etwas mehr als das bisher geschehen ist, die Parole ausgeben: Los vom Radikalismus der andern! Wir Juden find im politischen Leben die exponiertesten, wir find diejenigen, deren Wirken auf allen Gebieten beobachtet und kontrolliert wird. Es hat gar keinen Sinn, daß wir überall die Kastanien aus dem Feuer holen für Leute, die, wenn es darauf ankommt, doch undankbar find. Es hat keinen Sinn, daß wir mit dem Radikalismus den Zorn der leitenden Kreise auf uns ziehen. Bei den deutschen Verhältnissen tritt dies nicht so schroff in die Erscheinung, aber wir sehen es in Rußland. Dort hat die radikale jüdische Jugend für die revolutionärsten Jntereffen gekämpft. Dabei ist das Judentum in weilen Distrikten vernichtet worden und es ist eine Zuchtlosigkeit eingeriffen, die verheerend auf alles, was gut und schön und groß ist, gewirkt hat. Und der Effekt des Kampfes ist gleich null gewesen. Die Juden haben nur Undankbarkeit bei denen geerntet, die sie zum Sturmbock benutzt haben. Langsamer, ruhiger historischer Fortschritt, darauf soll unsere Betätigung bei der Politik im allgemeinen hinzielen. Aber nun find wir nicht nur Staatsbürger, sondern jüdische Staatsbürger, und wir haben als solche eine Reihe von Forderungen. In Preußen existiert zum Beispiel noch aus dem Ende der Vierziger-Jahre ein Judengefetz, daß aus dem Mißtrauen gegenüber der jüdischen Bevölkerung des Landes geboren ist. Es ist ein Ausnahmegesetz schlimmster Art. Es verbietet uns, ausländische Juden ohne Genehmigung des Ministeriums in unseren Dienst zu nehmen. Ist dies — entgegen dem Verbot — in einem Geschäft, das einem jüdischen und einem christlichen Sozius gemeinsam gehört, geschehen, so wird der jüdische Sozius in eine Geldstrafe genommen, während der christliche straffrei ausgeht. Schon dieser eine Fall zeigt, daß wir die Gleichberechtigung der Juden mit allem Nachdruck immer und immer wieder fordern müffen. Es ist ein unerhörter Zustand, daß es Länder gibt, in denen Juden nicht Richter werden, in denen sie nicht in die Regierungsämter gelangen können. Allerdings müffen wir dann auch unsererseits etwas leisten. Der Christ kann nur Achtung vor uns haben, wenn wir wirkliche Juden find. Wir haben als Juden die Verpflichtung, uns

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