Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 25 (1908)
- Issue
- 21 (22.5.1908)
- Date
- 1908-05-22
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Sr. Llocv's Mlocdenscdrttt. Nr. 21 Seite' 378 lesen versteht, merkt, daß man eiue Freiheit mit Vorbehalt proklamiert und bei günstiger Gelegenheit mit den Christlich- Sozialen schon wieder zu trautem Spiel in die Laube gehen wird. Grundsätze sind schön, aber sichere Mandate sind wertvoller.; /Wenn aber auch nicht. Wenn niemand mehr das Tischtuch zwischen gelegentlichen Freisinnigen und unentwegten Christlich-Sozialen zusammennähen wollte, so ist doch gar kein Anlaß vorhanden, daß die bekanntem jüdischen Seelen in Wonne schwimmen, in deren liberalem Glaubens- Leitartikel noch immer die wirkliche Gleichberechtigung der Juden paradiert. Man ist nämlich in der Oeffenrlichkeit bestrebt, eine kleine Falschmeldung zu begehen und die Folgen der Wahrmuud-Äsfäre so darzustellen, als befänden sich' auf der einen Seite lauter wirklich Liberale, auf der anderen die antisemitischen Christlich-Sozialen, und als wäre es esu Sieg der Freiheitssache, weun die Klerikalen verlieren. Nur nicht den klaren Blick verlieren — uns Juden wird, in keinem Falle geholfen. Denn was man heute mit einem kühnen Worte die Freiheitlichen nennt, das sind in Wahrheit die Deutschnationalen, lauter Erzantisemiten, und wenn, sie' gewinnen sollten, so wird der ganze Unterschied der * feilt, daß auf den Juden in Zukunft der. Rassenhaß lasten 'wird statt des christlichsozialen Antisemitismus. Wenn jetzt ernstlich gekämpft wird, was sehr zweifelhaft ist, so wird ein Teil des Schererprogrammes erfüllt. Man kennt dieses Blatt der Deutschnationalen. das mit derselben Erbitterung den Klerikalismus wie das Judentum bekämpft. Derzeit sind die Klerikalen an der Reihe. Aber wenn sie erledigt sind, würden Malik und Konsorten uns schon wieder beehren. Dieselben jetzt besungenen deutschnationalen Studenten, welche die Freiheit retten, geben meistenteils den Juden keine Satisfaktion und die deutschnationalen Parlamentarier leben politisch meist vom Judenhaß. Wenn sich also in der W-Hrmund-Affare die Dinge ändern, was trotz allen mock'eutaneu Tam-Tams keinegswegs zu erwarten ist, so stehen wir Juden noch immer dort, wo wir waren, und wir würden eine sträfliche Nachlässigkeit begehen, wenn wir in Erwartung eines beginnenden Völkermorgens unsere eigenen Angelegenheiten, den Ausbau unserer Schutzorganisationen vernachlässigen wollten oder für einen Freisinn, der trotz Wahrmuud noch lange kein Liberalismus ist, einen Mann oder einen Groschen beistellten. Landesortzanisation der Juden in Kroatien. Von Professor Dr. G. Schwarz, Agram. Die Wellenschläge, die seit einigen Jahren auf der Oberfläche des Judentums in Deutschland und Oesterreich- Ungarn als Folge der immer kräftiger pulsierenden Organisations-Strömungen in seinem Innern sichtbar wurden, sind nun auch 'nach Kroatien gedrungen. Die Bewegung zur Schaffung einer jüdischen Landesorganisation ist hier im vollem Zuge, ich möchte sagen, in vollem Siegeszuge, denn infolge der kleinen Zahl der Gemeinden find die etwaigen niederzuringenden Hindernisse und Gegensätze unansehnlich und gering. Andererseits bürgt die objektive Stellungnahme aller unserer bisherigen Regierungen dem Judentume gegenüber dafür, daß auch die Lösung dieser Frage den Wünschen des kroatischen Judentums gemäß äusfallen werde, zumal dieselbe das staatliche Oberhoheitsrecht nicht einschränkt, hingegen den Behörden die große Last abnimmt, Entscheidungen zu treffen in internen, jüdischen Angelegenheiten, die eigentlich nicht in ihr Bereich gehören. Stellt sich demnach kein äußeres Hindernis diesem wirklich großen und ebenso notwendigen wie nützlichen Unternehmen entgegen, so muß darauf geachtet werden, daß jene Momente, die bisher in anderen Ländern ein Zustandekommen der. Organisation verhinderten, von vornherein ansgeschaltet werden. - >. , Es ist daher der Zweck dieser. Zeilen, nicht so sehr, über die Organisationsbestrebung zu referieren, als. vielmehr der, eine gewiffermaßen positive Kritik über das demnächst zu perhandelnde Statutenelaborat zu liefern in . diesem in. allen kroatischen Gemeinden verbreiteten Blatte, um das Interesse für die Sache zu erhöhen und der nicht unbedeutenden, die Gefährdung der Gemeindeautonomie befürchtenden Opposition die Waffe» aus der Hand zu nehmen. Nach dem ausführlichen Berichte, der in der „Oesterr. Wochenschrift" über die Beratung des österreichischen Gemeindebundes erschienen ist, wäre es überflüssig, die Notwendigkeit dieser Institution auch für Kroatien nochmals auseinaderzu-; setzen. Bei uns wirken dieselben Motive wie dort. Es kann auch dem kroatischen Judentume nicht zur Ehre dienen, wenn die Verwaltungsbehörden sich fortwährend gerufen Und ungerufen in seine internen Verhältnisse hineinmischen, sei es, um Rekurse wegen Besteuerung zu erledigen, Klagen wegen Wahlmißbräuchen zu untersuchen, das Vorgehen gegen Gemeindebeamten zu überprüfen oder in ähnliche Dinge einzugreifen. Es kann dem kroatischen Judentume auch nicht nützen, daß gerade für jüdische Dinge kein autoritativer Beirat der Regierung zur Seite steht, keine Behörde, die sowohl das: Interesse der einzelnen Gemeinde wie der gesamten Judenheit vertritt, schützend und schirmend, wie es auch manchmal notwendig ist und erst vor Kurzem gute Dienste geleistet hättet Das Gesetz vom Jahre 1906, § 7, gibt der jüdischen Konfession das Recht auf eine Unterstützung aus staatlichen Mitteln. Keine Gemeinde hat bisher das Recht für sich in Anspruch genommen, trotzdem einige die staatliche Unterstützung benötigen. Wer soll dies Recht geltend machen, Initiativanträge über die Höhe der staatlichen Subvention stellen, den kleinen Gemeinden den Ausbau ihrer Institutionen ermöglichen, gemeinsame Institutionen schaffen? Wir haben keinen kroatischen Rabbiner, Lehrer, Kantoren und Schächter, für.unsere Kranken,- Waisen und Siechen ist nicht gesorgt, die einzelnen Gemeinden können auf diesem Felde sehr wenig leisten. Der Religionsunterricht in der Landgemeinde ist noch immer ein kümmerlicher. Stipendien für Studierende haben wir im ganzen Lande keine fünf, dabei denke ich nicht nur an Mittelschulen und Universität, sondern auch an die Gewerbeschule. Alle diese Aufgaben zählt das Statutenelaborat auf, doch auch solche, die nicht in den Bereich des Gemeindebundes gehören, ich meine religiöse Fragen. Keine jüdische Versammlung, Synode, Vereinigung, die ihre Hacke an den B aum religiöse r Fragen legte, hatte in neuerer Zeit Erfolg. Vielmehr waren diese immer das Trennende und. Spaltende. Man wittert hinter religiösen Fragen die Reform. Nicht mit Unrecht, denn was für religiöse Fragen kämen da auf's Tapet? Wieder die alte Methode: den Gottesdienst kürzen nnd das Gebetbuch ändern. Das war immer der Sprengstoff, die Petarde der jüdischen Versammlungen. Gerade auf diesem Felde wirken Beschlüsse verhängnisvoll, weil sie als Oktroy und Zwang in Gewissenssachen betrachtet werden. Ist die Neigung zu derartigen Resormaktionen vorhanden, so wird sie jede einzelne Gemeinde leichter und mit viel weniger Erregung durchführen. Ist es denn unumgänglich notwendig, daß der Gottesdienst überall gleich sei, oder ist es etwa ein Malheur, wenn die Leute in einer Gemeinde mehr „Selichot" sagen wollen als ihre Nachbarn? Uebrigens hier ein praktischer Fall. Es gibt Rabbiner, die sich an die Beschlüsse der deutschen Rabbinersynode halten und die „chaliga" nicht als Ehehindernis betrachten. Sollte man in diesem Punkte einen Beschluß fassen und die Anhänger der Chaliga niederstimmen? Schon die Möglichkeit eines solchen Falles — denn die Wahrscheinlichkeit ist gar weitliegend — die Möglichkeit einschneidender Reformen müßte den konservativ denkenden Teil unserer Juden zu Gegnern des Gemeindebundes machen. Religiöse Fragen gehören nicht box