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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1908-05-22 · 21 (22.5.1908) · page 1

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
25 (1908)
Issue
21 (22.5.1908)
Date
1908-05-22
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Dr. Bloch’s .m- ***•««. Zentraloröan kür die gesamten Ilnteressen des Judentums. Wien^22. Mai^19v8. LrsiLeLnt jeden Frettsg. m Brief-Adresie: Mten, IX/i, »Rbngasse IS. Telegramm-Adresse: Mocd's MlocdenscdrtN» MUen. Inhaltr Leitartikel: Wahrmundiana. — Landesorganisation der Juden in Kroatien. — Gegenwartsaufgaben der deutschen Juden. — Vom Jahrmarkt des Lebens: Der Triumph jüdischer Speisegesetze. Eine neuerliche Ehrung des Ministers OskarStrauS. Der Präsident des StaatS-Postmeisterverbandes von Pennsylvania ein Jude. Ein interessanter Brief der Königin Luise. Juden in den Azoren. Der König von Italien für David Lubin. Bibel und Technik. Der Blitzableiter im Talmud. — Ein neuer Lehrplan für den Religionsunterricht an Volks- und Bürgerschulen in Wien. — Korrespondenzen: „Für das Kind." Jubiläumsstiftungen der israelitischen Kultusgemeinde Czernowitz. Bischof und Judengemeinde. Abreise des Rabbiners Horowitz nach Jerusalem. Prüfung eines Rabbiners von einem Bürgermeister. Emanuel Baumgarten. Warschau. Boglär. Große Ehrung eines jüdischen Militärarztes in Rußland. — Vermischtes: Kranzablösungsspenden rc. Kaiserlicher Rat Adolf Lichtblau. Wien. Olmütz. Orlau. Luhatschowitz. Mähr.-Ostrau. Podiebrad. Nagy-Kanizsa. Gran. Petersburg. Eingesendet —Feuilleton: Das Ghetto von Venedig. — Literatur. OG O öo Q A. fc. P»stfx«rmW»»«mr Sleartng-Verkedr YU. 810.976. Redaktion und Administration: »irn n/i, Dabngasse «r. 15. Telefon Nr. 14.847. w nO - _ Qo OG - -: -1>0? 9*pxampx*im f&x 9*JtKX»idfc: Q Halbjährig 8 Kronen: Gtnreleremplare 50 Helle». Für'» BneUandr Halbjährig 10 Krone». Sanzjährig 20 » «»»eigen: Die 4««k aesteak» i) tene Pett1»etle 24 Heller: OQ======DO ■ü-1. e .. # Mahrmundiana Wahrmund hat Sommerhitze in die Politik gebracht. Fast schien es schon, daß dieses ehemalige Mitglied der katholisch-orthodoxen Leo-Gesellschaft ohne Sang und Klang aus Oesterreich jenseits der Berge verschwunden wäre, hinter denen Canossa liegt und Rom und ein eifervoller päpstlicher Staatssekretär seines Jnquisitorenamtes waltet, mit der Fangschnur unter den Professorenherden steht. Nicht drei Kreuzer war der Innsbrucker Kirchenrechtslehrer vor drei Wochen wert. Denn als man ihn abmurckste — ob mit moralischem Recht oder Unrecht ist ganz egal, denn auf der Lehrkanzel ist der Kühnste unverletzlich — da gab man der Gemeinheit einen verhüllenden Dekorationsmantel, damit sie nicht erkannt werde und keine Aufregung Hervorrufe. Nicht ein Bischofskonzil sprach das Todesurteil aus, man gab auch nicht etwa den Bauern rings um Brixen nach, welche zu Tausenden ein Entrüstungsformular gegen einen Universitätsprofessor mit drei Kreuzeln unterschrieben, auch das Unterrichtsministerium würde sich gegen die Nachricht verwahren, daß es der Innsbrucker Juristenfakultät einen ganz sanften Wink gegeben habe. Solcher Plumpheiten machte man sich nicht schuldig. Sondern das juridische Professorenkollegium sistierte die Vorlesungen Wahrmunds auf ein Semester. Ganz ohne Zwang natürlich. Bloß um Ruhestörungen seitens der bekannten klerikalen Studenten auszuweichen, die sich das Recht nicht nehmen lassen wollen, auch auf Kappe und Band in allen Farben zu schillern und den Schläger zu tragen um auf das blanke Eisen zu schwören, daß sie sich niemals schlagen werden. Ist eine solche Sistierung der Rede wert? Solche Kleinigkeiten können die Freisinnigen doch niemals zwingen, ihren Freisinn auszupacken und mit diesem Dynamit die Freundschaft mit den Christlich-Sozialen zu sprengen, bei denen sie um Sektionschefstellen, Hofratstitel und Mandate antichambrieren und deren Arbeitsminister sie Huldigungsreden halten ohne Rücksicht darauf, daß sie zufällig Juden moderner Konfession und Chefs einer großen Baufirma sind. So ganz sang- und klanglos konnten sie aber denn doch nicht an einer Angelegenheit vorübergehen, welche zu der unter liberalem Kriegsgeheul widerrufenen Rede Luegers über die Eroberung der Universitäten die unwiderruflichen Tatsachen lieferte. So ließen sie denn die Presse der Christlich-Sozialen eine Scheinfechterstellung gegen die klerikale Presse annehmen und zwinkerten die Oeffentlichkeit verständnisvoll an: schaut, wie freiheitlich wir Liberalen unsere grauschwarzen Freunde gemacht haben. Die Studenten aber, die man je nach Belieben dumme Jungen oder Retter des Staates nennt, ließen sich in ihrer geradlinigen Denkungsart diese Packelpolitik nicht gefallen. An diese Triarier kam die Sache und mit dem Ruse „Burschen heraus!" weckten sie den dreimal verleugneten Freisinn der Liberalen, die schläfrige Männlichkeit der Professoren und setzen der klerikalen Gewalt die Gewalt der freiheitlichen Jugend entgegen. Die den Klerikalen so gefügige Regierung zahlt derzeit für ihre bereitwillige Botmäßigkeit. Marchet, der kranke Mann des Kabinets, der sich von der Eifersucht der Parteien erhält, schwankt bereits auf seinem Fauteuil und in Graz, Innsbruck, Wien wurde für die nächste Zeit die Regierungsmajorität gesprengt. Es ist lange nicht so ernst damit, wie es einem Naiven auf den ersten Blick erscheinen möchte. Alle Differenzen zwischen den Liberalen und Christlich-Sozialen im Parlamente und ihr voraussichtliches Ende lassen sich nach Heine variieren: „Blamier' mich derzeit nicht, mein schwarzes Kind, und grüß' mich nicht unter den Linden. Bis die Wogen der Aufregung wieder verlaufen sind, wird sich schon alles finden." Hat nicht schon einer der Klerikalen einem Deutschen im Parlamente zugerufen: „Ihr werdet schon wieder zu den Bauerm um Stimmen betteln kommen!" Diese Worte dürften das Motto aller zukünftigen, deutschfreisinnigen Politik werden. Der Fanatismus der Wähler in den Landgemeinden ist wichtiger und wirksamer als das Strohfeuer der Studenten und der mit ihnen verbündeten Intelligenz. Man wird dann schon später wieder nationale Fragen finden, bei denen die Mithilfe der Christlich- Sozialen unerläßlich ist. Dann wird man wieder von beiden Seiten die Fühler ausstrecken und von einer Seite die Hände, und der Friede wird schon wieder geschlossen werden. Die Erklärung des deutschnationalen Verbandes deutet schon darauf hin, das gewundenste Gedreh seit Taaffe. Kein einziges bestimmtes Wort einer Stellungnahme. Man behält sich die Freiheit der Aktionen vor. Wunderbar. Wer zu

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