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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1908-05-15 · 20 (15.5.1908) · page 13

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
25 (1908)
Issue
20 (15.5.1908)
Date
1908-05-15
Page
– (sequence 13)
Language
German
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L)l- JbiotD ö wnocöenöcörm, Seite S73 «r. 2Ö Amschclbcrger Landsmanntag. Ein Komitee, bestehend aus den Damen und Herren Dr. Friedrich Adler, Julius Adler, Louise Bacher, Direktor Ludwig E l i s ch a k, I. F r a n k, Gustav Fürth, Ottilie Glaub er, Ignaz Klepetau, Moritz Lobositzky, Rosa Mautner, Dr. Adolf Oppenheimer, Doktor I. R e i ch e n ft e i n, Richard Sommer. Dr. Alfred Stein beruft für Pfingstsonntag den 7. Juni d. I. einen Amschelberger Landsmanntag nach Prag ein, wo im Prunksaale des „Hotel Central" ein Bankett stattfinden wird. — Am 8. Juni d. I. begibt sich eine Deputation nach Amschelberg zur Ehrung des Oberlehrers Sigmund Stein, welcher dort vor 60 Jahren sein segensreiches Wirken als Lehrer begonnen hat. Zugleich soll das Andenken des unvergeßlichen Herrn Kreisrabbiners David L ö w y in geeigneter Weise geehrt werden. — Eventuelle Reklamationen derjenigen Schüler und Schülerinnen, welche wegen unbekannter Adresse keine Einladung erhielten, sind an Herrn I. Frank, Prag I. Geistgasse 1, zu richten. Retz Bei der am 8. Mai l. I. in Oberhollabrunn durchgeführten Neuwahl der Kultusgemeinde-Repräsentanz wurden nachbenannte Herren in den Ausschuß gewählt: der für das Wohl der Kultusgemeinde stets eifrig st eintretende Max W a l l i s ch. Hermann Wechsler, Wilh. B r e i e r, Wilhelm Hauser. Bernh. Seidl (Jetzelsdorf), Sigmund S ch i d l o f, Th. K ö n i g (Retz), Jg. Kurz (Rch), Jakob Seidl (Retz). Nentitschcin (Ma^re»). Tos Jvienffe ter p. 1. Elt-rn, die auf folgsame Pflege und Aussicht ihrer Söhne während des Mittelschulstudiums Gewicht legen, ui hiemit auf die Schulstadt Ne »titsch ein gerichtet. Dieselbe, in gesunder, waldreicher Gegend gelegen, bietet auch jüdischen Schülern beste Gelegenheit, ihr Realschulstndilim Ul absolvieren. In N eu 1 i t sch e in ist unter den jüdischen Familien für jede Art Pension, sowohl bescheidener als anspruchsvoller Richtung, vorgesorgt. Auch bietet die hiesige Kultusgemeinde nach Tunlichkeit ärmeren, braven Schülern Frettisch. Das Bestreben des Rabbiners ist auf das siitlich-rellgiöse Wohl seiner Schüler gerichtet und besonders rhr Wohl nach jeder Rlchtuug hin zn fördern. An der hierortigen Landes-Oberrealschnle, mit welcher ein öffentlicher Kursus für Latein in Verbindung steht, herlscht ein friedlich, s Einvernehmen unter den verschiedenen Konfessionen. Das Rabvinat Neutitschein ist zur Auskunft über Pension u> d dergleichen gerne bereit. Schuleraufnahmen finden zu Ende des lausenden wie auch Anfangs des nächsten Schuljahres statt. Neu-Raußnitz. Am Sonntag den 3. Mai l. I. beging Herr Leopold Stößler, Oberkantor und Sekretär der Gemeinde Neu- Raubnttz, das Jubiläum seiner 40 jährigen Amtstätigkeit. Die Sympathie und hohe Wertschätzuna, deren sich der Jubilar in allen Kreisen der Bevölkerung ohne Unterschied erfreut, kamen bei diesen! Anlaffe in wahrhaft erhebender Weise zum Ausdrucke. Schon wochenlang vorher befaßten sich die Gemeinde und ein hiefür eingesetztes Komitee mit den Vorbereitungen, um den Verlauf des Festes würdig xu gestalten. Um 726 Uhr abends hatte sich in dem mit Reisig und Blumen, Fahnen und Emblemen herrlich geschmückten, festlich beleuchteten Temp l ein zahlreiches distinguiertes Publikum eingefnnden, welches denselben in allen Räumen dicht füllte. Anwesend waren: die Vertreter der polnischen Orts- und Kultusgemeinde, die Synagogenvorstände, der Vorstand der Ehewra-Kadischa und Gemillas Chasadim, der Kommandant der freiwilligen Feuerwehr, die Vorsteheriunen des Frauenverein-s nebst den Vertretungen anderer Vereine und Korporationen, dann die Vertretung der Nachbargemeinden Austerlitz, Butschowitz, Wischan. In Vertretung des Mährischen Kantorenvereines waren anwesend: Oberkantor Heller-Brünn als Präsident. Löwensohn-Elbenschitz, Steiner- Gr.-Meieritsch, Goldmann und Meisl-Brünn; ferner waren erschienen : Lehrer, Honoratioren und sämtliche Angehörige des Jubilars. Die Feier begann mit einem solennen Gottesdienste, welchen Oberkantor Heller mit einem Männerquartett vollzogen hat. Nach Beendigung des Mincha- und Maariwgebetes wurde der Jubflar in das Gemeindehaus geleitet, woselbst Herr Bürgermeister und Kuitusvorsteher Richard Löw in einer gediegenen Ansprache auf die trefflichen. Verdienstvollen Leistungen des Jubilars während einer 4stjährigen Amtstätigkeit in der Gemeinde und Synagoge hinwies, in deren wohlverdienier Anerkennung demselben das künstlerisch ansgcstattete Diplom als Ehrenbürger und eine große goldene Denkmünze, begleitet von den besten Segenswünschen, überreicht wurden. Hierauf folgten Ansprachen und Gratulationen seitens der obbezeichneten Korporationen und Vereine unter Ueberreichung von Ehrengeschenken, die einen namhaften Wert repräsentieren. Auch Herr Oberkantor Heller gratulierte und überreichte im Namen des Mährischen Kantorenvereines dem Jubilar, der seit 1v Jahren Vize-Präsident dieses Vereines ist, ebenfalls ein künstlerisch ausgestattetes Diplom als Ehrenmitglied und ein Geschenk in Silber. Tief ergriffen dankte der Jubilar für so viele herzliche Beweise von Wohlwollen, für die Ehrungen und Auszeichnungen zunächst den Verlrekern seiner Gemeinde, dann den Vereinen, Korporationen und Honoratioren, die sich an dieser Feier beteiligten, und schloß seine gehaltvolle Rede mit der Versicherung, feine schwachen Kräfte auch weiterhin, so lange ihm Gott das Leben schenkt, seiner Gemeinde zu widmen. Eine illustre Gesellschaft fand sich am Abend zu dem vom Gemeindevorstande veranstalteten Festbankette ein, bei welchem zahlreiche Toaste ausgebracht, deklamatorische und Gesangsvorträge gehalten und die in großer Menge eingelaufenen Glückwunschtelegramme, unter welchen ^ie vom I. Vizebürgermelster der Landeshauptstadt Brünn, Herrn Rudolf M. Rohrer, und von den Sparkaffedirektoren Dr. Scholz, Fux und Dr. Engelmann u. a. besonders zu erwähnen sind, verlesen wurden. Zum Schluffe sei noch speziell betont und besonders hervorgehoben, daß die Raiißilitzer Gemeinde mit dem Arrangement dieses mit nicht illibedentenden Opfern an Zeit, Mühe und Geld verbundenen Festes und mit der Ehrung ihres langjährigen und verdienstvollen Beamten sich selbst geehrt habe. I. St. Deutsches Bureau der „Aüianee Jsraelite Universelle". Die Mitglieder der Deutschen Konferenzgemeinschaft der „Alliance Jsraelite Universelle" haben an Stelle des Heimgegangenen Charles L. Hallgarten einstimmig Herrn Philipp Schiff in Frankfurt a. M. zum stellvertretenden Präsidenten der Deutschen Konferenzgemeinschaft gewählt. Sofia. Am 3. d. M. nachiiiittags wurde die Gemalin des hiesigen ''vgeseb.n u Advokaieu und früheren langjährigen Präsidenten der deiitich-lsraelitlscheli Kultusgemeinde in Sofia, Herrn Dr. Feuerstein, Frau Rosa Feuerstein, unter Beteiligung der zahlreichen Freunde lind BekaliiHen der allseits geachteten Familie zu Grabe getragen. Unter den Trauergästell befanden sich auch der österreichisch-ungarische Geschäftsträger Graf Czernin. Vizekonsul Vrbanie und Attache von Hoffinger, sowie die übrigen Beamten des Generalkonsulates, Herr Pastor Kuhlmann und viele andere Persönlichkeiten der österreichischungarischen Kolonie. Nach einer ergreifenden Trauerrede des Rabbiners H rrn Dr. Rosenwaffer, wurde der Leichnam von den Anwesenden bis bis zum Friedhofe geleitet und dort nach Abhaltung eines Gebetes i» die Erde bestattet. Der neue Rabbiner der hiesigen deutsch-israelitischen Gemeinde Herr Dr. Rosenwasser» welcher das Berliner Seminar absolvierte, n't hier eingetroffen und hat sein Amt angetreten. Mazzos auf der Buhne. Ein recht nettes Geschichtcheu wird uns aus Edinburgh berichtet: August Ban Biene, ein aus einer alten holländisch-jüdischen Familie i'ammeuder Schauspieler mußte am ersten Seder-Abend im Empire- Schanspielhause in der Titelrolle eines jetzt sehr beliebten Stückes „Der Meistermusikant" auftreten. In einer der schönsten Szenen hat nun Jenny, das Stubenmädchen, dem Musiker (Van Biene), der dem Hungeltode nahe ist, ein Frühstück zu reichen. Gewöhnlich besteht dieses Frühstück aus einer Taffe Kakao und einer Schnitte Brot. Zur großen Ueberraschung des Publikums brachte das aufmerksame Stubenkätzchen Jenny anstatt der Schnitte Brot eine respektable Mazzoh zum Kakao auf die Bühne, die Bau Biene auch herzhaft knuspernd verzehrte. Das Auditorium, das an diesem Abend ausschließlich aus Nichtjuden bestand, applaudierte zu dieser niedlichen Szene. Van Biene ist näinlich trotz seines Schauspielerberufes als glaubenstreuer Jude bekannt, der mit Rücksicht auf das Passahfest das Brot nicht berührt bätte. Die Aufmerksamkeit seiner Partnerin hat ihn vor einer persönlichen Verlegenheit bewahrt. Feuilleton. Der Judenfeind. Von M. G. Saphir*). Der gütige Himmel hat jedem Geschöpfe seine Waffen, jedem Pflänzchen seine Eigenschaft und jedem Menschen seine eigentümliche Seite gegeben, von welcher er sich liebenswürdig und geltend machen kann. Bon der Milbe bis zum Mammut, von dem Ysop, der an der Wand kriecht, bis zur herrlichen *) Diese köstliche Schilderung eines „Judenfeindes", welche der große Humorist M. G. Saphir vor mehr als achtzig Jahren geschrieben, paßt Zug um Zug so genau auf die Antisemiten unserer Tage, daß nur der Name geändert zu werden braucht, um das Conterfei eines Musterexemplars der modernen Gesellschaftsretter zu erkennen. Der Judenhaß ist eben zu allen Zeiten aus denselben widerlichen Quellen

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