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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1908-05-15 · 20 (15.5.1908) · page 12

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
25 (1908)
Issue
20 (15.5.1908)
Date
1908-05-15
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Seite 372 «t. 20 Generalversammlung -es Vereines zur Ausstattung heiratsfähiger Mädchen. Die Existenz des Humanitären Vereines zur Ausstattung heiratsfähiger israelitischer Mädchen ist bekanntlich zum Teile durch die Gebarungsweise der ehemaligen Leitung, in erster Linie durch die unzulänglichen Statuten gefährdet. Äm II. d. M. hielt der Verein, dessen Mitgliederzahl in verhältnismäßig kurzer Zeit auf 5200 angewachsen ist, eine Generalvrrsanimlunq ab. Im Saale „Zum Auge Kottes" batten ungefähr 600 Mitglieder Platz gefunden, einige hundert Personen konnten keinen Einlaß erlangen. Die Versammlung nahm einen stürmischen Verlauf, die meisten Redner wurden durch Lärm unterbrochen. Der Vorsitzende gedachte zunächst des Jubiläums unseres Monarchen und brachte ein Hoch auf den Kaiser aus. Es wurde beschlossen, ein Huldigungstelegrmin abzusenden. Die Wabl des neuen Präsidiums ergab folgendes R'-ürltat: Präsident Heinrich Taub, Vizepräsident Bernhard Griinfcld. Schriftführer Hugo Klein und Adolf Holzer, Kassiere Emanuel Taub und Ford. Sperber, Komrollore Josef Fuchs nnd Gustav Kohu; Ausschuß: I. Lettner. S. Höuigsberg. D. Gansl. S. Schlesinger, A. Fischer und D. Raab. Der frühere Vizepräsident Jakob Süß hatte erklärt, keine neue Wahl annehmen zu können. Bei dem Punkte der Tagesordnung „Aeaderung der Statuten" wurde beantragt, der neugewählte Vorstand und ein Komitee von 18 Mitgliedern sollen die Statuten derartig ändern, datz eine Sanierung der Vereinsverhältnisie zu erhoffe i sei. Als es hieß, daß die Aufnahme der Mitglieder beschränkt werden müffe, brach ein großer Tumult los. Die Mehrzahl war gegen die Beschränkung, zahlreiche Mitglieder setzten sich jedoch daiür ein. So k im es zu einem solchen Lärm, daß erst nach geraumer Zeit die Ruhe wiederhergestellt werden konnte. Herr Löwy (Prag) beantragte, in den Statuten möge für die Heiratsausstattung der Mädchen ein Moximalbeirag bestimmt werden. Jedes Mitglied soll, statt wie bisher K 1.—, nur eine halbe Krone beisteuern und wenn die Mitgliederzahl auf 10.000 angewachsen ist, dann werde der Beitrag kaum 30 Heller ausmachen. Ein Redner, der sich gegen den Antrag äußern wollte, wurde niedergezischt, man ließ ihn nicht zu Worte kommen und er mußte die Tribüne verlassen. Herr Süß stellte den Antrag, nur solche Personen in den Verein aufzunehmen, die in Wien wohnhaft sind. Auswärtige Bewerber um die Aufnahme sollen abgelehnt werden. Wenn ein Mitglied Wien verläßt, muß es hier wenigstens ein Jahr lang ansässig gewesen sein. Bei diesem Antrag erhob sich neuerlich ein Tumult, der lange andauerte. Die Minorität schrie: „Das ist so in Ordnung, wir wollen kein Reichsverein sein!" Die Majorität war gegen den Antrag und protestieite lärmend gegen eine solche Einschränkung. „Ter Zuzug ans der Provinz muß freigehalten werden!" lauteten die Rufe. H^rr Emarmel Taub meinte, die Versammlung möge die Entscheidung über den Antrag der neuen Vereinsleitung überlassen. Der neugewählte Präsident Herr Heinrich Taub erklärte, die Leitung könne für die früheren Verhältnisse keine Verantwortung übernehmen. So lange die neuen Statuten nicht genehmigt sind, sollen die Einzahlungen sowohl, als auch die Auszahlungen sistiert werden. Rar unter diesen Bedingungen sei der Vorstand gewillt, die Wahl anzunehmen. Es wurde lebhaft dagegen protestiert, schließlich gab man sich mit der Erklärung des Präsidenten zufrieden. Herr Taub, der hierauf den Vorsitz übernahm, betonte die Verdienste und die Opferwilligkeit des scheidenden Vizepräsidenten Süß und beantragte, daß demselben der Dank und die Anerkennung ausgesprochen werde. (Lebhafte Beifallsrufe.) Am Schluffe sprach der juristische Beirat Herr Doktor Salo Rappaport die Erwartung aus, der Verein werde durch die Bemühungen des neuen Präsidiums und durch angemessene Stotutenänderungen auf eine gesunde Basi? gestellt und weiterhin bestehen können. Eduard Glaser gestorben. Der Arabienreisende Dr. Eduard Glaser, der seit mehreren Jahren behufs wissenschaftlicher Arbeiten in München domizilierte, ist heute dort im Alter von 53 Jahren plötzlich gestorben. Eduard Glaser wurde am 15. März 1855 in Deutsch-Rust in Böhmen geboren. Nach Absolvierung seiner Studien wurde er im Jahre 1878 an der Wiener Sternwarte allgestellt. In den Achtziger- und Neunziger-Jahren hat er wiederholt Arabien bereist, wo er archäologische und topographische Forschungen betrieb. Er richtete sein Augenmerk vornehmlich auf das Zentralgebiet des alten Sabäerreiches, besonders auf die Hauptstadt Marib, in der er an 400 Inschriften entdeckte. Er hat von diesen Reisen etwa 1800 wichtige südarabische Inschriften und Altertümer h.-imgebracht, darunter die weitaus größte aller bisher bekannten semitischen Buchstabeninschristen, nämlich die von Serwah. Seit 1896 lebte Glaser in München. Die geographischen, topographischen und historischen Ergebnisse seiner Reisen hat er in zahlreichen Werken geschildert. Brigilteuauer Israelitischer Unterstützuugsverei«. Zu den bereits ausgewiesenen Kronen 0730.— sind noch eingelaufen: Oberrabbiner De. 0:üdemann Kronen 5.—, Bernhard F scher 3.— , Sigmund Frankl 3.—, Sigmund Geiringer 3.—, Leop. Frankfurter 2.—, Bauer & Händel 2.—, Dr. Mayer Glogan 2.—, Dr. Bcrnh. Mautner 2.—, Regina Bandler x—, Dr. Preßlauer 2.— , Moritz Baum 2.—, Arnold Rosenthal 2.-—, Moritz Deutsch 2.—, I Großlicht 2.—, Ignatz Fröhlich 6.—, Leopold Ehrlich 5 —, Jakob Quittner u. Söhne 5.—, Ignatz Brand! —.50, Arthur Bitlner 5.—, Salomo» Freschels v. , Jg. Gewitsch 5.—, Dr. Ed. Back 5.—, Dr. Gustav Horn 5.—, Emanuel Rotter 5 - . Dr. Jg. Kohu 5.—. Dr. Karl Nathansohn 4.—, Ja. Klein 4.—, S. Bermau 4. — , Josef Bruckner L Söhne 20.— , Großinaun *0.—, L. Lourie 10.—, Hermann Beck 10.—, G. Bettelheim 10.—, Theodor R. v. Tanssig 10.—, Dr. Karl Przibram 10.—, HeinriBöhm 10.—. Leop. Langer 10.—, Michael Neurath 10.—, Rudolf Kohn 20 —, Assekuranz- Gesellschaft 5.—, Hermann Pollaks Söhne 10.—, Lnnkanf 5.—. Johann Klein 4.—. Austritte aus dem Judentum vom 3. bis 9. Mai 1908. Bereny Emmerich, Kunstschlosser, geb. 1883, Tapio-Szelen (Ungarn), XII., Kollergasse 10. Hauser Alma, Hebamme, geb. 1882, Prag, XVIII., Pötzleinsdorferstrasse 21. Häutler Charlotte, geb. 1874, Wien, I., Lazzenhof 2. Hrucir Marie, geb. Reich, geb. 1877, Szobotist (Ungarn), X., Quellengasse 79. Krassa Walter, Dr., Beamter, geb. 1883, Wien, I., Plankengasse 6. Krassa Ida, Beamtensgattin, geb. 1879, Wien, I., Plankengasse 6. Lewi Hajmann, Privat, geb. 1860, Turka (Russland), II., Vorgartenstrasse 207. Löwy Wilhelmine, geb. 1882, Wien, I., Goldschmidgasse 7 A. Marburg Friedrich, Bankbeamter, geb. 1870, IX., Schlickgasse 2. Patek Rosa, Schriftstellerin, geb. 1879, Wien, II., Untere Augartenstrasse 1. Pollak Richard, Adjunkt, geb. 1878, Brünn, II., Valeriestrasse 6 b. Pollatschek Richard, Ingenieur, geb. 1881, Wien, III., Hörnesgasse 24. Reiss Emma, geb. Liebermann, geb. 1872, Sissek, III., MarokkanergaSse 13. Reiss Walter, Gymnasiast, geb. 1892, Sissek, III., Marokkanergasse 13. Seib Romana, Private, geb. 1882, Wien, III., Ungargasse 29. Schramek Emil, Student, geb. 1889, Karwin (Oeslerr.-Schlesien), VI., Königskloslergasse 3. Schlesinger v., Viola Gabriele, Gutsbesitzerin, geb. 1884, Wien, III., Neulinggasse 16. Sorten Hermann Leeb, Hilfsarbeiter, geb. 1885, Wien, IX., Liechtensleinstrasse 129. Stern Olga, Ivomptoiristin, geb. 1886, Währing, XVIII., Hofstattgasse 22. Klattan. Bei der in den letzten Tagen stattgehabten Wahl in die hiesige Bezirksvertretung wurde unter anderem auch Herr Heinrich Singer, Lederfabrikant, als Mitglied der obigen Korporation gewählt. Klatta«. (B a u m s e st.) Am 10. d. M. fand an der hiesigen israelitischen, mit dem Oeffentlichkeitsrechte versehenen Volksschule das Baumfest statt. In Gegenwart des Kultusvorstehers Herrn JUDr. Fleischer, des Örtsschulinspektors Herrn JUDr. Steiner, des Synagogenvorstehers Herrn L. Pollak, vieler Gemeindemitglieder und deren Damen pflanzten die Kinder unter der Leitung des städtischen Gärtners Herrn Fiala im Schulgarten 4 Akazien- und 7 Kastanienbäume, im Schulhofe eine prachtvolle Kaiserlinde. Die Kinder sangen ein Frühlingslied; hierauf hielt Herr Oberlehrer Baum eine passende Ansprache; mit der Absingung der Volkshymne schloß die einfache, würdige Feier. Budapest. (Zeichen der Zeit.) Oberst Simon Vogel, einer unserer hervorragendsten Offiziere, muß in Pension gehen, da er vor der Beförderung zum General nicht die Taufe an sich vollziehen lassen will; er wird deshalb mit dem Generalsrang in den Ruhestand versetzt. Die österreichisch-ungarische Armee hat nunmehr drei pensionierte jüdische Generale: Eduard Schweitzer, Ulrich von Trenkheim und Simon Vogel, doch die beiden ersten hatten bereits als aktive Offiziere den Generalsrang erreicht — damals waren die Zeiten noch , besser.

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