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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1908-05-15 · 20 (15.5.1908) · page 11

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
25 (1908)
Issue
20 (15.5.1908)
Date
1908-05-15
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 20 Dr. Llocb's Mocdenscbrltt. Sette 371 haben wird, gilt die Regelung der jüdischen Fleischsteuer, deren Bemessung und Verwendung jetzt ganz der Wiükür der Bureaukratie überlassen'.ist. Außerdem werden auch die Organisierung der jüdischen Gemeinden nach europäischem Muster und andere ähnliche mehr soziale Fragen ins Auge gefaßt. Ein Rabbiner als Dramendichter. Auf mehreren amerikanischen Bühnen geht seit einigen Wochen ein fünfaktiges Drama „The Redemption“ („Die Erlösung") in Szene, dessen Autor der zweite Rabbiner der Keneseth-Jsrael-Gemeinde in Philadelphia ist. Der Inhalt des von der Kritik sympathisch beurteilten Stückes ist, wie wir dem „North American" entnehmen, folgender: „Samuel Gershom, ein junger Soldat im russischen Heere, ist der Sohn frommer jüdischer Eltern. Eines Tages erklärt er seinen Verwandten, daß den Juden in Rußland nur dadurch geholfen werden könne, daß sie nach außen hin den russisch-orthodoxen Glauben annehmen, aber im Innern weiter Juden bleiben. Er eröffnete gleichzeitig, daß er sich bereits habe taufen lassen. Die Folge dieser Eröffnung war, daß Gershom aus dem Hause seiner Eltern gewiesen wurde und auch seine Braut auf Befehl ihrer Eltern die Verlobung rückgängig machte. Das alles wird aus seinem Prolog bekannt, der eigentlich als erster Akt dienen soll, und am Seder-Abend des Jahres 1900 sich im Elternhause Gershoms abspielt. Im darauffolgenden Akte gewinnt man einen Einblick in das Leben der russischen Aristokraten mit allen seinen Frauenintriguen, die angewendet werden, um Mitglieder der hohen Aristokratie und der militärischen Kreise für die immer wachsende revolutionäre Bewegung zu gewinnen. Um diese Zeit ist Gershom bereits Kapitän. Im nächsten Akt ist Samuel Kommandant der Garnison der Stadt, in welcher der Pöbel eben Vorbereitungen für einen Pogrom gegen die Juden trifft. Der Bruder Samuel, David, war eben als reicher Mann aus Amerika heimgekehrt und verlobt sich mit der früheren Braut seines Bruders. David bittet seinen Bruder, die Truppen zur Unterdrückung der Unruhen zu kommandieren, was Samuel erst dann zusagt, als David das Versprechen gegeben, von seiner Braut Judith abzulassen. Der folgende Akt stellt die schauerlichen Pogromszenen dar, in denen die Juden ausgeplündert, beraubt und gemordet werden. Samuel eilt mit seinen Truppen den bedrängten Juden zu Hilfe, wird von den Hooligans schwer verwundet und stellt schließlich die Ordnung wieder her. Im letzten Akt erfolgt dann die Reue Samuels und seine Versöhnung mit der Familie, deren Glauben er wieder annimmt. Schließlich wandert dann die ganze Familie nach Amerika aus. Vermischtes. Wien. (Verlobung.) Fräulein Frieda K o h n, Tochter des k. k. Landesschulrates Dr. Gustav K o h n, I. Vize- Präsident der israelitischen Kultusgemeinde, hat sich mit Herrn Dr. Leopold Knopf, Assistenten des Prof. Benedikt, verlobt. Wien. (A u s.z e i ch n u n g.) Kaiser Wilhelm hat dem Kammervirtuosen Alfred G r ü n f e l d den preußischen Kronenorden dritter Klasse verliehen. Wien. (Verlobung.) Fräulein Berta Eltbogen, Tochter des Herrn Hermann E l t b o g e n, hat sich mit Herrn Richard D u b s k y, Chef der Firma E. Munks Nachfolger, verlobt. Wie«. Das Erste israelitische Rekonvaleszenten-Heim für arme Frauen und Kinder, Vereinskanzlei: VHP., Neudeggergaffe 12, veranstaltet Sonntag den 17. Mai, 11 Uhr vormittags, im Sitzungssaale, VIII., Neudeggergasse 12 die XI. ordentliche Generalversammlung. Wien. Gerhard Mahler, der Sohn des Reichsrats- Abgeordneten Dozenten Dr. Arthur Mahler, wurde Samstag den 9. d. M. im Stadttempel als Bar-Mizwah (Maftir) aufgerufen. Wien. Der Herr Minister für Kultus und Unterricht hat mit Erlaß vom 14. April 1908, Z. 1948, über Ansuchen des israelitischen Tempelvereines für den X. Gemeindebezirk Favoriten in Wien auf Grund Allerhöchster Ermächtigung zu bewilligen gefunden, daß der von diesem Vereine errichtete Tempel die Bezeichnung „Kaiser Franz Joseph-Jubiläum s t e m p e l für den X. Wiener Gemeindebezirk" führe. Kaiserlicher Rat Adolf Lichtblau. In seinem 64. Lebensjahre ist am 10. d. M. in Abbazia kaiserlicher Rat Adolf Lichtblau infolge eines Herzschlages plötzlich gestorben. Lichtblau war Herausgeber des Brauerfachblattes „Gambrinus", das er zusammen mit seinem Schwager Siegmund Spitz seit mehr als dreißig Jahren leitete. Er war jedoch nicht bloß auf wirtschaftlichem, sondern auch auf politischem Gebiet tätig. Zusammen mit Dr. Ferdinand Kronawetter arbeitete er seinerzeit eifrig an dem Aufbau der demokratischen Partei und ging damals mit so mancher Persönlichkeit Hand in Hand, die seither zu hohen Würden gelangt ist. Lichtblau hat den demokratischen Gedanken im Gegensatz zu so manchem seiner Freunde von damals niemals verleugnet. Er gründete noch zu Ende der Achtziger- Jahre zusammen mit Dr. K r o n a w e t t e r und Prof. Moritz Benedikt den Demokratischen Zentralverband, der freilich an den politischen Schicksalen nichts hat ändern können. Auch im israelitischen Tempelbauverein für Wieden und Margarethen, sowie als Obmann der Bezirkskommisfion entwickelte Lichtblau eine segensreiche Tätigkeit. Im Jahre 1904 erhielt Lichtblau in Anerkennung seiner humanitären Bestrebungen — er war Mitbegründer der Mensa academica — den Titel eines kaiserlichen Rates. Er hinterläßt einen Sohn und eine Tochter, die an den Kaufmann Felix N e u m a n n verheiratet ist. Seine Frau ist ihm vor mehreren Jahren im Tode vorausgegangen. Wien. Das Kaiserin Elisabeth-Lehrmädchen- und Arbeiterinnenheim veranstaltet Sonntag den 17. Mai 1908, halb 11 Uhr vormittags, im Heime, II., Malzgaffe 7, die Generalversammlung. Wien. (Sefe r-T hör a-W e i h e.) Am Lagbeomar-Tage, 19. d. M., um 7 Uhr abends findet die Weihe des vom Verein „Linath-Hazzedek" angeschafften neuen Sefer-Thora in solenner Weise statt und werden hiebei Oberkantor Schorr, der bekannte Maggid R. Simon Schulmann und Rabbiner Grün fungieren. Das Betlokal dieses chassidischen Humanitäts- und Blldungsvereines befindet sich im XX. Bez., Württemberggaffe vis-ä-vis vom Cafe „Neptun". Wien. (Begrüßungsabend.) Samstag den33.Mail I veranstaltet der akademische Verein „Jüdische Kultur" im Saale des Niederösterreichischen Gewerbe Vereines (1, Eschenbachgaffe 11) einen Begrüßungsabend zu Ehren des von seiner Studienreise ans Amerika zurückgekehrten Herrn Dr. Nathan Birnbaum (Mathias Acher). Das Programm ist ein sehr reichhaltiges. Herr Dr. Birnbaum selbst wird einen Vortrag über seine Amerikareise halten und außerdem werden namhafte Kräfte musikalisch und deklamatorisch zur Feier des Tages Mitwirken. Mit Rücksicht auf das hervorragende Interesse, das die Reiseeindrücke über das jüdisch-amerikanische Leben eines so hervorragenden Beobachters erregen werden, sowie mit Rücksicht auf die Bestimmung des Reinerträgnisses — dasselbe fällt dem „E oldfadenpreis" zu — wird ein besonders reger Besuch erwartet. — Karten ä 3 K, 2 K, 1 K und 50 h sind im Vereinslokale (II., Floßgasse 9/6), sowie im Cafe Stefanie (II., Stefaniestraße), Cafe Bramer (IX., Liechtensteinstraße), Cafe Lustig (XX., Mathildenplatz), Cafe National (II., Taborstraße) zu haben. Wien. Bei der am 10. Mai stattgefundenen diesjährigen Prämiierung des Niederösterreichischen Gewerbevereines, wurde Herr Josef G u t t m a n n, Werkleiter der Cafe-Konditorei W. T o d e s c o, I., Rabensteig 4, wo Obgenannter durch 28 Jahre tätig ist, für erprobte Treue und Tüchtigkeit vom Niederöfterreichischen Gewerbeverein mit der Bronzemedaille und Diplom ausgezeichnet. Die Prämiierung. wurde von Seiner Exzellenz dem Handelsminister im Beisein des Herrn Präsidenten des Niederösterreichischen Gewerbevereines persönlich vorgenommen. Hebräischer Konversationsklub. Samstag den 16. Mai findet, wie gewöhnlich, um 7 Uhr abends im Cafe Brammer, Liechtensteinstraße 1, eine hebräische Konversationszusammenkunft statt. Gäste herzlich willkommen.

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