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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1908-05-15 · 20 (15.5.1908) · page 9

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
25 (1908)
Issue
20 (15.5.1908)
Date
1908-05-15
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Rr. 20 Dr. Llocb's MocvenscdrtN. Sette 369 es dürfte aber erst um das Jahr 1490 erstanden sein und als sein Erbauer wird Pinkas Horwitz bezeichnet. Im Laufe der Jahrhunderte wurde die Synagoge öfters umgebaut, zuletzt im Jahre 1862. Im Innern findet sich ein altes, herrlich geardkitetes Gitter aus Schmiedeeisen, davor das Wappen des vom Kaiser Josef II. im Jahre 1782 geadelten Joachim Edlen von Popper. Als Reliquie wird auch ein altes Gewand von dem Rabbiner Salomon Molcho ausbewahrt. Molcho war als Maranne geboren, trat später wieder zum Judentum über, versuchte mit David Reubeni den König von Portugal, den Kaiser Karl V., Franz I. und den Papst zu veranlassen, mit den Juden zusammen Palästina zu erobern, um endlich in Italien auf dem Scheiterhaufen zu sterben (1532). — Aus der Pinkasgasse, die bis 1817 auch Ueberiuhrgasse genannt wurde, weil sich hier an Stelle des jetzigen Kettensteges die Ueberfuhr befand, gelangt man am Kunstgewerbemuseum vorbei zu dem in einer Ecke der Ufergasse gelegenen israelitischen Badhof mit seiner schönen Kanzel und den schattigen Bäumen im Hofe — einem ehemaligen Wirtschaftshofe. Auch die Tage dieses Badhofes sind gezählt. In Kürze, wird er niedergelegt und zur Straßenerweiterung verwendet werden. Budapest. (Rabbinerwahl in Altofen.) Sonntag ist endlich die seit Wochen währende Rabbinerwahl in Altofen beendet worden. Die Wahl ist auf einen Würdigen gefallen. Es ist dies der Pozsonyer Rabbiner Dr. Samuel Funk, auf welchen von 370 abgegebenen Stimmen 260 entfielen und er somit die absolute Majorität erhalten hat. Dr. Funk ist ein sehr gebildeter Mann, der in Heidelberg die Universität absolviert hat. Er wurde von seiner Wahl durch eine aus hundert Gemeindemitgliedern bestehende Deputation verständigt. Zum Religiorrskongreß in Oxford. Die Leitung des im Herbste dieses Jahres in Oxford (England) stattfindenden Kongresses für „die Geschichte der Religionen" hat den Universitäts-Bibliothekar von Pennsylvania (Amerika), Dr. Moris Jastrow, mit dem Vorsitze in der Sektion „Semitische Religionen" betraut. Dr. Jastrow hat die ehrenvolle Wahl angenommen. Die jüdische Auswanderung nach Egypten. . Iw. der jüngsten .Gencralversammlung der Minsker jüdischen Emigrationsgesellschaft stellte der Rechtsanwalt Dr. Rosenbaum den Antrag, daß die Gesellschaft mit Rücksicht auf die stetig zunehmende Auswanderung der Juden nach Egypten einen ständigen Berichterstatterdienst mit diesem Lande unterhalten möge. Obgleich manche Stimmen laut wurden, daß Egypten kein geeignetes Gebiet für jüdische Auswanderer sei, wurde der Antrag Rosenbaum mit dem Zusatze angenommen, daß ein solcher Informationsdienst bezüglich aller Länder des Orients eingeführt werden soll. Berlin. Der Zentralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens hat beschlossen, nunmehr auf Grund des neuen Vereinsgesetzes auch Frauen als vollberechtigte Vereinsmitglieder aufzunehmen. In einem „Aufruf an die jüdischen Frauen" zum Beitritt heißt es unter anderem: „Wer kann uns in unserem Kampfe mehr fördern als die deutsche Frau, die ihre Kinder mit einem Panzer ausstattet, an dem die vergifteten Pfeile niedriger Verleumder zurückprallen! Ihre Glaubenstreue ist der einzige wirksame Schutz gegen alle diejenigen Bestrebungen, welche darauf abzielen, unserer Jugend die vielgeschmähte Last des Judentums abzunehmen und unseren Kindern Würden und Ehren durch ein geknicktes Gewissen zu erkaufen." Der Zentralverein hat ferner beschlossen, bei den bevorstehenden Landtagswahlen mit aller Energie in den Wahlkampf einzutreten, mit der Begründung, daß die Wahlen für das Judentum von größter Bedeutung sind und, soweit dies möglich, die Wahl offener oder verkappter Antisemiten verhindert werden soll. Der Ausruf schließt mit der Aufforderung um Zuwendung von Geldmitteln für den Wahlkampf. Zentralisation der jüdischen Organisationen. Wie wir bereits mitgeteilt haben, hat ein auf Veranlassung hes Herrn Dr. Jakob Klatzkin in New-Iork abgehaltenes Meeting jüdischer Repräsentanten die Schaffung eines Verbandes der jüdischen Organisationen aller Länder einstimmig beschlossen. Das American Jewish Committee, die repräsentative Körperschaft der amerikanischen Juden, soll die ersten Schritte zur Bildung dieses Verbandes machen und einen Kongreß der jüdischen Organisationen einberufen. Herr Dr. Paul Nathan hat. wie ein Blatt meldet, in einer Unterredung mit Herrn Dr. Klatzkin dieses Projekt aufs lebhafteste begrüßt und dessen Förderung versprochen. Bei unumschränkter Erhaltung der Autonomie jeder Einzelorganisation, äußerte sich Herr Dr. Nathan, sei es notwendig und durchführbar, eine Konzentration sämtlicher jüdischer Organisationen großen Stils zu schaffen, um auf ein gegebenes Signal rechtzeitig und vorbereitet zusammenzutreten, um mit vereinten Mitteln die Gesamtintereffen der Judenheit zu wahren. Eine solche Vereinigung würde manchem Plötzlichen Vorbeugen und planmäßig für das Wohl der jüdischen Gesamtheit arbeiten können. Jedoch sei es — bei den nicht wegzuleugnenden Rivalitäten unter einigen jüdischen Organisationen in Europa — von praktischen Erwägungen heraus vorteilhafter, wenn die amerikanischen Juden darin die Initiative ergreifen wollten. Auch mehrere Zeitungen in Amerika, ebenso die hebräische Tageszeitung „Hasman" in Rußland haben dieses Projekt begrüßt. Sonntagsruhe und Sabbathrnhe. Breslau. Die Handelskammer hat dem Regierungspräsidenten auf seinen Erlaß vom 6. Jänner d. I. einen Bericht betreffend die Neuregelung der Sonntagsruhe im Handeksgewerbe erstattet. In diesem Bericht, in welchem sie gegenüber der Denkschrift der Reichsregierung den Standpunkt vertritt, daß die Sonntagsarbeit mit einer gesetzlich gewährleisteten Dauer von drei Stunden die Regel, die Einschränkung eine Ausnahme bleibt, finden sich folgende Sätze, welche unsere Leser besonders intereffieren: „Rücksichtnahme verdienen schließlich auch noch im Gesamtbereiche des Handels die immer noch recht zahlreichen Angehörigen derjenigen Religionsbekenntniffe, welche die Sabbathheiligung als unverletzliches Kultusgesetz innehatten. Wenn sie, die durch ihre Religionsvorschriften gehindert find, sich am Samstag dem Erwerbsleben zu widmen, auch noch gezwungen werden sollten, am Sonntag die Arbeit einzustellen, so würden sie vor die qualvolle Wahl gestellt werden, entweder zwei hintereinanderfolgende Arbeitstage jeder Woche zu verlieren und damit an Konkurrenzfähigkeit ihrer andersgläubigen Berufsgenoffen einzubüßen oder aber ein Opfer ihres Gewissens zu bringen." Aus dem Lebe» des Grand Rabbiu Zadoe Kahn. Vor einiger Zeit hielt das Mitglied des Pariser Instituts Salomon Reinach einen intereffanten Vortrag über den verstorbenen Grand Rabbin Zadoc Kahn. Wenig bekannt dürfte es sein, was Reinach über die „politische Tätigkeit" des Grand Rabbin zu erzählen wußte. Als im Jahre 1886 Drumonts antisemitische Flugschrift „France Juive" erschienen war, da begann eine schlau eingefädelte Campagne nicht nur gegen die reichen Juden, von denen behauptet wurde, daß sie die Schätze des Landes an sich gerissen, sondern auch gegen alle Juden, die öffentliche Aemter bekleiden. Da trat Zadoc Kahn mit aller Energie dafür ein, daß alle angegriffenen und verleumdeten Juden die Verleumder gerichtlich verfolgen mögen. Er war eben der Ansicht, daß der beste Weg, den Antisemitismus unschädlich zu machen, der ist, ihn zu entlarven. Diese Anschauung war, wie die Folge gezeigt hat, richtig, sein Rat wurde aber nicht befolgt. Die Ansicht war vorherrschend, daß es beffer sei, Stillschweigen zu beobachten und dem Antisemitismus nicht dadurch Reklame zu machen, indem man ihn bekämpft; infolge der Ignorierung würde er bald dann ganz verschwinden. Die Dreyfus- Affäre hat dann bewiesen, wie unrichtig es war, dem Grand Rabbin nicht zu folgen. Dann kam die Dreyfus-Affäre. Der Grand Rabbin war mit dem beschuldigten Kapitän verwandt. Er kannte Dreyfus zu genau, um nicht von feiner Unschuld überzeugt zu sein. Er selbst war jedoch ebenfalls Staatsbeamter und war daher gezwungen, sich die größte Reserve aufzuerlegen. Bald darauf wurden die Leidenschaften entfesselt. Der Antisemitismus der Straße triumphierte, die jüdischen Geschäfte, besonders in Algier, wurden boykottiert, mitunter auch geplündert und Tausende von Juden wurden ihrer Existenzmöglichkeit beraubt. Da kam nun der Grand

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