Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 25 (1908)
- Issue
- 20 (15.5.1908)
- Date
- 1908-05-15
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Seite 366 Dr. Llocv's Mocbenscbrm. Rr. 20 Ich bin überzeugt, daß Sie im Staate Chihuahua in dieser Richtung gar keinen Schwierigkeiten begegnen werden. Ich bin mit vorzüglicher Hochachtung Ihr ergebenster. Diener Enrique Creel". Das rühmenswerte Cinvernehmen zwischen galizischen Juden und Christen des vorigen Jahrhunderts. Aus alten Handschriften nachgewiesen. Entgegen der falschen Annahme, daß in galizisch bürgerlichen Kreisen von jeher zwischen Juden und Christen russischunangenehme Zustände obwalteten, veröffentlichen wir aus alten Familienpapieren nachfolgende Dokumente. Dr. Anton von Slawikowski, praktischer Arzt in Lemberg, erhielt am 25. Juni 1839 vom Lemberger israelitischen Kultusvorstand nachfolgendes Anerkennungsschreiben: An Sr. Hochwolgeboren Herr v. Slawikowski Dr. Medicin und Augenheilkunde in Lemberg. Ihre 18 jährige, uneigennützige, menschenfreundliche, eifrige und thätige Verwe.ldung im hiesigen israelitischen Krankenhause bei Augenkrankheitcn, mit welchem jüdische Arme behaftet waren und Ihre mit dem besten Erfolge stets unermüdet und unverdroffen . angewendete Behandlung und vollbrachten Operationen muß der Vorstand der Lemberger israelitischen Gemeinde im Namen derselben mit der größten Dankbarkeit Ihnen, Hochwolgeboren Herr Doktor, zu erkennen geben, und da die Gemeinde unvermögend ist, Ihre unschätzbare Mühe und Arbeit nach dem wahren Werthe zu belohnen, nur mit dem innigen Wunsche schließen, der Allmächtige möge Sie stets im Wohlsein erhalten und Ihnen Glück und Segen verleihen. Lemberg, den 25. Juni 1889. Vom israelitischen Gemeinde-Vorstand M. Goldbaum, David Stein Sekal. •HB. Bis 1639 waren es 18 Jahre; Dr. v. Slawikowski bebandelte jedoch auch weiter bis zu seiner im Jahre 1851 erfolgten Berufung als Profeffor der Krakauer Universität, demnach also 36 Jahre im Lemberger israelitischen Krankenhause. Im Juli desselben Jahres (1839) erhielt Doktor von Slawikowski eine weitere öffentliche Danksagung: An Seine Hochwolgeboren dem Herrn Professor der Augenheilkunde Medicin-Doktor von Slawikowski. Durchdrungen von den lebhaftesten Gefühlen der Verehrung und Hochachtung für die großen Dienstleistungen, welche Sie durch eine so lange Reihe von Jahren, mit ebenso uneigennützigem, wissenschaftlichem Eifer als segenreichem Erfolge dem Lemberger israelitischen Krankenhause gewähren, fühlen die ergebenst Unterzeichneten sich schon längst dringend aufgefordert. Ihnen hochverehrter Herr Profeffor, durch einstimmige laute Anerkennung. Namens der ganzen Lemberger israelitischen Gemeinde ihren innigsten Dank auszudrücken. Nur die feste Ueberzeugung, daß Ihr edles, hochherziges Bestreben einzig und allein Zweck und Ziel dasselbe sei, vermochten die Gefertigten bis nun, diesen lebhaften Drang zu bewältigen. Es wäre jedoch unbillig, noch länger Ihnen diesen geringfügigen Tribut - unserer Dankbarkeit zu entziehen, jetzt, wo eine so große Anzahl glücklicher Individuen durch Ihre ausgezeichnete Geschicklichkeit, dem Leben und der Gesellschaft wiä»er eingereiht, der höchsten, durch so viele Jahre beraubten Himmelsgabe, des Augenlichtes, sich erfreuen und Sie, verehrter Herr Profeffor, dankbar und segnend als ihren Retter preisen. Möge daher der Himmel Sie noch lange zum Heile der Menschheit und zur Zierde ihrer edlen Wissenschaft, die in Ihnen einen w würdigen Repräsentanten findet, in Kraft und Rüstigkeit erhalten, und möge unser gemeinnütziges Institut auch in Zukunft Ihres bumanen Strebens und erfolgreichen Wirksamkeit in gleichem Maße wie bis nun sich erfreuen. Jsaac Taubes, Israelitischer Spitalverwalter, Leib Rochmes, Spitalscontrollor. Lobel Bernstein, Markus Weinstein, Meyer Horowitz, Nathan Sokal, Zallel Goldstern, Oscar Flecker Ehren'Curatoren. Im Jahre 1850 wurde an Herrn Dr. Anton von Slawikowski das folgende Schreiben gerichtet: Die gefertigte israelitische Spitalsdirektion rechnet es sich zum besonderen Vergnügen, dem hochgebornen Herrn Profeffor der Augenheilkunde und Mcdiciuae-Doktor Anton Slawikowski für deffen uneigennützige und menschenfreundliche Bemühungen, welche derselbe als Augenarzt und Operateur seit dem Jahre 1839 bis auf den heutigen Tag mit demselben Eifer und günstigem Erfolge, sowie mit derselben Aufopferung und ausgezeichneten Geschicklichkeit, wie in den vergangenen Jahren dem Lemberger israelitischen Spitale durch Heilung unzähliger Augenkranker der hiesigen israelitischen Gemeinde sowohl, als auch jener aus der gesammten Judenschaft im Königreiche Galizien, an den Tag gelegt hat, den innigst gefühlten Dank hiermit im Namen der hiesigen israelitischen Heilanstalt und der vielen Glücklichen, die durch dessen menschenfreundliches Wirken und wissenschaftliches Streben von ihrem Augenübel zu ihrem eigenen und zum Heile ihrer Familie befreist wurden, darzubringen. Von Seite der israelitischen Spitalsdirektion Lemberg den 6. November 1850. Dr. Baruch Rappaport Spitalsdirektor, Mitglied mehrerer gelehrten Gesellschaften und Inhaber der k. k. goldenen Gelehrten-Medaille. An Seine Hochwohlgeboren Herrn Professor der Augenheilkunde und Medicinae-Doktor Anton Slawikowski." Vom Schreiber des vorstehenden Briefes erhielt Herr von Slawikowsi im Jahre 1851, gelegentlich seiner Berufung als Univerfitätsprofessor nach Krakau folgende poetische Anerkennung : Die Wiffenschaft ist auch nur Poesie Weil sie dem Erdensohne zeigt das Schöne, Weil sie dem Menschen lehrt die Harmonie Der Linien, der Farben, wie der Töne. Und auf die Dornenbahn der Kunst ihn stellt, Die ihn dann führt zur Phantasienwelt. Und ist Dein Wirken nicht auch Poesie, Wenn Du der Nacht verleihest Tageshelle, Ja Kunst, des Menschen schönste Kunst ist sie, Die Kunst, die sprudeln läßt die reichste Quelle Ins Herz als Sonnenlicht in seiner Pracht, Wenn Du dem Auge nimmst die ew'ge Nacht, Darum empfang' als Mann der Wiffenschaft Auch dieses Stammbuchblatt in Versen heute. Und fehlt ihm auch der frische Lebenssaft Und ist es dürr, des Herbstes welke Beute, So denk' es liegt als Angedenken stumm — Als dürres Blatt nur im Herbarium. Dr. Adam Baruch Rappaport Sjntäls-Direktör.' Lemberg, den 20. März 1851. Am selben Tage auch das folgende Abschiedsblatt: Es werde Licht, fürwahr ein göttlich Bild, Weil alles Leben nur dem Licht entquillt; Weil alles Sein in Tiefen und auf Höhen, Im Licht nur kann gedeihen und bestehen. Und Licht ist auch das Losungswort der Zeit, Der Geist entknechtet, hat die Nacht zerstreut; Gedankenblüthen treibt der lichte Strahl. . Duftig frisch und herrlich — ohne Zahl, Drum reicht so tiefbewegt der Freunde Schaar Die treue Hand zum Abschiedsgruß dir dar. Denn Licht zu spenden ist ja dein Beruf, Seit Dich die Kunst zum Heil der Menschen schuf. So zieh denn hin und Gott sei Dein Geleit, Du Mann des Lichts verscheuch' die Dunkelheit; Und wo Du weilst, ob nihe oder fern, So hier wie dort strahlt Dir gar mancher Stern, Die Sterne sind's im heitern Menschenblick, Die Du dem Leben gabst, dem Licht zurück Und sprechen magst Du einst beglückt und munter: „In meinem Reich ging nie die Sonne unter." Dr. Moritz Rappaport. Lemberg, den 20. Mai 1861. Aus dem Inhalt der angeführten, interessanten Original- Dokumente ist ersichtlich, daß edle, rein menschliche Betätigung auch den jüdischen Notleidenden gegenüber schon in vergangenen Jahrzehnten bis in die Gegennwart in Galizien geübt wurde; daß es aber auch zu allen Zeiten intelligente, galizisrle Juden gab, die für das edle Walten Andersgläubiger das richtige Verständnis und die richtigen Worte fanden, um ihren Dankeszoll in würdiger Weise abzutragen. Zur Orientierung sei nur noch erwähnt, daß ein Sohn des vielgenannten Herrn von Sl aw iko w ski, Herr Thaddäus Ritter von Slawikowski, zur Zeit als Direktor des Wiener Bankvereines die Tradition seines edlen Vaters fortsetzt.