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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1908-05-15 · 20 (15.5.1908) · page 5

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
25 (1908)
Issue
20 (15.5.1908)
Date
1908-05-15
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Tn 20 Dr. Mdcv°L Mocdenscdrt^. 3ili 365 Hierauf dankte der Präsident in folgendem Schlußwort: Meine Damen und Herren! Sie werden wohl gestatten, in Ihrem Namen sowie im Namen des Vorstandes dem verehrten Herrn Bibliothekar Dr. Dlün? für den geistvollen, philosophisch-anregenden Vortrag, den er uns gehalten hat, unseren herzlichsten Dank auszusprechen. Wir haben wohl uns daraus überzeugt, daß der Heine, der ein entschieden göttlicher Genius als Dichter war, ein scharfsinniger Denker wohl nicht genannt werden kann. Zumal sein Abfall von Spinoza, diesen frommen Philosophen, der mir heute zum erstenmal so klar bekannt geworden ist, ist mir unerklärlich, wenn man die ehrliche, erhabene Selbstlosigkeit Spinozas ins Auge faßt, der einst sagte: „Ich liebe Gott, ohne Gegenliebe von ihm zu erwarten, denn ich liebe Gott nur seiner selbst willen." Das war der vermeintliche Atheist Spinoza. Und so haben wir denn auch heute, geehrte Versammlung, die so selten bei uns stattfindet, uns von neuem aus diesem ideenreichen Vortrage überzeugen können, daß das Wort eines großen, bedeutenden, vor kaum zwanzig. Jahren verstorbenen Theologen, meines unvergeßlichen Jenenser Hase^ ein wahres Wort war, welches lautet: „Leben, lieben und Seligkeit sind gleichbedeutend!" Diese Worte sind unzertrennli.i, sie gehören zu einander. Sie bilden die Grundlage der Entwicklung eines jeden normalen Menschen, sie sind aber auch zugleich die Quelle, aus welcher eine solche Vereinigung quillt, wie es der „Verein zur Abwehr und Bekämpfung des Antisemitismus" ist. Dieser Verein hat ja zu seiner End-Tendenz nichts anderes, als daß wir Menschen, solange wir mit Menschen leben, human und die Werke der Menschlichkeit ausübend leben. Und so gehen wir denn wieder nach diesem schönen Vortrage auseinander, Jeder in sein altes trautes Heim — und glücklich, wer in den vier Wänden seines Heims die Erlösung von allem Eidenleid findet — wir geben beim mit der goldenen These im H rzcn: „Leben, lieben und Seligkeit sind gleichbedeutend!" Vom ZabrmarKt des Lebens. Die Vermehrung der amerikanischen Kriegsschiffe und die Judenverfolgungen. (Eine bedeutungsvolle Enunziation Roosevelts.) Die jüngste Botschaft des Präsidenten Roosevelt, betreffend die Vermehrung der amerikanischen Kriegsflotte, enthält auch eine Stelle, die für uns Juden eine besondere Wichtigkeit besitzt. Diese Stelle lautet: „Das Staatsdepartement wird ununterbrochen angerufen, um im Interesse von Völkern und Nationalitäten zu intervenieren, die mit Nachdruck betonen, daß sie unter der Unterdrückung in ihrem Wohnlande stark zu leiden haben. Bald sind es Juden in dem einen Lande, bald Christen in einem anderen und ein andermal find es die Farbigen, die sich von den Weißen bedrückt fühlen. Armenier, Koreaner, Finnen, Polen; Vertreter aller dieser Nationen appellieren zeitweise an unsere Regierung. In manchen Fällen ist die Beschuldigung der Unterdrückung und Mißhandlung sicherlich unbegründet; in anderen hingegen ist sie wohlbegründet und in vielen Fällen zeigt es sich, daß der furchtbare Verlust an Menschenleben mit erschreckender Grausamkeit herbeigeführt wurde. Unser Land ist nicht berufen, zu entscheiden, welche Partei in allen oder einzelnen dieser Streitfälle im Rechte oder Unrechte sei. Ich berufe mich nur auf den großen Verlust an Menschenleben. Es ist sicherlich keine übertriebene Behauptung, daß während der letzten zwölf Jahre, und zwar gerade zur Zeit, als überall nach außen hin tiefster Friede herrrschte, nicht infolge von Kriegen, Massakres. und Schlächtereien stattgefunden haben, die mehr Opfer an Männern, Frauen und Kindern gefordert haben, als jeder Einzelkrieg seit den Napoleonischen Kämpfen je gefordert hat. Jeder im öffentlichen Leben stehende Mann, der die unaufhörlichen Klagen kennt, welche an unser Staatsdepartement gerichtet werden, wird von der tiefen und herben Tragik erfaßt, die in der Behauptung liegt, daß die Zeiten vorüber seien, in denen schwache Völker und Nationen unterdrückt werden könnten von den stärkeren, daß andere starke Mächte gegen solche Unterdrückung Protest erheben würden." Ein jüdischer Minister. Aus Amsterdam wird der „Köln. Ztg." geschrieben: Vorgestern beging der niederländische Staatsminister Dr. T. M. C. Aster seinen siebzigsten Geburtstag und sämtliche Blätter feiern in gebührender Weise die Verdienste dieses hervorragenden Staatsmannes, die nicht nur in den seinem Baterlande geleisteten Diensten, sondern auch — und in noch größerem Maßstabe in seinen Leistungen auf dem Gebiete des internationalen Rechtes gesucht werden müssen. Kaum dreißig Jahre alt, wurde er am Athenäum in Amsterdam Profeffor des Handelsrechtes, in welcher Eigenschaft er auch an die aus dem Athenäum 1876 hervorgegangene städtische Universität überging; einige Jahre später, 1875, ernannte ihn König Wilhelm der Dritte zum ständigen Ratsmann beim Ministerium des Aeußern; im Jahre 1893 wurde er als ordentliches Mitglied in den Staatsrat berufen und seine vor ein paar Jahren erfolgte Ernennung zum Staatsminister war die öffentliche Anerkennung seiner allseitig bewunderten Tätigkeit. Schon nach seiner Ernennung zum Profeffor war er der ständige Vertreter seines Landes auf allen das internationale Recht behandelnden Kongressen, er war ferner Mitglied des Komitees der Rheinuferstaaten, und sowohl auf der ersten wie auf der zweiten Friedenskonferenz gehörte er zu den niederländischen Vertretern, in welcher Eigenschaft er bei der Vorbereitung und Abfassung der von der Konferenz zu bearbeitenden Materien häufig eine ausschlaggebende Rolle spielte. Man darf ohne Uebertreibung sagen, daß kein Vertrag, in dem schwierige internationale Rechtsfragen gelöst werden mußten, von den Niederlanden mit einem anderen Staat geschloffen worden ist, bei dem Äffers Einfluß sich nicht geltend gemacht hat. Es steht fest, daß er seinem Baterlande zu der Ehre verholfen hat, den ersten Anstoß zur Festlegung des internationalen Privatrechtes gegeben zu haben, und welchen Anteil er bei dem Zustandekommen des Nordseeabkommens gehabt hat, kann man nach dem bisher Gesagten von selbst erraten. Vermeldet mag noch werden, daß der außerordentlich sprachengewandte Jubilar auch ein genialer und bewunderter Meister des Vertrages ist und daß er sich trotz seiner siebzig Jahre eine fast jugendliche Frische und Arbeitskraft erhalten hat. In den Wunsch, daß diese noch recht lange zu Nutz und Frommen des von ihm so vielfach geförderten Friedensgedankens und der stets tiefere Wurzeln schlagenden Interessengemeinschaft der Staaten und Völker erhalten bleiben möge, werden alle Verehrer Äffers freudig einstimmen. Ein mexikanischer Gouverneur an die Juden. Der „Amerikanisch'jüdische Gemeindebund" (Union of American Hebrew Congregations) hat den Rabbiner von El Paso (Texas) Martin Zielonka beauftragt, während der kommenden Sommermonate eine Organisationsreise nach Mexiko zu unternehmen, um den dortigen Juden bei Gründung von Gemeinden. Synagogen und Schulen mit Rat zur Seite zu stehen. Mit Rücksicht darauf, daß die überwiegende Majorität der Bevölkerung der mexikanischen ' Republik aus strenggläubigen Katholiken besteht, wurden Zweifel darüber laut, ob die Behörden die Aktion des Rabbiners Zielonka nicht mit Mißgunst begleiten würden. Auf eine direkte Anfrage erhielt nun Rabbiner Zielonka vom Gouverneur des Staates Chihuahua, Enrique Creel, den folgenden intereffanten Brief: „Herrn Martin Zielonka, El Paso, Texas. Sehr geehrter Herr! Ihre geschätzte Zuschrift vom vom 31. März wurde mir überreicht. Entsprechend der politischen Verfassung der Republik von Mexiko ist allen Konfessionen die volle Religionsfreiheit zugesichert. Sie können daher vollkommen beruhigt durch das Land ziehen und von dem konstitutionellen Rechte in voller Sicherheit Gebrauch machen.

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