Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 25 (1908)
- Issue
- 20 (15.5.1908)
- Date
- 1908-05-15
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Nr. 20 Dr. Llocb's MocbenscdrLN. Gelte 362 der Intelligenteste von ihnen sich von einem Lackel kommandieren lasten muß, dem die Taufe das Recht zum Avauzieren gab? Was hat eine Armee zu erwarten, deren Regimenter die Pogromhelden beschützten? Aber die russischen Juden nehmen das alles lieber hin, als sich als Deserteure von Gendarmen Hetzen zu lassen, als sich den Vorwurf zuzuziehen, daß sie die Ehrenpflicht des Mannes vernachlässigen, sein Vaterland zu beschützen. And so stellen diese von Samyßlowski und Krupenski verleumdeten Juden, die nach der offlziellen russischen Statistik 4 Perzent der Bevölkerung bilden, nach derselben Statistik über 6 Perzent der aktiven russischen Soldaten! Was das „Deutsche Volksblatt" in Wien nicht hindern wird, in einer in Wien gemachten Petersburger Korrespondenz mit Nachsicht der Tatsache, daß sich so viele steierische Bauernburschen vor der Assentierung einen Finger abhacken, daß sich jeder Assentkommission in der ganzen Welt lauter angeblich unheilbare Kranke stellen, Samyßlowski und Krupenski aufs wärmste zu unterstützen und sie als Apostel der antisemitischen Idee zu feiern. Anklage Nr. 2 lautet auf Zersetzung der Armee im Frieden. Geradezu glänzend. Wir würden auch hier gerne zugestehen, daß mau gebissen wird, wenn man Menschen zu Hunden macht, daß die Juden, ohne der Gefahren Sibiriens und des Galgens zu achten, ihren christlichen Kameraden revolutionäre Predigten halten. Aber wir können nun einmal nichts zugestehen. Denn in der russischen Marine, die Kronstadt, Sebastopol und Wladiwostok beschoß, wo gleich ganze Panzerkreuzer von meuterischen Matrosen ausgesührt wurden, dürfen Juden gar nicht dienen. Wenn im Ansiedlungsrayon ganze Regimenter wankten, so waren es nur rein christliche, die man zur Bewachung der Juden verwendete. An den Militärvcrschwörungen in Moskau und Sarskoje Selo waren doch nur Offiziere beteiligt, also garantierte Christen. Man dürfte schließlich nichts von Turgenjeff, Tschechow, Gogol gelesen haben, keinen Judensreuuden, um nicht zu wissen, welchen aufgeblasenen, grausamen, bestechlichen Bramarbas sie als den Typus des russischen Offiziers darstellen. Solche Leute sollen eine zuverlässige, vertrauensvolle Mannschaft erziehen können? Sollen die Soldaten Dieustfreudigkeit dadurch erlernen, daß der Intendant und Kommandant sie bei den Lieferungen auf Halbpart bestehlen, daß man sie auf Strafexpeditionen gegen ihre Mitbürger ausschickt, daß man die Prügelstrafe nicht abschafft? Aber die Juden zersetzen die Armee, heißt es dennoch, die Juden, die man mit Argusaugen bewacht, für das geringste Vergehen doppelt bestraft und von Seiten der Vorgesetzten und Kameraden wie Parias behandelt. Das wäre eine antisemitische Verleumdung, die man nicht mit mathematischen Ziffern widerlegen kann. Aber daß Samyßlowsky, der „Wohlüberlegte", jetzt den Mut zur Verleumdung der Juden im Kriege aufbringeu würde, hätten wir nie und nimmermehr erwartet. Jetzt verleumdet er sie, in einem Zeitpunkt, in welchem noch die Berichte darüber warm sind, was die Juden im mandschurischen Kriege geleistet haben! Hat sich doch sogar die „Nowoje Wremja", das einflußreichste Tagblatt in Rußland, von welchem jede Nummer eine in den Ansiedlungsrayon geschleuderte Bombe ist, KU folgender Bemerkung aufgeschwuugen, welche in dem von chr verlegten Buche zu lesen ist, „die Wahrheit über den russisch-japanischen Krieg": „In diesem Krieg haben sich viele Juden als vorzügliche, tapfere und äußerst geschickte Soldaten erwiesen. Nicht wenige von ihnen sind auch durch das Georgs-Kreuz ausgezeichnet worden, manche haben sogar mehrere Auszeichnungen bekommen. Die Offiziere konnten denn auch nicht genug Gutes von den Juden erzählen." So spricht ein antisemitischer Berichterstatter, den jüdischer Heldenmut zum Widerspruch gegen seine politische Ueberzengung zwang. Zwar behaupten die Lumpen in der Duma die Fahueuflucht der Juden, aber als der tölpelhaft anmaßende Alexejew und Lambsdorff von der japanischen Kriegserklärung überrascht wurden, waren es zwanzigtausend Juden, die man dem Feind als erstes Kanonenfutter entgegenwarf, und sie verrichteten Wunder der Tapferkeit, als sie den Jaluübergang gegen eine große Uebermacht verteidigten und so langsam zurückwichen, daß Kuropatkin inzwischen Slreitkräfte bei Mukden zusammenziehen konnte und daß man Zeit gewann, Port Arthur in Verteidigungszustand zu versetzen. Am Jalu war es auch, daß eine Kapelle jüdischer Musikanten im verheerenden Feuer des Feindes Sturmweisen spielte, bis kaum ein Viertel der Braven noch lebte. Ueber das weitere Verhalten der Juden, von welchen seinerzeit die Tagesblätter Episoden voll heroischer Tapferkeit zu berichten wußten, spricht das oben angeführte Urteil des Korrespondenten der „Nowoje Wremja" deutlich genug. Die Hilfsmittel der Armee haben im Krieg mit Japan versagt. Der Transport stockte, die Lieferungen waren verdorben, nur der Sanitätsdienst wurde tadellos geleistet, weil hunderte von jüdischen Aerzten auf den Kriegsschauplatz eiuberufen wurden. (Dies unseren Kriegsministern ins Stammbuch.) Demgegenüber nun die historischen Leistungen des durch Judenremheit so hochgestellten russischen Offizierskorps: Massen von ihnen vergnügten sich hinter der Front in Mukden mit.ausrangierten französischen Dirnen und Champagner, belegten die für die Verwundeten bestimmten Wagen mit Beschlag, requirierten Extrazüge zur Rückbeförderung in die Heimat, mit denen sie die transsibirische Eisenbahn verstopften; als Marschbefehl gegeben wurde, fehlten in Warschau gleich die Kanonen von vier Batterien, große Lieferungen für das Heer kamen nie an ihren Bestimmungsort, die baltische Flotte konnte monatelang nicht auslaufen, weil die Schiffe nicht seetüchtig waren. Und nun gar dieser Port Arthur-Prozeß! Dieser Stöffel, der Heldentelegramme ausschickt und die Festung feige übergibt! Sein würdiger Kumpan Smirnow! Seine Frau, welche die in der Festung vorhandenen Kühe requiriert, um mit der Milch gute Geschäfte zu machen! Schlachtenverlierer auf allen Seiten. Große Herren und große Feiglinge, welche das Volk auszusaugen, die Juden zu bedrücken verstehen und im ,Felde Generale Rückwärts sind. Alles keine Juden, auch auf der bei Tschusima elend zusammengeschossenen Flotte nicht. Was aber keinen Antisemiten in der Behauptung stört, die Juden seien an allem schuld. Und was das große Rußland nicht darin störte, seinen von japanischen Prügeln hervorgerufenen Ingrimm an den ohnmächtigen Juden auszulassen. Gibt es eine bösere Gemeinheit in der Weltgeschichte, als daß die vom Kriege heimgekehrten jüdischen Tapferen ihre Häuser von Pogroms verwüstet, manche ihre Lieben erschlagen fanden, daß man die Familien der eiuberufenen jüdischen Aerzte aus ihren Wohnsitzen auswies, da sie ohne ihren Ernährer das Wohnrecht nicht hatten? Die Juden mußten die Unfähigkeit und die Verbrechen der antisemitischen Heerführer blutig büßen, die von antisemitischen Berichterstattern als heldenhaft bezeichneten Juden. Wütender Zorn darüber muß jeden schütteln, der noch in einem Nerv Empfindung für Gerechtigkeit und Treue hat. Jetzt diese Krönung der Niedertracht in der dritten Duma. Man hat den Juden die Freiheit genommen, läßt die Hungernden im Ansiedlungsrayon einander auffreffen. Man nahm ihnen die Schulen, Wissen und Bildung. Die Verzeihung des Zaren für die Pogromhelden bezeichnet sie als vogelfrei. Alles nahmen sie hin und zeigten dem Vaterlande im Kriege, welch glänzende Vollbürger sie sein wollen. Nun wollte man ihnen in der dritten Duma die mit Strömen von Blut erkaufte Ehre nehmen. Kein Heldentum nützt ihnen, keine Pflichterfüllung, keine Geduld. Nur die Wahl zwischen Flucht und Verzweiflung will man ihnen lassen. Die antisemitische Presse wird aber wie ein Vieh mit Hetzartikeln einhertrampeln: „Die jüdischen Revolutionäre in Rußland".