Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 25 (1908)
- Issue
- 19 (8.5.1908)
- Date
- 1908-05-08
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Rr. 19 Dr. »locb's Mocdenscdrln. Seite 351 Rohrbacher Zuckerraffinerie A.-G., der Petfcheker Rohzuckerraffinerie A.-G., der k. k. priv. Spinnfabrik Teesdorf, Verwaltungsrat der belgisch-rumänischen Zuckerfabrik Svcists gönörale des Sucreries et Raffineries en Romanio in Brüssel, sowie Zensor der Oesterreichisch-ungarischen Bank, welch letztere Stellung er bis an sein Lebensende bekleidete. — Vom Trauerhause, II. Bezirk, Praterstraße 12, aus fand Sonntag den 3 d. das Leichenbegängnis statt. Anwesend waren außer der Familie: der Generalsekretär der Oesterreichisch-ungarischen Bank Hofrat v. Pranger, der Vizepräsident des Administrationsrates des Wiener Bankvereines Stögermayer, die Großindustriellen Baron Laczi und Alfred v. Gutmann-Gelse, der Prokurist des Bankhauses S. M. Rothschild Emil Horner, die kaiserlichen Räte Max Duschnitz und Arnold Fröhlich, die Theaterdirektoren Eibenschitz und Leopold Müller, Regisseur Pahl, die Vertreter der Jndustriegesellschaften, denen der Verblichene angehört hatte, und Repräsentanten der Wiener türkischen Juden gemeinde, auf deren Friedhof die Beisetzung erfolgte. Sarajewo. (Generalversammlung der öfter r. - ungarischen israelitischen Kultusgemeinde.) Vorigen Sonntag, nachmittag 3 Uhr, fand, wie bereits kurz gemeldet, in den Lokalitäten des Vereinshauses die ordentliche diesjährige Generalversammlung der hiesigen österr.-ungarischen israelitischen Kultusgemeinde unter dem Vorsitze ihres Präsidenten Herrn Advokaten Dr. R o t h k o p f und im Beisein des Regierungsvertreters Herrn Offizialen M a n d i c statt. Die Versammlung war von zirka 100 Gemeindemitgliedern besucht und daher beschlußfähig. Nach Erstattung des vom Präsidenten Herrn Dr. Rothkopf vorgetragenen Tätigkeitsberichtes und des vom Kassier Herrn Königsberger erläuterten Kassaberichtes wurde über Antrag des Gemeindemitgliedes Herrn Klein den beiden genannten Funktionären, welche bereits schon zehn Jahre ihre Funktionen mit größter Hingabe zum Wohle der Gemeinde versehen, der ganz besondere Dank der Generalversammlung ausgesprochen. Nunmehr wurden die Wahlen vorgenommen und erscheinen mit Majorität als Gemeindesunktionäre gewählt: Als Präses Dr. Moriz Rothkopf; als Ausschußmitglieder: Ignaz Königsberg er, Josef Neuer, Bernardo Klein, Siegmund L a g u s, Mor Klein, David Deutsch, Leopold K l i n g e r, Leopold Heim, Armin Birnbaum, Adolf L ö w y, Jakob Bruckner, Simon Wiener; als Ersatzmänner: Leopold Kästenbaum, Karl W e i tz n e r, Ferdinand B u ch w a l d. Ferner wurden Ziga Basch und Adolf K o h n zu Revisoren gewählt. Aus den genannten Ausschußmitgliedern kommen zwei Vizepräsidenten und die übrigen Funktionäre zur Wahl. Frankfurt a. M Aus dem Bureau der „Freien Vereinigung für die Interessen des orthodoxen Judentums" wird uns geschrieben: In den Kämpfen, die das gesetzestreue Judentum auf allen Gebieten des religiösen Lebens gegen das Reformjudentum zu bestehen hat, ist, wie erst die jüngsten Ereignisse in Baden bewiesen haben, eine umfassende und sofort eingreifende Aufklärungsarbeit von großer Bedeutung. Diese Arbeit, die gegenüber jedwedem Angriff von neuem zu leisten ist, würde außerordentlich erleichtert, wenn die auf dem gleichen Gebiete von Heimgegangenen Geschlechtern bereits geschaffene Abwehrliteratur stets benutzt werden könnte. Vieles indessen, was in Angriff und Abwehr gegen die Reform geschrieben worden ist, ist nicht in großen Werken, sondern in Broschüren, Flugblättern, Zeitungsartikeln rc. niedergelegt. Diese find überallhin zersti ent, befinden sich im Besitze von Privaten oder weniger Bibliotheken, und es gibt bisher keine Stelle, die eine reichhaltige oder gar vollständige Sammlung dieser Broschüren, Flugblätter und Zeitungsjahrgänge aufweifl. Es wird daher beabsichtigt, ein Archiv für die Reformbewegung im Judentum anzulegen. An diese Zentrale soll, was immer innerhalb der Judenheit an Schriften, Broschüren, Aufsätzen und Zeitungsartikeln über die Reformbewegung im Judentum erschienen ist oder erscheint, eingesandt werden. An diese Zentrale sollen alle sich wenden können, die gezwungen find, im Kampfe Stellung zu nehmen, und von hier aus soll jederzeit alles Material, das sie benötigen, zur Verfügung gestellt werden. An die Leser dieses Blattes ergeht nun die herzliche Bitte, dieses wichtige Werk ihrerseits zu unterstützen. Viele von ihnen find zweifellos im Besitze mancher von Vater und Großvater ererbten Flugblätter, Broschüren, einzelner Nummern von Zeitschriften rc., deren Inhalt sich auf die Kämpfe zwischen Reform und Orthodoxie bezieht. Dergleichen literarische Reliquien, die für den Einzelnen von geringem Werte find, werden für das künftige Archiv von großer Bedeutung sein. Wir bitten daher, alle derartigen Schriften an das Berliner Bureau der „Freien Vereinigung für die Jntereffen des orthodoxen Judentums", Artilleriestraße 32, einzusenden, wo sich die Zentrale des Archivs befindet. Karlsruhe. Die israelitische Landessynode wurde am 11. April, abends 8'/2 Uhr, von dem landesherrlichen Kommiffär des Oberrats, Geheimen Oberregierungsrat B e ch e r e r, mit einer Begrüßungsansprache eröffnet. In das Präsidium wurden R.-A. Dr. Stadecker - Mannheim als erster Präsident, Stadtrat Louis Marx -Bruchsal als Vize-Präsident und Rabbiner Dr. Eschelbacher -Bruchsal und Rechtsanwalt Dr. Levis- Karlsruhe als Schriftführer gewählt. Es folgte sodann die Bildung der Kommissionen. Die zweite Sitzung begann am 13. April, vormittags 11 Uhr. Tagesordnung: Gebetbuchsfrage. Die Kultuskommijfion gibt eine Erklärung ab, die die guten Absichten des Oberrats anerkennt, ihn aber bittet, die Gebetbuchsfrage zurückzuziehen. Rabbiner Dr. Oppenheim -Mannheim erklärt namens der Minorität, daß diese in der Zurückziehung der Vorlage keinen Verstoß des Oberrats gegen seine Pflicht der liberalen Richtung innerhalb der Landessynode gegenüber erblicke. Geh. Hofrat Dr. R o s i n dankt im Namen des Oberrats für die Anerkennung, die in den Anträgen niedergelegt ist; der Oberrat verzichte, wenn der Antrag der Kommission die einstimmige Billigung der Synode findet, auf die Beratung und Abstimmung der Vorlage. Der Kommisfionsantrag wird einstimmig angenommen. Nach einstimmiger Annahme der von der Adreßkommisfivn verfaßten Adresse an den Großherzog wird in die Beratung des Voranschlages eingetreten. Die Gesamtausgaben betragen 75.800 Mk., Deckungsmittel find 10.000 Mk. vorhanden, so daß 65.800 Mk. durch Steuern zu decken find. Nach den für 1908 aufgestellten Steuerregistern betragen die beziehbaren Vermögenssteueranschläge 512 Millionen Mark, die Einkommensteueranschläge 34 Millionen Mark, so daß von erstern 48 Pfg., von letzteren 12 Pfg. von je 100 Mk. zu erheben find. Bei der Position „Aufbesserung gering besoldeter Religionslehrer 26.000 Mk." entspinnt sich eine längere Debatte. Rothschild empfiehlt die Petition des „Landesverein israel. Religionslehrer" um durchgreifende Besserung der Lage der Religionslehrer. Die Petition wird dem Oberrat empfehlend überwiesen, über Ziffer 5 der Petition jedoch, daß der Synode fortan drei Lehrer angehören sollen, zur Tagesordnung übergegangen. Der Präsident eröffnet die Sitzung am 14. April, vormittags 9 Uhr, mit der Mitteilung, daß um 12 Uhr der Großherzog das Präsidium empfangen werde. Dr. Levis berichtet über den Verordnungsentwurf betreffs die Verfassung und Verwaltung der Gemeinden. In der Verordnung wird u. a. bestimmt, daß die jüdischen Reichsausländer in den Gemeinden weder stimmberechtigt noch wählbar find. An dieser Bestimmung glaubt der; Oberrat festhalten zu sollen und macht die Annahme der Verordnung davon abhängig. Die Kommission hat hier eine Milderung eintreten lassen, indem sie einen Beisatz eingefügt hat, dahingehend: „Reichsausländern kann das Stimmrecht auf Anraten des Synagogenrates durch den Oberrat verliehen werden."