Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1908-05-08 · 19 (8.5.1908) · page 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
25 (1908)
Issue
19 (8.5.1908)
Date
1908-05-08
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3020846-3021764-3021784--17325-3042193
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Nr. 19 Dr. Lwco s Mocdenscvnn. Sette 349 Dr. Blau für die jüdische Kolonisationsgesellschaft, Oberbürgermeister Avickes namens der Bürgerschaft, Geheimrat Goldberger-Berlin für die Alliance Israelite Universelle, Dr. Barth für den Abwehrverein gegen Antisemitismus, Stadtrat Flesch, Professor Dr. Philipp Stein, Reichstagsabgeordneter Dr. Jäger- Speyer und der Vorsitzende des Frankfurter Wohnungsvereins Schön für die Anstalten zur Linderung der Not und Förderung der sozialen Fürsorge, Herr Metzger für den Israelitischen Hilfsverein. Ferner Oberkonsistorialrat Pfarrer Ehlers, Eduard Cohen für die Lämmelschule in Jerusalem, Direktor Frauberger namens des Düsseldorfer Kunstgewerbemuseums, Rechtsanwalt Dr. Merzbach und Josef Wisloch für die Frankfurt-Loge, Professor Dr. Klumker für den Rekonvaleszenten-Verein, Oberlandesgerichtsrat Kayser für den Asylverein für Obdachlose, Stadtschulinspektor Dr. Linker im Namen des Vereins der Kinderhorte, Konsul Hoff für den Frauenbildungsverein, Lehrer Volk für den Rhein-Mainischen Verband für Volksbildung u. a. Die letzte Rede am Sarge hielt Pfarrer Battenberg. Er sagte: „Ohne besonderen Auftrag, aus eigenem Antrieb komme ich und doch, wie ich glaube, im Geist der Gemeinschaft, zu der ich gehöre. Wir wollen als Christen diesem edelsten der Juden unseren Dank und unsere Verehrung aussprechcn. So wahr es ist, was wir hier so vielfach preisen hörten, daß er die Interessen der jüdischen Gemeinschaften mit Liebe und Tatkraft wahrgenommen hat, so gewiß ist doch auch seine Freiheit von jeder konfessionellen Engherzigkeit. Ec wußte, daß Kern und Herzschlag aller Religionen die Liebe ist und daß keine Konfession allein die Liebe in Anspruch nehmen kann. Ich weiß, wie er auch Christen gegenüber seinen Edelmut betätigte, selbst in Fällen, wo er befürchten mußte, offenen Undank zu ernten. Ein Vorbild der Toleranz besitzen wir in ihm, einen Trost, daß es in unserer zerrissenen Zeit noch Höheres gibt als die Einseitigkeit der Konfession, nämlich reines, höheres, mutiges, liebevolles Menschentum. Dank dafür, daß du auch soviel Not in unseren Kreisen-gelindert hast. Ruhe sanft, du guter Mensch!" Wegen des Passahfestes sprach kein Rabbiner am Grabe, und es konnte deshalb auffällig erscheinen, daß unter anderem zwei christliche Geistliche diesem Manne Grabreden hielten, der Zierde und Stolz seiner Glaubensgemeinschaft gewesen ist. Die Nataler Juden an den Gouverneur Matyew Nathan. Die jüdische Gemeinde von Durban in Südafrika entsendete an den Gouverneur von Natal eine Deputation, die dem Gouverneur eine herrlich ausgestattete Begrüßungsadresse überreichte. Der Sprecher der Deputation beglückwünschte Sir Nathan zu dem hohen Posten, auf welchen ihn das Vertrauen des Königs gesetzt habe. Er betonte, daß die Juden stolz seien auf ihren Glaubensgenossen, der trotz seiner hervorragenden Stellung niemals vergesse, daß er Jude sei. Sir Nathan dankte der Deputation für die Ehrenbezeugung und versicherte ihr, daß er das Leben und Wirken der Juden in Südafrika mit dem größten Interesse und „natürlichem Wohlwollen" verfolge. Er ist überzeugt, daß die Juden von Natal sowie ihre Glaubensbrüder in anderen Ländern durch ihren Fleiß und ihre Anhänglichkeit zu ihrem Wohnlande neuerlich den Beweis erbringen werden, daß ein jedes Land in seinem eigenen Jntereffe handle, wenn es die Juden aufnimmt und als freie, gleichberechtigte Bürger behandelt. Die Juden müßten noch immer viel mehr leisten für das Allgemeinwohl als jeder andere, denn leider werden ihre Handlungen noch immer unter eine besondere Lupe genommen und der kleinste Fehler eines einzigen Juden werde noch immer als ein großes Gebrechen dem ganzen Judentum zur Last gelegt. Der Gouverneur unterhielt sich mit den Mitgliedern der Deputation länger als eine Stunde. Ein Monumentalbrunnen zum Andenken an einen jüdischen Lebensretter. In Indianapolis (Amerika) wird in den nächsten Tagen ein Monumentalbrnnnen fertiggestellt werden, der dem Andenken des in tragischer Weise um sein Leben gekommenen angesehenen Bürgers Nathan Morris aus öffentlichen Geldern errichtet wurde. Morris hat bei einem großen Brande, der vor einiger Zeit in der Stadt wütete, mit todesverachtendem Heldenmute ein Dutzend Menschen vor dem sicheren Feuertode gerettet. Als er dann in das brennende Haus zurückkehrte, um seine Rettungsaktion fortzusetzen, ward er selbst von den Flammen erfaßt und büßte sein Leben ein. Dem Andenken dieses Heldentodes ist das sinnige Denkmal gewidmet. Die Statutenänderung der zionistische» Colonialbank znrückgewiesen. London, den 5 Mai. Heute verkündete Richter Cve das Urteil im Bankprozesse. Die jüdische Colonialbank wurde mit ihrer Petition um Blenderung der Statuten zurückgewiesen und zu sämtlichen Kosten verurteilt. Der Richter akzeptierte den Standpunkt Israel Zangwills, der bekanntlich gegen die geplante Einschränkung des Wirkungskreises der Colonialbank Protest einlegte, und betonte in den Urteilsgründen, daß die verlangte Statutenänderung nicht im Interesse der Aktienbesitzer gelegen sei. Jüdische Dichtungen. Berlin. Irene T r i e s ch und Emanuel Reicher hatten ihre Vortragskunst in den Dienst hebräischer Literatur gestellt. In weißer, feierlicher, gleichsam priesterlicher Gewandung gab Frau Triesch im überfüllten Beethoven-Saal Rezitationen aus der biblischen und neuhebräischen Poesie, in den Sophien-Sälen las ihr Kollege auf Einladung des Jüdischen Kunstvereines vor einem leider recht spärlichen Publikum über Jüdische Dicktung. Von der ausgezeichneten Schauspielerin hörten wir einen Liebesgesang aus dem Hohenliede, das Deborah-Lied und die Schlußszene der Simson-Tragödie. Was dem Vortrage dieser von so eminenter Stilgewalt, wie mit eisernen Banden oder auch mit Rosenketten gehaltenen Poesien fehlte, war eben die Stileinheit. Hierdurch wurde der Eindruck der einzelnen Leistungen, die sich nicht zum ganzen zusammenschließen wollten, stark beeinträchtigt. Gewisse Nuancen, entscheidende Empfindurigsmomente gelangen der Künstlerin besonders im Simson schlechthin vollendet. Listig, süß, dämonisch, mit dem Eigensinn derer, die der Widerstand gegen ihre körperlichen Reize ungeduldig macht wie ein verwöhntes Kind, so lockt sie als Delila. Wunderbar die überlegene, immer mehr in Schlichtheit erliegende Ruhe des Starken und inzwischen erst weibisch, triumphierend, dann trotzig und endlich boshaft und gellend wie eine Siegesfanfare des „Philister über dir". Emanuel Reicher hatte sich eine so schwere Aufgabe nicht gestellt. Aber die Kraft, sicher im Kreise der einmal erfaßten Stimmung zu bleiben, besitzt er jedenfalls in höherem Maße, als sie Frau Triesch auf diesem Gebiete gegeben scheint. Wie das schwere, düstere Gewölk der Steppe lag es über einem Vortrage von A. Coralniks trübem Einakter „Der rote Schnee". Im letzten Hohenpriester Ludwig August Frankls wurde er zum begeisterten Psalmisten, grandios unb feierlich in der Szene, da der Priester im zerstörten Tempel betend die heiligen Schlüssel zum Himmel emporreckt und ein blutroter Riesenarm herabreicht, sie aus seiner Hand zu empfangen. — In Jehuda Halevys „Der Schneesturm" mußte er an der Sprödigkeit der Sprache, die unserem Empfinden doch sehr fremd geworden ist, scheitern. Immerhin war er auch hier wiederum in der Wiedergabe religiöser Ekstase vortrefflich. Am Schluß las er eine köstliche Humoreske von Brandes „Wie der Pumpianer Rabbi die soziale Frage löste" sehr witzig und drastisch, mit wirkungsvollem Mienenspiel und vielem Achselzucken, das virtuos an den passenden Stellen, wie Gedankenstriche, eingefügt, schon für sich allein Heiterkeitsstürme entfesselte. Korrespondenzen. Allgemeiner österr.-israelitifcher Bundestag. Der würdige Verlauf und die einhellig gefaßten Beschlüsse des Allgemeinen österreichisch-israelitischen Bundestages haben in allen Kreisen der jüdischen Bevölkerung ungeteilte Genugtuung gefunden. Zahlreiche Zuschriften, welche aus dem Kreise unserer Leser uns zugehen, sprechen ihre Befriedigung über den Verlaus der Versammlung aus. Die Gerechtigkeit erfordert, nicht unerwähnt zu lassen, daß die Humanitäts-Vereinigungen B'nai B'rith um das Zustandekommen des Bundestages sich besondere Verdienste erworben haben. Aus ihren leitenden Kreisen wohnten

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.