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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1908-05-08 · 19 (8.5.1908) · page 4

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
25 (1908)
Issue
19 (8.5.1908)
Date
1908-05-08
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 848 Nr. 19 Vom Jahrmarkt des Lehens. Die Jour-Dame.*) Wir besitzen nicht die Natur eines Staatsanwaltes und Hallen uns als Kulturmenschen von dem Wunsche zurück, daß diese Frau Zwack die Strenge des Gesetzes zu fühlen bekomme. Aber verdienen würde sie es wohl für die schwere Gefährdung des Judentums in der ganzen Welt, vor allem aber in Oesterreich. Wer die seitenlangen, wütenden Hetzereien der antisemitischen Blätter, wer eine Auslese der in den letzten Tagen gehaltenen, katholischen Predigten gelesen hat, der muß sich wundern, daß ihr Echo nicht das Geschrei des wütenden Pöbels in den Judengassen der kleinen Städte war. Vor einem moralischen Gerichtshof fängt übrigens die Urteilsbegründung gegen die jüdischen Rsnipilger nicht erst bei der Empfangnahme der Hostie an. Es mag ja irgend einen ganz zauberhaften und unüberwindlichen Reiz auch für einen Juden haben, sich nicht nachsagen zu lassen, daß er in der Kapitale der Christenheit war, ohne den Papst gesehen zu haben. Aber um dieser Absicht willen wird sich kein anständiger Jude in die Notwendigkeit begeben, einen christlichen Gottesdienst formell mitzumachen, auch wenn er nicht fromm ist. Um den Formalien katholischer Religions- Übungen zu entgehen, haben unsere Vorfahren, Männer und Frauen, heldenhaft ihr Leben gelassen und es ist mehr als unpassend von ihren Nachkommen, eines verrauschenden Anblickes wegen ein heuchlerisches Marannentnm zu zeigen. Das war aber nicht etwa die Sünde eines heißblütigen Augenblickes, nicht etwa die Sinnesverwirrung momentan selbstvergessener Menschen. Sondern das Judentum meldete sich mit seinen primitivsten Forderungen darum nicht bei den Damen, weil es nicht einmal in seinen primitivsten Formen vorhanden war. In den inneren Formen soll das heißen. Die äußeren Formen des Judentums waren bei ihnen schon vorhanden, aber gerade um ihnen zu widersprechen, trieben die Frauen eine geschmacklose Freigeisterei bis an die äußersten Grenzen. Von der Frau Zwack wird berichtet, daß sie mit Vorliebe Ausflüße in Wallfahrtsorte machte und ihrer Hausbesorgerin von der Ferienreise einen geschnitzten Altar schickte, wahrscheinlich damit diese Vertreterin des Christentums von der Jüdin im ersten Stock besser denke. So handelt nicht diese Frau Zwack allein. Sie ist der Typus einer gewissen Sorte Jüdinnen aus den vornehmen Kreisen, deren Judentum, ihnen selber meistens verhaßt und nur aus Aberglaube, Bequemlichkeit oder Familienrücksichten nicht abgeworfen, dem ganzen Judentum Last und Schande ist. Denn von dem ethischen und moralischen Gehalt der jüdischen Sittenlehre nicht berührt, ferne von dem stolzen Bewußtsein der jüdischen Geschichte wird der haltlose Charakter dieser Frauen widerlich verdreht. Der jüdische Ehrgeiz wird bei ihnen zur Vordringlichkeit, der Lerneifer zur krankhaften Neugierde, der Sinn für das Schöne zur Putzsucht, das Gefühl für Freiheit zur Frechheit. Diese Frauen nun, deren ganzes Seelenglück in prunkvollen Jours und Toiletten liegt, sind überfroh, wenn Christen die Gnade haben, sich bei ihren Empfängen ausfüttern zu lasten, sie wollen vom Judentum nichts wissen. Aber leider weiß das Judentum von ihnen, erfährt von von ihnen durch die wütende Verurteilung der Jüdin durch die Christen. Die Jour-Jüdinnen, die sich überall in die erste Reihe drängen, die oft mehr Reichtum prunkend zur Schau tragen, als ihre Gatten eigentlich besitzen, haben den Antisemitismus nicht wenig gestärtt und vermehrt. Denn sie mögen innerlich noch so freigeistig sein, sie mögen sich auch in dreimal drei Weihwasserbecken taufen lasten, dem Pöbel nur ist die äußere Form maßgebend, sie werden immer nur Juden zugezählt und wir haben ihre schweren Sünden zu entgelten. *) Aus technischen Gründen verspätet. Das ist aus der Jüdin geworden, die in Not und Drangsal der Stern des jüdischen Hauses war. All die Poesie und Tiefe des Gemütes, die jede Religion, und besonders die jüdische, dem Weibe anerzieht, ist ebenso verschwunden wie der Stolz auf die Zugehörigkeit zu einem Volke, das nur seiner Tüchtigkeit sein Dasein verdankt. Vielen Jüdinnen, die nicht wissen, was das Judentum eigentlich bedeutet, ist es nur eine Ursache zu einer unruhigen Nervosität, die sie von Unsinn zu Unsinn treibt. Wollten sie doch den richtigen Weg finden, welche Gelegenheit wäre es bei ihren reichen Gaben, sich mit Ehren und Ruhm zu bedecken! Schreien nicht die tausend Nöten unseres Volkes nach der Barmherzigkeit und Hilfe der Frau, das beispiellose Elend unserer vom Judenfluche getroffenen Armen, die Auswanderung und all die Kämpfe des Tages, der sich immer mehr der Nacht zuneigt? Daß die Polen, daß die Tschechen nach Jahren der Verzweiflung wieder ihr Glück und Ansehen genießen, haben sie ihren Frauen zu verdanken, die sie wie Göttinnen verehren, weil sie verständige, energische und stolze Helferinnen ihrer im Streite stehenden Männer waren. Ach, und unsere Frauen wollen verehrt werden, weil sie den hübschesten Hut tragen und weil zu ihren Jours auch Christen kommen. Wären die Polen Protestanten und hätte trotzdem eine Polin zum Papste getrachtet, so hätte sie ihm gesagt, er solle ihr Volk vor Verfolgungen schützen. Eine gebildete Jüdin nimmt die Kommunion, um Gesprächsstoff für einen Gala-Jour zu haben und wird voll Ekel eine arme jüdische Hausiererin betrachten, in deren verschlissenen Kleidern oft ein besserer Mensch steckt als in rauschenden Seidenkleidern vornehmer Damen. Ein jüdischer Graf Potocki. Anläßlich der Ermordung, des galizischen Statthalters Grafen Andreas Potocki wird jetzt auf ein unter dem Titel „Polska" erschienenes historisches Werk hingewiesen, in dessen drittem Bande von einem jungen Grafen Potocki erzählt wird, der im 17. Jahrhundert gelebt hat und zum Judentume übertreten war. Er hatte mit Vorliebe alle Religionen studiert und kam zur Ueberzeugung, daß die jüdische Religion die beste sei. Hierauf ging er nach Italien, wo er sich zum Judentume bekehren wollte, aber von den Juden überall aus Furcht vor dem Papste zurückgewiesen wurde. Endlich gelang ihm in Amsterdam der Uebertritt zum Judentume, worauf er in polnisch-jüdischer Kleidung wieder in die Heimat kam. Er wurde von seinen mächtigen Feinden erkannt und dem Gerichte übergeben. Auf der Folterbank gestand er sein „Verbrechen". Er wurde zum Tode durch Verbrennung verurteilt. Auf dem Scheiterhaufen, als die Flammen schon seinen Körper zu lecken begannen, rief er: „Ich sterbe gerne für meine Ueberzeugung, aber mein unschuldig vergossenes Blut wird sich dereinst bitter rächen!" Mit dem „Schema Israel" auf den Lippen hauchte der jüdische Graf Potocki seine Seele aus. Charles L. Hallgarten. Frankfurt, 24. April. Friedrich Naumann schreibt über den verewigten Hallgarten in der „Frankfurter Zeitung": „Diesen Mann gekannt zu haben, bedeutet für mich einen Gewinn meines Lebens. Der Verstorbene hat mir in einer der schwersten Zeiten meines öffentlichen Wirkens entscheidend geholfen, ohne daß ich von mir aus daran gedacht hatte, ihn um Hilfe zu bitten. Von da an hat sich ein persönlicher Verkehr entwickelt, der mich je länger desto mehr in seine Seele und in die Methode seines Arbeitens hineinschauen ließ. Ich habe manche stille Stunde bei ihm gesessen und über fast alles mit ihm geredet, was an sozialen oder politischen Problemen unser, Gegenwart bewegt." Die Beerdigung von Charles Hallgarten am 22. d..,M. gestaltete sich zu einer großartigen Kundgebung für den edlen Menschenfreund. 26 Redner sprachen am Grabe. Rechtsanwalt

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