Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 25 (1908)
- Issue
- 18 (1.5.1908)
- Date
- 1908-05-01
- Page
- – (sequence 21)
- Language
- German
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Nr. 18 Dr. Mock's Mocdenscbritt. Seite 341 Grabe namens der Kultusgemeinde deren Vorsteher Herr' Beran. namens der Kuttenberger zionistischen Organisation Herr Markus dem Verblichenen innige Worte der Dankbarkeit und des ehrendsten Gedenkens widmeten. Hunderte von Kondolenzen an di« Familie des Verstorbenen, darunter auch solche vom Kuttenberger Erzdechanten und vom Offizierskorps der dortigen Garnison, beweisen die allgemeine Teilnahme an dem Hinscheiden des braven Mannes, dem unsere Stadt stets ein treues Andenken bewahren wird. Pohrlitz. Entsprechend den Intentionen Sr. Majestät des Kaisers, das 60jährige Jubiläum seiner Regierung durch Akte der Wohltätigkeit zu feiert, hat der hiesige israelitische Frauenwohltätigkeitsverein beschlossen, eine Stiftung von 800 Kronen zu errichten, deren Ertrag alljährlich am Todestage der weiland Kaiserin Elisabeth an arme oder kranke israelitische Frauen oder Mädchen verteilt werden soll. Die einleitenden Schritte zur Persolvierung dieser Stiftung wurden bereits getan. Weiters hat der Frauenwohltätigkeitsverein für die heilige Lade des hiesigen Tempels eine kostbare Draperie gespendet. Diese, von der Firma Bels in Wien zur besten Zufriedenheit ausgeführt, ist von feinstem roten Peluche gefertigt, mit einer Goldkrone und sonstigen Goldstickereien geschmückt und trägt die Inschrift: „Anläßlich des 60jährigen Regierungsjubiläums Sr. Majestät des Kaiser Franz Joseph I. gewidmet vom Frauenwohltatigkeitsverein Pohrlitz. Am Pesachfeste des Jahres 5668". Am Vortage des Pesachfestes versammelten sich im Tempel der Kultusausschuß und der Vorstand des Frauenwohltätigkeitsvereines. Die Präsidentin Frau Rosa Bader übergab nun die Draperie in die Obhut und in das Eigentum der Kultusgemeinde und überreichte eine diesbezügliche Widmungsurkunde. Herr Kultusvorsteher Hermann Schnabl dankte den Vorstandsdamen für diese der Kultusgemeinde gemachte Widmung, wie für ihr wohltätiges Wirken und gab der Erwartung Ausdruck, daß auch fernerhin der Frauenwohltätigkeitsverein, vereint mit der Vertretung der Kultusgemeinde, für das Jntereffe und das Wohl der Gemeinde seine Tätigkeit entfalten werde. Am ersten Tage des Pesachfestes war die Draperie ihrer Bestimmung, für immerwährende Zeiten in der heiligen Lade zu hängen, bereits zugeführt und fand wegen ihrer Schönheit den allgemeinen Beifall der Gemeindemitglieder. Die Ehrenbeleidigungsklage eines Getauften. Eine interessante Ehrenbeleidigungsklage wurde dieser Tage vor dem Strafrichter des Bezirksgerichtes Nagymihaly in Ungarn verhandelt. Vor einiger Zeit erschien rn dem Budapester misrachistischen Blatte „Allgemeine Jüdische Rundschau" eine Notiz, in welcher mitgeteilt wurde, daß der Arzt Dr. Moritz Miklos vom Judentum zum Christentum übergetreten sei, weil er glaubte, hierdurch einen damals ausgeschriebenen Posten eines Kreisphysikus, auf welchen auch Doktor Miklos kompetiert hatte, eher zu erreichen. Die Notiz bemerkte schließlich. daß die Taufe dem Dr. Miklos nichts genützt habe, indem schließlich doch der jüdische Arzt Dr. Klein ernannt worden sei. Da die Notiz, welche auch in Tagesblättern erschienen, die Chiffre „S" trug, verdächtigte Dr. Miklos den Nagymihalyer Journalisten Simon Schwarz mit der Abfassung derselben. Schwarz» der nicht der Autor des Berichtes war, wandte sich nun an den Redakteur der „Allgem. Jüd. Rundschau" Leopold Lebowitsch um Aufklärung darüber, ob nicht jemand seinen Namen mißbraucht habe. In dem Antwortschreiben erklärte nun Herr Lebowitsch, .daß ein Mensch, der die Religion seiner Väter verläßt und der Fahne seiner Religion untreu wird, nicht von einer Ehrenbeleidigung sprechen könne. Er freue sich übrigens bei der in Aussicht gestellten Gerichtsverhandlung die Gelegenheit zu finden, die Charakterschwäche der jüdischen Täuflinge vor den Schranken des Gerichtes gebührend beleuchten zu können. Dieser Brief nun, den Herr Schwarz zur eigenen Rechtfertigung dem Dr. Miklos vorwies, war Gegenstand der eingangs erwähnten Ehrenbeleidigungsklage. Die Zeitungsnotiz selbst soll erst später vor dem Preßgericht verhandelt werden. Bei der Verhandlung vertrat der Angeklagte durch seinen Verteidiger Dr. Kahan den Standpunkt, daß das beklagte Blatt die Interessen des Judentums zu vertreten habe und es daher dessen Pflicht sei, den Abfall vom Judentum, der so oft aus den unlautersten Motiven erfolge, aufs Schärfste zu geißeln. In dem an Schwarz gerichteten Briefe habe Lebowitsch von den getauften Juden im Allgemeinen gesprochen, in deren Namen der Kläger hier aufzutreten nicht bevollmächtigt erscheine. Im Uebrigen war der Adressat des Briefes auch nicht berechtigt, den Inhalt des Schreibens an Doktor Miklos weiterzugeben. Der Richter verurteilte schließlich den Redakteur Lebowitsch zu der geringsten Geldstrafe von L0 Kronen. Der Richter nahm als besonders mildernd den Umstand an, daß der Angeklagte Redakteur eines jüdisch-konfessionellen Blattes ist und ihn bei Abfassung des Briefes eine erklärliche Erregung erfaßt habe. Lebowitsch berief gegen das Urteil, während der Kläger sich mit demselben zufrieden gab. Professor William Wolf, der Chordirigent der Berliner Synagoge, feierte dieser Tage seinen 70. Geburtstag. Von weit und breit wurden dem Jubilar Glückwünsche zuteil. Mitglieder des Shnagogen-Chors hatten sich schon früh in seiner Wohnung versammelt und begrüßten ihn mit dem Engel-Terzett: „Erhebe deine Augen auf!" Wolfs Wohnung war in einem Blumenhain verwandelt. Als er vor Beginn des Morgen-Gottesdienstes am Dirigentenpult erschien, sang der Chor: „Lebt. da kommt er preisgekrönt". Der Jubilar dankte in bewegten Worten, empfing dann die Herren des Vorstandes, die ihm ihre Glückwünsche darbrachten. William Wolf wurde vor zwei Jahren nach dem Erscheinen seines Wirkes über „Musik-Aesthetik" zum königlich preußischen Professor ernannt. Diese Ehrung war eine wohlverdiente. Das Werk ist von namhaften Musikgelehrten eingehend gewürdigt worden. Seit mehr als 20 Jahren liest Wolf an der Berliner Humboldt-Akademie musik-wiffenschaftliche Kollegs, die stets ein begeistertes Publikum finden. Wolfs schriftstellerische Arbeiten über Glücks Orpheus — Beethovens Missa solemnis — „Unhörbares in der Musik" zeugen von gründlicher Sachkenntnis. Der Jubilar erfreut sich trotz seiner vielseitigen Tätigkeit bester Gesundheit. Seine Vereh er, Freunde und Schüler, sie alle, die den liebenswürdigen, für alles Gute und Schöne begeisterten Gelehrten hochschätzen, haben es sich nicht nehmen lassen, seinen Jubeltag mit ihm zu feiern, ihn durch wertvolle Geschenke und Blumenspenden zu erfreuen. In ihnen Allen lebt der Wunsch, daß es dem Jubilar, der in seiner Jugend gar mancherlei Kämpfe zu bestehen hatte, vergönnt sei, den Abend seines Lebens in Glück und Freude zu verbringen. Feuilleton. Mohltiitigkritsftnn , So verschieden die Menschen im Allgemeinen sind, so verschieden ist ihre Auffassung vom Wohltuu, so verschieden auch dte Art und Weise, wie sie dieses edelste, den Menschen Gott am nächsten bringende Handwerk ausübeu, und wenn irgendwo, so trifft die bekannte Redensart: „Wenn Zwei dasselbe tun, ist es doch nicht dasselbe," in diesem Falle ganz besonders zu. Die Endpunkte der Handlung laufen bei Allen auf dasselbe hinaus, Faktum und Fazit gleichen einander überall auf ein Haar. Man erleichtert eben den Stiefkindern, den Enterbten des Glückes, den vom frohen, ja. nur ruhigen Genuß des Daseins Ausgeschlossenen, ihre schwere Bürde, schützt und bewahrt sie vor physischem und moralischem Untergange und Verderben, und sendet ab und zu einen schwachen Lichtstrahl in die vom Ungemache verdüsterten Gemüter, soweit dies im Bereiche der Möglichkeit gelegen ist und menschliches Können und aufrichtiges, ehrliches Wollen zur Herstellung des mitunter nur cllzu sehr ins Schwanken geratenen Gleichgewichtes im Haushalt der Welt ausreichen. Ungleich, ohne jede Spur von Aehnlichkeit mit einander, sind nur die Wege, die zur Erreichung dieses hehren Zieles eingeschlagen und verfolgt werden, noch ungleicher, noch unähnlicher die Absichten, die den Menschen auf den Pfad der Humanität weisen, ihn zum begeisterten Priester, zum Ritter ohne Furcht nnd Tadel der edlen, leider durch kein Gesetz vor Mißbrauch und Ausbeutung geschützten Dame Charitas werden lassen. Bei jedem neuen Ansporn zu Dienstleistungen, bei jeder neuen Veranlassung zu Huldigungen für sie vergrößert sich ihr Hofstaat, wächst ihr Gefolge schier ins Unermeßliche. Man gehört eben gar zu gerne zu ihrem Troß, zu ihren treuen Knappen, zieht gar zu gerne an ihrem Triumphwagen mit. Ein schwacher Schimmer ihrer Gottesähnlichkeit, ihres Altruismus, ihres Umfassens des ganzen Weltalls mit Liebesarmen, fällt ja schließlich auf den ergebenen Diener seiner Herrin zurück und verhilft bei unverdroffenem Aus harren auf dem Posten nicht nur zum Rufe eines Philanthropen, sondern — mitunter auch zu einem sichtbaren Zeichen „für Verdienst und Leistungen, für Wirken und Schaffen auf dem Gebiete der Humanität". Alle Spiel- und Abarten der privaten und öffentlichen Wohltäter, der unermüdlichen und unerschrockenen Känipfer auf dem unermeßlich weiten, sich durch die Ungunst der Verbältnisse immer mehr und mehr vergrößernden Felde der Menschen- und Nächstenliebe, der Verfechter für unterdrücktes Menschenrecht und nur zu oft mit Füßen getretenen Menschenwürde aufzuzählen und in ihrer Eigenart zu beleuchten, würde am Ende zu weit führen, die gesteckten Grenzen überschreiten und sich in den engen Rahmen einer Skizze nicht so recht hineinzwängen lassen. Zur Illustration und Charaktersierung derVerschiedenheit in der Auslegung dieser hohen ethischen Begriffe seien nur aus dem Vollen, auf gut Glück zwei Repräsentanten der weltauseinanderliegenden Richtungen herausgegriffen. Der Wohltäter vom alten Schlage, der allerdings bald nur mehr in der Ueberlieferung fortleben und einen Seltenheitswert besitzen wird, der in dem Bewußtsein, sich in den Dienst einer guten Sache gestellt und seine erhabene Pflicht als Mensch gegen Seinesgleichen erfüllt zu haben, sein Genügen. seine Befriedigung findet, und sein Kollege, ganz Kind des neuen Zeitalters, ganz Nerv und Impuls, mit allen Fineffeu der modernen Strategie vertraut, mit dem ganzen Rüstzeug moderner Kampfesweise angetan. Der Erstere arbeitet am liebsten auf eigene Faust, ohne komplizierten Apparat, ohne Helfershelfer, ohne Zeugen. Still und geräuschlos, ohne Aufsehen zu erregen, ohne mit seiner Person und