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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1908-05-01 · 18 (1.5.1908) · page 16

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
25 (1908)
Issue
18 (1.5.1908)
Date
1908-05-01
Page
– (sequence 16)
Language
German
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Seite 33$ Br. Bloch's WochenschrM.» Nr. 18 - mehr als 60-jährigen jüdischen Schankpächter Jakob Stern, welcher, der Ermordung eines 52-jährigen Bauers beschuldigt, zuerst vom Schwurgerichte Rzeszow zum Tode verurteilt, nach Kassierung des Todesurteiles in neuerlicher Verhandlung freigesprocheu, ein drittes Mal auf Grund der vom Staatsauwalte betriebenen Wiederaufnahme nur noch wegen Totschlages zu vier Jahren schweren Kerkers verurteilt wurde. Die Verhandlung über die Nichtigkeitsbeschwerde gegen dieses letzte Urteil findet am 9. Mar vor dem Kassations- Hofe statt und wird von unserem Vorstandsmitgliede Herrn Dr. Honigs mann vertreten werden. Hoffentlich findet damit der Leidensweg des unglücklichen Greises seinen Abschluß. Äon sonstigen wichtigen Rechtsschutzfällen erwähnen wir noch die Angelegenheit des jüdischen Gastwirtes Mayer Weiß in Leoben, dem die Gewerbebehörde verbieten wollte, Speisen und Getränke an nichtjüdische Gäste zu verabreichen; dieses absolut gesetzwidrige Verbot wurde über unsere Intervention im Rekurswege vom Handelsministerium aufgehoben. Ferner unser wiederholtes Einschreiten beim k. u. k. Reichskriegsministerium gegen die Mißhandlung jüdischer Soldaten, die über Beschwerde der Wiener Kultusgemeinde erfolgte Aufhebung des vom Wiener Gemeindecate erlassenen Schächtverbytes, wobei die von uns vor Jahren schon für die Kultusgemeinde Rumburg erfolgreich durchgeführte Beschwerde vor dem Berwaltungsgerichtshofe als wertvolles Präjudiz diente. In Ihrer Aller Erinnerung ist endlich noch der höchst peinliche Zwischenfall, der sich am Ostersonntag in Anwesenheit des Papstes in der Sixtinischen Kapelle zu Rom ereignet hat. Wir waren zur Wahrung der politischen und bürgerlichen Interessen der österreichischen Juden genötigt, diesen Vorfall öffentlich auf das Trefste zu bedauern und entschieden zu verurteilen. Fm abgelaufenen Vereinsjahre sind unserem Vereine 787 Mitglieder neu beigetreten. Diesem Zuwachs steht ein Ausfall von 592 Mitgliedern gegenüber, die wir infolge Ablebens, Austrittes re. streichen mußten. Bei der vorjährigen Generalversammlung verzeichneten wir einen Mitgliederstaud von 7541, während wir am 15. April 1908 7736 Mitglieder zählten. Unser Sekretär hat im Herbste eine mehrwöchentliche Agitationsreise absolviert und in den Kultusgemeinden Boskowitz, Zwittau, Leitomischl, Smichow, Prag, Raudnitz, Leitmeritz, Tetschen-Bodenbach, Brüx, Lauw, Komotau, Karlsbad, Falkenau, Marienbad, Klattau und Neuhaus nicht nur die alten Beziehungen befestigt, sondern auch eine stattliche Anzahl neuer Mitglieder geworben. Für die freundliche Begrüßung, die unserem Delegierten in all diesen Gemeinden zuteil geworden ist, sagen wir an dieser Stelle unseren herzlichsten Dank. Die bereits erwähnte erhöhte Inanspruchnahme unseres Bureaus erhellt aus folgenden Ziffern: Der Einlauf betrug im Berichtsjahre 2114 Geschäftsstücke, während 1822 ausgiugen. Für Propaganda und Kalenderexpedition wurden 17.320 Briefe, im Ganzen sonach 19.142 Briefe versendet. Die Vereinsagenden wurden in 10 Vorstands- und 12 Präsidialsitzuugen erledigt. Der „Union-Kalender" hat im abgelaufenen Jahre eine Einnahme von K 5979 22 gebracht, denen K 4058*74 an Ausgaben gegenüberstehen. Der Reinertrag beläuft sich daher auf K 1920*48, um K 154*19 weniger als im Vorjahre. In überaus erfreulichem und dankenswertem Maße ist unserem Rechtsschutzbureau auch im abgelaufeneu Jahre von einer Reihe hochherziger Persönlichkeiten durch Widmungen für allgemeine oder besondere Rechtsschutzzwecke finanzielle Unterstützung zuteil geworden. Wir statten hier vor allem jenen Herren unseren innigsten Dank ab, welche uns die Ausschreibung des Preises von K 20.000 in der Hilsner- Affäre ermöglichten. Es sind dies die Herren: kais. Anninger, Kommerzialrat Eduard Doktor, kais. Rat Moriz Doctor, Gottlieb Lederer, Alois Lemberger, M. u. I. Mandl, Bernhard Pollack von Parnau, M. Stern u. Sohn und Julius Wolf, ferner erhielten wir durch Vermittlung des Herrn Maximilian Paul-Schiff von zwei ungenannten.Förderern für unsere Hllsner-Aknon K 5000 und K 3000 und von Herrn Heinrich Mendl für denselben Zweck K 1250. Ferner spendeten die jüdischen Damen der Kultusgemeinde Raudnitz K 54, die Kultusgemeinde Tarnow K 200, der Kultusverein Wsetin K 25. Für all diese reichen Zuwendungen sagen wir den edlen Spendern unseren aufrichrigsten Dank. Die Versammlungen der „Union" erfreuten sich regen Interesses und zahlreichen Zuspruches. Am 23. Oktober 1907 veranstalteten wir im „Hotel Guth" eine Bereinsversammlung, in welcher Herr Börserat Heinrich Pollak über „Dre gegenwärtige politische Lage der Juden" ein Referat erstattete und die Reichsratsabgeordneten Dr. Ofner und Dr. Adolf Groß an der Diskussion sich beteiligten. Am 22. Jänner 1908 hielt anläßlich der Universitätsdebatte im Abgeordnetenhause Herr Rabbiner Dr. Feuchtwang einen Vortrag über das 2.yema „Judentum und freie Forschung", und am 13. April 1908 fand die denkwürdige Protestversammlung gegen die vom Budgetausschusse geforderte Einschränkung des Zutrittes der Juden zu den Mittelschulen statt, in welcher Herr Präsident Siegmund Mayer das Referat führte und nicht nur die Reichsratsabgeordneten Dr. Adolf Groß, Baron Hock, Hofrat K u r a n d a, Dr. M a h l e r, Dr. O f n e r und Dr. Strauche r, sondern auch die Wiener Kultusgemeinde durch ihren Präsidenten Dr. Alfred Stern und eine große Anzahl österreichischer Kultusgemeinden sich unserem Proteste anschlofsen. Tieferschüttert wurden wir durch den am 7. November 1907 erfolgten plötzlichen Tod unseres langjährigen verdienstvollen Vorstandsmitgliedes Herrn Jakob Jaiteles, eines der Gründer der „Union", mit dem ein selten ehrenhafter Charakter, ein wahrhaft guter Mensch, em Jude voll Edelsinn und Begeisterung für den hohen sittlichen Inhalt unseres uralten Väterglaubens dahinging. Das Andenken des braven Mannes ist unauslöschlich in unsere Herzen geschrieben und wir werden dasselbe stets in Ehren halten. An Stelle des Herrn Jaiteles, der schon einige Monate vor seinem Ableben aus dem Vorstande geschieden war, wurde Herr Börserat Heinrich Pollak in die Vereinsleitung kooptiert. Zu unserem lebhaften Bedauern schied Herr Vizepräsident Dr. Alexander Miutz zu Beginn des Herbstes aus beruflichen Gründen aus dem Vorstande und es trat durch Kooptieruug Herr Hof- und Gerichtsadvokat Dr. Felix H ö n i g sm a n n an seine Stelle. Leider bestimmten persönliche Gründe Herrn Vizepräsidenten Pollak, im März dieses Jahres schon nach kürzer Tätigkeit aus dem Vorstande wieder zu scheiden. Es tut uns herzlich leid, daß eine so wertvolle Kraft uns nicht länger erhalten bleiben konnte und wir sagen sowohl ihm als Herrn Dr. Mintz für die Hingebung und Opferwilligkeit, mit der sie sich den Vereinsinteressen widmeten, unseren besten Dank. Die Liste treuer Anhänger der „Union", welche uns der Tod entriß, ist auch in diesem Jahre eine nur allzureiche. Wir gedenken wehmütig der Herren: Louis Bab, Ignaz Beer, Bernhard Böhm, David Braun, Ignaz Brüll, Karl DworLak, Sigmund Eibuschitz, Dr. Sigmund Herzl, Samuel Hollitscher, Jakob Jaiteles, Adolf Jellinek, Max Kallmann, Josef Kende, Max Kohner, Leopold Koller, Fritz Krauß, Jaques Kreisch, Kommerzialrat S. Löwin, Adolf Löwenstein, Max Pollitzer, Dr. Johann Protznitz, Karl Sachs, Richard von Salemfels, Josef Seidl, Viktor Silberstein, Jakob Simon, Dr. Moriz Singer, Ignaz Sonnenschein, Hermann Subak, Jaques Schnitzler, Dr. Ignaz Steinberger, Albert Steiner, Bernhard Stern, Leopold Trebitsch, Leopold Zerner, Samuel Zimbler, sämtlich in Wien; ferner Samuel Bloch, Adolf Braun, Gabriel Schiff und Josef Stadler, Raudnitz; Abraham Dittl, Mähr.-Weißkirchen; Dr. Adolf Karpeles, S. Fischl, Prag; Elias Feuerstein, Drohobycz; Emanuel Heller, Dr. M. Fleischer, Brüx; Dr. Adotf Justitz, I. G. Glaser, Neu-Eerekve; M. Goldmann, Karlsbad; Gabriel Reittier, Josef Heller, Rakonitz; Ludwig Klauber, Taus; Moriz Klein, Linz a. d. D.; Dr. Ignaz Lang, Pkivos; Dr. M. Lang, Marienbad; Siegfried Urbach, Ferdinand Neumann, Groß-Meseritsch; Jakob Oplatka, Kralup a. d. M.» Gustav

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