Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 25 (1908)
- Issue
- 18 (1.5.1908)
- Date
- 1908-05-01
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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Nr. 18 Dr Moeb's Mocbenscbrttt. Sette 831 Del. Dr. Reich (Ottyma) ist für die Einführung des allgemeinen Wahlrechtes in den Kultusgemeinden. Wenn der Bund nach außen wirken soll, so muß er im Innern tief gewurzelt sein. Selbst der ärmste Jude leiste durch die sogenannten Schechitakreuzer eine mittelbare Steuer. Der Gemeindebund müsse die Gemeinden demokratisieren. Del. H i ck l führt aus, daß der Gemeindebund eine unbedingte Notwendigkeit sei. Redner ist ebenfalls für die Einführung des allgemeinen Wahlrechtes und wünscht, daß der Gemeindebund nicht nur mit'Protesten in die Oeffentlichkeit treten, sondern Konkretes schaffen und insbesondere trachten solle, die vielfachen Uebelstände besonders in den kleinen Gemeinden zu beseitigen. Del. Rabbiner Stein erklärt, daß man das Hauptaugenmerk auf die materielle Unterstützung der Seelsorger und Rabbiner, welche die berufenen Lehrer unserer Jugend seien, richten und daß man zu diesem Zwecke an die Kongrua herantreten müffe, damit diese gleich den katholischen, protestantischen und ruthenischen Geistlichen auch den Rabbinern eine Unterstützung zuteil werden lasse. Abg. Dr. Groß spricht sich für das allgemeine und proportionale Wahlrecht aus. Er stellt den Antrag, daß man sich jetzt nur im Prinzipe für die Verfichernng der Kultusbeamten aussprechen und es dem Vorstande überlassen möge, die diesbezüglichen Detailfragen bis zur nächsten Versammlung auszuarbeiten. Der Antrag wird angenommen. Der Vorsitzende Dr. Stern erklärt, daß die gegebenen Anregungen, insoferne sie nicht auf der Tagesordnung stehen, den Vorstand des Bundes wohl beschäftigen werden, aber nicht Gegenstand einer Abstimmung in diesem Kreise bilden können. Dagegen werde über die beiden Punkte der Tagesordnung, Rechenschaftsbericht des Vorstandes und Schaffung eines Reichsverbandes zur Unterstützung von Witwen und Waisen jüdischer Kultusangestellter, abgestimmt werden. Bei der folgenden Abstimmung wird der erstattete Rechenschaftsbericht einhellig zur Kenntnis genommen. Bezüglich des zweiten Punktes wird beschlossen, daß sich der Vorstand des Bundes mit der Frage der Schaffung eines Reichsverbandes zur Unterstützung von Witwen und Waisen jüdischer Kultusangestellter beschäftige, darüber die erforderlichen Erhebungen pflege und auf dem nächsten Bundestage Bericht erstatte. Ueber einen aus der Mitte der Versammlung gestellten Antrag wird beschlossen, die Wahlen in den Vorstand per Akklamation vorzunehmen. Hiebei werden mit allen gegen eine Stimme gewählt: Dr. Alfred Stern, Wien; Dr. Rosenbacher, Prag; Dr. Gustav Kohn, Bernhard Biller. Graz; I. PH. Glefinger, Teschen; Wilhelm Pappenheim, Wien; Dr. Theodor Sonnenschein, Troppau; Dr. Benno Straucher, Czernowitz; Dr. Alois Hilf, Mähr.-Ostrau; Oberrabbiner Dr. Güdemann, Wien; Dr. Hieronymus Fialla, Brünn; Dr. S. Tilles, Krakau; Dr. I. Sachsl, Chrudim; Dr. Josef Schanzer, Pilsen; Doktor Arnold Ascher, Dr. Alfred Berger, Dr. Mahler, Wien: Doktor Simon Schaff, Lemberg; Dr. Nathan Löwenstein, R. A.; R. Z. Dr. Arthur Mahler, Baurat Oskar Mamorek, Wien. Hierauf wird die Sitzung geschlossen und die Fortsetzung für nachmittags vier Uhr anberaunt. Nachmittagssitzung vom 28. April. Nach Wiederaufnahme der Sitzung gelangt man zum zweiten Punkt des Tätigkeitsberichtes (Einheitlicher Lehrplan für den Religionsunterricht und Schaffung einer Lehrerbildungsanstalt für Westösterreich). Del. Dr. R o s e n b a u m erklärt, daß ein einheitlicher Lehrplan nahezu undurchführbar sei, da die Bedürfnisse und die Verhältnisse bei den einzelnen Gemeinden verschiedene seien; es müsse diesen die Ausgestaltung des Lehrplanes überlassen werden In Bezug auf die Gründung der Lehrerbildungsanstalt wünscht er ihre Errichtung in Prag, da gerade in Böhmen der Mangel an tüchtigen Religionslehrern schwer empfunden wird. Vorsteher M. S. Steiner (Kolin) schließt sich dem Wunsche des Dr. Rosenbaum an und bittet, daß in jedem Falle für die Ausbildung der Religionslehrer auch in tschechischer Sprache Sorge getragen werde. Kaiser!. Rat P o l l a k (Bielitz) erklärt sich mit dem einheitlichen Lehrplan einverstanden.. Die Errichtung der jüdischen Lehrerbildungsanstalt sei eine Notwendigkeit für Oesterreich. Del. Glesinger schlägt vor, die Kultusgemeinde von Wien zu bitten, daß sie ihre Präparandie in Wien ausdehnen und dadurch für den Bedarf an Reliqionslehrern in Westösterreich Vorsorgen möge. Die Wiener Kultusgemeinde sei die größte im Reiche und habe die Macht, ihr Institut zu unterstützen, außerdem würde man durch die Aussicht auf besseres Fortkommen in der Residenz mehr Zöglinge heranziehen. Landesschulrat Dr. Kohn erklärt, daß die Lehrerbildungsanstalt in Wien zunächst aus dem Bedürfnisse der Wiener israelitischen Kultusqemeinde heraus geschaffen worden ist. Wir haben 203 Reliqionsschulstationen mit 94 Lehrern. Der Bedarf an Religiouslehrern wurde zum Teil dadurch gedeckt, daß wir Kommunallehrer zur Erteilung des Religionsunterrichtes verwendeten. Da aber jüdische Kommunallehrer nicht mehr anqestellt werden, die Lehrerbildungsanstalten des Staates jüdischen Aspiranten nicht mehr zugänglich sind, müssen wir für den Bedarf an jüdischen Religionslehrern Sorge tragen. Wir versuchten die Errichtung eines Lehrerkurses an der Israelitisch-theologischen Lehranstalt. Das war ein Provisorium. Wir errichteten sodann eine eigene Lehrerbildungsanstalt in Wien, die uns 21.000 Kronen jährlich kostet. Die Anstalt wird gegenwärtig von 12 Schülern frequentiert. Wir sind wohl bereit, wenn der Bundestag einen derartigen Beschluß faßt, diese Anstalt für weitere Zwecke der Provinzen auszudehnen und dem Gemeindebunde zur Verfügung zu stellen. Anderseits haben wir auch gegen die Errichtung einer derartigen Anstalt in Prag nichts einzuwenden, da eine solche eher geeignet wäre, das Budget der Wiener Kultusgemeinde zu entlasten, denn die Erweiterung unserer Anstalt für die Bedürfnisse von Westösterreich, die Notwendigkeit, für die Ausbildung der Zöaliuge in der böhmischen, eventuell auch der italienischen Sprache Vorsorge zu treffen, würden erhebliche Mittel erfordern, die selbst durch eventuelle Unterstützungen anderer Gemeinden nicht vollständig gedeckt würden. Es hängt lediglich von Ihrem Beschlüsse ab; wenn Sie eine eigene Anstalt in Prag haben, so wird das unserem Budget zugute kommen, welches für Unterrichtsangelegenbeiten jährlich 369.000 Kronen einftellt, wovon nur 57.000 Kronen staatlicher- und kommunalerseits ersetzt werden. Del. Dr. Steiner (Marienbad) betont, daß es mit Rücksicht auf die Kürze der Zeit den verschiedenen kleinen Gemeinden nicht möglich gewesen sei, eingehend über den einheitlichen Lehrplan zu beraten, und schlägt vor, der Bund möge erst das Gutachten der einzelnen Gemeinden abwarten und sich die Entscheidung darüber für einen späteren Zeitpunkt Vorbehalten. Landesschulrat Dr. Kohn schlägt vor, man möge sich heute bei der Abstimmung darauf beschränken, ob für Westösterreich die Schaffung einer solchen Religionslehrerbildungsanstalt zu empfehlen sei, während die Behandlung der Fragen hinsichtlich des Sitzes dieser Anstalt und des einheitlichen Lehrplanes zu vertagen sei. Bei der Abstimmung werden diese Vorschläge des Herrn Dr. Kohn zum Beschlüße erhoben. Den nächsten Punkt der Tagesordnung bildet der Bericht über die Vorarbeiten zur Geschichte der Juden in der österreichischungarischen Armee. Der Sekretär des Bundes Herr Jakob Krauß teilt mit, daß über Empfehlung des Abgeordneten Dr. Mahler einem Schriftsteller Herrn Frühling eine monatliche Subvention zu dem Zwecke gewährt worden, um die uns angebotenen Materialien zur Geschichte der Juden^in der^österreichisch-ungarischen Armee zusammenzustellen. Wir haben beschloffen, das uns gelieferte