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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1908-05-01 · 18 (1.5.1908) · page 10

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
25 (1908)
Issue
18 (1.5.1908)
Date
1908-05-01
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Sette 330 Dr. Mocb's Mocbenscbrltt. Nr. 16 s aus^dem Köstlichen Teiles unseres Reiches^dich'größte Auf-L« merksamkeit zuzuwenden und. für sich selbst in Behandlung^ zu ziehen. Konnte auch der Bund selbst aus naheliegenden \f Gründen die Lösung dieser Frage in sein alleiniges selbstständiges Tätigkeitsgebiet nichr einbeziehen, so hat er doch in Erfassung der Wichtigkeit dieser Frage nicht nur für den östlichen Teil des Reiches, sondern auch für uns im Westen der Einladung des Londoner Departements zur Regelung der Auswanderung der „Jto" gerne Folge geleistet und seine Mitwirkung iu dem ersi vor kurzem zu diesem Zwecke eingesetzten Komitee in Wien mit Vergnügen zugesichert. Sie werden später die Vorschläge der Bundesleitung betreffend die Schaffung eines jüdischen Archivs entgegennehmen. Die Bundesleitung hat, ausgehend von der Wichtigkeit, welche alle Reliquien und sonstigen Gegenstände, die mit jüdisch geschichtlichen Ereignissen oder mit historisch gewordenen Persönlichkeiten, welcher Richtung und Partei immer im Judentume sie mögen angehört haben, zusammenhäugen, für die Erziehung der künftigen Generationen besitzen, sich veranlaßt gesehen, an Herrn Professor Dr. Leon Kellner als dem Kurator des Nachlasses des verstorbenen Doktor Theodor Herzl, das nachfolgende Schreiben zu richten. Wien den 27. März 1908. Euer Hochwohlgeboreu! Sehr geehrter Herr Professor! Gestatten Sie, daß ich mich an Ew. Hochwohlgeboren, als den Verwalter des literarischen Nachlasses des sel. Dr. Herzl in folgender Angelegenheit wende. Wie mir erinnerlich, hat der verstorbene Dr. Herzl auf seinen verschiedentlicyen Reisen, wie auch bei anderen Anlässen eine große Anzahl für die Kulturgeschichte des Judentums wertvolle Ehrengeschenke, wie Sifre-Thora, handschriftliche Widmungen rc. erhalten. Es ist mir jedoch nicht bekannt, daß diese Gegenstände, von denen mancher auch hohen kunsthistorischen Wert besitzen soll, iu ihrer Totalität, gesichtet, au einem für ihre Erhaltung geeigneten Orte uutergebracht worden wären. Von dem Gesichtspunkte ausgehend, daß die Erhaltung solcher Reliquien im Interesse einer späteren Geschichtsforschung gelegen ist, bin ich gerne bereit, falls anderweitige Verfügungen seitens der Familie des verstorbenen Dr. Herzl dem nicht im Wege stehen, im Einvernehmen mit der Leitung des „Jüdischem Museum" das Entsprechende zu veranlassen, daß die oben bezeichuereu Gegenstände aus dem Nachlasse Dr. Herzls im Museum uutergebracht und für ewige Zeiten erhalten werden. Ich erlaube mir nun an Sie, sehr geehrter Herr Professor, die hösl. Bitte zu richten, mir gefälligst mitteilen zu wollen, welche Schritte zu unternehmen wären, um den Plan auszuführen und ob Sie die Freundlichkeit haben wollen, denselben zu fördern. Hochachtungsvoll Präsident Dr. Stern. Wir erhielten hierauf folgende Antwort: 2. April 1908. Verehrter Herr Präses! Besten Dank in meinem Namen und im Namen der Kuratoren, für Ihr sehr geehrtes Schreiben vom 31. v. M. Wir haben alle die Empfindung gehabt, daß die bewußten Gegenstände eine historische Bedeutung fürs ganze Judentum haben; deshalb wurde die gesamte Einrichtung von Herzls Arbeitszimmer nach Köln gebracht und dort sorgfältig aufgestellt. Unter günstigeren Verhältnissen wird Alles nach Palästina befördert werden. Mit vorzüglicher Hochachtung ergebenst L. Kellner. Von diesen in großen Zügen gezeichneten Gesichtspunkten hat sich der Vorstand des Bundes in den letzten wei Jahren leiten lassen und er ist der Ansicht, daß unter den heute gegebenen Umständen diese Gesichtspunkte auch in., der nächsten Zukunft die Richtschnur seiner Tätigkeit zu bilden haben. Wenn die geehrten Delegierten.des Bundestages diese Auffassung teilen, so werden sie heimkehrend in ihre Gemeinden diese im Interesse einer offenen, einmütigen Bekundung des Wunsches nach einer gesetzlich anerkannten Gesamt-Organisation bewegen, bis diese nicht geschaffen ist. unsere freie Vereinigung aller Kultusgemeinde Oesterreichs durch ihren Anschluß an den Bund zu fördern. Del. Abg. Dr. Gabel bespricht den Bericht des Bundes Und bedauert, daß das jüdische Volk in seinen derzeitigen Vertretungskörpern, in den Kultusgemeinden keinen entsprechenden Einfluß habe. Darin Wandel zu schaffen, wäre eine der hauptsächlichsten Aufgaben des Bundes. Die Wahlordnung der Kultusgemeinden sollte auf breitester demokratischer Basis ausgebaut werden. Redner bedauert, daß der Bund bisher auf sozialpolitischem Gebiete sich wenig betätigt habe. Der Bund möge dahin wirken, daß die hebräische und jüdische Sprache wenigstens eine solche Geltung erlange, wie sie nach unseren Gesetzen jede andere fremde Sprache besitzt, und hält es für notwendig, daß eine jüdische Statistik geschaffen werde. Del. Dr. Steiner: Die Frage der Altersversorgung der Kultusgemeinde-Beamten ist eine der wichtigsten. Leider kommt die Anregung etwas zu spät, weil schon der Staat mit einem Pensionsversicherungsgesetze nach dieser Richtung wenigstens teilweise vorgesorgt hat. Durch dieses Gesetz sind aber Personen, welche über 55 Jahre alt sind, ausgeschlossen. Redner ersucht, daß der Bund auf kleinere Kultusgemeinden einwirke, daß sie etwa bestehende Pensionskassen in solcher Weise ausgestalten, daß sie als Ersatzinstitut im Sinne des Gesetzes gelten können. Del. Dr. Körner bemerkt, daß das Wahlrecht in den meisten jüdischen Kultusgemeinden Mährens schon auf sehr weiter Basis aufgebaut sei, da der Steuerzensus ein sehr niedriger ist. Für die Versorgung der Angestellten in Mähren besteht der Mährische Landesmaffa-Fond, durch welchen die Kultusgemeinde-Beamteu in Mähren hinsichtlich ihrer Ruhegehalte fast so gut gestellt sind wie die Staatsbeamten, Das Privatbeamten-Versicherungsgesetz ist nicht viel wert und darf die Kultusgemeinden nicht hindern, mehr zu tun. Betreffend die Versorgung der Witwen und Waisen sei allerdings noch manches vorzukehren. Del. Präsident Dr. Rosenbacher (Prag) polemisiert gegen einzelne Ausführungen des Abg. Dr. Gabel. Der Anregung, daß der Bund so weit in die Kultusgemeinde-Autonomie eingreife, daß er auf die Gestaltung des Wahlrechtes der einzelnen Gemeinden seinen Einfluß ausübe, könne er nicht beistimmen. Redner bekennt sich im übrigen als Gegner des allgemeinen Wahlrechtes für Kultusgemeinden. Del. kais. Rat Pollak (Bielitz) glaubt, daß sich die zu schaffende Organisation nicht mit Detailfragen befassen dürfe. Die Kultusgemeinden werden immer aus Lebensinteresse gegen das allgemeine Wahlrecht sein. Die meisten Kultusgemeinden haben einen so niedrigen Zensus, daß es fast schon allgemeines Wahlrecht-ist. Die jüdische Religion müßte vom Staate ebenso unterstützt werden, wie die anderen Konfessionen, und dies zu erreichen, wäre Aufgabe des Bundes. Das Kongruagesetz müßte auch auf die Juden Anwendung finden. Redner schließt seine wiederholt von Beifall unterbrochenen interessanten Ausführungen, indem er der Erwartung Ausdruck gibt, daß der Bund in allen Gemeindeangelegenheiten richtunggebend wirken und daß er in Hinkunft eine intensivere. Tätigkeit entfalten werde, als dies bisher möglich war. Der Vorsitzende Dr. Stern bemerkt, daß der Bund eine größere Wirksamkeit entwickelt habe, als es den Anschein hat; so oft in einzelnen Fällen von Seiten der Kultusgemeinden Anfragen an den Bund gerichtet wurden, habe derselbe interveniert; darüber Mitteilungen zu machen, wäre aber nicht klug, da hiedurch der Sache geschadet werden würde.

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