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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1908-04-24 · 17 (24.4.1908) · page 14

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
25 (1908)
Issue
17 (24.4.1908)
Date
1908-04-24
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Seite 318 Dr. Llocb's Mocbenscvrtn. 9fc. 17 trägt sie eilends zu Gxabe« und andere Puppen mit anderen „Puppeuleideuschaften und Wünschen" nehmen ihre Stelle ein, und so geht das Scheinleben fort ein Jahrhundert um das andere. Geht nach Indien und seht, welche Art Zivilisation sich entwickelt, wenn einer Nation der Glaube an den Fortschritt fehlt und sie sich den Göttern der Finsternis unterwirft! Unter dem Einfluß des Brahmaismus sind Streben und Ehrgeiz unterdrückt worden. Dort gibt es niemand, der sich der Armen aunimmt oder die Witwen und Waisen beschützt. Die Kranken werden nicht gepflegt. Die Blinden wissen nicht, wie mau sehen, noch die Tauben, wie man hören kann, sie werden vielmehr am Wege dem Tode überlassen. In Indien ist es eine Sünde, Blinde und Taube zu unterrichten, weil ihre Fehler als Strafe für Vergehen in einem früheren Zustande des Daseins angesehen werden. Wenn ich inmitten dieser fatalistischen Lehren geboren worden wäre, würde ich noch in Finsternis stecken, würde mein L-ben noch eine Wüste sein, wo keine Karawane des Denkens zwischen meinem Geiste und der Außenwelt verkehren dürfte." Und dann fährt die Prophetin des Optimismus fort: „Der Optimismus ist der Glaube, der zur Vollendung führt; nichts kann getan werden ohne die Hoffnung. Als unsere Vorfahren den Grund zu dem amerikanischen Gemeinwesen legten, was stärkte sie da in ihrer Aufgabe als das Bild einer freien Gesellschaft, welches ihnen vorschwebte? An dem kalten, ungastlichen Himmel über der weiten, schneebedeckten Wildnis, wo verborgene Wilde lauerten, leuchtete der Bogen der Verheißung — der Glaube, der Berge ebnet, Täler ausfüllt, Flüsse überbrückt und die Zivilisation an die äußersten Enden der Welt bringt. Obwohl diese Pioniere nicht nach dem hebräischen Jdeeal bauen konnten, das sie vor Ang u hatten, lieferten sie doch das Modell zu allem, was in unserem Laude heute noch von größter Dauer ist. Sie brachten in die Wildnis den denkenden Verstand, das gedruckte Buch, den tief eingewurzelten Wunsch, sich selbst zu regieren, und das englische allgemeine Recht, das den König und den Untertan gleich achtet, das Gesetz, worauf die ganze Einrichtung unserer Gesellschaft beruht. Und es ist bezeichnend, daß die Grundlage dieses Gesetzes optimistisch ist. In den romanischen Staaten ist die Rechtsprechung auf einem pessimistischen, abschüssige» Untergrund aufgebaut. Der Angeklagte nirb für schuldig gehalten, bis seine Unschuld nachgewiesen ist. In England und den Vereinigten Staaten ist die Voraussetzung optimistisch, daß der Angeklagte unschuldig ist, bis es nicht mehr möglich ist, seine Schuld zu leugnen. Man sagt, unter unserem System werden viele Verbrecher freigesprochen; aber es ist sicherlich besser so, als wenn viele unschuldige Menschen leiden müssen. Der Pessimist ruft: „Es gibt kein dauerndes Gutes im Menschen! Die Tendenz aller Dinge strebt durch einen fortwährenden Verlust am Ende einem Chaos zu. Wenn es je eine Idee eines Guten neben dem Bösen gegeben hat, so war sie ohnmächtig, und die Welt stürzt weiter ihrem Untergänge zu." Aber bedenket wohl! Das Recht der zwei nüchternsten, praktischsten und das Gesetz am meisten achtenden Nationen der Erde setzt das Gute im Menschen voraus und verlangt einen Beweis vom Schlechten. Optimismus ist der Glaube, der zur Vollendung führt. Die Propheten der Welt sind vom Vertrauen beseelt gewesen, sonst würden ihre Fahnen verlassen ohne Verteidiger auf dem Kampffelde gestanden haben. Tolstois Kritiken verlieren an Kraft, weil sie pessimistisch sind. Wenn er die Fehler Amerikas klar gesehen hätte und an dessen Fähigkeit glaubte, sie zu überwinden, so hätte unser Volk den Ansporn seines Tadels vielleicht gefühlt. Aber hoffnungslosen Propheten kehrt die Welt den Rücken zu und hört lieber auf einen Emerson, der die besten Eigenschaften des Volkes anerkennt und nur die Fehler angreift, welche niemand verteidigen oder leugnen kann. Er lauscht dem starken Manne Lincoln, der n Zeiten des Zweifels, der Unruhe und Not nicht wankt. Er sicht Erfolge in weiter Ferne und feuert eine Nation an durch mannhaftes Hoffen, durch Hoffen gegen die Hoffnung. Durch die Nacht der Verzweiflung ruft er: „Es ist alles, gut!", und Tausende ruhen in seinem Vertrauen. Wenn ein solcher Manu tadelt und auf einen Fehler hiuweist, gehorcht das Volk und seine Worte gehen zu Herzen und prägen sich tief ein; aber die Klagelieder der gewohnheitsmäßigen Jeremias machen die Ohren raub. Das sollten auch unsere Zeitungen bedenken. Die Presse ist die Kanzel der modernen Welt, und von den Predigern, die sie besteigen, hängt vieles ab. Wenn der Protest der Presse gegen ungerechte Maßregeln nutzen soll, dann sollte neunundneunzig Tage das Textwort der Predigt erhebend sein und das Gute verkündigen, so daß am hundertsten Tage die Stimme des Tadels hundertmal stärker ertönen könnte." Die junge Optiniistin hat schließlich eine Vision des Zukuustglückes. „Ans den erbitterten Kämpfen der widerstreitenden Systeme und Kräfte sehe ich langsam eine glänzendere geistige Aera emporsteigen, eine Aera, in der es kein England, kein Frankreich, kein Deutschland, kein Amerika, nicht dieses oder jenes Volk mehr geben wird, sondern nur eine Familie, das Menschengeschlecht; ein Gesetz, den Frieden; e i n Bedürfnis, die Harmonie; e i n Mittel, die Arbeit; einen Zuchtmeister, Gott." Glückliche Helen Keller! m. f. Hrirfkastr«. Dr. H. Bifchofteinitz. Dem Range nach stehen die jüdischen Feiertage in sotgender Ordnung: I. Jom-Kippur, II. Sabbath, III. Rausch-Haschono, IV. die übrigen Feiertage. „Ein Wahrheit-sucher". Daß Fräulein Vally Theum a n n, welches dem Judentume den Rücken gekehrt hat, „vor zwei oder drei Jahren als Mitwirkcnde bei zionistischen Veranstaltungen aufgetreten", berechtigt sie nicht zur Generalisierung. Daß Juden unter einander üb r religiöse Einrichtungen des Christentums nicht abfällig urteilen sollen, ist ebenso sehr eine Pflicht der Bildung wie der Lebensklugheit. E. St. in L. Wir haben Ihnen alle jüdischen Abgeordneten namhaft gemacht, auch die sozialdemokratischen — selbstverständlich mit Ausschluß der Konfessionslosen. Abonnenteu in Schlesien. Der verstorbene, ehemalige Vizepräsident des österreichischen Abgeordnetenhauses, Professor August Kaiser, war einer der ältesten und „strammsten" Antisemiten des Parlamentes und wurde als solcher insbesondere im „Grazer Tagblatt" gefeiert. Das hmoerte ihn aber nicht, nach dem Beispiele „Ein echter Deutscher mag keinen Franzmann leiden, trinkt aber dessen Weine", für jüdisch-liberale Zeitungen (wie es im antisemitischen Jargon heißt) Artikel zu schreloen und ansehnliche Honorare zu beziehen. Dasselbe „Grazer Tagblatl" will ihn dafür in Schutz nehmen, indem es schreibt, Abgeordneter Kaiser h be damit nur das Beispiel anderer Partei- und Gesinnungs (!) genossen nachgeahmt. A. E. in B. Seit Jahren haben wir uns gegen das wiederhol an uns gestellte Ansinnen, die Liste der Renegaten allwöcherUlich zu publizieren, nachdrücklich gewehrt und jede derartige Zumutung zurückgewiesen. Indessen im Laufe der Zeit haben w:r die Ueberzeugung gewonnen, daß diese Maßregel notwendig geworden. Es zeigte sich in den letzten Wochen, daß Täuflinge nicht anstehen, sich um jüdische Stipendien zu b.werben, bei Vereinen zur Unterstützung jüdischer Gewerbetreibender auf Grund ihrer jüdischen Abstammung Darlehen zu beanspruchen; ferner, daß junge Leute ohne Wissen des Vaters oder Vormundes den Austritt aus dem Judentum vollziehen. Diese Tatsachen und noch andere Erwägungen haben in einer eingehenden Beratung den Entschluß hervorgerufen, nunmehr allwöchentlich diese Liste zu publizieren und wir wissen uns darin m Uebereinstimmung mit den maßgebendsten Führern der Wiener jüdischen Gemeinde. R. Oesterreicher. Besten Dank. Fr. Gr. Reminiszenzen aus Eisenstadt können wir leider nicht bieten. Al. F. Aus Wien wird ein Protest versendet über Errichtung des Kurhauses Schlachtensee. In dem Prospekt heißt es: „Die Eigenart dieses Sanatoriums ruht vor allem aber darin, daß seine Küche unter ständiger, rabbinischer Aussicht streng rituell geführt wird. Unter dem Prospekt zeichnen „Dr. raeä. A. Kantorowicz, Arzt f. inn. Krankheit, Dr. med. Placzek, Nervenarzt, das Direktorium: Dr. Salo Stein, Rabbiner, Berlin 6.". Die „Jüd. Rundschau" schreibt: „Wir stellen fest, daß der Nervenarzt Dr. Siegfried Placzek tm Jahre 1301, damals 34 Jahre alt, aus dem Judentum ausgetreten ist, um evangelisch zu werden, und daß er zurzeit dem Vorstand der Zwölfapostelkirche angehört. Sein Geschäftsteilhaber und Mitleiter des koscheren Sanatoriums Dr. Kantorowicz wie Dr. Placzek aus der Provinz Posen

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