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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1908-04-24 · 17 (24.4.1908) · page 12

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
25 (1908)
Issue
17 (24.4.1908)
Date
1908-04-24
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Vette 316 Dr. LLocb's Moedenscvnn- «r. 17 'eranlagt sah. einzuschreiten, weil er „nicht dienstlich anwesend war". Wie wäre es Wohl einem Juden ergangen, der es gewagt hatte, die Einsegnung einer katholischen Leiche in so unqualifizierbarer Weise zu stören? Gr-Meseritsch. Herr Samuel Drechsler, Kantor in Groß-Meseritsch, feiert Samstag den 2. Mai sein 25jähriges Dienstjubiläum, verbunden mit seinem vierzigsten Hochzeitsfeste. Neu Rausuitz. Am 3. Mai d. I. feiert unser geehrter Oberkantor und Sekretär Herr Leopold Stößler sein vierzigjähriges Amtsjubiläum in der hiesigen Gemeinde. Zuorow (Verlobung.) Fräulein Steffi Brief, Tochter des k. k. Postmeisters Herrn Jakob Brief, hat sich mit Hermann Freundet, Beamter der Firma S. Meisel in Wien, verlobt. Warnung. Zborow (Galizien). Sehr geehrter Herr Redakteur! In letzter Z-it erhalten galizische Rabbiner und Privatpersonen Zirkulare und Ausfüllbogen von einem Herrn Schächter Mozses in Budapest, der vorgibl, rm Einverständnis mit der „Israelitischen Allianz" ein „Indisches Welt-Adreßbuch" herauszugeben, dessen Reinerträgnis zugunsten der armen russischen, rumänischen und galizischen Glaubensgenofleu bestimmt sein soll, und appelliert somit an die Empfänger seiner Zirkulare, dieses humane Unternehmen durch Angabe von Adresien der jüdischen Kaufleute, Gutspächter und Landwirte rc. zu unterstützen. Da mir aber diese ganze Sache unklar vorkam und ich Verdacht schöpfte, daß dieser Vorspiegelung Hochstapelei und Bauernfängerei zugrunde liegt, so wandte ich mich an den Vorstand der «Israelitischen Allianz zu Wien" um Aufklärung in dieser unklaren und verdächtigen Sache und erhielt somit von demselben die Ermächtigung. auf geeignetem Wege bekannt zu geben, daß das Unternehmen des angeblichen Herausgebers der „Israelitischen Allianz" gänzlich unbekannt ist und dieselbe diesem Unternehmen, welches zu geschäftlichen oder — wie der Vorstand der „Israelitischen Allianz" richtig meint — gar zu Schnorrzwecken geplant wird, gänzlich ferne steht Ich erachte es daher für eine Pflicht, unsere Rabbiner sowohl als auch Privatpersonen vor dieser Hochstapelei und Bauernfängerei aufs Nachdrücklichste zu warnep! Indem ich Ihnen für die gefl. Veröffentlichung dieser Warnung in Ihrem geschätzten Organe im Voraus danke, genehmigen Sie den Ausdruck vorzüglicher Hochachtung von Juda Ladiner, Lehrer. Gödiug. Dienstag den 14. d. M. wurde hier Herr Jonas Frankl, Lederfabrikant, zu Grabe getragen. Der Verstorbene war ein Jude in des Wortes vollkommenster Bedeutung. Ein Mann, wie sie leider langsam aussterben, ohne daß für sie ein Ersatz zu fi «den wäre. Durch zirka 40 Jahre betätigte sich der Verstorbene in der Gemeindevertretung, der er als Vorstand-Stellvertreter angehörte, in der wärmsten und uneigennützigsten Weise, stets darauf bedacht, das Althergebrachte zu erhalten und im steten Kampfe mit einigen Neuerern das Altehrwördige zu verteidigen. Sonntag den 12. April hauchte er nach langem schweren Leiden seine Seele aus und das zwei Tage später stattgehabte Leichenbegängnis gab durch se.ne überaus starke, in Göding wenig noch gesehene Beteiliaung Zeugnis von der allgemeinen Beliebtheit und dem Ansehen des Verewigten. Herr Dr. Hoff, Rabbiner in Bisenz. ein Schwiegersohn des Herrn Frankl, gab durch einige tief und warm empfundene Worte noch im Trauerhause der allgemeinen Trauer um den Dahingelchiedeii' H Ausdruck, worauf sich der imposante Leichenzug zum Friedhofe beweate, wo Sx. Ehrwürden Dr. Lazarus in schön durchdachter Rede die Verdienste des Verewigten um Familie und Gemeinde pries, worauf Herr Dr. Körner, Kultusvorsteher, am offenen Grabe in tiefergreifenden Worten, bei denen kein Auge tränenleer blieb, Abschied von dem Verewigten nahm. Budapest. Samstag den 21. Marz verschied hier im Alter von-72 Jahren die Witwe Fr. Samuöl Fabian, geb. Rosalie Weißrnandlh die wegen ihres edlen Charakters und ihrer Tugenden bei jedem, der sie näher kannte, beliebt und hochgeschätzt war« Rasch, nach kaum eintägiger Krankheit, hat der Tod sie dem Kreise ihrer Lieben entrissen. Freitag noch saß die Matrone mit dem schönen, falten!, sen Gesicht und silberweißen Haare in gewohnter Weise am Fenster und „regte behende die fleißigen Hände". Handarbeit: Stricken und Sticken war in ihrer freien Zeit die stete, liebe Beschäftigung der Verblichenen. Freie Zeit hieß bei ihr die Zeit nach der geschäftlichen Tätigkeit. Bewunderungswürdig war die jugendliche Flinkheit und Rührigkeit der biederen Frau. Ihre Samstage und Feiertage waren dem Bücherlesen gewidmet. Das musterhafte Leben der Dahingeschiedenen war eine Kette rastlosen, emsigen Fleißes. Untätigkeit 'war ihr ein unbekannter Begriff. Rosalie Fäbiän übte richtige Frömmigkeit: stille Wohltaten. Selbstlos und höchst bescheiden konnte sie entbehren, um Anderer Elend zu lindern. Im geheimen verteilte sie Gaben, ohne je damit zu flunkern. Wobltun war ihr Herzensbedürfnis, galt ihr Pflicht. Diesen Sinn für Wohltun verpflanzte sie auch auf ihre Töchter, die sie aufopfernd liebte. Vor vier Monaten verlor diese gute Frau ihren Lieblingsenkel, den 21jährigen, genialen Apothekerpraktikanten Oedön Reiß. Von da ab fand sie am Dasein keine Freude mehr. Sie sehnte sich zu ihrem Oedön und wünschte sich nur einen Tod ohne langes Siechen, damit sie Niemandem zur Last falle. Diese Gunst hat das Schicksal dieser Jscho Chschivo gewährt. Nun hat sie, die sich im Leben nie Ruhe gönnte, die ewige Ruhe. Gesegnet sei ihr Andenken, das ihr Alle, die sie kannten, im Herzen bewahren werden. In der Verblichenen betrauern der Fabrikant David Reiß und der Assekuranzbeamte Josef Schwarz ihre Schwiegermutter. Bur. Szent-Miklos. (Verlobung.) Fräulein Irma Weinwurm, Tochter des Vorstehers Herrn Nathan W e i n w u r m, hat sich mit Herrn Ludwig Weinwurm, Sohn des Herrn Leopold Weinwurm aus Wien, verlobt. Triest. „Der Vorstand der hiesigen israelitischen Kültusgemeinde hat in seiner Sitzung vom 13. April beschlossen, die Konkursausschreibung auf den Posten eines Oberrabbiners zu annullieren, die Besetzung des Oberrabbinerpostens aus zwei Jahre zu verschieben und für die Dauer dieser zwei Jahre den gegenwärtigen Vizerabbiner Herrn Dr. Uscher Brettholz als Vizerabbiner zu bestätigen." Leullleton. Helen Keller und die Propheten des Optimismus. Ein Buch der blinden und tauben Schriftstellerin. Der Name der jungen Amerikanerin Helen Keller ist als der eines tiefergreifenden und dabei doch erhebenden Kulturphäuomens bereits in den weitesten Kreisen bekannt. Man weiß, daß Helen Keller, diese unglückliche Amerikanerin, stit ihrem zweiten Lebensjahre infolge einer schweren Krankheit blind und taubstumm ist. Mit eiserner Energie hat dieses seltsame Mädchen trotz aller körperlichen und geistigen Schwierigkeiten gelernt, sich durch die Sprache verständlich zu machen. Sie hat ein Mädchengymnasium absolviert und eine Universität bezogen und am Ende ihrer Studien, dreiundzwanziojährig, versteht sie außer ihrer Muttersprache Deutsch und Französisch, besitzt eine enorme Belesenheit, große wissenschaftliche Kenntnisse auf dem Gebiete der Literatur, Geschichte und Philosophie und hat bereits in ihrem aufsehenerregenden ÄuLe „Geschichte meines Lebens" eine glänzende Probe ihrer hervorragenden, schriftstellerischen Begabung geboten. Eine neue Probe ihres weit den Durchschnitt überragenden Denkens und Schreibens gibt Helen Keller in einem in autorisierter deutscher Übersetzung von Dr. Rudolf Lantenbach bei Robert Lutz, Stuttgart 1906, erschienenen Büchlein „Optimismus". Ein Glaubensbekenntnis. Kein Leser wird ohne eine gewisse Rührung das dem Büchlein angeheftete Porträt Helen Kellers betrachten. Es zeigt die unglückliche junge Dame, deren anmutige Züge durch die geschlossenen, blinden Augen den Charakter größter Sanftmut aufweisen, in der kleidsamen Tracht einer amerikanischen Studentin, im dunklen Gelehrtentalar über dem weißen Kleide und mit dem schmucken Barett auf dem Haar. So sieht wirklich keine Unglückliche aus. Es liegt ein wohltuender Reiz echt weiblichen Schönheitssinnes über dem Bildchen. Üeberhaupt käme man bei' Fräulein Helen Keller recht übel an, wollte man sie unglücklich nennen oder gar sie bedauern. Gerade das vorliegende Büchlein stellt sich als eine Art Philosophischen Protestes gegen das Mitleid dar, das, wie Fräulein Keller fühlen mag, von aller Welt ihrem Schicksal gespendet wird. Das Buch, ein formvollendter Essay, gliedert sich in drei Kapitel, die die Verfasserin „Innerer Optimismus", „Aeußerer Optimismus" und „Praktischer Optimismus" benennt. Optimismus aber ist die Seele des Jude ntums, darum ist diese Schriftstellerin uns so sympathisch und geistesverwandt. Einen tiefen Einlick in die Seele Helen Kellers, dieses einzig gearteten Wesens, von dem Mark Twain geschrieben

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