Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 25 (1908)
- Issue
- 17 (24.4.1908)
- Date
- 1908-04-24
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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Str. 17 Dr. Llocd's MocvenscbrtN. Sette 315 Musikstücke vorzutragen. Eine kleine Feier gab es auch, als die Kleinen am Schlüsse einer patriotisch ausklingenden Erzählung spontan mit Abfingung der „Volkshymne" eine Kaiserhuldigung verbanden. An dem Gelingen der Veranstaltung hatten auch Frau Vizeprästdentin Steiner, Frau Paula Bank und Frau Emmy Steiner redlichen Anteil. Jüdische Toynbee-Halle XV., Herklotzgasse LI. Am II. d. M besprach unter dem Titel „Streifzüge durch das Strafrecht" Hof- und Geri.lstsadvokat Dr. Karl Lifezis in ebenso geistreicher als belehrender Weise die Grundlagen des österreichischen Strafrechtes. Soweit es im Rahmen eines Vortrages nur Überhaupt möglich ist, verstand es der Redner, die Grundbegriffe des Strafrechtes zu erläutern, das Wesen der „Uebertretungen, Vergehen und Verbrechen", sowie das Verhältnis zwischen Vergehen und Strafen zu kennzeichnen. Er wies nach, wie reformbedürftig unser jahrhundertaltes Strafrecht geworden und seine Einstreuungen, gewisse Vorkommnisse im Prozesse Hilsner betreffend, fanden verständnisinnigen Beifall, der sich auch am Schluffe der Ausführungen reichlich einstellte. Nach dem Vortrage Dr. Lifezis' war den Gästen auch ein künstlerischer Genuß geboten. Herr Arnold Plaschkes sang ernste und heitere Lieder mit herrlicher Stimme und nichtiger Empfindung. Mit diesem Vortrage schloß die derzeitige Vortragssaison. Herr Oberrevident Strach dankte namens der Vereinsleitung all denen, die sich um die Erfolge der Toynbeeballe verdient gemacht hatten, insbesondere Herrn Kommerzialrat Baß und Herrn Ingenieur Baß, die durch ihre Mitwirkung auch die künstlerische Ausgestaltung des heurigen Programmes ermöglichten. Jubiläuws-Kantorentag. Der vom Oesterreichisch-ungarischen Kantoren-Verein ursprünglich für den 8. Mai d. I. in Wien geplante Jubiläum s-K a n t o r e n t a g ist auf den 22. Juni verschoben worden. Wien. (A m t s j u b i l ä u m.) Am 1. Mai d. I. feiert der.Amtsleiter und Matrikeuführer der israelitischen Kultusgemeinde in Wien Herr Michael Brösler sein 25jähriges Amtsjubiläum. Herr Brösler hat sich während seiner Amtstätigkeit durch seine pflichttreue Verläßlichkeit und durch sein joviales Auftreten sowohl die Anerkennung seiner Vorgesetzten, als auch die Liebe und Freundschaft seiner Kollegen im Amte zu sichern verstanden. Unter der Leitung des Herrn Michael B r ö s l e r hat sich das Matrikelamt der Wiener israelitischen Kultusgemeinde zu einem Musteramt entwickelt. Die Präzision und unbedingte Verläßlichkeit, mit welcher das Matrikelamt unter der Leitung des Herrn Brösler arbeitet, wurde auch von den kommunalen und Staatsbehörden wiederholt lobend anerkannt. Wien. (Verein zur Bekleidung armer alter Männer israelitischer Konfession.) Vor Kurzem wurde in einer Festsitzung dieses Vereines dem um den Aufschwung des Vereines hochverdienten Vizepräsidenten Herrn Karl Fuchs das Ehrendiplom überreicht und gleichzeitig das von Künstlerhand gemalte Bildnis des wackeren Obmannes Herrn Isidor Schwarz enthüllt. So erfüllt der Verein den Tribut der Dankbarkeit den beiden hochverdienten Männern gegenüber, die unentwegt im Mittelpunkte der Vereinsbestrebungen stehen. Wien. Am 17. Oktober jedes Jahres gelangen die Zinsen des „Prediger Mannheimer-Vereines" zur Verteilung. Anspruch auf diese Unterstützung haben bedürftige Rabbinen, Prediger und Lehrer in Oesterreich-Ungarn, welche dienstunfäl ig geworden sind, oder deren Witwen und Waisen. Die Bewerber müssen in einer Gemeinde, welche mindestens fünfzig Mitglieder zählt, wenigstens durch zehn Jahre das Amt in würdiger Weise verhaltet haben. Beamte großer, notorisch reicher Gemeinden sind ausgeschlossen. Die Würdigkeit der Bewerber, sowie die Dienstunfähigkeit sind nachzuweisen. Unbelegte oder mit Urkunden in fremden Sprachen belegte Gesuche werden nicht berücksichtigt. Ungestempelte Gesuche sind längstens bis am 30. Juni jedes Jahres unter der Adresse: „Vorstand des Prediger Mannheimer- Vereines" in Wien, I., Eßlinggasse 7, zn übersenden Wien. Der er st e Wiener jüdische Turnverein Wien, I., Mölkerbastei 5, veranstaltet am 26. April 1W8, 1/fß Uhr Nachmittags, im Deutschen Volkstheater eine MaÜnee, bei welcher „Der Dieb" (Le Voleur), ein Stück in drei Akten von Henry Bernstein' zur Aufführung gelangt. Mit Rücksicht auf das stete Anwachsen der Mitgliederzahl des Vereines hat derselbe an die Beschaffung einer großen Turnhalle schreiten müssen und ab Mai 1908 in dem Hause, IX., Liechtensteinstraße 20, durchaus zweckentsprechende Lokalitäten auf längere Zeit für die Vereinszwecke gemietet. Das Reinerträgnis der Matinee ist zur Bestreitung der Adaptierungskosten dieser Lokalitäten zu Turnsälen bestimmt. — Karten zu dieser Matinee sind an der Theaterkasse und bei allen Vereinsmitgliedern (Herren und Damen) erhältlich. Die Preise der Karten sind die gewöhnlichen Abendpreise ohne jedwede Erhöhung und ohne Berechnung einer Vormerkgebühr. Den Zentralverkanf leitet Siegfried Beer, VI., Gumpendorferstraße 125 (Eingang Morizgasse 8), woselbst telephonische Ordres (Telephon 10.321) entgegengenommen und Auskünfte erteilt werden. Wien. Der israelitische Wohltätigkeits- und Krankenunterstützungsverein „M azmiach Jeschua" („H i l f e und H e i l") in Wien veranstaltet Sonntag den 26. d. M. um 3 Uhr nachmittags im Sitzungssaale der Synagoge, II. Leopoldsgasse Nr. 29, eine Generalversammlung. Wien, den 21. April 1908. Berichtigung. An die geehrte Redaktion von Dr. Blochs „Oesterreichische Wochenschrift", Wien, IX., Hahngaffe 15. Als mit Vollmacht ääo. Wien, den 21. April 1908 ausgewiesener Vertreter des Herrn Leo Austerlitz ersuche ich unter Berufung auf § 19 Pr.-G. die in Nr. 16 Ihres geschätzten Blattes vom 17. d. M. auf Seite 299 unter der Spitzmarke „Wien, Verlobung" gebrachte Mitteilung in gesetzlicher Zeit und Form dahin zu berichtigen: Es ist nicht wahr, daß sich He,r Leo Austerlitz, Sohn des Herrn Simon Austerlitz s. A., mit Fräulein Sidonie Hirschler, Enkelin des Herrn Karl Austerlitz s. A., verlobt hat. Wahr ist, daß die mitgeteilte Berlobungsanzeige jeder tatsächlichen Grundlage entbehrt. Hochachtend Dr. R. Bunzlau. Austritte aus dem Judentum vom 12. bis 18. April 1908. Adler Malvine, Private, geb. 1876, Ung.-Ostra, III., Ungarg. 71. Bernstein Ella, geb. 1884, Wien, V., Anzengrubergasse 13. Engel Anna, Lehramtskandidatin, geb. 1888, Hährisch-Trübau, IV., Viktoriagasse 14 Erban Ester Ernestine, geb. Ellas, Private, geb. 1871, Wien, XII., Schallergasse 2. Heller Paula, geb. 1876, Wien, VII., Neustiftgasse 21. Horwatb Leo, k. u. k. Oberleutnant, geb. 1881, Brodas (Ungarn), I., Postgasse 13. Läufer Viktor, Korrespondent, geb. 1887, Brünn, II., Rote Kreuzgasse 11. LQbek Eduard, Handelsagent, geb. 1850, Arad, II., „Hotel Kronprinz“. Neumann Ignaz, Privatbeamter, geb. 1862, II, Praterstrasse 68. Prossnitz Gisela, Private, geb. 1869. Wien, VII., Neubaugasse 30. Rosenzweig Katharina, Private, geb. 1877, Wien, III., Hauptstrasse 107. Rosenzweig Rudolf Ernll, Student, geb. 1879, XVII., Bergsteigg. 54. Sleczlnskl Dora, geb. 1876, Wien, VI.. Blümelgasse 1. Stern Ladislaus, Reisender, geb. 1868, Terezovac (Slavonien), VIII, Lerchenfelder Gürtel 66. TuSChak Helene, Schriftstellerin, geb. 1879, Wien, HL, Rennweg 37. Antisemitische Pietätlosigkeit. In Stuhlweißenburg in Ungarn, in diesem klerikal-antisemitischen Neste, ereignete sich vor einigen Tagen ein Vorfall» der jo recht zeigte, wie fanatischer konfessioneller und Rassenhaß selbst sogenannte gebildete Menschen zu verrohen imstande ist. Vorige Woche starb dort der angesehene jüdische Kaufmann Jakob Löwh. Da der enge Hofraum die zahlreich erschienenen Trauergäste nicht zu fassen vermochte, wurde die Zeremonie auf der Straße vordem Haufe verrichtet. Kaum begann der Kantor seine traurige Funktion, wurden die Fenster einer Gassenwohnung des anstoßenden Hauses, die von dem christlichsozialen Führer Advokaten Dr. Schlamadinger, geöffnet und — ein Grammophon ließ die laszivesten Brettlgesänge ertönen, auf diese Weise die Gefühle der an der Bahre ihres Familienoberhauptes schluchzenden Hinterbliebenen und der. zahlreichen Trauerversammlung verletzend. Als der Kantor geendet hatte, wurde auch der Grammophon eingestellt. Kaum begann der Rabbiner die Trauerrede, wurde der Grammophon wieder ans Fensterbrett gestellt und — aufgezogen. Und als der Trauerzug sich schließlich in Bewegung setzte, ließ Dr. Schlamadinger seinen Grammophon einen antisemitischen Marsch spielen. ES hat wenig gefehlt und es wäre zu gefährlichen Demonstrationen seitens der Trauergäste gekommen. Die Entrüstung der Augenzeugen richtete sich aber nicht nur gegen die Roheit des antisemitischen Advokaten, sondern mehr noch gegen den in der Nähe befindlichen Stadthauptmann Aladar Zavaros» der ebenfalls Augenzeuge dieser Pietätlosigkeit war, jedoch sich nicht