Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 25 (1908)
- Issue
- 17 (24.4.1908)
- Date
- 1908-04-24
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Sette 312 Dr. Vloev's Mocvenscvrin. Nr. 17 „Sehr geehrter Herr Architekt! Durch die Uebernahme dieses Schlüssels ergreife ich im Namen unserer Kultusgemeinde Besitz von diesem Hause, welches, nach Ihren Plänen erbaut, als Ihr Werk dastebt. Sie haben ein Kunstwerk geschaffen, das sowohl unserer Kultusgemeinde als auch der St^dt zur dauernden Zierde gereichen wird. Für all Ihr schönes Können und Wissen, für Ihre rastlose Mübe. und aufopferungsvolle Tätigkeit, die Sie diesem Bauwerke gewidmet haben, sage ich Ihnen hiennt im Namen unserer Gemeind; den wärmsten Dank; ick danke aber auch dem Herrn Baumeister Richard Kloß, der seine Tüchtigkeit, seinen Rat und seine bewährte Hand dem Werke gewidmet, sowie ollen anderen wackeren Männern, welche sich an dem Bau beteiligt haben nnd von deren gediegener Tätigkeit dieser Bau zeugt. Sie alle können mit dem Bewußtsein, einen herrlichen Monumentalbau geschaffen nnd an seiner Einrichtung mit so schönem Erfolge gewirkt zu haben, stets diese Stätte betreten." In seiner Ansprache fortfahrend, wendete sich der Vorsteher an die Festversammlung: „In tiefster Ergriffenheit, aber doch mit freudigen Gefühlen, begrüße ich Sie, unsere hochgeehrten Festgäste, welche aus Nah und Fern herbeigeeilt sind, um teilzunehmen an unserem heutigen Felltage. Es drängt mich besonders, die geehrten Vertreter der politischen und der anderen Staats- und Landesbehörden, die Herren Gemeindcräte unserer Stadt, die Herren 'Vertreter der Schulen nnd der zahlreichen Korporationen zu begrüßen; ich begrüße ferner die Vertreter unserer Schwestergemeinden, ich heiße herzlich willkommen unsere auswärtigen Mitglieder nnd begrüße ebenso herzlich alle, alle, die Sie aus unserer Stadt selbst gekommen sind, um mit uns diesen Ehrentag festlich zu begeben. Und wahrlich, einen Ehrentag feiert heute unsere Gemeinde! Jahrzehntelang war es der heißeste Wunsch unserer Gemeinde, ein eigenes Gotteshaus erbauen zu können nnd erst vor zwei Jahren konnte unter der Wirksamkeit meines Amtsvorgängers der Beschluß, einen Tempel zu bauen, aefaßt werden. Und heute sehen wir unser Mühen vom Erfolge gekrönt, steht der Tempel in seiner ganzen Pracht da. Und wenn es uns gelungen ist, mit schweren Opfern jedes Einzelnen und d r Gesamtheit, durch die rastlose Tätigkeit des Bauausschnsses und der Gemeindevertretung, durch reichliche Spenden dieses Haus zu erbauen und geradezu prunkvoll auszugestalten, so gebührt innigster, tief empfundener Dank allen edlen Spendern, Dank dem guten Herzen unserer wackeren Frauen, Dank unseren opferwilligen Männern. Geehrte Festversammlung! Wir feiern auch heute ein patriotisches Fest. Den Wunsch unseres erlauchten Monarchen, für das Kind zu sorgen, sehen Sie hier erfüllt. Für unsere Kinder, für welche jüdische Eltern stets ihr Letztes opfern, hab?n wir diesen Tenipel gebaut! Unsere Jugend wird in diesen heiligen Hallen religiöse Erziehung, sittliche Heranbildung erhalten. Der Kaiser Franz Joseph Jubiläums-Tempel raoe empor als dauerndes Andenken an das 60 jährige Jubiläum unseres erlauchten Monarchen; er bilde einen friedlichen Einigungspunkt für alle unsere Mitglieder! Möge dieses Gotteshaus Jahrhunderte überdauern als Wahrzeichen für die Lebenskraft des Judentums, als eine Stätte der Erhebung und des Gottessriedens für kommende Geschlechter und als eine Zierde der Stadt, der wir stets treue Bürger sein wollen. Und so übergebe ich denn dieses Haus der heiligen Weihe!" Mit Worten aus der heiligen Schrift nahm der Prediger Dr. Simon Mandl zuerst die Weibe des Gotteshauses als solches vor. Er weihte sodann den Altar als Sinnbild aller Pflichten, welche die Gegenwart für das Gemeinwohl auferlegt, und entzündete das „heilige Licht", das Symbol des Friedens inmitten der Menschheit. Unter den altebrwürdiqen Klängen des „Schema Israel" wurde die Bundcslade geöffnet und zwei der kleinere» Thorarollen wurden um den heiligen Tisch in feierlicher Weise aetragen. Ein Sopransolo aus dem „Elias" von Mendelssohn, mit Innigkeit von Fräulein Cäcilie Herz sehr schön vorgctragen, und der jubilierende Cboral „Hallelujah!" prägten in glücklicher Weise die Andachts- und Feststimmung aus, von der die beteiligten Gemeindemitglieder ergriffen wurden. Die Festrede des Predigers bewegte sich im Rahmen des Textwortes. zugleich der Ueberschrift im Vestibül und über dem Allerbeiligsten, da? da lautet: „Fürwahr, dies ist nichts anderes als ein Gotteshaus und dies ist die Pforte des Himmels" (Genesis 28, 17). Seine Ausführungen einleitend, deutete der Redner die dreifache Bezeichnung des Tempels als Haus Gottes, des Gebetes, des Friedens. Die letztere Bestimmung des jüdischen Gotteshauses, die des Friedens, hob der Redner an der Hand des Bildes hervor, welches der Regenbogen bietet, und führte aus: „Mag auch die Ueberzeugnng der Menschen in mannigfacher Farbe schimmern, ein Lichtquell ist es, dem sie alle zuströmen, ein Lichtkreis, in den alle wieder münden: Die Treue zu Gott, die Treue zu den Menschen" ... In diesem Sinne deutete er auch die Embleme aus der Hauptfassade: „Als Sinnbild der Gotteswahrbeit den Leuchter, als Symbol des begeisterungsvollen Gebetes die Davidsharfe und endlich symbolisiere der Schild Davids die schützende Eintracht." Die Rede gipfelte in dem Gedanken: „Wahrer Gottesdienst wird nur gekrönt durch edlen Menschendienst". Folgende markante Sätze dienten hieur als Illustrierung: D rs Gotteshaus stelle gleichsam die Leiter zwischen Erde und Himmel, Göttlichkeit und Menschlichkeit, Glaube und Liebe dar. Schon auf Erden sollen wir für den Himmel erzogen werden, durch unsterbliche Werke hienieden schon Unsterblichkeit erringen. Die Ahnung des Himmlischen, die das Gotteshaus erwecke, soll den Wandel draußen im Leben zu einem tatenreichen Gottesdienste gestalten. Der Tempel ist die Pforte des Himmels; soll aber der ganze Himmel sich erschließen, dann möge die Wrihe. die über dem Hause walte, das Leben draußen verkläre»; die lichten Fäden, die hier gesponnen werden, die Seele soll sie fortknüpfen, damit sie zuin Halt werden dem vom Glück Begünstigten, znm Hort der von ihm Enterbten . . . Das Gotteshaus sei gleichsam die stimmungsreiche Tonleiter, an der alle freud- und leidvollen Empfindungen des Lebens in Zauberklängen schwingen mögen, an welcher die Engel der Göttlichkeit, de» Glaubensglut, der Humanität auf- und niedersteigen mögen, dann zeigt es sich würdig jener Tatkraft, die keine Mühe gescheut, bis das herrliche Werk erreicht ward .... Den Schluß der Rede bildete der Segen für alle, die bei dem Aufbau dieses schönen Werkes mitgewirkt. An die Festrede schloß sich das Segenlied, eine volkstümlich gewordene chorale Komposition voll Innigkeit, an, bei der die herrliche, wohlgeschulte Stimme des Oberkantors S. Ulrich, wie überhaupt bei dem gesanglichen Teile der Feier, zur schönsten Geltung kam. Das sodann folgende Gebet für das allerhöchste Kaiserhaus erhielt sdin besonderes Gepräge durch das vor offener Bundeslade abgelegte feierliche Treugelöbnis: dem erhabenen Monarchen, dessen allerdurchlauchtigsten Namen dieses neue Gotteshaus ziert, in patriotischer Hingebung zu dienen, bereitwillig für Thron und Vaterland zu leben und zu sterben. — Das Kaisergebet schloß mit dem Segen kür die Heimatstadt, für ihre Gotteshäuser, ihre Gerichtsstätten, ihre Behörden, ihre Beamten und Unternehinungen, in welchen der rechtschaffene Bürgerfleiß sich regt . . . Mit dem Absingen der zwei ersten Strophen der Volksbymne schloß die erhebende Feier, ein ■ denkwürdiger Tag der Kultusgemeinde. Eine gemaßregelte Kultusgemeinde. In Marosväsärhely (Ungarn) ist zwischen dem Vorstande der dortigen orthodoxen Krrltusgemeinde und ihrem Rabbiner Herrn Afrom Mandelbaum ein Konflikt ausgebrochen, der solche Dimensionen angenommen hatte, daß die Gemeindevorstehung dem Rabbiner das Betreten der Synagoge verweigerte. Die Angelegenheit kam auf dringlichem Wege vor das Ministerium für Kultus und Unterricht, welches die Entscheidung fällte, daß die Autonomie der Kultusgemeinde zu suspendieren und bis -auf weiteres von amtswegen ein geschäftsführendes Präsidium zu ernennen sei. Das gegenwärtige Präsidium weigerte sich jedoch, den die Autonomie suspendierenden Ministerialerlaß entgegenzunehmen und die Geschäfte dem als Regierungskommiffär ernannten neuen Präsidium zu übergeben: Bürgermeister Georg Bcrnädy war gezwungen, die Assistenz der Polizei in Anspruch zu nehmen, um dem Erlasse des Ministeriums Geltung zu verschaffen. Eine Synagoge aus dem 15. Jahrhundert.. Aus Budweis wird uns geschrieben: Eine äußerst interessante Entdeckung wurde anläßlich der Demolierung des Hauses Nr. 17 in der Sterneckgaffe gemacht. Dort wurden nämlich, obwohl beschädigt, trotzdem deutlich erkennbare Ueberreste einer Synagoge entdeckt, die aus der Zeit der im Jahre 1505 stattgefundenen blutigen Judenverfolgungen in Budweis stammen dürften. Das Gotteshaus muß für die damaligen Verhältnisse, wenn auch klein, doch sehr schön ausgestattet gewesen sein. Der Raum ist quadratisch, hat fünf Meter Seitenlänge, ist drei Meter hoch, die gothische Wölbung beträgt ungefähr sieben Meter. Die Wände sind trotz der vielfachen baulichen Veränderungen, denen das Haus in den nachfolgenden Jahrhunderten unterworfen gewesen ist, gut erhalten. In den Ecken der Mauer sind von fünfarmigen Konsolen ausgehende Rippenbändcr zu sehen, welche einen Stern bilden. Auch ist ein bandförmiges Ornament sichtbar, in dessen Mitte sich eine fünfblätterige rote Rose mit gelbem Stempel befindet. Die Rose ist jedoch nicht identisch mit der Rose im Wappen des Geschlechtes der Rosenberge. Auf den Wänden, besonders auf der Ostseite, sind ziemlich deutliche Graphite zu sehen. Das interessante Baudenkmal ist noch nicht vollständig bloßgelegt, doch scheint der rechte Flügel als Wohngebäude, der linke als Synagoge gedient zu haben. Juden im Gemeinderate von Sarajewo. Aus Sarajewo wird berichtet: Bei den am 13. d. M. erfolgten Gemeindewahlen siegten trotz der großen Agitation der serbo-muselmannischen Opposition die Kandidaten der Regierung mit einer Majorität von 150 Stimmen.