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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1908-04-24 · 17 (24.4.1908) · page 7

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
25 (1908)
Issue
17 (24.4.1908)
Date
1908-04-24
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 17 Dr Llocb's MocbenscbrM. Sette 311 diese Obduktion durch die Brünner Gerichtsärzte vorgenommen werde. Die Staatsanwaltschaft ging, um die Beunruhigung der Zwittauer Bevölkerung zu zerstreuen, auf dieses Ansuchen ein, obgleich das Gutachten der Gerichtsärzte in Policzka keinerlei Bedenken hervorzurufen vermochte. Gestern begaben sich die hiesigen Gerichtsärzte kais. Rat Dr. Zuska und Dr. Herzet mit dem Herrn Gerichtssekretär Jerziczka nach Zwittau und obduzierten nochmals den Leichnam in Anwesenheit mehrerer Verlrauensmänner. Da Befund und Gutachten der Gerichtsärzte in Policzka sich als vollkommen einwandfrei erwiesen, eine Verletzung der Leiche nicht konstatiert wurde und in dem Leichnam auch ein so großes Blutquantum vorgefunden wurde, daß die Möglichkeit einer Blutentziehung absolut ausgeschlossen erscheint, ließ Herr Gerichtssekretär Jerziczka dieses Ergebnis der Obduktion über Weisung der Staatsanwaltschaft sofort in Zwittau plakatieren. Durch dieses rasche Einschreiten der Staatsbehörden ist somit in diesem Falle jeder weiteren Hetze der Boden abgegraben worden. Zur Naturgeschichte der Blutlüge. In dem ungarischen Städtchen Szinervaralja ist vorige Woche zum Glücke für die Juden und zur großen Trauer der Hofkapläne ein Ritualmordmärchen ins Wasser gefallen. Der Fall ist äußerst interessant, denn er gewährt einen Einblick in die Werkstätte der gewissenlosen Fabrikanten von Ritualmordmärchen. Bei dem Geschäftsführer Jsak Bernstein in dem genannten Städtchen ist die zehnjährige Flora Buzilla als Kindsmädchen bedienstet. Bernstein läßt das Kind unterrichten. Am 7. April erschien im Hause Bernstein das fünfzehnjährige Christenmädchen Martha Mark und frug nach der Buzilla. Als sie erfuhr, daß das Mädchen in den Kaufmannsladen geschickt wurde, ging die Mark ihm nach und veranlaßte es, anstatt zu seinem Dienstgeber zurückzukehren, sie zu einem außerhalb der Stadt wohnenden, rumänischen Arbeiter Namens Georg Vajka zu begleiten. Dort angekommen, wurde die kleine Flora in ein Zimmer gesperrt. Auf die Frage des erschreckten Kindes, was man mit ihm eigentlich vorhabe, kam stets die Antwort: „Das wirst Du schon erfahren," Am nächsten Tage wurde Flora Buzilla ihrer Kleider entledigt und strenge bewacht. Selbst die Notdurft konnte sie nur unter Bewachung des Vajda verrichten. Flora weinte den ganzen Tag, denn man verweigerte ihr auch die Nahrung, nur einmal im Tage erhielt sie durch's Fenster ein Stück Maisbrot. Auf ihr wiederholtes Jammern sagte Vajda: „Weißt Du denn nicht, daß die Juden zu ihren Ostern Christenmädchen schlachten, weil sie das Bzut brauchen? Bleibe Du nur ruhig bei uns, wir werden auf Dich achtgeben." In einem unbewachten Momente gelang es Flora Buzilla aus ihrer Haft zu entkommen, aber sie getraute sich nicht, zu Bernstein zurückzukehren, sondern lief zu ihrer Mutter, die in dem benachbarten Dorfe Borhid wohnt. Als Flora Buzilla am 7. April von ihrem Wege zum Kaufmann nicht heimgekehrt war, nahm der Dienstgeber Bernstein an, daß sie zu ihrer Mutter nach Borhid gegangen sei. Er schrieb daher unverzüglich an die Mutter, sie möge ihre Tochter ihm zurückschicken, da er ihrer bedürfe. Die Mutter ging auf die Suche nach ihrer Tochter und als sie drei Tage lang vergeblich nach dem Kinde gesucht hatte, schrieb sie an Bernstein, daß er für das Verschwinden der Flora verantwortlich sei und daß sie am anderen Tage die Anzeige gegen ihn erstatten werde. Am anderen Tage war jedoch, wie eben erwähnt, das gesuchte Mädchen im Hause seiner Mutter erschienen. Beide begaben sich, nachdem Flora ihre Leidensgeschichte erzählt hatte, in die Stadt zu Bernstein, der nun seinerseits den ganzen Vorfall bei dem Oberstuhlrichter zur Anzeige brachte. Die sofort eingeleitete Untersuchung ergab nun den oben geschilderten Tatbestand, und da die Verführerin der Flora Buzilla, das Bauernmädchen Martha Mark, weinend eingestand, daß sie im Aufträge des Georg Vajda auch ein anderes Christenmädcken wegzulocken versuchte, wird die Untersuchung auch nach dieser Richtung fortgesetzt. Was wäre mit der armen Flora geschehen, wenn es ihr nicht gelungen wäre, zu entfliehen? Und welche Folgen hätte wohl das Verschwinden für die Juden der Stadt und vielleicht gar der Juden Ungarns nach sich gezogen? Es ist schauerlich, es auszudenken. . . . Kremfier. Anläßlich des jüngsten Versuches, durch den Antrag Schund in Oesterreich russische Zustände einzuführen, ist es von Interesse, alte Erlässe aus den Archiven hervorzuholen, um an ihnen die Rückständigkeit der gegenwärtigen Bildungsfeinde zu bemessen. Das Hofdekret ääo. 14. September 1782 lautet: „Judenkinder find gleich den Christenkindern o h n e A u s n a h m e in die lateinische Schule zuzulafsen. Sie sollen reinlich gekleidet und ohne äußere Unterscheidungszeichen erscheinen und von den Lehrern und der Schuljugend liebreich behandelt werden. Tatsächlich besuchten die Israeliten das hiesige Piaristengymnafium schon seit dem Anfänge des 19. Jahrhunderts. Am 17. April 1803 und 14. Jänner 1823 wird der Vorsteher des Gymnasiums von der höchsten Entschließung in Kenntnis gesetzt: Als Beweis, wie sehr Sr. Majestät die religiös-moralische Bildung der studierenden Jugend am Herzen liege, wird die zur Beförderung derselben wohltätige Anordnung getroffen, daß zur Erreichung dieser Absicht laut höchsten Hofdekrets die das Gymnasium besuchenden Jünglinge der Israeliten einen fortschreitenden Unterricht in der Religions- und Sittenlehre nach Anweisung deS gesetzlichen, so reichhaltigen Stoff für alle Klaffen darbietenden Lehrbuches „Bne Zion" genießen sollen." (Gymnafialarchiv S. 211—212 und 'S. 221.) Der Erlöser Israels wird dieses auch aus der Leidensschule befreien, welche ihm die böswilligen Antragsteller im Budgetausschuffe bereiten wollen. Fr.—Gz. Tempeleiuweihung. Neutitschei n. Der Kaiser Franz-Joseph-Jubiläums- Tempel der hierortigen israelitischen Kultusgemeinoe, auf dem eröffneten Baugrunde in der Legergaffe gelegen, ein monumental wirkender Bau von schöner Gliederung, ist Sonntag den 12. d. M. feierlich eingeweiht worden. Zum Feste waren erschienen: Herr k. k. Bezirkshauptmann Zwierzina mit den Herren Beamten der Bezirkshauptmannschaft, der Herr Kreisgerichtspräfident Stegmann und Herr Vizepräsident Hruza, Herr Oberstaatsanwalt Petriczek, die Herren Gemeinderäte unserer Stadt, die Herren Direktoren sämtlicher hierortiger Lehranstalten, ein Presbyter der evangelischen Kirchengemeinde, Abordnungen der israelitischen Kultusgemeinden Bielitz, Leipnik, Mährisch- Weißkirchen, Olmütz, Troppau, Witkowitz, Mährisch-Ostrau und Oderfurt; zahlreiche Festgäste aus unserer Stadt und Mitglieder aus den meisten Orten des Gemeindegebietes. Entschuldigt hatten ihr Fernbleiben von der Feier: Herr Bürgermeister Ferdinand Czeiczner, Herr Landesausschußbeifitzer Dr. Wilhelm Freister, Herr Reichsratsabgeordneter Wilhelm Nießner und der evangelische Pfarrer Herr Fritz Wehrenpfennig; von 'aft allen israelitischen Kultusgemeinden Mährens und Schlesiens gingen dem Vorstande Glückwunsch- und Begrüßungstelegramme zu. Am Vormittage des Festes wurde an die Kabinetskanzlei Sr. k. u. k. Apostolischen Majestät das nachstehende Huldigungstelegramm abgesandt: „Die bei der Weihe des Kaiser Franz- Joseph-Jubiläums-Tempels versammelte israelitische Kultusgemeinde Neutitschein huldigt in treuer Ergebenheit und angestammter Liebe ihrem erlauchten Monarchen und erfleht des Allmächtigen reichen Segen auf das teuere Haupt des Landesvaters", auf welches noch im Laufe des Festtages von der Kabinetskanzlei der kaiserliche Dank herablangte: „Seine kaiserliche und königliche Apostolische Majestät danken allergnädigst für die anläßlich der Weihe des Kaiser Franz-Joseph- Jubiläums-Tempels zum Ausdrucke gebrachte Huldigung." Eingeleitet wurde die Feier durch einen von dem Realschüler Leo Körner schwungvoll gesprochenen Prolog, worauf nach einer Ansprache des Herrn Architekten Ernst Lindner der auf einem Kiffen von der kleinen Schülerin Frida Fischer überreichte Schlüssel, das Sinnbild der Uebergabe, vom Vorsteher in Empfang genommen wurde. Dieser richtete hierauf an den Architekten folgende Ansprache:

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