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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1908-04-24 · 17 (24.4.1908) · page 4

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
25 (1908)
Issue
17 (24.4.1908)
Date
1908-04-24
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Sette 808 Dr. BIOCÖ0 TOlOCbCnSCÖrttt Nr. 17 Juden hätten sie geschändet. Ein grausiges Judenmorden war der Erfolg. Als nun nach einiger Zeit diese Hostie von Würmern zerfreffen worden, habe derselbe Priester eine andere nicht konsekrierte Hostie gleichfalls mit Blut besprengt und an die Stelle der elfteren gelegt. Hiebei wurde er ertappt und, dem Bischof von Paffau vorgeführt, habe er alles gestanden." Aus gleicher Ursache hatten am 30. September 1337 in dem baierischen Städtchen Deggendorf die Bürger im Vereine mit einem Ritter aus der Nachbarschaft die Juden überfallen, ermordet und beraubt. Am 14. Oktober 1338 stellt Herzog Heinrich von Landshut den wackeren Deggendorfern eine Urkunde aus, in der er ihnen „seine und seines Landes Huld gar und gänzlich gibt darum, daß sie seine Juden in Deggendorf verbrannt und verderbt haben" und ihnen noch überdies alles, was sie diesen Juden öffentlich oder heimlich abgenommeu oder was sie ihnen schuldig waren, als ihr Eigentum zusichert. Zur Verewigung der Heldentat wurde eine Kirche erbaut, zu der seitdem aus allen Teilen des frommen Vaterlandes zahllose Pilger wallfahrteten. Noch im Jahre 1785 zählte man 50.000 solcher Gäste in Deggendorf. Profeffor Otto Knoop berichtet in seinen „Sagen und Erzählungen aus der Provinz Posen" (Posen, 1893) S. 189: „Der bestrafte Lutheraner. Der Ortspfarrer von Pogorzela hat im Jahre 1602 in den Kirchenbüchern ausgezeichnet, daß ein Lutheraner in die Kirche gekommen und an den Altar getreten sei, zur Zeit als der Priester die Kommunion verteilte, um dieselbe gemeinsam mit den anderen zu empfangen, wodurch er das Sakrament des Leibes und Blutes Christi verunglimpft habe. Da aber sei die Hostie in die Höhe aufgestiecen. St. Michael sei auf unbegreifliche Weise aus dem Altar herausgetreten und habe ein zweischneidiges Schwert über dem Haupte des unwürdigen, verdammten Ketzers (luäinxui maledicti haeretici) so schrecklich geschwungen, daß dieser sogleich die Sprache und. den Verstand verlor. Darauf habe er sich einige Jahre in der Welt herumgetrieben, als ein sichtbares Zeichen der Strafe Gottes. (Kiereski, Obwod Borecki)." Die Renaissance des Mittelalrers will unserer Zeit keiner seiner grausigsten Begleiterscheinungen ersparen. Profeffor Feilbogen aber hat, indem er sich über die jüdischen Religionsvorschriften ohne Bedenken hinwegsetzt, selber das Geschick herausgefordert, das ihn ereilt hat. Die bedauerlichen Geschehniffe erfahren bei Juden und Christen gleichmäßige' Verurteilung — nur die antisemitischen Hetzer haben eine Freude daran. Zürn Uortrage Kamilla Theimers. „Zionismus und Antisemitismus."*) Am 31. v. M. hielt Kamilla Theimer ihren Vortrag über Zionismus und Antisemitismus. Nach allem Widersprechenden, was man bis dahin über die Stellung der Verfafferin der bekannten Broschüre zur Judenfrage gehört und gelesen hat, war es eine Genugtuung, ihrem Vortrage zu folgen, in welchem sie sich als polttische Anhängerin und Freundin des Judentums und als begeisterte Verfechterin der zionistischen Bewegung rückhaltlos bekannte. Wir lernten Kamilla Theimer als edles Weib kennen, welches von dem idealen Streben beseelt ist, den Verfolgten und Unterdrückten zu helfen und auch tatkräftig — wenn auch erfolglos — zugunsten dieser Unglücklichen einzugreifen versucht hat. Bei aller Anerkennung für unsere edle Freundin jedoch können wir nicht umhin, festzustellen, daß so manche ihrer Äeußerungen teils von Unkenntnis der Verhältnisse zeugen, teils doch von jenem Geiste nicht ganz unbeeinflußt sind, welcher eben *) Wegen Raummangels verspätet. unser öffentliches und Privatleben vergiftet. Mit anderen Worten: Kamilla Theimer bekämpft wohl ehrlich den Antisemitismus, ist aber leider, sich selbst unbewußt, doch nicht ganz frei von ihm. Kamilla Theimer findet allerdings an den Juden nichts Besonderes auszusetzen, da ja deren oft gerügte Schwächen sich auch ebenso bei den Ariern vorfänden, verfällt aber zum Schluffe doch in den Fehler aller, aber aller Antisemiten, die Ursachen der Verfolgungen der Juden just dort zu suchen, wo sie nie waren und sind: in den Juden selbst. Alsdann fand sie eine wohlgeordnete, »mch einem eigenen System gegliederte, auf einem Kausalgesetze aufgebaute Antisemitengesellschaft. Danach gibt es u. a. einen sozialen, einen ökonomischen und einen intellektuellen Antisemitismus mit eigenen Unterabteilungen u. s. w. Für jede dieser. Erscheinungsformen hatte sie auch die Erklärung zur Hand, so zum Beispiel für den „ökonomischen Antisemitismus" die übergroße Judenwanderung von Osten nach Westen/ für den „intellektuellen" dagegen die jüdische liberale Presse, ganz besonders aber die „Neue Freie Presse", jawohl, beinahe ausschließlich diese allein. Die „N. Fr. Presse" pflege in sehr unpassender Weise alle christlichen Einrichtungen zu kritisieren, so daß selbst freidenkende Christen, die ihr eigentlich im Innern zustimmten, doch nicht offen für ihre Grundsätze eintreten könnten, weil sie nicht mit den Juden Zusammengehen wollten. So wäre sicherlich die unabweisbar notwendige Reform des Eherechtes schon längst zur Tatsache geworden, hätte sich nur die böse „N. Fr. Pr." nicht zu ihrem Anwalt aufgeworfen. Aehnlich stünde es auch um die „Freie Schule" u. s. w. „Mit Worten läßt sich trefflich streiten, mit Worten ein System bereiten." Was zunächst den „ökonomischen" anbelangt, ist es ja eine notorisch bekannte Tatsache, daß dieser Antisemitismus lange noch vor den Pogroms und somit auch vor der Judenwanderung eingesetzt hat und damals noch gefährlicher und heftiger auftrat als jetzt.'Man denke nur an "diM-christlichsozialen Versammlungen, besonders um Weihnachten herum. Also nicht die Juden-, sondern die Christenwanderungen, besonders in den enteren Gründen, haben den Judenhaß, den „ökonomischen", entfacht. Zu den „Intellektuellen" übergehend, wollen wir den Theimerschen Standpunkt akzeptieren und es als taktlos bezeichnen, wenn Juden rein christliche Angelegenheiten öffentlich besprechen, wollen auch, was speziell die „N. Fr. Presse" betriffr, ununtersucht lassen, ob die „Juden", welche die Eher,form wissenschaftlich und politisch erörtern, nicht, zufällig etwa christliche Theologen arischer Herkunft sind. Nein, jeder solcher Mitarbeiter ist ein rassenreiner unverfälschter Jude. Was folgt daraus? Nichts anderes als die bekannte judenfeindliche Theorie, wonach für die Vergehen einzelner Juden die jüdische Gesamtheit verantwortlich sei. Hervorragende Mitglieder der jüdischen Kultusgemeinde, maßgebende jüdische Zeitungen aller politischen Richtungen — allen voran diese Blätter selbst — haben immer wieder ihre Glaubensgenossen davor gewarnt, sich in innerchristliche Angelegenheiten einzumengen. Merken Sie denn nicht, verehrtes Fräulein, daß das nur ein Vorwand ist, eine plumpe Ausrede der „Intellektuellen", jener gleich zu achten, welche glauben machen will, die Ueberläufer der Juden seien nur Emissäre, welche die Taufe als Mittel gebrauchen, um die Christen an die Juden zu verraten? Richtig! Da hätten Sie eigentlich noch eine von Juden verschuldete Spezies, die „Täuflings"-Antisemiten. Ob die Herren antisemitischen „Intellektuellen" wohl auch so rigoros im eigenen Lager find? Die antisemitischen Journale und die unterschiedlichen ditto Kapazitäten schütten täglich und stündlich auf das Judentum, und alle seine inneren und äußeren, auf alle seine heiligsten Interessen ganze Kübel Unflat aus — es ist noch keinem antisemitischen Intellektuellen eingefallen, zu erklären: Ich schäme mich dieser Gesellschaft, ich tvidme mich fortab nur freiheitlichen Prinzipien. . . .

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