Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 25 (1908)
- Issue
- 17 (24.4.1908)
- Date
- 1908-04-24
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Sette 306 Dr. Llocb's Mocbenscbrttt. Nr. 17 derselben Zeit aufgesogen haben, deren Nachbarschaft für die Kleinbauern eine Katastrophe ist. In ganz Böhmen, in den Al^eugebieteu besitzen die Juden keinen Quadratschuh Grund, dagegen befinden sich dort wirkliche Herzogtümer der Hochfeudalen und der Klöster, auf denen Hnngerlöhne gezahlt werden. Und wenn die Juden in Galizien, Schlesien, der Bukowina wirklich einige verluderte Güter übernommen und sie zur Blüte gebracht haben, so vermehrten sie nur zur Freude jedes wirklichen Patrioten das Staatsvermögen und brachten den von den Antisemiten so lange geforderten Beweis, daß sie tüchtige Landwirte seien. Ihr Grundbesitz verschwindet aber wie nichts gegen die Latifundien der Feudalen und der Klöster, die unseres Wissens nicht 4 5 Perzent der Bevölkerung ausmachen. Was aber die Häuser aubetrifft, so haben die Juden verhältnismäßig lange nicht so viele erworben als die meisten Parteiführer der Christlich- Sozialen, denen die Rettung des bedrängten christlichen Volkes verblüffend rasch verblüffend viele vierstöckige Bauten eingetragen hat. Nun zum Thema Verbrechen und Vergehen. Wir geben gerne zu. daß massenhaft jüdische Kridatare ins Landesgericht gewandert sind. Aber müssen nicht die Boykott predigenden Antisemiten eine riesige Freude an diesen Früchten ihres segensreichen Wirkens haben? Wie aber die Juden im bürgerlichen Leben auf einzelne Berufe zusammeugedrängt sind, so auch als Verbrecher. Die Obligations- und Stampiglieufälschung, Mord und Einbruch, Kindermißhandluug, Todschlag und andere Spezialgebiete überlassen sie ganz den Antisemiten. Wie viel Lieferungen für den Staat sie haben, ist uns nicht bekannt. Aber daß sie dieselben nicht anders bekommen, als wenn sie am billigsten und besten verkaufen, das ist sicher. Wären sie allerdings christlichsoziale Parteigenossen und hätten Lieferungen für die Kommune, so hätte mau ein Recht, sich zu beklagen. Sind die Juden nicht vielleicht auch Schuld an der horrenden Kreditüberschreitung bei den Alpenbahnen, wo ein judenreines Ministerium in rutschende Berglehnen hineingebaut hat und jedes Alpeudorf einen Prachtbahnhof bekam? Nun ja, aber Tabaktrafiken und Branntweinbuden haben sie doch massenhaft, diese Volksausbeuter. Von Tabaktrafiken ist uns nichts bekannt. Hie und da bekommt man allerdings eine verjudete Zigarre zu kaufen, aber sonst sind Trafiken nur für Beamteuwaisen da und in allen Fällen ist der Verkäufer der Staat. Branntweinschanklizenzeu. Man hört nicht auf, darüber zu schimpfen, und vergißt ganz, daß im Schnapsland — Rußland — der Branntwein judenreine Krondomäue ist, daß in Polen das Propinationsrecht Monopol der Schlachzizen ist, daß in den wenigen Schnapsläden der Städte sich wohl eine Handvoll Trinker einfinden, daß aber die großen Branntweinmengen von Kantineuren, Greißlern, fliegenden Verkäufern jns Wunen gebracht werden, unter denen Christen die erdrückende Mehrheit sind. Nun zu den Manen von Purscht, Wimberger, Gregorig, zu der Besprechung der Unsittlichkeit. Neunzig Perzent Bordelle sollen sich in jüdischen Händen befinden. Man könnte zwar mit derselben Berechtigung auf das geduldige Papier auch drucken: hundert, und wir sind sehr dankbar dafür, daß man uns zehn Perzent geschenkt hat. Wir hoffen, man wird sich aber von der Gegenseite auch nicht darüber streiten, daß die Bordelle den Bedürfnissen der Christen Rechnung tragen, da doch die Juden mit ihrem glücklichen Familienleben keine brauchen. Auch darüber herrscht wohl kein Zweifel, daß den jüdischen Mädchenhändlern, die uns viel verhaßtere Feinde sind wie jedem Antisemiten und gegen die wir jetzt wie immer zu unerbittlichem Kampfe aufrufen, die Ware von arischen Vätern verkauft wird. Was schließlich die Buchhändler in Wien betrifft, über die der galizische Offizier so gut informiert ist, so möge er sie ja nicht schonen. Er soll nur aufpassen, daß er nicht zu viele christlichsoziale Wähler dabei erwischt. Und wenn er die Bordelle säubert. dann mag er dem Zorn des Herrn Polouyi ausweichen, des bekannten Bordelladvokaten und Führers der christlichsozialen Partei in Ungarn. In dem Artikel wird weiters dem verjudeten Theater und der verjudeten Presse ein Tritt gegeben. Wir können nichts dafür, daß die Juden es sind, die für die Kunst wirkliche Opfer bringen und die von Christen leer gelassenen Theater füllen. Und was die Presse anbetrifft, so gibt es längst schon erdrückend mehr rassenreine Journale. Sie niüssen nur warten, bis die Roheit und Lüge beliebter wird, dann werden auch sie mehr zur Geltung kommen. Von diesem Kapitel bis zur Landfresserei der Juden in Oberungarn ist für das „D. V." nur ein Schritt. In Oberungarn ist zwar dieselbe Wirtschaft mir den saugenden Riesenlatifundien der ungarischen Hochadeligen wie bei uns die der österreichischen, aber was verschlägt das dem unverjudeten Blatte, wenn es eine Lüge braucht? Geschwind heißt es die blutarmen, schwer arbeitenden Juden der Slovakei noch Wucherer und Halsabschneider, um so den erbitterten Antisemitismus der Slovaken zu erklären, der bei den nächsten Wahlen Ueberraschungen bringen werde. Es gibt aber keine Ueberraschungen. Da in Oberungarn die Juden leider magyarische Politik treiben, andererseits Individuen wie Polvnyi und andere Größen des Sumpfes ungehindert im Style Vergani-Schwer arbeiten, so weiß jeder, was dort kommen wird. Zum heiteren Beschlüsse wird noch in dem Artikel ein großes Geschoß gegen die Wunderrabbi geschleudert, die angeblich alle schon längst unter den Kurpfuscherparagraphen gehören. Eine verblüffende Betrachtung in einem Blatte, das dreimal jährlich Feuilletons über die Wundergrotte von Lourdes bringt und fast jede Woche Prozessionen nach den katholischen Gnadenorten anzeigt. Hierbei entschlüpft dem Artikelschreiber übrigens eine sehr unvorsichtige Bemerkung. Er spricht von einem unwissenden jüdischen Pöbel und von schmutzigen jüdischen Proletarierkindern in jüdischen Baracken. Also die Masse des jüdischen Volkes, das auf allen Gebieten des Erwerbes und des Lebens den Rahm abschöpft, die Majorität von den 4'5 Prozent der Bevölkerung lebt in materiellem und kulturellem Elend! Und die übrigen — sagen wir 2 Prozent, zwei Juden aus hundert Christen, beuten diese aus, umzingeln sie, berauben sie, vergiften sie, bewuchern sie, erobern das Reich! Das sagt der unvorsichtige Verfasser als gloriose Pointe seiner frechen Verleumdungen. Aber leider, die antisemitische Niedertracht ist so groß, daß sie nicht einmal von ihrer eigenen Dummheit umgebracht werden kann. I« der Kirtinischen Kapelle. Ein Sturm rast durch die Wiener antisemitische Presse. Ein Wiener Jude hat in Rom eine Freveltat begangen, welche die gesamte österreichische Judenheit büßen soll. Es geschah in der Sixtinischen Kapelle am Ostersonntag, während der Papst die Kommunion spendete. Der Professor an der Wiener Exportakademie Dr. Siegmund Feilbogen, dessen Frau und eine Schwägerin waren während der Spendung des Sakraments in der Kapelle anwesend, trotzdem die drei Personen nur über zwei Eintrittskarten verfügten. Der Geheimkämmerer Ciambellani wollte nun bemerkt haben, daß eine der beiden Damen die Hostie aus dem Munde genommen und sie wegzuwerfen versucht habe. Sofort entstand unter dem Publikum eine allgemeine Bewegung. Die drei Personen wurden umringt und genötigt, die Capelia sixtina zu verlassen. Man unterwarf sie einem Verhör, unter der Behauptung, es liege ein Akt öffentlicher Sakramentsverletzung vor. Dann hat auch die österreichisch-ungarische Botschaft, die den Professor an den Vatikan empfohlen hatte, den Gelehrten und seine Gattin einem Verhör unterzogen.