Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 25 (1908)
- Issue
- 17 (24.4.1908)
- Date
- 1908-04-24
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Dr. 1? Dr. Bloch’s m- I-chrgans Zentralorgan für die gesamten Unteressen des Judentums. o<j^=- . —=£>o p B. k. Postsp«rk«arn»rnl Q Slearlns-Verkebr B-lr. 810.970. Redaktion und Administration: Vitn IX/1, fjabngasse fit. 15. 1,°Telefon Nr. 14.8 47. <1 oO — ~ - Oo Wien, 24. April 1908.“ Erscheint jeden Freitag. Brief-Wrefle: Mten. IX/i, Dabngasse IS. Telegramm-Adresse: Vlocb'S MoLenscbrtN. Mten. OO ■ — 1 -~Oc p 9tfug*vvti* für Vrstrrreirh: Q Halbjährig 8 Äronen: Einzelexemplare 50 Heller. Für'» Ausland: Halbjährig 10 Kronen. Sanzjährtg 20 „ oG Anzeigen: Die 4mal aespal» lene Petitzetle 24 Heller. DO Inhaltr Leitartikel: Judentum und Antisemitismus. — In der Sixtinischen Kapelle. — Zum Bortrage Kamilla Theimers. - Vom Jahrmarkt des Lebens: Ein Urteil über das Schächten. Leo Tolstoi und Brrthold Auerbach. Zur Entstehungrgeschichte von Michelangelos König David. Die jüdische Wanderung in Musik gesetzt. Angel Pulidos Aktion für die spanischen Juden.— Korrespondenzen: Gerichtliche Exekution rückständiger Kultusbeiträge Die Prager israelitische Kultusgemein! e für die Gleichberechtigung an den Schulen. Brünn. Zur Naturgeschichte der Blutlüge. Krnnsier. Tempeleinweihnng. Eine gemaßregelte Kultusgemeinde. Eine Synagoge aus dem 15. Jahrhundert. Juden im Gemeinderate von Sarajewo. Feuerbestattung. En> Interview mit Alfred Dreyfus. Neue Pogroms Die russische Regierung und die „Jca". Das neue englische Ministerium und seine jüdischen Mitarbeiter. New-Iork. Ein Bild des Altmeisters Israels in New-Iork. Dr. Alois Kaiser. — Vermischtes; Kranzablösungsspenden rc. Wien. Verein zur Hebung der Gewerbe. Märchen-Vorlesung. Jüdische Toynbee-Halle XV., Herklotzgasse 21. Jubiläums-Kantorentag. Ausritte aus dem Judentum. Antisemitische Pietätlosigkeit. Gr.-Mesentich. Neu-R arrsnitz. Znorow. Warnung. Göding. Budapest. Triest. — Feuilleton: Helen Keller und die Propheten des Optimismus. — Briefkasten. — Notizen. — Inserate. Irrderrlnrn nnfr Antisemitismus. Unter diesem Titel hetzt das „Deutsche Volksblatt" wieder gegen die Juden mit einem seiner berüchtigten Artikel, denen die Hooligans manchmal mit Mordbrennereien, der Staatsanwalt immer mit dem Schnarchen des Gerechten antwortet. Ist er denn der Hüter des Gesetzes? Selbst im Zentralorgan der perfiden Lügen waren selten so viel Verleumdungen und freche Gehässigkeiten auf einem so kleinen Raume zusammengedrängt — der Artikel ist eine Essenz von Pestbazillen und geeignet, alle Gedankenbrunnen des dummen Kerls von Konkordatien auf einmal zu vergiften. Der radikale linke Flügel der antisemitisch-deutsch-tschechisch-sozial-klerikaleu Reichäpartei ist eben im Rollen, um mit Wippchen zu reden, und im ehrlich erworbenen Antisemiten Hofe, in der freiwilligen Rettungsgesellschaft des christlichen Volkes, ist man mit Vergnügen bereit, sich an die Spitze des Zuges ins Mittelalter zu stellen. Den Anfang macht eine Beleuchtung des bekannten Antrages Schmid, der sich gegen den jüdischen Besuch an Mittelschulen richtet. Da der vom Greisler zum Verwaltungsrat avanzierte Bielohlawek seine Fortschrittlichkeit im Parlamente immer betont und reklamiert, will das „Deutsche Volksblatt" den Antrag nicht als bildungsfeindlich gelten lassen, bewahre. Sondern es werde nur bezweckt, die Ueberflutung der Mittelschulen durch Juden so zu verhindern, wie man ihre Ueberflutung durch Tschechen gehindert hat. Eine plumpe Verdrehung das, natürlich. In ganz Böhmen und Mähren tobt um jeden Schüler ein Achilleskampf, an dem sich alle Abgeordneten und Zeitungen beteiligen. OL die Juden in die Mittelschulen gehen sollen oder nicht, darüber werden wir wahrlich mit der zaubergewaltigen, asthmatischen Erscheinung nicht streiten. Denn Vergani will ja die Juden ebenso aus allen anderen Berufen verdrängen. Er wünscht mit einem liebenswürdigen Wort, daß die Juden verhungern, wenn er nur seine Kassa und seinen ebenso umfangreichen Bauch gehörig füllen kann. Diesen kleinen Gefallen können wir dem Herrn Obligationsbesitzer bei aller Liebe leider nicht erweisen, wir brauchen auch gar nicht zu verhungern, so lange die antisemitischen Krippenfresser bei cen sparsamen Juden den Sold für ihren gierigen Anhang ausleihen müssen. Nach dem kleinen Anlauf kommt nun der große Sprung. „Ein höherer Offizier aus Galizien schreibt uns über d'.e Judenfrage". So oft das „D. V." seine dümmsten Lügen verzapft, wirft es sich in Uniform, führt es eine Köpenickia-e auf, um einen Betrug auszuführen. „Dem asiatischen Volk, zuckt es am ganzen Körper," schreibt der Gespensterosfizier, „und wo man es nur anrühren mag, wird man auf gemeinschädliche und gefährliche Eigenschasten, Gewohnheiten und Einführungen treffen. Mit Recht fürchten die Juden die Statistik wie die Pest. Wo kämen sie hin, wenn erhoben würde, wie viel großer und kleiner Grundbesitz seit dem Jahre 1848 in jüdische Hände übergegangen ist, wie viele Häuser die Juden seit dteser Zeit in Wien, in böhmischen, polnischen und ungarischen Städten erworben haben? Und da gäbe es noch eine Reihe anderer interessanter Fragen zu beantworten. Zum Beispiel: Wie stehr's mit der Statistik über Vergehen und Verbrechen, beziehungsweise mit dem Anteile der Juden an denselben? Wie viel Lieferungen für den Staat und Staatszwecke sind in den Händen von Juden? Wie ist das perzeutuelle Verhältnis bei der Verleihung von Tabaktrafiken und Brauntweinschanklizenzen? Wie vie! Bordelle gibt es im Reiche und wie viel davon sind im jüdischen Besitze? Die Antwort würde lauten: Neunzig Perzent! Wie viel von den schurkischen, von gänzlich unzureichenden Gesetzen leider fast straflos gelassenen Mädchenhändlern, welche böhmische, polnische, ungarische und russische Bauernmädchen haufenweise über den Ozean schleppen, sind Juden? Sie sind ja der Polizei bekannt, also heraus mit der Statistik. Sie würde ergeben, daß 95 Perzent der Mädchenhändler Juden sind. Wie viel Buchhändler gibt es in Wien, welche mit pornographischer Literatur die in der Großstadt ohnehin schon argen Versuchungen ausgesctzt.' Jugend vergiften und wie viel von diesen sind Juden?" Ohne viel Mühe soll dem neugierigen Gespenfteröffizier die Antwort auf die meisten seiner Fragen gegeben werden. Die Juden haben so viel kleinen und großen Grundbesitz erworben, als vielleicht der fünfzigste Teil der fruchttragenden Erde ist, den die hochadeligen Latifundienbesitzer konservativ-klerikaler Richtung und die reichen Klöster in