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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1908-08-17 · 16 (17.8.1908) · page 17

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
25 (1908)
Issue
16 (17.8.1908)
Date
1908-08-17
Page
– (sequence 17)
Language
German
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Rr. 16 Durch Sonnenbrand und Felsenmeer Wälzt sich der lange Zug einher; Tönt je ein Laut aus seiner Mitte, So ist's der Klageweiber Lied. — Vor der Kohorten eh'rnem Tritte Als letzter Eleazar flieht. Gäb's keine freien Juden mehr?! Er mißt mit stolzem Blick den Haufen: „Von diesen gibt sich keiner her, An Rom sich schnöde zu verkaufen!" Die Hauptstadt fiel, der Tempel fiel; - Was ist nun der Sikarier Ziel?! Sie folgen treu dem Oberhaupte. — Schmal geht's hinauf. O haltet gut, Ihr Mütter, was euch Rom nicht raubte. Sonst trinkt die Schlucht der Kinder Blut! So klimmen auf dem steilen Steg Des freien Gottesvolkes Reste; Und nur der Führer kennt den Weg Nach Masada, der Felsenfeste. Nun tut sich auf des Turmes Tor, -Aus dem Gewölbe drängt's hervor: Gegrüßt sei, freie Felsenbreite, Von Römerfüßen nie befleckt! O seht nur, wie nach jeder Seite Der Mauern Kranz sich schirmend streckt; Und drunten wie der Salzsee schäumt In freiem Schwall, und ob den Wogen Um Moabs freie Berge säumt Der Abend seine Purpurbogen! Es wächst so frank und froh der Mut; Dehnt sich doch in der Mauern Hut Fruchtbares Feld, und rings die Speicher Sind voll. Der Hunger wird gestillt, Und für den Durst ein Strom, ein reicher. Aus den Cisternen segnend quillt. Ja, kommt, ihr Römer, nur heran Mit Katapulten und Ballisten: Wir alle stehen Mann für Mann, Ein freies Leben uns zu fristen! Kaum daß der nächste Morgen graut, Wird auch der Römer schon erschaut; Aus jedem Talgrund blitzen Waffen. Der Feldherr Silva weiß sich Rat Selbst gegen Masada zu schaffen. — Nicht leicht, daß er den Juden naht! So legt er Mauern rings umher, Daß niemand kann vom Berg entweichen; Dann sucht vom Nachbarfelsen er Die stolze Höhe zu erreichen. Da hastet, zieht und schleppt herbei Der Karawanen lange Reih Faschinen, Nahrung und Geschosse. Und in der Römer Mitte sprengt Bald hier, bald dort auf seinem Rosse Der Feldherr, daß er vorwärts drängt Die Säumigen, und Ell' auf Ell' Sieht er sich in die Höhe türmen. — O Masada, wie wächst so schnell Der Fels, von dem er Dich will stürmen! Was wirst Du, Eleazar, tun?! Die Hände mußt Du lassen ruh'n: Kein Bogen trägt den Pfeil hinüber, Und Wurfgeschosse hast Du nicht. Du weißt allein, daß bald ein trüber, Ein letzter Tag der Freiheit bricht Den Deinen an, die fröhlich heut Dr. Mocb's Mocdenscbrm. Glesrzar. Den Feind noch und den Bau verlachen, Nicht ahnend, was von drüben dräut. — Jehovah, gib die Kraft den Schwachen! Und Tag um Tag im Kreise geht: Und sich, auf breiten Quadern steht Fist, wie wenn Fels auf Fels geschichtet, In seinem starren Eisenkleid Ein Turm auf Masada gerichtet. Nun, Eleazar, wird es Zeit: Die Mauern schirm' mit Holz und Sand! Bald wird der wucht'ge Brecher bohren! Geschosse wirbeln an die Wand Und summen heiß um aller Ohren. Wer lauernd von der Brüstung blickt, Dem wird ein Stein zum Gruß geschickt: O Häuflein klein, du mußt verzagen! Nein, nein, wer für die Freiheit ficht, Der läßt sich nicht in Aengste jagen, Dem wird die Not zur süßen Pflicht. Schon dröhnt der Brecher an den Stein; Doch stampft der Stoß die neuen Wände Nur fester in sich selbst hinein, Und abzusehen ist kein Ende. Fürwahr, des Römers Ansturm schweigt. — Der Hoffnung leise Röte steigt In Eleazars bleiche Wange. O sonn' Dich nur in ihrem Glanz! Des Kampfes Pause währt nicht lange, Und Silva spielt Dir neuen Tanz. Der Turm von Eisen speit und sprüht Ein Feuermeer von Flammenscheitern, Und Erd' und Himmel qualmt und glüht Und leckt und züngelt nach den Streitern. Wenn nur das Holz nicht Feuer fängt! Nach den Zisternen alles, drängt, Gereiht steht die lebend'ge Kette. Eimer um Eimer fliegt zum Wall, Daß man das letzte Bollwerk rette. Vergeb'ne Mühe! Ueberall Aus dem Gebälk schlägt Flammenhauch, Die Wasserträger zu ersticken. O zieht zurück euch aus dem Rauch! Adonaj nur kann Hilfe schicken. Er kann's! Von Norden rauscht der Sturm Und jagt die Glut zum Römerturm — Aus heiter'm Himmel kam das Zeichen. „So wirbelt, Flammen, tanzt und springt, Bis es das Wurfwerk zu erreichen Und zu verzehren euch gelingt! Ja, bis die ganze Römerbrut In Asche steht und Staub versunken — All unser Haß, all uns're Wut Beseele jeden heil'gen Funken!" Es brennt bis auf den Grund der Wall, Sei's drum! Er leuchtet Rom zum Fall — Wir mögen zehnmal neu ihn bauen! Ihr Tapfern, nicht zu früh frohlockt! Gefährlich ist's, dem Sturm zu trauen. Des Rauches Fahne schwankt, dann stockt Der Wind, und plötzlich springt er um Und wälzt auf Masada Verderben. Da wird der Frommen Loblied stumm, Und aller Jubel bricht zu Scherben. Von Dach zu Dach sich wühlend, dringt Die Lohe, die der Sturm beschwingt Einengend auf den Menschenhaufen. «Citi 301 Und, aufgescheucht vom Feuerschein, Die Weiber rings und Kinder laufen Schutz suchend in der Männer Reih'n. So schart der Schwarm in dem Palast Hoch auf dem Felsen sich zusammen, Dem letzten Hort, noch nicht erfaßt Von der gefräß'gen Gier der Flammen. „Flucht!" wagt's erst schüchtern sich hervor, Schlägt dann an Eleazars Ohr Mit immer wilderem Verlangen. „Törichtes Volk!" Wohin man schaut, Es bleiben alle Blicke hangen Au Mauern, die der Feind gebaut. Rings droht euch Schmach und Sklaverei, Wollt lebend ihr von hier entrinnen; Ein einz'ger Ausweg nur steht frei: Den Himmel gilt es zu gewinnen! O seht, wie er verheißend blaut Und Heil auf uns herniedertaut! Um dich, Adonaj, hilf uns werben! Vor Roma's Gier bewahr den Leib! Laß uns als freie Juden sterben, Und mit uns sterbe Kind und Weib! Nein, blaffer Tod, du schreckst mich nicht. Du lösest sanft die ird'schen Bande, Und meine Seele trinkt das Licht, Und es entflieht mein Leib der Schande." Ward je solch granses Wort gehört?! Noch steh'n sie alle da verstört» Nicht achtend, daß an allen Ecken Stets wilder flammt und rast der Brand. Ein jedes Auge starrt im Schrecken Auf Eleazar hingebannt. Der blickt zum Himmel wie verklärt. Als wollt' er schon der Erd entrücken; Und in die Frau'n und Männer fährt Ein Strom von opferndem Entzücken. Am Hals des Gatten kost und weint Die Gattin mit dem Kind vereint. „Sollt euch der Römer sie zertreten? Ihr Männer, Väter, zaudert noch?!" Da fleh'n mit Bitten und mit Beten Die Weiber: „Macht uns frei vom Joch Der schimpflichsten, der schlimmsten Qual; O habt uns lieb von ganzer Seele!" Und sieh, sein Schwert zieht Ser Gemahl, Senkts Weib und Kindern in die Kehle. Und, willig in den Tod gewiegt. Sich Leiche zart an Leiche schmiegt. „Nun, Männer, kommt an uns die Reihe! Zehn lost man aus, daß deren Strahl Den letzten Dienst den andern leihe. Ein jeder finkt nach seiner Wahl Gehorsam in des Todes Nacht, Auf Weib, Kind, Freunde hingebreitet. Und als das Opfer ist vollbracht, Wird auch den zehn das Los bereitet. Auf Eleazar fällts. Sein Schwert Des freien Häufleins Rest verehrt. Nun weilt allein er unter Leichen. Es graust ihn nicht. Er horcht und schaut, Ob jemand noch ein Lebenszeichen, Ein schwaches gäbe. Nein. Kein Laut. Nur draußen knistert, stürzt und kracht Die Glut mit ihren Trümmergarben Und malt — es brach herein die Nacht — Auf Wand und Leichen ihre Farben.

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