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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1908-08-17 · 16 (17.8.1908) · page 13

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
25 (1908)
Issue
16 (17.8.1908)
Date
1908-08-17
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Nr. 16 m. Llocd's Mocdenscvrm. Sette 297 wenn ich Ihnen, meine sehr. geehrten Damen und Herren, als Dank für die Ehre, die Sie mir erwiesen, einen Wunsch aussprechen darf, so ist es derjenige: möge das herrliche Bild, das der ehrwürdige Seelsorger uns so geistreich gemalt, in Ihrem geschätzten Vereine zur unverwischbaren Wahrheit werden. Korrespondenzen. Oesterreichisches „Jto -Komitee zur Regelung der jüdischen Auswanderung. Dieser Tage fand in Wien die Gründung des österreichischen „Jto"-Komffees zur Regelung der jüdischen Auslagerung statt. Zweck dieses Komitees ist, wie sein Name schön besagt, durch Errichtung von Jnformationsbureaus in ganz Oesterreich, insbesondere in Galizien und der Bukowina, die in den letzten Jahren stark ang'wachsene ungeregelte jüdische Emigration, im Einvernehmen mit der Londoner Zentrale und den bedeutendsten jüdischen Organisationen Europas und Amerikas in gesunde Bahnen zu lenken. An den der Gründung vorangegangenen Vorberatungen haben Männer teilgenommen, die durch ihre leitenden Stellungen in den einzelnen hiesigen jüdischen Korporationen und Organisationen in der Lage sind, sowohl die Stimmung in diesen Kreisen, als auch die dringende Notwendigkeit einer Regelung der heute noch P l a n l o s vor sich gehenden Auswanderung der Juden aus den östlichen Teilen des Reiches genau zu kennen. Auf Grund des erzielten Einverständnisses hat sich Freitag den 10. April das obgenannte Komitee gebildet, dem sich die folgenden Herren angeschlossen haben: Dr. Alfred Stern, Präsident der Wiener israelitischen Kultusgemeinde; Landesschulrat Dr. Gustav Kohn, Vizepräsident der Wiener israelitischen Kultusgemeinde; Dr. Leopold Kohn, Mitglied des Vertreterkollegiums im Wiener Kultusvorstande, ferner die Mitglieder der B'nei Brith-Vereinigungen Professor Doktor S. Ehrmann, Max Frank, Dr. W. Knopfmacher, Dr. Moritz Schnabl und Dr. Alois Klemperer, das Vorstandsmitglied der Israelitischen Allianz zu Wien Wilhelm Pappenheim und das Mitglied des Czernowitzer Allianz-Komitees Professor Dr. Leon Kellner, die Vertreter der jüdisch-territorialistischen Organisation Dr. I. Samuely, Richard Rappaport und M. Schmidt, ferner die Herren Baurat Wilhelm Stiaßny, Dr. Jakob Engel, Präsident des Mariahilfer Bethausvereines, und Schriftsteller Dr. I. S. Bloch. Das Komitee hat sich das Recht der Kooptierung Vorbehalten. Zum Obmanne des Komitees wurde einstimmig Herr Dr. I. Samuely und zum Ehrensekretär Herr M. Schmidt gewählt. Das Komitee hat seine Arbeiten bereits ausgenommen. Protestversawmlurrg der „Oesterreichisch-Jsraetirischen Union". In einer überaus eindrucksvollen Kundgebung wandte sich die „O e st e r r e ich i s ch - I s ra e l i t i s ch e Union" in einer am 13. April d. I. im großen Saale des „Hotel Guth" abgehaltenen Versammlung gegen den vom Budgetausschuffe des Abgeordnetenhauses versuchten Eingriff in die staatsbürgerlichen Rechte der Juden. Unter den Anwesenden befanden sich die Reichsratsabgeordneten Freiherr von Hock, Hofrat K u r a n d a, Dr. Mahler und Dr. Ofner. Vom Abgeordneten Dr. Straucher war eine Zustimmungsdepesche eingelangt. Ferner bemerkte man den Präsidenten der Wiener israelitischen Kultusgemeinde Dr. Alfred Stern mit zahlreichen Mitgliedern des Kultusvorstandes, den Präsidenten der Bielitzer Kultusgemeinde kaiserlichen Rat Pollak, die Gemeinderäte Dr. Hein und Kleb i n d e r, die Bezirksräte Melcher, N e u st a d t l und Dr. S a m u e l y, den Vertreter des „Abwehrvereines" Oberinspektor Engel u. v. a. Zustimmungserklärungen waren von mehr als 90 Kultusgemeinden aus dem ganzen Reiche, darunter jenen der Landeshauptstädte Prag, Brünn, Olmütz, Lemberg, Krakau, Czernowitz, Graz und Linz, ferner von der Landeöjudenfchaft des Königreiches Böhmen und vom „Zentralverein zur Pflege jüdischer Angelegenheiten" in Prag eingelangt, deren Verlesung lebhaft akklamiert wurde. Das Referat erstattete der greise Präsident der „Union" Herr Sigmund Mayer. Er bezeichnete die Resolution des Budgetausschusses als den ersten Schritt zu russischen Zuständen. Noch trauriger als die Tatsache selbst seien die Begleiterscheinungen derselben. Man habe das Schlagwort einer Zufallsmajorität ausgegeben. Das sei eine unerlaubte Selbsttäuschung. Eine Majorität von 19 gegen 9 sei kein Zufall, sondern die Ausführung einer b e w u ß t e n A b s i ch t, die in den Partei- Verhältnissen des Abgeordnetenhauses begründet sei. Sämtliche Deutsche, die anwesend waren, haben für die Resolution gestimmt. Der Unterrichtsminister sei wohl bei der Diskussion zugegen gewesen, habe sich aber ohne ein Wort des Widerspruches vor der Abstimmung entfernt und damit seine beschworene Pflicht, die Verfassung zu wahren, nicht erfüllt. Gegenüber diesem Ereigniffe sei es nun Pflicht aller Juden, einig zusammenzustehen und den entschiedensten und schärfsten P r o t e st einzulegen gegen die Resolution, gegen ihren Inhalt, gegen den Geist, dem sie entsprossen. Wir muffen aber auch der Erkenntnis Raum geben, daß zwischen den Deutsch-Freiheitlichen und den Christlich- Sozialen kein Unterschied mehr bestehe, und aus dieser Erkenntnis müffen wir die Folgerung für unsere künftige Politik ziehen: strikte Befolgung der eigenen Interessen, keine Dien st bar k eit für die Interessen anderer Parteien! Diese mit Hilfe der Deutschen zustande gekommene Resolution fei der Dank dafür, daß Tausende unserer Juden in Böhmen und Mähren in dem Streite zwischen Tschechen und Deutschen für letztere ihre Existenz aufs Spiel gesetzt und häufig geopfert haben. (Stürmischer Beifall.) Redner empfiehlt die vom Vorstande vorgeschlagene Resolution zur einstimmigen Annahme. Es gelangt sodann nachstehende Resolution zur Verlesung: „Der Budgetausschuß des österreichischen Abgeordnetenhauses hat in seiner Sitzung vom 8. April 1908 mit 19 gegen 9 Stimmen folgende Resolution beschlossen. (Folgt der Wortlaut des Beschlusses.)- Der erste parlamentarische Versuch, die staatsbürgerlichen Rechte der Juden zu beschränken und ruffische Zustände in den österreichischen Verfaffungsstaat einzuführen. Der Beschluß, welcher allerdings erst der Ratifikation durch das Plenum bedarf, steht in flagrantem Widerspruch mit den Art. 2, 14 und 18 des St.-Gr.-G. vom 21. Dezember 1867, nach welchen vor dem Gesetze alle Staatsbürger gleich find, der Genuß der bürgerlichen und politischen Rechte von dem Religionsbekenntnisse unabhängig ist und es Jedermann freisteht, seinen Beruf zu wählen und sich für denselben auszubilden, wie und wo er will. Er bedeutet sonach eine Aufforderung an die Regierung, die Verfaffung den Juden gegenüber zu durchbrechen. Wir weisen in Uebereinstimmung mit der Judenschaft des ganzen Reiches diesen parlamentarischen Eingriff in die Rechte der jüdischen Staatsbürger mit aller Entschiedenheit zurück, erblicken in dem Umstande, daß die Regierung nicht schon vor der Abstimmung im Budgetausschusse die Verfassungswidrigteit der beantragten Resolution mit allerBestimmtheit gekennzeichnet und deren Annahme zu verhindern gesucht hat, eine offenbare Vernachlässigung ihrer beschworenen Pflichten

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