Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 25 (1908)
- Issue
- 16 (17.8.1908)
- Date
- 1908-08-17
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Seite 292 L?r. Lwcv's MocvensebrlN, Nr. 16 sollte glauben, daß eine derartige Prüfung wirklich modernisiert Jud!) Sehen Sie, meine Herren, das ist Ihr überzeugendes würde; das ist aber nicht der Fall. Argument. Sie brauchen ja nichts zu beweisen, Argumente sind Zunächst find, was den Lehrstoff betrifft, nicht weniger überflüssig, es wird einfach gesagt: Jud — und das findet beim als 55 Bücher militärischen Inhaltes vorgeschrieben, welche von dummen Kerl Anerkennung. „Jud ist Jud!" und damit setzen den Zöglingen gelernt werden müffen, und überdies 22 Gegen- Sie sich über alle Gesetze hinweg! (Abgeordneter Prochazka stände wiffenschaftlicher Natur. Es ist absolut undenkbar, daß applaudiert.) Menschen eine derartige Stärke des Gedächtnisses besitzen, daß Sehen Sie, Herr Prochazka, Sie allein applaudieren — sie im Verlauf eines Jahres diesen gewaltigen Stoff bewäldamit bleiben Sie ganz isoliert selbst in Ihren Kreisen! Wo Ligen könnten. ist übrigens — um nur beim Militär zu bleiben — die pro- Modernifiert wurde diese Prüfung in gar keiner Weise, zentuelle Besetzung im Auditoriate, in der Intendanz-, im Obersten und applikatorisch, das heißt an einzelnen christlichen Beispielen Militärgerichte rc. mit Juden? In allen diesen Körperschaften wird die Prüfung auch nicht vorgenommen, sondern die Gegenist kein Jude! stände — bis auf drei — müffen ganz einfach mechanisch aus- Jeder Mensch, in dessen Brust das Gefühl für Recht und wendig gelernt werden. Gerechtigkeit wohnt, muß sich empören und aufbäumen, wenn Gegenstände, wie zum Beispiel die Militärchirurgie, bei man fort und fort von allen Seiten Schimpf und Zurücksetzung, der es notwendig ist, daß man sie am Krankenbette, an zu Demütigung und Erniedrigung bei allen Anlässen erfährt, wie operierenden Menschen praktiziert, sollen einfach auswendig gedies uns Juden widerfährt! Dagegen müffen wir, meine Herren, lernt und so geprüft werden, nicht selten von Militärärzten, die energisch protestieren. Wir haben nur die einzige Tribüne hier schon anno dazumal in diesen Fächern die Prüfung gemacht in diesem Volkshause, wo wir unsere Wünsche und unsere Klagen, haben, die diesen Stoff selbst nicht vollkommen beherrschen. unsere Beschwerden und unsere Forderungen Vorbringen können, Die sogenannte Applikationsschule ist unzulänglich, und und wir erwarten, daß jene Parteien, deren Programm Recht es müßte mindestens ein zweites Jahr eingefügt werden. und Gerechtigkeit ist, uns zu dem uns gebührenden Rechte ver- So könnten wir eine ganze Reihe von Uebelständen anhelfen werden. (Beifall.) führen, die gegenwärtig im militärärztlichen Offizierskorps bestehen und die nur deswegen geduldet werden, weil das andere System des Herrn v. Uriel goutiert wird. Er hat nach und nach viele Elemente, und zwar nicht nur jüdische, aus dem militärärztlichen Offizierskorps hinausgedrängt und hinausgedrückt. Herr v. Uriel ist alt, schmiegsam nach oben, gefürchtet Unter den 150.000 Juden Wiens sind ohne Zweifel und unsanft nach unten. (Abgeordneter Prochazka: Tüchtig!) mindestens 40.000 Galizianer, sie bilden also einen ansehnlichen Das verstehen Sie auch? Sie hören ja von seiner Tüchtigkeit! Teil der Wiener jüdischen Bevölkerung und hätten daher, sollte * Wie tüchtig er ist, mögen Sie übrigens aus den Klagen entman meinen, einen gewissen Einfluß auf die Entwicklung des nehmen, die hier so oft über die schreienden Uebelstände laut Wiener Judentums. Leider ist das nicht der-Fall und trifft, geworden find, welche in den einzelnen Garnisonsspitälern der meiner Ansicht nach, nicht nur den nichtgalizischen Wiener Juden Monarchie bestehen. allein die Schuld, daß die Juden Galiziens hier gleichgültig, Diese Zustände sind in den Debatten des Privilegienvon manchem sogar sehr wegwerfend behandelt werden, sondern Parlamentes von allen Seiten als unhaltbare und desolate gezum großen Teil auch sie selbst. schildert worden. Und Sie loben dieses System, weil Herr Das große Publikum glaubt nur in dem Juden der v. Uriel Fleisch von Ihrem Fleische ist. (Abgeordneter Prochazka: kleinen und großen Schiffgaffe und wie die Nebengassen alle Er ist Antisemit!) Ja, deshalb braucht man nichts zu wissen; heißen mögen, ebenso in den zur Kultusgemeinde oder zu den es genügt für Sie, wenn jemand sagt: Ich bin Antisemit, und diversen Wohltätigkeitsvereinen kommenden armen Hausierer und dann ist alles gut. Handeljuden den Repräsentanten der galizischen Juden zu sehen Ein Staat aber, in welchem nicht Recht und Gerechtigkeit und glaubt, daß nur aus solchen Elementen sich die in Wien an die Spitze der Verwaltung gestellt und beobachtet wird, wo lebenden galizischen Juden rekrutieren. Die große Zahl der nicht nach Recht und Gerechtigkeit regiert wird, wo Gesetz und Intellektuellen, die aus Galizien stammen, sind den Wiener Recht straflos verletzt werden, ein solcher Staat wird immer Juden zwar bekannt, aber sie wissen nicht, daß dieselben von Katastrophen heimgesucht werden. Galizianer sind, und dafür, daß sie das nicht wissen, sind eben Ich bitte, sehen Sie sich einmal doch das Auditoriat an. die galizischen Juden selbst verantwortlich. Sagen Sie mir, aus welchem Grunde — bei Geltung der von Wiederholt kommt es vor, daß in angesehenen jüdischen der Regierung beschworenen Staatsgrundgesetze und der militari- Wiener Gesellschaften, wo unter anderen auch Advokaten, Aerzte schen Vorschriften, bei Geltung aller jener Bestimmungen, welche und größere Kaufleute, die aus dem Osten stammen, sich befinden, von gleicher Behandlung aller Militärangehörigen handeln, von und einer oder der andere Teilmehmer dieser Gesellschaft sich Gleichberechtigung, von Treue und Hingebung und von Opfererlaubt, ganz grundlose Behauptungen über die Moral der williMt, von treuer Pflichterfüllung gegenüber dem Staate — galizischen Juden zum Besten zu geben, oder durch alberne darf der Jude aus diesem Korps ausgeschlossen sein? Scherze dieselben bloßzustellen versucht, die erwähnten Herren Wir verlangen eines, und von dieser Forderung werden aber ganz ruhig mitlachen, statt die Leute eines Besseren zu wir nie abgehen, und das ist die vollkommene Anerkennung belehren. Es ist unter solchen Umständen natürlich nicht zu verunserer Gleichberechtigung, die Durchführung der Gleichberechtiwundern, wenn man vor dem galizischen Juden nicht den'ihm gung und auch die Anerkennung unserer Gleichwertigkeit, und gebührenden Respekt hat. von diesem Standpunkte aus müffen Sie mir als rechtliebenden Die Folgen des Vorurteiles gegen die galizischen Juden Menschen und müssen alle Parteien diese unsere gerechten tragen leider in erster Linie die jungen Männer, die trotz all Forderungen würdigen. (Abgeordneter Prochazka: Immer nach ihrer Fähigkeiten in Galizien selbst, infolge der judenfeindlichen dem Prozentsätze!) Wenn Sie, geehrter Herr, mir irgend eine ' Gesinnung der Behörden und der Jndustriearmut des Landes, Bestimmung des Gesetzes zeigen werden, nach welcher die einzelnen J nirgends ankommen können und daher selbstredend gezwungen Würden, Aemter und Funktionen im Staate nach dem Prozent-'^ sind, die Metropole des Reiches aufzusuchen, satze der einzelnen Völkerschaften, Nationen oder KonfesfionenM In der Wiener Advokatenkammer wurde schon einmal der verteilt und besetzt werden sollen, dann mögen Sie recht haben IMAntrag gestellt, dem Zuzug der Advokaten aus dem Osten zu Wenn Sie aber von diesem Grundsätze ausgehen, so ftageMsteuern, trotzdem sie eigentlich gerade so Oesterreicher sind wie ich Sie nur um eines: Wenn auch die Judenschaft in Oesier-Mdie Herren aus Eger, Podebrad und Proßnitz. In vielen großen reich bloß 4 7 Prozent ausmacht, ist auch ihre Leistung anillWiener Geschäfts- und Fabrikshäusern sträubt man sich sehr, Steuern, an Gnt und Blut nur 4'7 Prozent. (Rufe: Jud istMBuchhalter oder Kommis, die aus Galizien sind, aufzunehmett, Eine Organisation der gallischen Inden in Wien.