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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1908-08-17 · 16 (17.8.1908) · page 7

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
25 (1908)
Issue
16 (17.8.1908)
Date
1908-08-17
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 16 Dr. s Wochrnschrif^ Sette 291 Zu allen Zeiten — das werden Sie doch wohl zugeben, Herr Kollega — waren die Juden im eminentesten Sinne staatstreu und dynastisch. (Lachen.) Ihr Gelächter widerlegt gar nichts! Unsere staatliche und dynastische Treue ist unanfechtbar und notorisch. Das ist durchaus kein Verdienst, namentlich Sie sollten darüber nicht lachen, weil Sie immer Patent-Oesterreicher sein wollen. Wir glauben aber, daß wir als treue Staatsbürger auch das Recht haben, in diesem Staate als gleichberechtigt und gleichwertig behandelt zu werden. (Zustimmung.) Was das Militärärztewesen anbelangt, ist in dieser Beziehung seit dem Regimente des Generaloberstabsarztes v. Uriel — ich sage es ganz offen und ich habe dies auch in den Delegationen vorgebracht — ein Geist. . . (Abgeordneter Prochazka: Ein befferer Geist!) Nach Ihrer Auffassung, nach unserer aber nicht! Sie glauben, Sie werden durch solche Witze den Ernst der Ausführungen beeinträchtigen. Durchaus nicht, Herr Prochazka! Es ist in beteiligten Kreisen anerkannt, daß das gegenwärtige System des Herrn v. Uriel zum entschiedenen Nachteile des ganzen militärärztlichen Offizierskorps gereicht. (Abgeordneter Prochazka: Das ist Ansichtssache!) Das ist nicht Ansichtssache, das ist notorische Tatsache — selbstverständlich von vorurteilsfreier Seite. Fragen Sie nur einmal in den militärärztlichen Kreisen! Erkundigen Sie sich bei vorurteilslosen, in dieser Frage kundigen Leuten, so werden Sie hören, welche Erregung im militärärztlichen Offizierskorps seit dem System dieses Herrn v. Uriel herrscht! Trotzdem, daß notorischer Aerztemangel herrscht, trotzdem, daß notorisch eine Aerzteflucht aus dem militärärztlichen Offizierskorps stattfindet, trotzdem in Oesterreich 27 Garnisonsspitäler zu bedienen sind, trotzdem alljährlich infolge der Assentierungen, Waffenübungen und Manöver selbstverständlich viele Aerzte kommandiert werden müssen, komplettiert Herr v. Uriel nicht das militärärztliche Korps, sondern seine Maßnahmen drängen viele hinaus. Und warum? Weil Herr v. Uriel bei der Anstellung der Militärärzte eine konfessionelle Auslese macht. Für' ihn ist nicht das Interesse der Mannschaft, der Bedarf an Fachmännern, an Aerzten, maßgebend, sondern er will sich auf die Art auch das Wohlwollen und die mächtige Unterstützung der gegenwärtig am Ruder befindlichen Partei sichern, wenn er dem militärärztlichen Offizierskorps einen Geist einhaucht, der wahrlich diesem Korps nicht zum Nutzen gereicht, deßhalb nicht, weil er zum Nachteile dem gesamten Militärstande gereicht. Bedenken Sie, meine Herren, was auf dem Spiele steht! (Abgeordneter Prochazka: Hört!) Hört, Ihr Herren, nur. wenn Prochazka spricht! Das sind, meine Herren, goldene Wahrheiten! (Abgeordneter Prochazka : Sie haben gesagt: „Was auf dem Spiele steht!" Heraus damit!) Sie kennen ja offenbar die ganze Frage nicht! Herr v. Uriel hat nur eine Aufgabe, die Purifizierung des militärärztlichen Offizierskorps von den jüdischen Aerzten, unbekümmert darum, daß die Folgen dieses Systems schädliche find; ein Aerztemangel bedeutet: dem Militär, der Armee und namentlich der Mannschaft die ärztliche Hilfe, den ärztlichen Schutz gar nicht oder nicht rechtzeitig und jedenfalls nicht ganz bieten zu können. In den Garisonsspitälern allein werden doch alljährlich fast 90.000 Mann behandelt! Und wir haben doch einen Armeestand von 290.000 Mann! Von 1901 bis 1906 ist kein Jude aktiver Militärarzt geworden! Und als der Herr Reichskriegsminister in den Delegationen über das System des Herrn v. Uriel interpelliert worden ist, gab er eine ganz merkwürdige Erklärung und Antwort. Er sagte, die Bevölkerung in Oesterreich sei, was die Judenschaft betrifft, bloß zu 4°7 Perzent Juden. (Abgeordneter Prochazka: Leider!) Nun, verehrter Herr, vergeffen Sie mit Ihrem „Leider" — ich höre das ja ganz gut — wohl eines nicht, daß ja eigentlich die Juden von den Christen nicht weit entfernt find. (Rufe: Oho!) Unserer Religion nach gehören wir sehr enge zusammen (Rufe: Ach, gehn's!). ja sehr enge! Leugnen können Sie es, aber wahr ist es doch! Ich bitte, wir wollen über dieses Kapitel bei einer anderen Gelegenheit sprechen. (Abgeordneter Prochazka: Was haben die alten Juden geschwindelt! Abraham und Esau haben schon geschwindelt und denken Sie an andere Geschichten!) Pfui, Sie schmähen damit nur Ihre eigene Konfession. (Rufe: Das ist keine konfessionelle, sondern eine nationale Frage! — Abgeordneter Dr. Mahler: So viel ich weiß, hat der katholische Ritus die Bibel ebenso rezipiert wie wir!) Man muß, meine Herren, vor einigen Wochen nur den Bericht über einen Bortrag gelesen haben, den der bekannte zaubergewaltige Herr Ernst Vergani aus der Landstraße gehalten hat. Er hat Felonie geübt — alles Ehrwürdige geschmäht! Er hat in diesem Vortrage d'ie Patriarchen Zuhälter, Zuträger und Gauner und deren Frauen Dirnen genannt. Meine Herren! Ich bitte, diese Erscheinungen in der Bibel find Ihnen ebenso heilig wie uns. Sie allein müssen empfinden, wie schmählich dieses Beginnen des Herrn Vergani ist — es schädigt Sie mehr als uns —, da wir ja ohnehin stets in niedriger Weise beschimpft werden. Machen Sie das mit Ihrem Herrn Vergani aus. (Zwischenrufe.) Das ist Tatsache, das können Sie nicht leugnen. (Rufe: Das gehört doch nicht zum Rekrutenkontingent!) Auf die Zwischenrufe des Herrn Prochazka muß man antworten. Meine Herren! Von Seite der Heeresverwaltung wurde ausdrücklich anerkannt und zugegeben, daß derzeit ein Abgang von 220 Militärärzten vorhanden ist; bei dem Sollbestande von 1236 Militärärzten ist gegenwärtig ein Abgang von nicht weniger als 220 Aerzten, es besteht sonach das militärärztliche Offizierskorps lediglich aus 1016 Aerzten! Ich bitte zu bedenken, was das heißt in einer Zeit, wo das ärztliche Material so notwendig ist und welche Gefahren durch das Fehlen von Aerzten heraufbeschworen werden können. Der Herr Abgeordnete Schuhmeier — ich weiß, der bedeutet für Sie das rote Tuch, wenn man diesen Namen nennt — hat gestern in wirklich ausgezeichneter Rede die Gefahren des Aerztemangels geschildert. Nun, meine Herren, Sie haben darauf nur Spott und Hohn gehabt. Sie haben auch seine Ausführungen mit allen möglichen Zwischenrufen begleitet. Ich sage aber Folgendes: Wenn ein Teil der Ausführungen des Herrn Abgeordneten Schuhmeier — und vielfache Ausführungen dieses Abgeordneten, die er gestern vorgebracht hat, waren tatsächlich begründet — berechtigt war, so ist dieser Teil seiner Rede höchst beachtenswert gewesen. Die Behauptung des Herrn Reichskriegsministers, daß in der Armee 18 Perzent jüdische Aerzte find, ist unrichtig, die Zahl beträgt bloß etwa 8 Perzent. Auch bei der Beteilung mit ärztlichen, richtiger mit medizinischen Stipendien werden die jüdischen Bewerber zurückgesetzt; denn von 428 Stipendien ist nur ein einziger jüdischer Stipendist! Meine Herren! Die Forderungen des militärärztlichen Offizierskorps find aber auch derartige, daß die Heeresverwaltung dringend zu mahnen wäre, solchen einmal gerecht zu werden. Diese Forderungen allgemeiner Natur beziehen sich zunächst darauf, daß die Militärärzte im Range den Offizieren des Armecstandes gleichgestellt werden. Der Herr Kriegsminister hat auf eine diesbezügliche Interpellation in den Delegationen erklärt, es gehe nicht an, die Militärärzte den Offizieren des Soldatenstandes gleichzustellen, weil dies erstens den Bestimmungen der Genfer Konvention widersprechen würde und weil überdies in keinem Staate Europas die Gleichstellung der Militärärzte mit den Offizieren des Heeres erfolgt sei. Diese Behauptung des Herrn Kriegsministers muß geradezu frappieren; denn sie ist entschieden unrichtig. Sowohl in England, wie zum Teil in Deutschland, Italien und Norwegen ist bereits die Gleichstellung der Militärärzte mit den Offizieren des Soldatenstandes ausgesprochen. Was aber die Genfer Konvention betrifft, so ist es unfaßlich, wie diese mit der Frage der Gleichstellung der Offiziere mit den Militärärzten in Zusammenhang gebracht werden kann. Auch andere Maßnahmen, die Herr v. Uriel im militärärztlichen Korps ergriffen hat, find nicht im Jntereffe dieses Standes gelegen, so zum Beispiel die im. vorigen Jahre durchgeführte sogenannte Reform der stabsärztlichen Prüfung. Man

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