Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 25 (1908)
- Issue
- 16 (17.8.1908)
- Date
- 1908-08-17
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Ar- 16 Dr. Llocb's Mocdenscbrm. Veite 287 hängt er an unseren Rockschößen, und wenn er auch aus unserer Mitte schied, wir werden von der Welt für ihn verantwortlich gemacht. Seitz nennt ihn den „Hausjuden" der Antisemitenpartei. Er wird ohne Zweifel belohnt werden, das Ordinariat machen, allein die Kosten wird das Judentum tragen! gfcfee des Abgeordneten Dr Straucher in der Sitzung des Abgeordnetenhauses vom 7. April 1908. Nach einer eingehenden Begründung der Notwendigkeit einer Reform der Militär-Strafprozeßordnung zeichnet der Redner die Willkür der Ehrengerichte, sowie die barbarischen Strafmethoden, die beim Heere noch in Uebung find und fährt dann fort: „Ueber die Folterung eines Soldaten, dessen Hauptverbrechen darin bestand, daß er zufälligerweise Jude war, veröffentlicht die Wiener „Arbeiter-Zeitung" unter dem 1. August 1907 Details, die jedem fühlenden Menschen das Herz im Leibe erzittern machen. Der Vorfall ereignete sich beim 10. Korpsartillerieregiment in Przemysl, welches bei Grodek manövrierte. Der Kanonier Samuel Henner der zweiten Batterie wurde vom Hauptmann Walluschek wegen eines geringfügigen Disziplinarvergehens zum Rapport befohlen, dort mit fünf Tagen strengen Arrest und Spangenschließen verurteilt, obwohl das Spangenschließen bereits abgeschafft ist. Was sagen dazu die Exzellenzen, die Herren Reichskriegs¬ und Landesverteidigungsminister, die feierlich die Abschaffung dieser barbarischen Strafe dem Parlamente verkündet haben? Aber was kümmert sich der Herr Hauptmann in einem entlegenen galizischen Städtchen, dazu noch während der Manöverzeit, um derartige Verbote! Diese Strafe schien dem dieser Batterie zugeteilten Leutnant Kafka zu geringfügig; deshalb zitierte er den Henner zu fich, beschimpfte ihn zunächst mit den Worten: „Elender Saujud!",.^..vermutlich, um sein Ehrgefühl zu heben — u. dgl. und befahl den Vormeistern Specht und Hübel, ihn zwei Stunden anzubinden, welche Strafe jetzt beim Militär ebenfalls streng verboten ist — so verkünden es wenigstens der Herr Reichskriegs- und der Herr Landesverteidigungsminister. Die Strafe wurde sofort im Beisein des Leutnants, der übrigens nach dem Reglement kein Disziplinarstraftecht hat und fich daher mit dieser Maßregel eines Mißbrauches der Dienstgewalt schuldig machte, vollzogen. Der Soldat wurde derart an einen Pfahl angebunden, daß er mit den Füßen den Boden gar nicht berühren konnte; in dieser Position verblieb er mit kleinen Unterbrechungen, die dazu dienten, den Hängenden bei seinen Ohnmachtsanfällen durch Begießen mit kaltem Wasser zum Bewußtsein zu bringen, zwei Stunden 2 b Minuten — der Herr Leutnant will ja auch seine „humane" Gesinnung zeigen —, bis den grausam gefolterten Kanonier ein Blutsturz aus den Händen der Peiniger befreite. Da nach Vollzug der Strafe die Ohnmachtsanfälle fich wiederholten und der Soldat über Hitze klagte, wurde er erst nach energischem Vorsprechen seiner Mutter beim Hauptmann Walluschek nächsten Tag zur ärztlichen Visite ins Truppenspital nach Grodek abgeschickt. Dort stellte der Regimentsarzt 39 Grad Hitze und einen außerordentlichen Schwächezustand fest. Er sendete den Kranken unverzüglich inS Garnisonsspital nach Przemysl ab. (Hört!) Nun, was sagen Sie, meine geehrten Herren — was Seine Exzellenz der Herr Landesverteidigungsminister? Ueber das weitere Schicksal habe ich nichts eruieren können. Ich habe diesen Fall deshalb so genau erzählt, damit auf Grund dieser Daten die Heeresverwaltung in der Lage sein soll, fich kompetenten Orts zu erkundigen, beziehungsweise Erhebungen zu pflegen und Gerechtigkeit walten zu lassen. Ich glaube, wenn die Armeeverwaltung so energisch sein kann in Ergreifung von Maßnahmen gegen die Bevölkerung, so sollte sie auch bei Ergreifung und Durchführung von Maßnahmen zum Zwecke der Uebung von wohltätigen Reformen ebenso energisch sein. Wenn es sich um das Wohl der Bevölkerung handelt, wenn es sich darum handelt, wie die Kinder deS Volkes beim Militär behandelt werden, so ist das weder eine nationale, noch eine parteipolitische oder gar konfeffionelle Frage. Es hat mich daher gestern in außerordentlichem Grade geschmerzt, als von einem christlichsozialen Redner gesagt wurde, die Herren Sozialdemokraten interpellieren nur, wenn es fich um die Marterung oder Mißhandlung eines jüdischen Soldaten handelt. Das ist nun natürlich völlig unrichtig. Aber, haben etwa Sie, meine Herren, von jener Seite jemals, wenn es fich um die Mißhandlung oder um die Quälereien eines jüdischen Soldaten handelte, interpelliert? Ich glaube, daß die Christen- und Menschenliebe, überhaupt die Humanität, dort keinen Halt machen darf, wo es fich um die Uebung wahrhafter Menschenliebe, wahrhafter Charitas, um die Beseitigung von Menschenquälereien und Menschenpeinigungen handelt. Das ist unser jüdischer Standpunkt! Deshalb müffen wir allen Herren Dank sagen, die in solchen Fällen das Wort führen, obgleich es fich um einen jüdischen Soldaten handelt. (Zustimmung.) Ich will, nachdem Zweifel rege geworden find, einen Vorfall der jüngsten Zeit anführen, und zwar ereignete er sich in meiner Heimatstadt, in meinem Wahlbezirk Czernowitz. Ich bemerke nochmals, es handelt fich nicht um einen jüdischen Soldaten — das ist uns auch gleichgültig, die Konfession ist da von keiner Bedeutung —, es handelt fich um einen Menschen, um einen Soldaten, um einen Staatsbürger, der seine militärische Pflicht, seine Blutpflicht erfüllt, der dem Staate zu unserer gesamten Sicherheit dient. Der Vorfall trug fich folgendermaßen zu (lieft): „Die erste Eskadron des erwähnten Husarenregiments steht unter dem Kommando des Rittmeisters Barda v. Jmrö, eines Urmagyaren tschechischer Abkunft. In seiner Eskadron haben fich bereits drei Soldatenselbstmorde ereignet, in dem Orte, wo er früher stationiert war, sollen in der ihm zugeteilten Eskadron gleichfalls zwei Selbstmorde vorgekommen sein. Der letzte Selbstmord ist der des Husarenkorporals Gottfried Dalmann, über den uns nachstehendes bekannt wird" — dieser Fall ist im Czernowitzer sozialdemokratischen Blatte „Volkspreffe" abgedruckt —: „Dalmann wurde im Jahre 1900 affentiert und dem Ulanenregiment Nr. 8 zugewiesen, im November 1906 wurde er auf Wunsch seines Vaters nach Czernowitz zum Husarenregiment Nr. 10, 1. Eskadron, transferiert und später der Verwaltungskanzlei als Schreiber zugewiesen. Gleich nach seinem Eintritt in die Eskadron empfing ihn Rittmeister Barda mit der Ansprache: „Sie wollen fich durch das Dienen eine Existenz für die Zukunft gründen (dies war auch Dalmanns und seines Vaters Absicht), bei mir wollen Sie fich eine Existenz gründen?! Ich werde Ihnen schon eine Existenz gründen!" Er gab auch den Auftrag, Dalmann strenge herzunehmen. Die Unteroffiziere aber behandelten ihn wegen seiner Intelligenz anständig und sprachen fich stets lobend über ihn aus. Nach sechswöchentlichem Waffendienst kam Dalmann in die Verwaltungskanzlei, wo er die Gunst sämtlicher Vorgesetzten gewann. Erst als der jetzige Chef der Berwaltungskanzlei (deffen Namen uns leider unbekannt blieb), diese übernahm, brachen schwere Zeiten für Dalmann an, er klagte zu Hause oft über die schroffe Behandlung, daß er angeschrieen werde, daß man ihn zum Staubabwischen verwende, obwohl hiezu der Ordonnanzsoldat bestimmt sei. Dieser neue Chef beantragte Dalmanns Ablösung in die Eskadron, die auch in den ersten Tagen des Jahres 1908 erfolgte; so kam er wieder in die Gewalt des wackeren Barda. Gleich nach dem Dienstantritt klagte er seinem Vater: „Vater, ich kann eine solche Behandlung nicht ertragen, ich bin dran nicht gewöhnt." Barda beschimpfte ihn auf gröbliche Weise, und eines Tages erklärte Dalmann ganz aufgeregt seinem Vater: „Der Rittmeister hat es auf meine Charge abgesehen, er hat dem Unteroffizier den Auftrag gegeben, strenge darauf zu sehen, daß ich bald Strafen erhalte und degradiert werde." Von diesem Tage an bemerkten Dalmanns Eltern, daß dieser