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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1908-04-10 · 15 (10.4.1908) · page 4

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
25 (1908)
Issue
15 (10.4.1908)
Date
1908-04-10
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Sette 272 L>r. Liocis s Mocvenscbrm. Nr. 15 dargetan, daß die Regierung Sr. Majestät des Sultans nicht gewillt ist, irgendwelche Verletzungen der Sicherheit der Juden zu dulden. Koustautinopel d. 4. April 1908. Die Uebergriffe des Kaimakam von Jaffa haben sehr schnell ihre Sühne gesunden. Die bereits gemeldete Absetzung des schuldigen Kaimakam bestätigt sich. Am Donnerstag erhielt der Chacham-Baschi vom Hofe Sr. Majestät des Sultans die offizielle Mitteilung von der Absetzung. Der Sultan entbietet gleichzeitig den Juden seinen Gruß und drückt ihnen seine Sympathie aus. Dieses gnädige Verhalten des Sultans beweist, daß die Juden der Türkei und in Palästina des absoluten Schutzes der türkischen Regierung sicher sein können und daß trotz der beklagenswerten Vorfälle in Jaffa kein Grund zu irgendwelcher Beunruhigung vorliegt. „Box, gib Dem Ehrenwort!" In Nr. 46 der „Oesterr. Wochenschrift" Jahrgang 1907 schrieben wir: „Herr Thomas Silinger, der Abgeordnete des 29. böhmischen Wahlbezirkes von Mahren, genießt den Ruf eines Mannes von konservativer Ueberzeugung und redlichem Charakter, der zwischen Mein und Dein, Recht und Unrecht gut zu unterscheiden weiß. Er sieht sich plötzlich in einer Situation, in der er sich unmöglich ganz behaglich fühlen kann. Ihm ist die fatale Aufgabe geworden, die berüchtiglc Wahl des Herrn Stanislaus Ritter v. Starzynski zum Abgeordneten des 30. Wahlbezirkes von Galizien mit der Weltordnung in ihrer galizischen Fasiung wieder in Einklang zu bringen. Trotz der zahllosen Verbrechen und Amtsmißbräuche, welche vorausgehen mußten, um diese Wahl zu ermöglichen, eine Formel für den Agnoszierungsantr g ausfindig zu machen." „Herr v. Starzynski ist Vizepräsident des österreichischen Abgeordnetenhauses, sein Mandat muß somit ohne Rücksicht auf Gesetz und Moral „bereinigt" werden. Das Wichtigste lst. daß der Referent nur den Antrag auf Agnoszierung stelle, wie er das zustande brächte, das ist seine Sache. Er ist niemandem verantwortlich als seinem eigenen Gewissen. Nimmt er einen solchen Antrag auf sein Gewissen, dann wird das Haus im Vertrauen -zum Referenten auf Grund des Referentenantrages endgiltig entscheiden. Ein komischer Engländer in irgend einer alten Komödie, der die ungebeuerlichsten und unglaublichsten Dinge zu erzählen liebte, hatte die Gewohnheit, wenn, was häufig vor kam, die Zuhörer un gläubig mit dem Kopf schüttelten, seinem Diener zuzurufen: „B o x, gib Dein Ehrenwort!" Die Aufgabe, die schamlosen Wahlverbrechen des Szwedzicki, Smolen und Genossen zu beschönigen, das Mandat des Herrn Starzynski zu „bereinigen", hat der Polenklub nicht einem seiner Leute, sondern einem böhmischen Abgeordneten. Herrn Thomas Silinger, übertragen. Es fragt sich nun, ob diesir Herr, der ja nicht in der moralischen und geistigen Atmosphäre dcr galizischen Bureaukratie auferzogen, das solcherart in ihn gesetzte Vertrauen zu rechtfertigen in der Lage ist? Für diese Mission bedarf es eines Mannes mit einem stahlharten Gewissen, das sich nicht regt noch rührt und die stärkste Belastung erträgt." In der Sitzung des Legitimationsausschusses vom 8. April machte Herr Abgeordneter Silinger die Mitteilung, daß er das Referat über die Wahl Starzynski's niederlege, „weil es ihm unmöglich sei, sich durch die koloffale Menge der Wahlakten durchzuarbeiten". Herr Malachowsky vom Polenklub beantragt, Herrn Dr. Nathan Löw enstein mit dem Referat zu betrauen, Herr Dr. D i a m a n d schlägt den Abgeordneten Dr. Tryl o w s k i vor. Da alle Christlich-Sozialen begeistert für den Juden Löwen st ein stimmten, wurde er mit 20 gegen 25 Stimmen gewählt. Der Herr Abgeordnete Dr. Nathan L ö w e n st e i n, der hekanntlich ein begüterter Herr ist, hat in der abgelaufenen Wintersaison in Lemberg ein großes Ballfest veranstaltet und zu demselben selbstverständlich alle Kollegen aus dem Polenklub eiugeladen. Alle, ohne Ausnahme, schickten eine Absage; dafür beehren fie ihn mit der Auszeichnung, als Referent für die Wahl des Vizepräsidenten Professor Dr. S t a r z y n s k i im österreichischen Abgeordnetenhause einzutreten. Herr Dr. Nathan Löwen st ein wird diese Auszeichnung zu würdigen wissen. »Box, gib Dein Ehrenwort!" Gegen die jüdischen Mittelschüler. Der Budgetausschuß hat am 8. d. M. die Verhandlung über das Kapitel „Mittelschulen" beendet und den Etat unverändert angenommen. Der Resolutionsantrag des Wiener christlichsozialen Abgeordneten Schmid, in welchem die Regierung aufgefordert wird, Erhebungen darüber zu pflegen, wie das Zahlenverhältnis der jüdischen zu den christlichen Mittelschülern einigermaßen in Einklang zu bringen sei mit den wirklichen Bevölkerungsziffern, und über den Erfolg dieser Erhebungen dem Hause Bericht zu erstatten, wurde mit 19 gegen 9 Stimmen zum Beschlüsse erhoben. Gegen den Antrag Schmid votierten die Sozialdemokraten, die Jungtschechen, der tschechische Agrarier Dr. Velich, der tschechischradikale Klofac und der Referent Doktor Glombinsky. Für den Antrag stimmten neben den Christlich-Sozialen die Mitglieder der deutschnationalen Vereinigung, die tschechischen Agrarier und die klerikalen Slovenen. Die Wiener antisemitische Presse mißt diesem Beschlüsse eine große Wichtigkeit bei. „Moritz Lazarus' Lebenserinnerungen." Zum fünften Todestage Moritz Lazarus' bringen „Westermanns Monatshefte" Nr. 619/1908 einen Artikel: „Moritz Lazarus' Lebenserinnerungen" vom Geheimen Rat Th. Vogel, einem der hervorragendsten Schulmänner Sachsens, der zwanzig Jahre Vortragender Rat im Kultusministerium war und durch seine philosophischen und theologischen Forschungen sich einen Namen erworben hat. Im Laufe dieser Tage findet die Gründung einer „Moritz Lazarus-Loge" in Göttingen statt. Dort, wo Herbart und L o tz e einst gewirkt haben, wird auch das Andenken des berühmten Philosophen und edlen Menschenfreundes Lazarus in Pietät und Anhänglichkeit gefeiert. Eine neue jüdische Kultus-Kunstausstellung. Die Gesellschaft zur Erforschung jüdischer Kunstdenkmäler zu Frankfurt a. M. veranstaltet im Kunstgewerbe-Museum zu Düsseldorf eine Ausstellung von jüdischen Bauten und Kultusgegenständen. Diese Ausstellung wird am 3. Mai eröffnet und bleibt bis zum 15. Juni offen. Die reichhaltigen Kollektionen der Gesellschaft befinden sich bekanntlich im Kunstgewerbe-Museum zu Düsseldorf unter der Aufsicht des rühmlichst bekannten Kunstkenners, des Herrn Direktors F r a u b e r g e r, der die Gesellschaft geschaffen hat und als Vorsitzender des Arbeitsausschusses fungiert. Die Ausstellung hat den genauen und bestimmten Charakter einer jüdischen Kultus-Kunstausstellung und dürfte in den weitesten Kreisen aller Wissensbegierigen lebhaftes Interesse wachrufen. Die Ausstellung wird in den großen hellen Räumen des Kunstgewerbe-Museums zu Düsseldorf einen würdigen Platz finden. Herr Direktor Frauberger, der viele Jahre emsigen Schaffens und liebevoller Hingebung der Schaffung dieser schönen Institution gewidmet hat, ist eben jetzt mit den Vorbereitungen für die Ausstellung beschäftigt. Juden und Arier.*) „Wenn die Inden jetzt anfangen zu empfinden wie die Arier", — — dieses Juwel eines Satzteiles habe ich mir erlaubt, mit Genehmigung der Redaktion, von der anspruchslosen Sprechsaal-Ecke der jüngsten Nummer dieses Blattes, wo es leicht übersehen ward, heraufzuholen und, wie es sich für Juwelen schickt, für alle Welt sichtbar, in die volle, helle Schaufensterbeleuchtung von großen, an der Spitze prangenden Drucktypen zu rücken. Es wäre doch schade gewesen! — *) Aus der Zeitschrift „Ethische Kultur", Nr. 5.

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