Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 25 (1908)
- Issue
- 15 (10.4.1908)
- Date
- 1908-04-10
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Nr- 15 sr. Jölocb's Mocdenscvrm. srtte 271 der Zeit wurden die Beziehungen noch kühler. In der Politik geht es halt immer so wie in der Liebe. Kein größerer 'Fehler für das Weib, als absolute Hingabe; je unterwürfiger sie ist, umso weniger reizt sie den Mann. Die Juden liebten bis zum Ekel. Reizten im Namen des Magyarentums die anderen Nationalitäten, halfen im Namen des Magyarentums antisemitischen Volksparteilern zum Wahlsieg. Aber was war die Belohnung? Bei allen Staatsanstellungen hatte der heimliche Antisemitismus die beschließende Stimme, aus allen Kirchen strömten den Antisemiten neue Anhänger zu, die Judenfrage tönte den Ministern immer lauter an die Ohren, und als der Freisinn eine Interpellation brauchte, hat sich dazu kein einziger Christ gefunden, ein Jude mußte sie stellen. Herr Brody war wieder einer von den fälschlich gescheit genannten Juden, die glauben, dem schleichenden Liberalismus die Sporen geben zu sollen, unter denen das Pferd zusammeubricht. Wozu den Christen einen Freisinn anfzwingen wollen, den sie nicht wollen und zu dessen Abwehr sie nach dem Antisemitismus greifen? Ueber das Beginnen dieser Apostel hat ein kluger jüdischer Politiker ein treffendes Wort geprägt: „Wozu wollen wir denn die Christen mit Gewalt glücklich machen? Wir Juden haben doch die katholische Welt schon einmal erlöst und dafür werden wir verfolgt bis auf den heutigen Tag!" Aber was nützt die tausendfache Erfahrung? Die jüdischen Vorkämpfer des Freisinns fühlen sich vorwitzig immer verpflichtet, in den Vordergrund zu treten, ohne zu bemerken, daß ihr bloßes Erscheinen genügt, daß die eigenen Regimenter desertieren. Denn man kann nun einmal die jüdische Vordringlichkeit nicht vertragen. Und man wird wütend, wenn sich Juden in Angelegenheiten der katholischen Kirche einmengen. Das kann nicht oft genug gesagt werden, denn die Juden sind albern genug, stammesgenössischen Politikern zuzujubeln, die das tun. Es ist höchst lächerlich, taktlos und aufreizend, wenn eine religiöse Minorität, die bei der kleinsten eigenen Ritualsache ängstlich Wache steht, die große kompakte Masse der Staatsbürger an ihrer empfindlichsten Stelle verletzt. In der Schächtfrage ist jüdischerseits eine Donau voll Tinte geflossen und ein Berg aus Büchern aufgebaut worden. Und dann gehen wir hin und wollen der Majorität der Bevölkerung in Glaubenssachen Vorschriften machen. Ernst Brody war nicht der einzige, der das gewagt hat. In Wien haben wir auch jüdische Politiker, welche die besten und zuverlässigsten Mitarbeiter Luegers sind, dem sie die Leute in Scharen zutreiben, indem sie über katholische Ehereform und dergleichen sprechen, dafür agitieren und interpellieren. Diese Leute sollten von den Christlich-Sozialen aus Dankbarkeit für den Reichstag kandidiert werden. Denn sie erivecken den meisten Haß gegen die Juden, halten die Katholiken in ständiger Erbitterung. Und um den Freisinn dieser angeblichen Politiker taumeln leider die Juden wie Schmetterlinge um ein Licht, das für sie ein Feuer ist und die blind gemachten Schwärmer verbrennt. Vom Zabrmarkt des Lebens. Folgen des Antisemitismus in der Armee. In der Sitzung des Abgeordnetenhauses vom 6. April bemerkte der sozialdemokratische Redner Schumeier: „Der Kriegsminister hat zugestanden, daß wir einen Abgang von 220 Militärärzten haben. Das bedeutet bei den kommenden Manövern und den erhöhten Anforderungen an die Soldaten Tod und Verderben für sie. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen bei den Sozialdemokraten.) Ich mache die Regierung schon jetzt dafür verantwortlich, wenn sich bei den Manövern infolgedeffen Unfälle ereignen sollten. Die Armeeverwaltung soll davor gewarnt sein und, ehe sie die genügende Zahl von Aerzten hat, wenigstens auf die Leistungsfähigkeit der Soldaten Rücksicht nehmen. Es ist eine Tatsache, daß bisher die jüdischen Aerzte vom Heere davongelaufen find. Den Sozialdemokraten komme es jedoch nicht darauf an, ob die Militärärzte Juden oder Christen seien, sondern sie erachten es für ihre Pflicht, anzustreben, daß in der Armee überhaupt genügend Aerzte zur Verfügung stellen. Der Abgeordnete Bielol-lawek würde, wenn ihm einmal als Soldat auf dem Marsche irgend etwas pasiieren würde, gewiß auch nicht die Geistesgegenwart haben, bevor er hinfällt, den Arzt zu fragen: Jud oder Christ? (Lebhafter Beifall und Heiterkeit bei den Sozialdemokraten.) Wie die Verhältnisse in Betreff der Militärärzte heute liegen, können und dürfen sie nicht länger andauern und die Sozialdemokraten verlangen Garantien dafür, daß die Mannschaft in Hinkunft im Falle der Erkrankung genügenden Schutz finde." Am 7. April sprach Abgeordneter Dr. Straucher — führte Beispiele von Soldatenmißhandlungen und Ausschreitungen von Unteroffizieren gegen Soldaten an und fügt hinzu: Innerhalb des Militarismus könne auch von einer Gleichberechtigung und Rechtsgleichheit der Angehörigen aller Konfessionen keine Rede sein. Als Beweis dafür diene die Tatsache, daß die jüdischen Soldaten nicht einen einzigen aktiven Militärseelsorger besitzen, wodurch die Kriegsverwaltung Demoralisation züchte und den Eindruck der Minderwertigkeit der jüdischen Konfeffion gegenüber den anderen Hervorrufe, wogegen Redner namens seiner Parteigenoffen mit allem Nachdrucke protestieren müsse. Als treue Staatsbürger haben die Juden auch das Recht, in diesem Staate so behandelt zu werden wie alle übrigen Staatsangehörigen. In Besprechung der Zustände im militärärztlichen Offizierkorps bemerkt Redner, daß seit der Amtswirksamkeit des Generaloberstabsarztes Dr. v. Uriel sich das militärärztliche Leben zu seinem Nachteile verändert hat. Es herrsche derzeit ein großer Aerztemangel, weil Generaloberstabsarzt v. Uriel bei der Anstellung von Aerzten eine konfeffionelle Scheidung vornehme. Die Maßnahmen des Generaloberstabsarztes Uriel seien nicht im Interesse des militärärztlichen Offizierskorps gelegen. Uriel sei schmiegsam nach oben und gefürchtet unsanft nach unten. Aus welchen Gründen werden trotz des Staatsgrundgesetzes über die Gleichberechtigung die Juden prinzipiell aus dem Auditoriat ausgeschloffen? Die Partei des Redners verlangt die Gleichberechtigung. In jedem Menschen müffe sich das Rechtsgefühl aufbäumen, wenn die Juden von allen Seiten nur Schimpf und Zurücksetzung erfahren. Dagegen müffe man protestieren und Redner erwarte, daß alle Parteien, deren Programm auf dem Prinzip des Rechtes bafiert ist, diesen Beschwerden und Wünschen werden gerecht werden. (Beifall.) Geschichte der Juden in Deutschösterreich. Bon der im Austrage der historischen Kommiffion der israelitischen Kultusgemeinde in Wien in Angriff genommenen Publikation „Quellen und Forschungen zur Geschichte der Juden in Deutschösterreich" ist der von Dr. Arthur Goldmann bearbeitete erste Band unter dem Titel „Das Judenbuch der Scheffstraße zu Wien" soeben erschienen. Auf den interessanten Inhalt dieser Veröffentlichung wollen wir bei Gelegenheit noch zurückkommen. Als zweiter Band der verdienstvollen Quellenpublikation ist die von Dr. Ignaz Schwarz bearbeitete Geschichte des Wiener Ghettos in der inneren Stadt (bis 1420) und in der Leopoldstadt (bis 1670) in Aussicht genommen und dürfte schon im Laufe des Sommers erfcheinen. Die von Dr. Schwarz zutage geförderten, bisher unbekannt gewesenen archivalischen Daten werden die Geschichte der Wiener Judenstadt und ihrer Bewohner, die bisher noch keinen gründlichen Bearbeiter gefunden hat, zu einem intereffanten Beitrag zur Wiener Lokalgeschichte gestalten. Zum Pogrom in Jaffa. Berlin. Der Uebergriff der Polizei in Jaffa hat rasch seine Sühne gefunden. Wie uns vom Bureau des Hilfsvereines der Deutschen Juden mitgeteilt wird, ist der Kamaikam in Jaffa seines Postens enthoben und nach Konstantinopel abberufen worden. Damit ist klargestellt, daß der Kamaikam der alleinige oder jedenfalls der Haupturheber des bedauerliche» Ueberfalles gewesen ist, und es ist weiter in ersieulicher Weise