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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1908-04-03 · 14 (3.4.1908) · page 17

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
25 (1908)
Issue
14 (3.4.1908)
Date
1908-04-03
Page
– (sequence 17)
Language
German
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Nr. 14 Dr. Llocb's Mocdenscdrm. Gelt« 26» Und nun kam die Vorstellung des ihm verlobten Mädchens. Sie war im Laufe der Jahre nicht schöner geworden, aber eine Schwermut, eine Resignation, die sich in ihren Zügen ausprägte, machte ihren Anblick interessant. Ohne Befangenheit, ohne erkünstelte Schüchternheit trat sie ihm entgegen, begrüßte ihn, wie man etwa einen von der Reise zurückgekommenen Bekannten bewillkommt. Als sie ihn ansäh, sein vornehmes, edles Wesen, seine schöne Mannesgestalt, errötete sie, es pochte ihr Herz und wehmutsvoll empfand sie die erwachende Liebe. Er aber war taktvoll genug, so viel es ihm möglich war, in seinen Worten und Ton Wärme zu legen, sie häufig ins Gespräch zu ziehen, wobei er mit Vergnügen ihren ausgebildeten Geist, verbunden mit wahrhafter Herzensgüte, wahrnahm. Derart vergingen die Wochen, bis endlich der Hochzeitstag herankam. Der liebe Herr Braun ließ sich dabei nicht spotten, die Festlichkeit aufs Splendideste zu veranstalten. Er scheute keine Kosten, er konnte es ja tun, wenn er berechnete, welche große Mitgift er einem anderen hätte geben müssen, und die Bewohner des Städtchens hatten lange Zeit zu erzählen, wie hoch es da herging und welcher Glanz bei dieser Vermählungsfeier entfaltet wurde. Der Festesjubel war verrauscht, das neuvermälte Paar bezog sein behagliches, komfortabel eingerichtetes Heim. Er begann seine ärztliche Praxis auszuüben und bald hatte er die meisten, besten und einflußreichsten Familien der Stadt als Klienten gewonnen. Sein umfassendes Wissen, gegründet auf den neuesten Systemen und Errungenschaften der modernen Heilkunde, verbunden mit seinem angenehmen Aeußern und gewinnenden Benehmen, eroberte ihm die Neigung aller. Auch im Innern des Hauses gestalteten sich die Verhältnisse nicht so widrig als er befürchtet hatte. Seine junge Gattin gewann ihm bald nicht nur Achtung, sondern eine Art stiller Zuneigung ab. Sie fiel ihm nicht lästig durch ungestümes Liebesbegehren, sie war beglückt, wenn er ihr freundlich zulächelte. Durch Sparsamkeit, Wirtschaftlichkeit und alle Sorgfalt für das leibliche Wohl wußte sie das häusliche Leben angenehm zu machen. Sie sah ihm seine Wünsche an den Augen an, noch bevor er sie aussprach. Ihre Bildung, ihre nicht unbedeutende musikalische Begabung vermochte ihn in den freien Stunden zu fesseln und zu erheitern, und als sie nach Verlauf eines Jahres einem Knaben das Leben gab, wurde seine Anhänglichkeit noch mehr befestigt. Die idyllische Ruhe ihres Lebens wurde jedoch nach einiger Zeit grausam gestört. In der Stadt war eine Typhusepidemie ausgebrochen und verbreitete sich mit reißender Schnelligkeit. Jetzt erst hatte er Gelegenheit, seine ärztliche Tätigkeit und seinen unermüdlichen Eifer bei Konsultationen und Hilfeleistungen an den Tag zu legen. Er gönnte sich keine Stunde des Tages und der Nacht Ruhe, und es gelang seiner zweckmäßigen Behandlung, der tückischen Krankheit manche Opfer zu entreißen. Aber in seiner aufopfernden Tätigkeit sich nicht schonend, ergriff die Ansteckung auch ihn und rasch lag er im hitzigen Fieber darnieder. Schreckensbleich, Todesangst in den Mienen, stqnd Karoline an dem Lager des so innig geliebten Mannes, Tag und Nacht immerfort bei ihm wachend, Nahrung nur so weit zu sich nehmend, daß ihre Kräfte nicht erlahmten, lauschte sie auf jeden Atemzug, pflegte ihn, mit minutiöser Pünktlichkeit die Anordnungen des behandelnden ärztlichen Kollegen befolgend Wenn in seinen Delirien ein lichter Moment kam. fand er sie unermüdet an seiner Seite. Viele Tage lang schwebte er zwischen Leben und Tod, bis endlich durch seine jugendlich kräftige Natur und durch die sorgfältige Pflege der Gattin die Krankheit besiegt wurde und nach einer heilsamen Krisis die Rekonvaleszenz eintrat. Doch jetzt erlahmte die treue Wärterin erst recht nicht, und noch sorgfältiger überwachte sie ihn bei seiner Wiedergenesung, ihm alle Mittel der Kräftigung bietend. In ihm aber war mit seiner körperlichen Gesundung auch eine seelische Wandlung vorgegangen. Die Schuppen fielen ihm von den Augen. Er sah, welche Perle er an seiner Frau gefunden habe, deren Wert er bisher nicht beachtet hatte. Er zog sie an sich, überhäufte sie mit Liebkosungen, nannte sie seinen Engel, seinen Schutzgeist. Mit seligem Entzücken sank sie an seine Brust. So wie ihr Vater, aber auf edlere Weise hatte sie sich diesen geliebten Mann erkauft. Er erkannte nun, daß jene Liebe, die im ersten Jugendrauscbe, bloß wegen körperlicher Reize entsteht, ebenso wie ein Rausch auch vergeht. Wenn durch die Macht der Gewohnheit die Schönheit gleichgültig geworden oder die Blüte abgestreift, der Nimbus der physischen Anmut durch die Anzahl der Jahre geschwunden, was bleibt übrig, wenn nicht Eigenschaften des Herzens und der Seele der Liebe eine dauernde Grundlage gegeben haben, und ewig wahr bleibt der Ausspruch in den Sprüchen Salomons: „Vergänglich ist die Schönheit, eitel die Anmut, Die Tugend des Weibes allein hat Bestand." Literatur. Die Juden Ln Oesterreich von Dr. Jakob Thon. Die vorliegende Arbeit bildet die vierte der monographischen Untersuchungen, welche das Bureau für Statistik der Juden, Berlin-Halensee, über einzelne Gebiete des sozialen Lebens der Juden veranstaltet und in zwanglosen Heften herausgibt. Diese Monographie über die Juden in Oesterreich, deren sämtliche Angaben auf amtliche Quellen zurückgehen, ist die erste zusammenhängende und allseitige Darstellung der Zustände der jüdischen Bevölkerung in Oesterreich. Die Arbeit erstreckt sich auf eine längere Reihe von Jahren (in manchen Punkten auf die ganze zweite und teilweise auch auf die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts) und entwirft so ein genaues Bild der Entwicklung der österreichischen Judenheit. Besonderes Gewicht wurde auf die Beleuchtung der Verhältnisie der Juden in Galizien gelegt. Aus dem Inhalte seien nur die interessanten Kapitel über Zahl, natürliche Bewegung, Schulbildung, Umgangssprache, Berufsverhältniffe, Kriminalität und Geisteskrankheiten erwähnt. Die Aufstellung der Grundtatsachen des sozialen Lebens der Juden in Oesterreich in ihrer historischen Entwicklung wird nicht nur zur. Erkenntnis des modernen Judentums wesentlich beitragen, sondern auch für sozialphilanthropische Bestrebungen eine erwünschte reale Grundlage schaffen. Krirfkasteu. W. in K- Der 11. April 1897 war der 9. Nissan 5657. T. Klasuo. Wir bitten, uns die Broschüre senden zu wollen. Dr. L. Langenbach, München. Wenn wir aus den einzelnen Provinzstädten die Liste der Täuflinge erhielten, würden wir auch diese unbedenklich publizieren. A. R. Interessieren dürfte es, dass der siamesische Post- und Telegraphenminister ein deutscher Jude namens Th. Collmann ist. So berichtet die „Bangkoker Deutsche Zeitung", Nr. 34 vom 4. Nov. 1907. S. M., Budapest. Die unabhängigen freisinnigen Blätter Ungarns machen seit einiger Zeit dem ungarischen Minister für Kultus und Unterricht Grafen Apponyi den Vorwurf, daß seit seinem Regierungsantritte kein Jude an einer staatlichen Anstalt ernannt wurde, wenn er seine Befähigung nicht durch den Taufschein legitimierte. Graf Apponyi widerlegte jüngst diese Beschuldigungen damit, indem er erklärte, er habe während seiner fast zweijährigen Ministerschaft bereits drei Juden zu Professoren ernannt, trotzdem sie Juden geblieben sind. Ein liberales Blatt wollte dieser Behauvtung des Zöglings der Kalksburger Jesuitenschule nicht recht Glauben schenken und fand nun heraus, daß Graf Apponyi sich einen frivolen Scherz erlaubte, der nicht genug gerügt werden kann. Apponyi hat nämlich tatsächlich drei jüdische Professoren ernannt, aber es waren dies ein Professor für die Landesrabbinerschule, einer für das jüdische Lehrerseminar und ein jüdischer Religionslehrer für Mittelschulen.

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