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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1908-04-03 · 14 (3.4.1908) · page 16

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
25 (1908)
Issue
14 (3.4.1908)
Date
1908-04-03
Page
– (sequence 16)
Language
German
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Seite 364 wr. Llocv s Wocbensbtm< Nr. 14 Ihr Vater Salomon Braun, ein geriebener Geschäftsmann, sah wohl, daß, wenn er seine nicht schöne Tochter verehelichen wollte, er tief in den Säckel wird greifen müssen, um, wie er sich ausdrückte, die Pofelware los zu werden. Da kam zur rechten Zeit Max Steinhart in die Heimat, da er das Studium wegen Mangel an Subsistenzmittel auszugeben gezwungen war. Und nun kam Herrn Braun der geniale Gedanke, daß, so gut wie er mit billigem Weizen durch rechtzeitigen Einkauf günstig spekulierte, er diese Methode auch bei der Spekulation auf einen billig zu stehenden Schwiegersohn anwenden könnte und sich ihn rechtzeitig zu sichern suche. Dazu kam die Aussicht auf einen Doktor, welcher in dieser Stadt einen anderen Klang hatte als der eines Branntweinbrenners oder eines Spezereiwarenhändlers, und vergnügt über diesen klugen Einfall, lachte er von ganzem Herzen. Er war kein Mann von langer Ueberlegung, und schien ihm ein Geschäft passend, sei es der Abschluß von 1000 Metzen Hafer oder die Akquirierung eines zukünftigen Eidams, so schritt er rasch zur Tat. Er knüpfte zu diesem Behufe mit dem alten Herrn Steinhart Unterhandlungen an und bald wurden sie handelseins. Max sollte von seinem Schwiegervater in spe während der ganzen Zeit der Studien eine Jahressubvention erhalten, von welcher er anständig leben konnte und nach deren Beendigung alle Kosten der Rigorosen und der Promotion gedeckt werden sollten. Dafür war er verpflichtet, nach Erlangung des Doktorgrades seine Tochter Karoliue zu heiraten. Herr Salomon Braun kalkulierte, daß die Summe all dieser Auslagen kaum den vierten Teil der Mitgift ausmacheu würde, die er einem anderen Bewerber hätte hinauszahlen müssen. Wohl hatte das so vorteilhafte Geschäft ein Risiko. Ein Vertragsbruch seitens des jungen Mannes war zwar bei dem ehrenhaften Charakter desselben nicht in Betracht zu ziehen, aber es war doch möglich, daß er sich verbummelt und die Studien statt 5 Jahre 8 oder 10 dauern oder daß er gar bei dem Examen gänzlich durchfiel, doch ohne Risiko gibt es ja selten Gewinn. War er doch auch bei Getreideeiukäufen nicht gesichert, daß das Korn in feuchten Magazinen faule oder daß der Preis statt zu steigen, sinken könne. Also frisch gewagt ist halb gewonnen.. Nun wurde der Plan dem jungen Manne und dem Mädchen mitgeteilt. Zu seiner Ehre sei es gesagt, daß er im Anfänge seine Zustimmung versagte. Er hatte vom Eingänge einer Ehe noch ideale Vorstellungen, vom Herzen, das sich zum Herzen findet, und nun sollte eine solche als Handelsgeschäft geschlossen werden, noch dazu, was es in seinen Augen erst recht schmählich machte, auf Raten, wie man Bilder oder Lose auf Teilzahlungen kauft. Aber seine greisen Eltern und alle Verwandten beschworen ihn, die Sicherung seiner Zukunft nicht durch sentimentale Gedanken aufs Spiel zu setzen. Diese Ueberreduugen, sowie sein heißer Wunsch, die Studien, an denen sein ganzes Herz hing, fortsetzen zu können, bewogen ihn, endlich seinen Widerstand aufzugeben. Auch das Mädchen, sensitiv und für weiche Gefühle empfänglich, wissend, daß der Vorgeschlagene nicht in Liebe zu ihr entbrannt sei, sondern als Spekulatiousobjekt ihres Vaters in die Verbindung mit ihr willige, gab auch mit schwerem Herzen dem Drängen ihres Vaters nach, im Stillen die Hoffnung hegend, daß sie mit der Zeit seine Liebe vielleicht wird erringen können. Nach dem Abschlüsse dieses Vertrages begab sich Max neuerdings nach der Residenz und von materiellen Sorgen befreit, ging er mit allem Feuereifer seinen Studien nach. Er mußte umso pflichtgetreuer allen Fleiß anwenden, als das Ziel des Doktorgrades nicht mehr ihm allein, sondern quasi einem angehörte, der dessen ungeduldig harrte. Durch die munifizente Unterstützung seines künftigen Schwiegervaters konnte er jetzt trotz fleißigen Studierens die Annehmlichkeiten der Großstadt genießen. Da erst öffneten sich ihm die Augen. Im Theater, Vergnügungsorten, auf Spaziergängen sah er viele schöne und reizende Mädchen. Mit Wonne betrachtete er sie, seine Jugend machte sich geltend und sein Herz wurde liebesbedürftig. Jetzt erst kam ihm zum Bewußtsein, welche Verpflichtungen er auf sich genommen, welche Fesseln ihm auferlegt wurden, als er sich gebunden, ein unschönes ungeliebtes Mädchen nach Erreichung seines Zieles zu heiraten. Doch es kam noch ärger. Er lernte in einer Familie, in welcher er durch Einführung eines Kollegen Zutritt erlangt hatte, ein bezaubernd schönes und geistreiches Mädchen kennen. Er fing Feuer und verliebte sich in sie mit aller Glut der Leidenschaft der ersten Jugend. Auch sie fand Gefallen an dem schwärmerischen jungen Studenten und das so häufig vorkommende Liebesverhältnis zwischen einem Backfisch und einem Jünger der Wissenschaft mit all den Liebesschwüren und Ueberspanntheiten wiederholte sich auch da. Heftig loderte bei ihm nun der Kampf zwischen Liebe und Pflicht. Bald siegte die erstere, bald die letztere. Monatelang währte bei ihm dieser Widerstreit der Gefühle. Schon war er nahe daran, daß das Herz den Sieg davon getragen hätte. Schon war er im Begriffe, seiner Verlobten zu schreiben und ihr die Bitie vorzutragen, sie möge ihrerseits die Verlobung lösen und das Odium des Bruches auf sich nehmen, da er ein anderes Mädchen liebe. Das Schändliche dieser Handlungsweise kam ihm in dem Ausbruche seiner Leidenschaft nicht zum Bewußtsein. Er vergaß ganz, daß das ein unverzeihlicher Rechtsbruch sei, vergaß die Pflichten der Dankbarkeit, daß er nur dieser Verpflichtung die Gründung seiner Existenz verdanke; daß er ein braves Mädchen aufs tiefste beleidigen und kränken würde. Da trat jedoch eine jähe Veränderung ein, die ihn zur Besinnung brachte. Das von ihm angebetete Mädchen, wegen welchem er im Begriffe war, so schmählich zu handeln, wurde als die Tochter sehr reicher Eltern ' von Bewerbern umschwärmt. Sie wählten einen jungen, wohlsituierten Mann für sie und sie schlug sich ihre Liebesschwüre und den armen Studenten aus dem Sinne, nahm den Antrag an und wurde verlobt. Auf M§x machte diese Treulosigkeit einen erschütternden Eindruck, zugleich aber erwachte sein Gewissen und das Pflichtgefühl trug jetzt über seine Herzensregungen den Sieg davon. Die Briefe an seine Verlobte, die bisher eisigkalt gewesen waren, fingen an, in etwas wärmerem Tone geschrieben zu werden, und sie, welche das schöne Bild ihres Verlobten im Herzen trug, atmete erleichtert auf. Das vierte Jahr des Studiums und auch das eine Jahr Spitalsdienst vergingen, er machte die Rigorosen und endlich war der Tag der Promotion da. Mit zitternden Händen nahm er das Diplom entgegen, die Frucht jahrelangen unentwegten Strebens und mühsamen Kampfes. Mit gemischten Gefühlen trat er die Heimreise au, einerseits mit dem stolzen Bewußtsein, als graduierter Doktor vor seinen Lanosleuten zu erscheinen, zugleich freudig die greisen Eltern über seine Erfolge beglückt zu sehm, anderseits verstimmt, angesichts der Zwangsheirat, die ihm bevorstand. Keine Feder vermag die beseligende Wonne der alten Leute zu schildern bei der Heimkunft des geliebten Sohnes. Alle Träume, die sie in den langen Jahren hatten, waren erfüllt, alle Kümmernisse, alle Entbehrungen vergessen. Da stand nun vor ihnen der stattliche Sohn zum Manne gereift als Doktor. In sprachlosem Entzücken starrten sie ihn an, sie trauten sich gar nicht ihn laut anzusprechen, als wäre es eine Entweihung seiner Würde. Umso lauter und geräuschvoller war der Jubel, mit welchem der zukünftige Schwiegervater ihn empfing. Dieser feine junge Mann mit den weltmännischen Manieren, dieser Medicinae-Doktor mit dem Diplome der Wiener Fakultät wird sein Schwiegersohn werden. Er musterte ihn, betrachtete ihn von oben bis unten. Dieser Mann ist sein Werk, seine Schöpfung. Ich glaube, wenn der Meterzentner Korn, wovon er einige Tausend am Lager hatte um 1 Gulden gestiegen wäre, er würde nicht halb so viel Freude gehabt haben.

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