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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1908-04-03 · 14 (3.4.1908) · page 15

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
25 (1908)
Issue
14 (3.4.1908)
Date
1908-04-03
Page
– (sequence 15)
Language
German
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Rr. 14 Dr. Llocd's Mlocvensedrin. Seite 263 Chef der Bankfirma Biedermann, ist. 59 Jahre alt, nach langwierigem Leiden gestorben. Der Mann war es wert, daß ihm einige Worte des Bedauerns und der Anerkennung ins Grab nachgerusen werden, denn schon zu einer Zeit, als es hier für Juden schwer zu leben und noch schwerer zu sterben war, trat Stransky als Anwalt seiner kranken Glaubensgenossen in die Arena, eroberte für fie im glaubensstarren Tirol Scholle um Scholle und stand Pathe bei allen Wohlfahrtseinrichtungen zugunsten jüdischer Kurgäste. Für die Gesunden der Tempel, für die Kranken das Asyl, für die Verstorbenen der Friedhof — drei große Gründungen mit seinem Mittun unter tätiger Mithilfe der Herren Doktoren Hausmann und Koref. Stransky stand aber auch bei der christlichen Bevölkerung in hohem Ansehen, so daß sein früher Heimgang allgemein schmerzlich empfunden und die klaffende Wunde lange offen bleiben wird. Man erwehrt sich nicht der Sorge, daß ein Mann, der gleich dem Verstorbenen unter schwierigen Verhältnissen, unter Mißgunst, Mißtrauen und Neid eine Gemeinde gründete, ihren Bestand sicherte und'die Intoleranz an die Kette legte, schwer zu ersetzen sein werde. Darum wird ihm manche Träne nachgeweint und manche dankbare Erinnerung wird ihn überdauern! Hoffen wir. daß die jüdische Kultusgemeinde in Meran nicht lange verwaist bleiben und sich ein Nachfolger für den Entschlafenen finden wird, der sein Erbe eifrig antritt und ihm nacheifert im Dienste der Humanität und Nächstenliebe. L. H. F. Ungarisch-Brod. In unserer gut renommierten Volksschule wird der hebräische Unterricht von bewährten Kräften geleitet und allwöchentlich durch ein Vorstandsmitglied inspiziert. Die Fortschritte der Schüler sind in der Tat auf jedem Gebiete reckt erfreulich. Angegliedert an die Volksschule besteht eine höhere Mädchenschule unter der bewährten Leitung des tüchtigen Schwesterpaares Karpelis. Um die Errichtung dieser Schule hat sich unser Vorstand ein wahres Verdienst erworben. Vergangenen Samstag hatte ich die Inspektion in dieser Abteilung unter Zuziehung des Herrn Rabbiners und in Anwesenheit des Ausschußmitgliedes Herrn Dr. Neufeld. Ich war über die Resultate außerordentlich erfreut. Die Exaktheit im Lesen der Psalmen im Urtext, die mit Verständnis vorgetragene Uebersetzung, das Lesen und Uebersetzen der Schemone esre mußte jeden erfreuen und jede Schülerin wußte den Verfasser der Gebete und die Ursache der Reihenfolge derselben anzugeben. Die Leistungen dieser Schule sind nn Ruhmeszeugnis für die bewährten Lehrkräfte. Jakob H. Gluck. Berlin. Aus dem Deutschen Bureau der Alliance Jsraelile Universelle erhalten wir folgende Mitteilung: Zu der von der Alliance Jsraelite Universelle eingeleiteten Hilfsaktion für die Abgebrannten in Hasköi, worüber bereits mehrfach berichtet wurde, hat das Frankfurter Hilfskomitee 2000 Mark und die Israelitische Allianz zu Wien 2000 Francs der Alliance Jsraelite Universelle zur Verfügung gestellt. Dem Hilfswerk der Alliance ist neuerdings auch die Anglo Jewish Association beigetreten. Kiel. In der letzten Sitzung unserer Gemeindevertretung wurde Herr Rabbiner Dr. Emil Cohn einstimmig zum Prediger gewählt. Wie wir hören, wird Herr Dr. Cohn dem Rufe nach Kiel bereits am 1. April Folge leisten. Feuilleton. Gm odioser Heiralooertrag. Sittenbild von Adolf Steinschneider. Mit schwerem Herzen, erfüllt von banger Sorge, entschloß sich Max Steinhart zur Reife nach der Residenz. Er war 18 Jahre alt,- armer Leute Kind und hatte nach fleißigen Studien und harten Entbehrungen das Gymnasium in der Provinzstadt absolviert und die günstig bestandene Maturitätsprüfung hinter sich. Jetzt sollte er die Universität beziehen, um sich dem ärztlichen Berufe zu widmen. Woher aber die Mittel nehmen, um in der Großstadt existieren zu können? Die Eltern konnten nur einen geringen Betrag beisteuern, mit welchem er zur Not in der allerersten Zeit sein Auskommen finden konnte. Doch Not kennt kein Gebot. Er nahm allen Mut zusammen und begab sich nach Wien. Nach der Jnskribierung war fein erstes Bestreben, sich bei zurückgebliebenen Gymnasialschülern Unterrichtsstunden zu verschaffen. Der Zufall war ihm günstig und durch Vermittlung eines wohlgesinnten Bekannten gelang es ihm, in zwei, drei Familien gegen mäßiges Honorar Lektionen zu erhalten. Mit dem Ertrage derselben konnte er wohl kein sybaritisches Leben führen, keine opulenten Mahlzeiten genießen, keine komfortable Wohnung beziehen, kein Theater oder sonstige Vergnügungen mitmachen, aber er war ja von Jugend auf an eine dürftige Lebensweise gewohnt, feinen Hauptzweck, das Studium, konnte er betreiben, dem er sich auch mit allem Fleiß und Eifer hingab. So ging das erste Jahr zu Ende. Mit dem zweiten Jahre aber begann ein unerwartetes Mißgeschick ihn zu treffen. Von den Ferien nach Wien zurückgekehrt, war inzwischen der Antisemitismus, der früher nur sporadisch auftrat, mächtig angewachsen und hatte sich unaufhaltsam verbreitet. Unglückfeligerweife waren die Familien, in denen er bisher unterrichtete, christliche und er war Jude. Das Losungswort „Kauft nicht bei Juden" wurde noch weit stärker angewendet durch den Ruf „Laßt Eure Kinder nicht von Juden unterrichten". So sehr auch die Eltern mit seinem gründlichen Unterrichte der Kinder zufrieden waren, so sehr auch die Schüler ihn mit seinem bescheidenen und gütigen Wesen liebgewonnen hatten, sie konnten der allgemeinen Strömung sich nicht entziehen, und mit bedauernden Worten kündigten sie ihm die weitere Dienstleistung auf. Da stand er nun wieder wie am Beginn, nur jetzt hoffnungslos, denn durch diese antisemitische Verbannungsmaßregel verloren auch viele andere jüdische Studenten in christlichen Häusern ihre Stellen und der Andrang zu jüdischen war ein großer und diese gesinnungslosen törichten Eltern in ihrem assimilatorischen Eifer zogen häufig christliche Instruktoren vor. Unser Max ging leer aus. Lange kämpfte er gegen das über ihn hereingebrochene Elend, darbte, lebte bei trockenem Brote. Als ihm auch dieses ausgiug und er dem Verhungern nahe war, mußte er mit Verzweiflung im Herzen das Studium aufgeben und die Heimreise antreten. Man kann leicht ermessen, mit welch schmerzlichen Gefühlen, mit welchem Jammer ihn die alten Eltern empfingen, die alle ihre Hoffnungen gescheitert sahen, und er mußte in seinem Wehe noch die Bedauernswerten trösten und beruhigen. Doch das Sprichwort und Trosteswort: „Wenn die Not am höchsten, fft die Hilfe am nächsten", bewährte sich auch bei ihnen. In derselben Stadt wohnte ein reicher Getreidehändler. der eine Tochter hatte. Das Mädchen im gleichen Alter wie Max war von Natur aus ein wenig stiefmütterlich behandelt. Wohl war sie von schlankem Wüchse, hatte seelenvolle, schwärmerische Augen, aber die Gesichtszüge waren unregelmäßig. Die Stumpfnase, die niedere Stirne, der blasse Teint machten keinen fesselnden Eindruck. Dafür ihres Mangels an Schönheit sich wohl bewußt, suchte sie ihn durch Geistesgaben zu ersetzen und durch fleißiges Studium, durch eifrige Lektüre der Klassiker, durch Kultivierung ihres Talentes für Musik sich auszubilden und galt für eines der gebildetsten Mädchen der Stadt. Aber alle diese Vorzüge des Geistes, selbst ihre edle Herzensgüte, die sie bei jedem Anlasse an den Tag legte, konnten in den Augen der jungen Männer den Mangel an Schönheit nicht ersetzen, und während den schönen Mädchen gehuldigt wurde, blieb sie unbeachtet, das wahre Aschenbrödel der Stadt.

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