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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1908-04-03 · 14 (3.4.1908) · page 10

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
25 (1908)
Issue
14 (3.4.1908)
Date
1908-04-03
Page
– (sequence 10)
Language
German
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SetK 388 Dr. Moev's MocdenscbrlN. Rr. 14 herziger Mensch! Freudig unterstützte er stets alle Humanitären Bestrebungen und Kultuszweche Lurch größere Gaben, für welche sich ihm stets Gelegenheit bot. Fast jedes Jahr ereignete es sich bei der Verleihung der Jübilämnsbrautstiftung, daß wir zwischen mehreren gleichwürdigen Paaren daS Los entscheiden lasten mußten. Da waren wir Zeugen davon, daß er die leider unberücksichtigt gebliebenen aus Eigenem mit namhaften Schenkungen bedachte. ' Ebenso kam es wiederholt vor, daß unser in Gott ruhender Obmann von armen, bedrückten Leuten, die eine Unterstützung von seiten einer Humanitären Korporation anstrebten, um seine Fürsprache ang^angen wurde, da habe ich selbst gesehen, wie er aus Eigenem größere Beträge gab, damit der Bittsteller, der wegen zu starker Belastung der betreffenden Stiftung hätte abgewiesen werden müssen, nicht leer nusginge. In unserem Vereine hat sich Salo Landau durch verschiedene freiwillige Spenden hervorgetan und sich em bleibendes Andenken gesichert. Seine Freigiebigkeit ging soweit, daß er unserem Vereine in letztwilliger Verfügung ein Legat ausgesetzt hat. (f§ ift uns allen bekannt, wie sehr der zu früh dahin Geschiedene sein ganzes Wirken in den Dienst unseres Vereines gestellt hat und selbst während seiner Krankheit sein reges Jntereffe für das Gedeihen unseres Vereines nicht nachließ. Dies alles vermögen wir ihm nur durch rühmende Worte und durch «in stets dankbares Gedenken zu vergelten, und indem wir dieses Bild, das die Vorstandsmitglieder auf eigene Kosten von Meisterhand Herstellen ließen, zur bleibenden Erinnerung für kommende Generationen iw Sitzungssaale unseres Bethauses anbringen, falle die Hüllet" Nachdem hie Hülle von dem Bilde gefallen war, rezitierte Oberkautor Schorr ein El mole rachmim, womit die würdige Feier ihrkn Abschluß fand. Eine Stunde später, um 4. Uhr, fand die Generalversammlung des genannten Vereines statt. Der Obmann-Stellvertreter Herr Max Rosenfeld eröffnete dieselbe, begrüßte die zahlreich erschienenen Mitglieder und den Delegierten der löblichen Kultusgemeinde Herrn k. k. Baurat Wilhelm Stiasny und besprach nach jeder Richtung das Wirken des Vereines im abgelaufenen Jahre, das ein Jahr vielfacher und gedeihlicher Arbeit war. Der Herr Baurat Stiasny, der auch Ehrenmitglied des Vereines ist, dankte überaus heimlichst für die Begrüßung, hob das Wirken des Vereines, dem er besonders zugetan ist, rühmend hervor und versicherte den Vorstand der Anerkennung und unwandelbare Sympathie des Kultusvorstaudes. Hierauf verlas Herr Schriftführer Ignatz Zolles den recht umfangreichen Rechenschaftsbericht, welcher von der Versammlung besonders beifällig zur Kenntnis genommen wurde. Die Rechnungsrevisoren erstatteten den Bericht über ihre vorgenommene Revision der Bücher und des Vereiusvermögens und beantragten den Dank und das Absolutorium der Versammlung, was einstimmig votiert wurde. Die Wahl wurde per Akklamation vorgenymmen und wurden die langjährigen Vorstandsmitglieder Herrn I. Brecher, IM. Klausner, Alexander Landau und Josef Silbermark wiedergewählt und Herr Hof- und Gerichtsadvokat Dr. Leo Landau neugewählt. Herr Dr. Leo Landau dankte für die ihm gewordene Ehrung und versichert, sein Können und Wissen in den Dienst des Vereines zu stellen. Herr S. Deiches dankt der Generalversammlung für die ihm im vergangenen Jahre verliehene Ehrenmitgliedschast und für das erhaltene Diplom und versichert gleichfalls, jederzeit für die Jntereffe« des Vereines einzustehen. Mittwoch den 18. d. M. fand die Koustttuieruug des Vorstandes statt, bei welcher einstimmig Herr Max R o s e n f e l d zum Obmann, Herr Ignatz Zolles zum Obmann-Stellvertreter, Herr Alexander Landau zum Schriftführer, Herr David K o l i e b zum Schriftführer- Stellvertreter und Herr Josef Silbermark zum Kassier gewählt wurden. Prag. (Vortrag Dr. Arnold Rosenbacher.) lieber Einladung des Zentralvereines zur Pflege jüdischer Angelegenheiten hielt der Präsident der Prager israelitischen Kultusgemeiude Herr Dr. Arnold Rosenbacher im Festsaale des Palais Colloredo-Mannsfeld am 28. v. M. einen Vortrag, der die „Entwicklung der Prager Judengemeinde während der Re'giern ugsH e i t Kaiser Franz I o s e pH I." zum Gegenstände hatte. Das bevorstehende 60jährige Regierungsjubiläum bot RÄner zunächst Gelegenheit, au der Hand der geschichtlichen Ereigniffe zu zeigen, wie die Recht- und Schutzlosigkeit der Juden, insbesondere im 18. und in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, — die auch das 48er Freiheitsjahr nicht zu bannen vermochte, — trotz der guten Absichten Kaiser Josefs, erst allmälig unter der Aegide unseres gegenwärtigen Monarchen, Dank dessen Gerechtigkeitssinne, einer wenigstens durch die Gesetze gewährleisteten staatsbürgerlichen Gleichberechtigung gewichen war. Zumal die schier unerträgliche Judensteuer, deren Aufhebung vornehmlich der zündenden Beredtsamkeit eines Mannheimer zu danken war, sowie die drückende Fessel des Ehekonsenses in ihren oft lächerlichen Konsequenzen werden ausführlich erörtert. Das für die vorgenannte Steuer bereits aufgebrachte Kontingent wird dann nach deren Aufhebung zwischen Prag und dem Lande aufgeteilt und zu Wohlfahrtsstiftungen verwendet, deren Verwaltung, soweit sie das dem Lande zugefallene Vermögen betrifft, in die Hand der neukreierten Landesjudenschaftsrepräsentanz gelegt wird. Im weiteren Verlaufe berührt Redner die Frage der politischen Stellungnahme der Juden und führt die Momente an, die hier der Gemeinderepräsentatzz nach dem Vorbilde eines Cremieux, Montefiore und Gabriel Rkeßer als leitende Gesichtspunkte vorschweben mußten, wenn, nach jüdischem Grundsätze, auch gegenteiligen Meinungen, sobald sie nur das Beste anstreben, die Achtung nicht versagt werden kann. — Die Schilderung des Jahres 1848/ die Anteilnahme der Prager Judenschaft mit ihrem wacker Wacht haltenden Korps — für das der Volkswitz den bezeichnenden Beinamen „Dalfonia" geprägt hatte — die Beratungen unter Vorsitz Moses Landaus und die ausschlaggebende Entscheidung Rappaports in der Frage der anzustrebenden Gleichberechtigung weiß der Vortragende in fesselnder, humoristischer Streiflichter nicht entbehrender Detailmalerei der Zuhörerschaft geistig näherzurücken. Sehr interessant und auf Grund eines reichen Quellenmaterials entrollt Redner sodann die wenig gekannte Geschichte des Anschlusses der Judengemeinde an die Prager Stadtgemeinde. Das Einkaufsgeld der ersteren, dessen Höhe die letztere durch allerhand Jnterpretationskunststücke ungebührlich hinaufzuschrauben suchte, wurde nach langem Prozessieren erst im Jahre 1860 im Vergleichswege mit 146.000 fl. festgesetzt. In eingehender Weise legt sodann der Vortragende den Entwicklungsgang und erfreulichen Aufschwung dar, den die Prager jüdische Gemeinde seit der Emanzipation genommen; aus kleinlichen Verhältnissen haben sich Vereins-und Stiftungswefen zu kaum geahnter Blüte emporgeschwungen; so ist es denn natürlich, daß auch das Erfordernis zur Deckung des Gemeindeaufwandes, zumal im Hinblicke auf die außerordentlichen Ausgaben der letzten Zeit für Synagogen- und Neubauzwecke, um mehr als das Fünffache gestiegen ist seit jener Zeit, da — für heutige Begriffe unfaßbar — die' Bezüge des Oberrabbiners, keines Geringeren als Rappaports, sich auf 1500 fl. Wiener Währung, das ist nach heutigem Gelde 1260 Kronen, beliefen. — Nach kurzer Begründung der sonach unvermeidlich gewordenen Umlagenerhöhung schließt der Vortrag mit dem Wunsch, daß die Fortschritte in der Gemeindeentwicklung auch in den nächsten sechzig Jahren hinter den bisherigen nicht Zurückbleiben mögen und daß ein großer Teil dieses Zeitraumes noch durch die Regierung Kaiser Franz Josephs, dem die Judenschaft unauslöschliche Dankbarkeit schuldet, beglückt werde. Letztere Worte wurden seitens der überaus zahlreichen Zuhörerschaft mit einer spontanen Huldigung für Se. Majestät ausgenommen und Dr. Rosenbacher, der ein überreiches Stoffgebiet mit bewundernswerter Materialbeherrschung und glänzender oratorischer Schlagfertigkeit erschöpfend behandelt hatte, mit stürmischem Beifall bedacht und von den anwesenden jüdischen Gemeindedignitären aufs Herzlichste beglückwünscht. Der Rabbinerverband in Böhmen hielt am 25. März d. I. in Prag seine ordentliche Generalversammlung ab. Die Sitzung wurde vom Präsidenten Herrn Profeffor Dr. Kurrein mit einer das 60jährige Regierungsjubiläum des Kaisers feiernden Ansprache eröffnet. Die patriottsche Rede, die von den Anwesenden stehend angehört würde, schloß mit einem begeisterten Hoch auf den edlen Monarchen.

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