Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 25 (1908)
- Issue
- 14 (3.4.1908)
- Date
- 1908-04-03
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3020846-3021764-3021779--17230-3042093- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Nr. 14 m. JSiocb ö Mocdenscvrm. Sette 259 Ueberdies wurde an die ullerhöchste Kabinetskanzlei ein Huldigungstelegramm abgeschickt und ferner beschlossen, zur Feier des Regierungsjubiläums Sr. Majestät mit der Abfassung einer „Geschichte der jüdischen Gemeinden in Böhmen während der letzten 60 Jahre" zu beginnen. Dem vom Präsidenten verlesenen Tätigkeitsbericht ist zu entnehmen, daß der Verband auch im letzten Bereinsjahre eine rege Tätigkeit entwickelt hat. Besonders erfolgreich war ein Rundschreiben des Verbandes an die Vorstände der böhmischen Kultusgemeinden, in welchem dargetan wurde, daß nur durch standesmäßiges Einkommen und definitive Anstellung die Stellung des Rabbiners jenes Ansehen und jenes Maß von Unabhängigkeit erlangen könne, welche unbedingt notwendig sind, damit der Rabbiner sein ganzes Können und seine ganze Kraft für das Wohl der Gemeinde und des Judentums einzusetzen vermöge, daß es daher im Interesse der Gemeinden selbst liege, den Wünschen des Rabbinerstandes durch Gewährung des Definitivums und einer besseren Besoldung entgegenzukommen. Es muß als erfreulich bezeichnet werden, daß dieses Rundschreiben in den meisten Gemeinden ernste Beachtung gefunden und für mehrere Gemeinden die Veranlassung war, ihren Rabbinern das Definitivüm zu geben. Mögen jene Gemeinden, die ihre Engherzigkeit dem Rabbiner gegenüber noch nicht überwunden haben, recht bald diesem löblichen Beispiele folgen! Erwähnenswert ist ferner, daß die Prüfungskommission des Verbandes, welche den Zweck hat, Rabbinen im Amte, die trotz ihrer Würdigkeit aus irgend einem Grunde die rabbinische Autorisation nicht besitzen, die Erlangung derselben durch Ablegung einer Prüfung zu ermöglichen, im letzten Vereinsjahre zum ersten Male Gelegenheit hatte, ihres Amtes zu walten. Der Kandidat hat sowohl die schriftliche, wie auch die mündliche Prüfung mit bestem Erfolge bestanden. Bon den Prüfungskommissären konnten nur zwei die mündliche Prüfung vornehmen, der dritte, der gelehrte und von allen Amtsbrüdern hochgeschätzte Rabbiner von Hermanmestetz, Dr. Kronberg, ist kurz vor dem für die Prüfung festgesetzten Termine gestorben. Der Verband war bei der Beerdigung durch Se. Ehrwürden Herrn Dr. E. Schwarz, Rabbiner in Prag, vertreten. In der Generalversammlung widmete der Präsident dem verstorbenen Kollegen einen ehrenden Nachruf. Bei der Neuwahl wurde der vorjährige Ausschuß wiedergewählt, und zwar die Herren: Professor Dr. Kurrein — Teplitz (Präsident), Professor Dr. Stern — Saaz (I. Vizepräsident), Professor Dr. Kisch — Prag (II. Vizepräsident), Dr. Thieberger — Budweis (Kassier), Dr. Krengel — Böhmisch-Leipa (Schriftführer), Dr. Schwarz — Prag und Professor Dr. Biach — Brüx. Der angekündigte Vortrag des Herrn Präsidenten über die Stellungnahme des Rabbiners und Religionslehrers zum Modernismus konnte nicht gehalten werden, da der Referent infolge eines während der Sitzung erhaltenen Telegrammes abreisen mußte. Er wird auf die Tagesordnung einer in nächster Zeit abzuhaltenden außerordentlichen Generalversammlung gesetzt werden. Lugos. Die patriotische Betätigung der ungarischen Juden, besonders der unter den slavischen Nationalitäten wohnenden, ist gar oft mit schweren materiellen Opfern und nicht selten mit Lebensgefahr verbunden. Die in Ungarn wohnenden nichtmagyarischen Nationalitäten hassen in dem Juden nicht so sehr den Juden als solchen, sondern den eifrigsten Vorkämpfer und Verfechter des einheitlichen ungarischen Staatsgedankens. Von diesem Hasse find auch die nationalistischen Sozialisten nicht befreit. Dies mußten die hiesigen Juden am 15. März, der als Gedenktag des ungarischen Freiheitskrieges als nationaler Festtag gilt, in recht empfindlicher Weise verspüren. Die hiesige Kultusgemeinde veranstaltete an diesem Tage eine solenne Märzfeier und ließ auch die Synagoge mit der ungarischen Trikolore beflaggen. Während des Festgottesdienstes bestürmte der rumänische Sozialist Anton Leßl mit einer Anzahl seiner Kumpanen die Synagoge, rissen die ungarischen Fahnen aus den Fenstern und zertraten sie im Straßenkot. Hiernach bombardierte die Bande die Synagoge mit Steinwürfen. Bis Polizei zur Stelle war, waren die Missetäter verschwunden. Die Untersuchung wurde eingeleiret. Raab. Hier sollte dieser Tage eine neue staatliche Bürgerschule eröffnet werden. In das Programm der Eröffnungsfeier hat der Direktor der neuen Schule auch die kirchliche Einweihung der Schule durch den Bischof Grafen Nikolaus Szechenyi ausgenommen und verfügt, daß behufs Zelebrierung der Messe im Turnsaale der Anstalt ein Altar aufgestellt werde. Die Vertreter der nichtkacholischen Konfessionen der Stadt haben nun in einer Konferenz den Beschluß gefaßt, in dieser Angelegenheit an den Minister für Kultus und Unterricht Grafen Apponnyi eine Protestkunogebung zu richten, in welcher es nach Feststellung der historischen und gesetzlichen Rechte der protestierenden Konfessionen unter anderem heißt: „Im Bewußtsein unserer Gleichheit erklären wir und stellen an Eure Exzellenz die höfliche Bitte, die geplante Eröffnungsfeier auf dringlichem Wege untersagen und verordnen zu wollen, daß der für gottesdienstliche Zwecke nach ausschließlich römischkatholischem Ritus im Turnsaale errichtete Altar, sowie das Kreuz von dort entfernt werden möge. Wir bitten ferner um Anordnung einer Untersuchung, wen die Schuld für diese Vorkehrung trifft, die geeignet erscheint, den in unserer Stadt auch ohnehin schon arg gestörten konfessionellen Frieden vollends zu untergraben und überdies auch gegen die Staatsgrundgesetze verstößt, damit für die Zukunft auch der Versuch einer solchen unsere Gesetze verletzenden Verfügung ausgeschloffen werde. Gezeichnet: Dr. Alexander Fischer, Kurator der Synode m. p.; Ludwig Palmai, evangelischer Pastor m. p.; Dr. Ludwig Szalacsy, Oberkurator der reformierten Synode m. p.; Sigmund Szabo, reformierter Seelsorger w. p.; Dr. Josef Perl, Präses der israelitischen Kultusgemeinde w. p.; Moritz Schwarz, Oberrabbiner w. p. Wie uns aus Budapest berichtet wird, hat Minister Apponyi vorläufig verfügt, daß die Eröffnungsfeier bis auf weiteres verschoben werde. Aus der territorialiftischen Bewegung. S t r y j. Am 22. v. M. veranstaltete der hiesige Verein „Jto" eine Feier zu Ehren Morris Rosenfelds. Trotz der heimlichen intensiven Agitation der Zionisten für den Boykott dieser Feier kam ein zahlreiches Publikum, der begeisternden, ins Herz greifenden Festrede des Herrn Dr. Viktor E. Pordes aus PrzemM zu lauschen. Formvollendet schilderte der Redner das Leben und die Entwicklung unseres großen Volksdichters und entwarf hiebei ein ergreifendes Bild des Milieus und der Leiden, aus denen Rosenfeld emporgewachsen. Nicht allein der Dichter, auch die ganze unübersehbare Armee des jüdischen Proletariates schien vor den Augen der Versammelten vorüberzuziehen mit allen Merkmalen ihrer Qualen und ihres großen Sehnens. Unwillkürlich drängte sich der Gedanke auf, daß aus diesem unsäglichen Jammer, aus dieser historisch - tragischen Gegenwart sich sicherlich eine historisch dramatische, eine große Zukunft entwickeln müsse. * * * Berlin. Der Hilfsverein der Deutschen Juden erhält von seinem Komitee in Konstantinopel die Nachricht, daß sich nunmehr ein großes allgemeines Komitee für das Hilfswerk zugunsten der Abgebrannten in Haßkeny gebildet hat. Folgende Persönlichkeiten, die zu den hervorragendsten Vertretern der Judenheit in Konstantinopel zählen, gehören dem Komitee an: Se. Eminenz Moise Halevy, Chacham-Baschi, Ehrenvorsitzender des Hilfsvereins der Deutschen Juden in Konstantinopel; Se. Exzellenz Behor, Effendi, msmbrs än eonssil d’ötat; Se. Exzellenz Jacque Bey de Leon, Präsident des Meglig umsemi und Kurator der Schulen des Hilfsvereins der Deutschen Juden in Konstantinopel; Se. Exzellenz Jsaac Pacha Molho, Divifionsgeneral; I. Fernandez, Präsident der Alliance JsraSlite Universelle; Se. Exzellenz Jacques Nahmias Bey äs 1» Banque