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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1908-04-03 · 14 (3.4.1908) · page 6

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
25 (1908)
Issue
14 (3.4.1908)
Date
1908-04-03
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Veite 254 m. Lwcb s MocdenscbrLtt. Rr. 14 hasteten hier jedoch niemand. Kurze Zeit darauf drang dann plötzlich der Gendarmerieoffizier Daud Effendi, gefolgt von Polizisten, Soldaten und bewaffneten Arabern durch eine Hintertür in das „Hotel Spektor" ein, schoffen auf die Anwesenden — der anführende Offizier tat fich dabei besonders hervor — und schlugen ohne Erbarmen auf fie ein. Dreizehn jüdische Arbeiter wurden verletzt, darunter zwei lebensgefährlich und liegen im jüdischen Hospital. Auch wurden Geld und Kleider geraubt. Die Unruhen haben fich vorläufig nicht wiederholt. Der rusfische Konsul beobachtet eine abwartende Haltung. Der Kaimakam selbst soll in der Nähe des Hotels gewesen sein und den Befehl zum Einbruch erteilt haben. Der Mutesariff (Generalgouverneur aus Jerusalem) der fich in den letzten Tagen in Ramleh aufhielt, war in Jaffa und empfing eine Deputation jüdischer Bürger. Er betonte, daß er den Juden sehr gewogen sei und alles daran setzen werde, daß die Untersuchung sofort eingeleitet und die Schuldigen der Strenge des Gesetzes anheimfallen sollen. Es kann kein Zweifel darüber bestehen, daß die vorgekommenen ungeheuerlichen Ausschreitungen, lediglich von dem Kaimakam ausgehen, denn vor der Zeit seines Wirkens bestanden bei der arabischen Bevölkerung niemals irgend welche bemerkenswerte Feindseligkeiten gegen die Juden. Selbst zur Zeit, als die jüdische Einwanderung überaus stark war, ist es niemals zu irgend einer gegnerischen Kundgebung unter den Arabern gekommen. Der Vorfall erregt unter den Juden des Landes umso größeres Auffehen und umso lebhaftere Entrüstung, als niemals hier oder überhaupt in der Türkei derartiges gegen Juden vorgekommen ist. Nachstehend bringen wir die offizielle Liste der bei diesen Ausschreitungen verletzten Juden, die im Hospital Schaare Zion untergebracht find: Beuziou Blufftein, 43 Jahre alt, drei Stockwunden an der Stirn, zwei im Geficht; Zanke Klind, 23 Jahre alt, zwei Wunden an Arm und Schulter; Hirsch Musfin, 23 Jahre alt, eine Schußwunde im Rücken, drei Kopfwunden; Abraham Komaroff, 24 Jahre alt, mehrere Verletzungen am linken Bein; Josef Dormann, 27 Jahre alt, mehrere Verletzungen an Arm und Bein, mehrere Wunden im Geficht; Benia Blak, 18 Jahre alt, drei schwere Säbelwunden am Kopf, eine Verletzung im Geficht; Ncchom Lewin, 19 Jahre alt, mehrere Verwundungen an Schulter und Arm; Jakob Zolkind, 23 Jahre alt, Wunden am Kopf und Schulter; Jakob Reskin, 32 Jahre alt, Säbelwunden am Kopf; Enoch Löb Herschkowitz, 30 Jahre alt, Sabelwunden am Kopf und Schulter; Chaim Burstein, 25 Jahre alt, schwere Schußverletzung im Rückgrat, Zustand lebensgefährlich; Joffel Sachriye, 30 Jahre alt, schwere Schußwunde am Arm, Blutvergiftung, Hieb über den Kopf, Zustand lebensgefährlich; Abraham L. Goldman, 35 Jahre alt, fünf Wunden am Kopf, zwei an der Stirn und eine im Rücken. Alle Verwundeten, mit Ausnahme des letztgenannten, der Amerikaner ist, stammen aus Rußland. Unsere letzten Nachrichten laffen dieses beklagenswerte Geschehnis als einen isolierten Fall eines in Palästina beispiellosen polizeilichen Krawalls erscheinen. Die Bevölkerung ließ sich durch die künstlich inszenierte lokale Hetze, die der Kaimakam auf eigene Faust betrieben hatte, nicht in den Zustand einer allgemeinen Auftegung versetzen. Man hat es hier mit der wilden Laune eines kleinstädtischen Satrapen zu tun, der in vollständiger Mißachtung der Gesetze und der Traditionen seiner Regierung den ftiedsamen Juden gegenüber einen durch nichts motivierten Ueberfall arrangiert hat. Es kann keinem Zweifel unterliegen, daß die türkische Regierung schleunigst durch die Bestrafung des Schuldigen und in erster Reihe durch die Absetzung des Kaimakams, Remedur schaffen wird. Zur Naturgeschichte -er Rasse«. Für „Wahrheit und Recht" in Frankfurt a. M. schreibt am 21. März: „Jüdische uud christliche Wohltätigkeit. Im Laufe dieser Woche hatte ich einmal Gelegenheit, den Unterschied zwischen jüdischer und christlicher Wohltätigkeit praktisch zu erproben. Ich ließ durch eine Vertrauensperson bei jüdischen und christlichen Freunden und Bekannten für eine kranke unglückliche christliche Witwe und ihre beiden ebenfalls kranken Kinder sammeln. Von 17 jüdischen Herren gab jeder ohne zu fragen, wer die Unglücklichen seien, als ganz selbstverständlich und ohne Zögern einen achtbaren Beitrag. Von 30 christlichen Herren machten 21 irgend eine faule Ausrede und von den neun verbleibenden spendeten ohne Frage in derselben Weise wie meine jüdischen Freunde nur zwei Beiträge, die sieben anderen wollten wissen, wer die unglückliche Frau sei. Die Gaben der jüdischen Leute verhielten fich im Verhältnis zu denen der christlichen wie 7: 2. Dieser kleine Vorfall beweist wieder einmal, daß es mit der christlichen Nächstenliebe und Wohltätigkeit nicht so sehr weit her ist. Es unterliegt kaum einem Zweifel mehr, daß, falls man „christliche" Nächstenliebe suchen dH, man in „jüdischen" Kreisen suchen muß." Das ist doch aber auch den Nichtjuden nichts Neues! Dr. Birnbaum beim Präsidenten der Vereinigten Staaten. Mittwoch den 11. März d. I. wurde Dr. Nathan Birnbaum, der sich in Begleitung des amerikanischen Parlamentsmitgliedes Richter Goldfogle befand, von Roosevelt, dem Präsidenten der Vereinigten Staaten, empfangen. Der Präsident ließ fich von Dr. Birnbaum über den Zweck seiner Reise genauer informieren und nahm die Gelegenheit wahr, seiner völligen Vorurteilslosigkeit gegenüber dem jüdischen Volke Ausdruck zu geben. Die Unterredung, die in deutscher Sprache geführt wurde, dauerte eine Viertelstunde. D. B. Tierkel. Eine jüdische Erbschaft. Der Petersburger Stadtverwaltung ist kürzlich das gesamte Vermögen eines der Polizei bis dahin völlig unbekannten Juden, der hier ohne Erben verstorben ist, zugefallen. Die unerwartete Erbschaft beträgt 200.000 Rubel. Die Warschauer jüdische Tageszeitung „Hajnt" stellt die nicht unberechtigte Frage, ob dieser unbekannte Jude, der so gegen seinen Willen zum Erblasser für die Stadt Petersburg geworden ist, wohl auch — das Wohnrecht für Petersburg hatte. Juden als Farmer. (Eine interessante Rede.) Vorige Woche wurde im Newyorker „American Museum of natural History" eine Ausstellung eröffnet, durch welche die Folgen der Newyorker Wohnungsmisere veranschaulicht werden soll. Am Eröffnungstage hielt unter anderem auch der Leiter der „Gesellschaft zur Förderung der Industrie und Landwirtschaft unter den Juden in Amerika", Herr Leonhard E. Robinson eine Rede über die Juden als Farmer. Herr Robinson wies darauf hin, daß die Juden durch ihre Bedrücker und Verfolger von der Landwirtschaft ferngehalten wurden. Die gegenwärtige Epoche in der jüdischen Geschichte nannte der Redner die Epoche der Kolonisationsversuche. Beweis dessen die verschiedenen jüdischen Gesellschaften wie „Alliance Jsraelite", „Jca", die zionistische Organisation und die „Jto", deren Hauptzweck die Kolonisation der Juden in den verschiedenen Ländern ist. Das ist ein Zeichen dafür, daß in den Juden das Verlangen erwacht ist, zurückzukehren zur Natur, welcher fie durch ihre Feinde entfremdet worden find. Was die Juden Amerikas betrifft, wies Mr. Robinson nach, daß schon im Jahre 1820 ein jüdischer Major Mordechai Emanuel, der lange Zeit Generalkonsul der Vereinigten Staaten in Tunis war, ein Stück Boden in Grand Island erwarb, um dort Juden zu kolonisieren. Dieses Unternehmen hatte jedoch keinen Erfolg. Es war damals noch nicht die geeignete Zeit, denn bis zum Jahre 1885 war die jüdische Einwanderung nach Amerika eine verhältnismäßig geringe, so daß für eine jüdische Musterkolonie, wie sie Noah

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